Inselhuepfen

Fast einen ganzen Monat haben wir nun auf Rodrigues verbracht und die Zeit ist wieder einmal viel zu schnell vergangen. Fuer unseren Geschmack dennoch viel zu frueh muessen wir uns von neuen Freunden und dieser wunderschoenen Insel verabschieden. Bis Suedafrika ist es jedoch noch ein langer Weg und hier im Indischen Ozean beginnt die Hurrikansaison schon zeitig im November.

Die letzten Tage haben wir noch einmal mit ein paar Wanderungen und einigen letzten Reparaturarbeiten verbracht. Die Hafenmauer und der Ankerplatz im Hafenbecken sind mitterweile voll geworden (13 Yachten aus 8 Laendern) und so ist es nun wirklich an der Zeit weiterzusegeln.

Also haben wir uns letzten Dienstag auf den Weg nach Mauritius gemacht. Fuer die ca. 350 Seemeilen haben wir vier Tage gebraucht, da wir wenig Wind hatten, aber dafuer war es aber auch herrlich gemuetlich. Kaum Welle, Wind mit max. 15 Knoten und Sonnenschein. Was will man mehr? Einklarieren muss man auf Mauritius in der Hauptstadt Port Louis. Eigentlich wollten wir dort sogar ein paar Tage in der Marina verbringen, aber als wir in den Hafen reinfahren, wollen wir sobald wie moeglich wieder weg. Laute Generatoren der Berufsschiffe, Grossstadtautoverkehr, tausende Menschen und nicht die angenehmsten Gerueche aus der anliegenden Molassefabrik und Fischfabrik. Also schnell Einklarieren, ein paar Burger und Pommes vom MacD geholt (zum ersten Mal seit fast zwei Jahren) und wieder raus aus dem Rummel. Wir sind dann am Nachmittag noch 15 Meilen nach Norden in die Grand Baie gesegelt und das ist uns wie Samstagsnachmittagssegeln auf der Kieler Foerde vorgekommen. Yachtregatta vom Yachtclub, Ausflugsboote, Berufsschifffahrt und wir mitten drin – mit 5 Knoten hart am Wind bei bestem Wind und Sonnenschein.

Die Einfahrt in die Bucht ist etwas seicht, angeblich min. 2,8 m, aber unser Tiefenmesser hat einfach bei mehreren Stellen nur noch Quatsch angezeigt. Ob wir da wohl schon Sand aufgewirbelt haben und ihn somit verwirrt hatten? Zum Glueck hatten uns Oren und Tanja von der SY Renata schon zuvor einige Wegpunkte geschickt und nun liegen wir in einem Feld von ca. 100 Booten auf einer Tiefe von ca. 6 m sicher vor Anker. Wir treffen auch gleich wieder ein paar bekannte Gesichter und freuen uns erstmal, wieder so richtig ausschlafen zu koennen.

In den naechsten Tagen werden wir uns Port Louis dann mit dem Bus geben, wir brauchen ein paar dringende Ersatzteile wie einen neuen Ganghebel, Simmerringe, Sprengring, das Objektiv der Kamera gehoert gereinigt, und und und….

Landschaftlich schaut Mauritius auch sehr interessant aus, wieder einmal eine richtige Vulkaninsel. Wir freuen uns schon drauf!

Arbeiten und Geniessen in Rodrigues

Ueber zwei Wochen sind wir nun schon hier. Nach wie vor gefaellt es uns ausgesprochen gut hier. Das Hafenpersonal ist wie immer eine Wucht und hilft mit Rat und Tat. Revanchieren koennen  wir uns kaum. Alle sind hier supergrosszuegig. Lediglich einige generelle Tips zur Installation einer Photovoltaikanlage koennen wir geben. Auch wenn das monatliche Einkommen der Leute nicht an mitteleuropaeisches Niveau heranreicht, am Hungertuch scheint hier niemand zu nagen. Die Lebensqualitaet scheint zu stimmen. Ladenschluss ist hier um 16.00 Uhr. Danach haben noch eine Handvoll Kneipen geoeffnet, das wars.

