La Reunion – magnifique!

Erst mal das Wesentliche. Unsere Rollreffanlage ist wieder voll funktionstüchtig. Das Drucklager war von mir falsch herum montiert worden und so quasi außer Funktion. Mit viel Fett und ohne Belastung ergab das einen seidenweichen Lauf, aber nach einigen Reffvorgaengen auf See rieb dann irgendwann Metall auf Metall und alles war eben super schwergängig. Nachdem das Lager nun wieder richtig herum eingebaut ist passt auch wieder alles (aufholzklopf…).

Wegen diverser negativer Berichte im Internet steckten wir unsere Erwartungen für Le Port – unser jetziger Hafen – nicht allzu hoch. Man bräuchte unbedingt ein eigenes Auto für den Aufenthalt, Einkaufsmoeglichkeiten im Ort wären eher mau und sowieso ist Le Port zum Grossteil ein Industriehafen. Letztendlich bewahrheitete sich keine der Vorhersagen. Gut, der Hafen ist nicht mitten im Stadtzentrum, aber schon nach 2 km Fussmarsch ist man drin, und hat einige Supermärkte, Bäckereien usw. zur Auswahl. Der Busbahnhof befindet sich ebenfalls in gut 2 km Entfernung mit Anbindung an den Rest der Insel. In den Hauptort nach St. Denis sind es so nur 30 Minuten, die Fahrpreise sehr moderat.

Wegen diverser Haiattacken in den letzten Jahren ist Schwimmen auf Reunion aktuell nicht empfehlenswert und auch oft nicht erlaubt. Sogar im Hafenbecken werden regelmäßig Bullen- und Tigerhaie gesehen. Wegen Planschereien im Wasser kommt man üblicherweise aber nicht nach Reunion. Man kommt hierher zum Wandern. Das Inselinnere ist nämlich spektakulär schön.

Die Vulkaninsel Reunion ist geologisch noch recht jung, deshalb fand bisher noch kaum Erosion statt. Mächtige, schroffe Kämme wechseln sich mit tiefen Schluchten ab. Der hoechste Berg der Insel, der Piton des Neiges ist 3070 Meter hoch. Im Inselinneren befinden sich drei riesige kreisrunde Täler, ehemalige Vulkankrater, welche nun beliebte Wanderziele sind. Die ersten Siedler dieser “Cirques” waren entlaufene Sklaven, die dort in den damals weitgehend unzugänglichen Bergkesseln Zuflucht gesucht haben. Die Nachkommen dieser Sklaven leben noch immer dort und bessern ihre Sozialhilfe, die vom franzoesischen Staat gezahlt wird, dadurch auf, dass sie den heutigen Rucksacktouristen Schlafgelegenheiten in ihren Wellblechhütten anbieten. Abenteuerurlaub mit Jugendherbergsatmosphäre.

Auch wir genossen die wirklich atemberaubenden Ausblicke und wanderten auf der Canalisation des Orangiers, ein spektakulärer Bergpfad mitten in einem Steilhang gelegen, in den Cirque de Mafate. Bis heute gibt es keine Autostrassen in diesem Talkessel. Alles wird zu Fuss oder per Hubschrauber erledigt. Die Bewohner scheinen aus Seglerperspektive super fit zu sein. Wenn man einem auf den Bergpfaden begegnet, so sind sie zumeist joggenderweise mit kleinem Rucksack unterwegs. Gebummelt ist hier keiner. Mit unseren Seglerbeinen konnten wir da nicht einmal ansatzweise mithalten. Trotzdem verbrachten wir drei anstrengende, aber auch wunderschoene Tage im “Mafate”.

Ein weiterer Ausflug ging in den Cirque de Cilaos. Dieser ist mit Autostrassen, welche aber oft recht abenteuerlich verlaufen, erschlossen. Zweimal geht es durch Tunnels, durch welche der Bus nur um Haaresbreite passt. Einmal fiel während der Tunneldurchfahrt ein Stück Decke auf die Fahrbahn – hat ganz schoen gerumst. Oben in Cilaos angekommen bietet sich ebenfalls ein wunderschoenes Panorama. Durch die bessere Verkehrsanbindung gibt es eine deutlich bessere Infrastruktur.  “Normale” Häuser, Lebensmittelläden, Restaurants, Sportgeschäfte… Man fühlt sich richtig an ein heimatliches Bergdorf erinnert. Uebernachtet haben wir entweder wild (Was in Reunion allerdings erlaubt ist solange es nicht ausdrücklich verboten ist!), oder auf günstigen Zeltplätzen. Für ca. 5-7 Euro pro Nacht bekommt man ein Wasserklosett und eine Dusche (!). Das ist doch mal ein echter Mehrwert. Auch der sparsamsten Seglerseele gehen da die Gegenargumente aus.

Von Cilaos aus bestiegen wir dann den Piton des Neiges