Vor einiger Zeit wurde auf der Insel ein generelles Plastiktuetenverbot eingefuehrt. Im Supermarkt gibt es keine mehr, nicht einmal mehr gegen “Aufpreis”. Jeder, der mit einer Plastiktragetasche angetroffen wird, muss 500 Rupien, umgerechnet 1,25 EUR Strafe zahlen. Verteilt ein Haendler eine Plastiktuete, so werden bis zu 25 Eur Strafe faellig. Entgegen den ewigen Bedenkentraegern klappt es hier aber ohne “Plastiksackerln” ganz wunderbar. Die Geschaefte gingen nicht pleite, die Umgewoehnungsphase beschraenkte sich selbst bei uns, die wir ja gerade erst aus dem Plastiktuetenparadies Indonesien kommen, auf wenige Tage. Wenn man erstmal am Markt seine rohen Haehnchenteile oder ein Dutzend Eier in einer null komma nix durchweichten Papiertuete nach Hause balanciert, der lernt ruckizucki dass er das naechste Mal eben Tupperschuesseln, Stofftaschen und Rucksack mit zum Shopping nimmt. Nach nur zwei Tagen hatten wir das dann “drauf”.

Der Unterschied zu Indonesien ist frappierend. War dort der Plastikmuell eigentlich allgegenwaertig, im Meer wie auch an Land, in den Staedten ebenso wie in der freien Natur, fehlt dieser hier eigentlich voellig. Ab und an liegt mal ein Stueck Tauwerk angespuelt am Strand, aber ansonsten ist hier alles schoen Picobello.  Fazit: Es geht locker ohne Plastiktuete. Selbst die Kauftueten in den deutschen Supermaerkten sind komplett unnoetig, im Gegenteil, sie verleiten eher eben keine eigenen Tueten mitzubringen – kostet ja nicht die Welt… Ohne eine entsprechende gesetzliche Regelung wird sich aber nix aendern.

Ansonsten waren wir bisher schon recht fleissig am Bootsbasteln. Unsere Schleifkontakte im Windgenerator waren ‘verbrannt’, so lieferte der Windgenerator bei einigen Windrichtungen keinen Strom mehr. Keine grosse Sache, kurz den Generatormast legen, aufschrauben, Kontakte putzen und wieder hoch mit dem Moeller – denkste. Nach Zerlegen des Generators und einer kurzen Schmirgel-/ Putzaktion waren die Kontakte dann zwar wieder blank, aber die Pulverbeschichtung des Gehaeuses blaetterte schon ganz gut ab, so bekam der Windy dann noch einen neuen Anstrich verpasst. Beim Zerlegen hatte der Skipper dann leider heldenhaft einen der Sprengringe im Hafen versenkt und Ersatz war leider nicht aufzutreiben, so wurde dann kurzerhand noch ein neuer Ring mittels Feile und Muskelschmalz angefertigt. Nach ungefaehr 5 Tagen Werkstattaufenthalt sitzt der Windy wieder auf seinem angestammten Mast und verrichtet klaglos seine Arbeit.

Weiters wurde die Propellerwellendichtung komplett erneuert. Seitdem wissen wir auch dass man die Dichtungspackung auch im Wasser liegend austauschen kann. Nach nur fuenf Litern Wasser war die neue Packung drin und die Chose wieder dicht. Zuletzt hatten wir um die zwei Liter Wasser pro Tag “gemacht”. Das eingedrungene Wasser wir bei uns zwar in einem Kanister aufgefangen, kommt also nicht mit dem Schiffsrumpf in Kontakt, aber nervig war das staendige Ausleeren des Kanisters schon. Jetzt ist da hoffentlich mal wieder fuer eine Weile Ruhe.

Unser Dinghi hat unten am Kiel ein Plastikrohr, welches schon seit einiger Zeit so langsam vom ewigen Korallensand durchgeschmirgelt war. Coolerweise fand sich nun endlich hier auf der Insel ein entsprechendes PE- Wasserleitungsrohr fuer kleines Geld, welches perfekt passte.  Und nicht zu vergessen die obligatorischen Rostausbesserungsarbeiten auf einem Stahlschiff. Wenn erstmal die Farbe aus den Tiefen der Backskisten herausgekramt sind, geht das mittlerweile auch ganz flott.

Ganz nach dem Motto Zuckerbrot und Peitsche gab es immer wieder eingeschobene Belohnungsausfluege ueber die Insel. Man sieht viel Landwirtschaft, steile Berghaenge und schroffe Schluchten. Man merkt auch dass man sich in hoeheren Breiten befindet. Die bisher ja allgegenwaertigen Kokospalmen werden in Strandnaehe nun von Pinienhainen abgeloest. Man fuehlt sich an Suedfrankreich erinnert.

Ein Besuch in der Schildkroetenaufzuchtstation Parc Francois Leguat http://www.tortoisescavereserve-rodrigues.com/en war ein tolles Erlebnis. Die putzigen, irgendwie uralt wirkenden Tiere waren sehr zutraulich und genossen es richtig am Hals gestreichelt zu werden. Bevor Rodrigues im 16. Jahrhundert von den Portugiesen entdeckt wurde bevoelkerten geschaetzte 200.000 Riesenschildkroeten die Insel. Die Seeleute rotteten die als Frischproviant sehr geschaetzten Tiere dann im Laufe der naechsten Jahrhunderte vollstaendig aus. Seit sieben Jahren versucht man nun in der Zuchtstation Riesenschildkroeten, die urspruenglich von Mauritius und den Seychellen stammen, grosszuziehen. Mit beachtlichem Erfolg. Der Bestand ist auf mittlerweile ueber 2000 Tiere angewachsen. Ausgewildert wird aktuell noch nicht, ultimativ ist aber genau das das Ziel des Parks.

Einmal in der Woche muessen uebrigens alle Boote den Hafen verlassen, um Platz fuer das Versorgungsschiff zu machen, das mit etwas mehr als 100 m Laenge fast die gesamte Hafenmauer zum Anlegen sowie das Hafenbecken zum Manoevrieren benoetigt. Also um 5.00 Uhr aufstehen und ein paar Kreise ausserhalb des Passes fahren, dann darf man wieder zurueck. Es wird uns also auf keinen Fall langweilig.  Im Moment gibt es wettermaessig noch einige Passatstoerungen mit schwachen Winden, die an eine Weiterfahrt noch nicht denken lassen. Nun ja, es gibt Schlimmeres als noch einige Tage hier in Rodrigues zu verbringen.

Und hier geht’s zu den ersten Bildern:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157647000363301/

 

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Rodrigues

Nachdem es der Wettergott auf den letzten Metern nicht sooo gut mit uns gemeint hatte und uns nochmals ordentlich durchschuettelte, schafften wir es dann aber doch ins Lee der Insel. Kurz vorm Pass der Griff zum Zuendschluessel um in den Hafen zu juckeln und – nix. Der Anlassermotor huestelte ein paar Mal geriatrisch und dann war er aus. Mist, da sind wir in der letzten Zeit wohl zu wenig motort. Warum auch bei DEM Segelwind. Gluecklicherweise koennen wir unsere Verbraucherbatterien zur Starterbatterie parallel schalten und mit vereinten Kraeften sprang der Motor dann an. Puha.

Schon aus der Ferne vermittelte Rodrigues einen sehr gruen/erfrischenden und freundlichen Eindruck. Ueber Funk wurden wir vom Hafenmeister Gilbert angewiesen fuer die Einklarierungsformalitaeten am Pier laengsseits zu gehen. Nachdem die Parade an Offiziellen durch unser Cockpit gegangen war, durften wir dann auch schlussendlich an Land. Der Hafenmeister bot uns gleich an dass wir, bis das Versorgungsschiff am naechsten Montag kommt, an der Hafenmole liegen bleiben duerfen. Ja super. Wie langen hatten wir das schon nicht mehr – einfach mal so an Land gehen, ohne Dinghi? Das letzte Mal war vor etwa einem Jahr in der Vuda Piont Marina in Fiji. Seitdem waren wir, abgesehen von kurzen Zwischenstopps, ausschliesslich vor Anker.

Die Leute hier sind alle ausgesprochen freundlich. Ueberall auf der Strasse wird man freundlich begruesst. Um die 40000 Menschen leben auf Rodrigues.

Gerade das Hafenpersonal ist Oberklasse. Ich fragte Gilbert, ob er einen Schweisser kennt der unsere, auf der Passage leider erneut gebrochene, Relingsstuetze richten kann und hast du’s nicht gesehen, am naechsten Tag versammelt sich das halbe Hafenpersonal um die Thor und Michael, der hiesige Schweisser, brutzelt unsere Relingsstuetze wieder dran. Geld will dafuer keiner. Dufte!!!!

Das Klima ist eine tolle Abwechslung – 25 Grad zur Mittagszeit. Nach den Temperaturen der letzten Jahre- fast kontinuierlich ueber 30 Grad eine Wohltat. Nachts braucht man eine Decke, und T- Shirt mit kurzer Hose fuehlt sich tagsueber endlich wieder einmal “richtig” an.

Im Supermarkt gibt es wieder einmal eine reichhaltige Auswahl zu mehr als cruiserfreundlichen Preisen.

Ihr seht schon, wir haben diese kleine Insel (18 x 8 km) gleich ins Herz geschlossen. Wir bleiben jedenfalls erst einmal hier und gucken uns das Eiland etwas genauer an.

Auf der Zielgeraden

Nachdem wir im letzten Blogartikel ja so ueber das schoene Segelwetter geschwaermt hatten, bekamen wir gleich zwei Tage spaeter wieder das Gegenteil bewiesen.

Wind von 30 Knoten und in Boen um die 40 Knoten. Uns blieb nur noch, ca. 1 qm Segel stehen zu lassen und vor dem Wind Richtung 280 Grad abzulaufen. Dazu ca. 4,5 m hohe Wellen. Zum Glueck dauerte der Spuk nur etwas mehr als einen Tag und seitdem koennen wir wieder Kurs Rodrigues ansteuern.

Im Moment haben wir noch 195 Seemeilen vor uns und wenn alles weiterhin so laeuft mit dem Wetter, werden wir wohl am Dienstag ankommen. Seit Tagen eigentlich wieder Sonnenschein und annehmbare Wellenhoehen, wir sind echt zufrieden…

Aktuelle Position:
S 19 03.8
E 066 47.4

Verschnaufpause

Der Indische Ozean ist doch nicht immer so wild, wie wir dachten. Seit gestern goennt er uns eine Pause. Der Wind hat nachgelassen und somit sind auch die Wellen gleich mal niedriger geworden, im Moment sind sie so max. 2 m hoch.

Die Sonne scheint, die Temperaturen liegen bei angenehmen 27 Grad tagsueber und in 9 Tagen haben wir nur ein anderes Boot gesehen. Die Schifffahrtslinie von Singapur nach Suedafrika werden wir erst in ein paar Tagen kreuzen.

Gestern haben wir Bergfest mit einem Glas Reiswein gefeiert. Die naechsten 1000 Seemeilen werden wir aber wohl nicht im gleichen Tempo schaffen. Fuer die naechsten Tage ist weiterhin etwas schwaecherer Wind vorhergesagt. Aber es ist so viel angenehmer zum Segeln und darum nehmen wir eine etwas laengere Ueberfahrt gerne in Kauf. Wir koennen uns wieder normal an Bord bewegen und das Unterwegssein macht auch wieder richtig Spass.

Wir haben es heute sogar geschafft, die Genua herunterzuholen und den Riss zu kleben. Interessanterweise ist eine Dreifachnaht im oberen Drittel des Segels komplett weggescheuert worden. Das heisst der Segelstoff selbst ist noch stabil, nur war kein Naehfaden mehr vorhanden. Wir haben jetzt also die 15 cm der aufgegangen Naht einfach mit Kontaktkleber wieder zusammengeklebt und werden das Ganze dann in Rodrigues mit der Naehmaschine nachnaehen. Beim aktuellen Wind haelt das Ganze jetzt schon seit ein paar Stunden- daumendruecken! Wenn der Wind wieder zunimmt und wir reffen muessen, werden wir einfach wieder auf die Sturmfock wechseln.

Es geht uns also sehr gut im Moment und wir geniessen die Fahrt. Noch 898 Seemeilen bis Rodrigues, wo wir von der “Kind of Blue” gehoert haben, dass der Ankerplatz “nice and dry” ist, die Vorfreude auf die Maskarenen und das suedliche Afrika waechst schon langsam.

Aktuelle Position:
S 16 24.6 und E 078 44.8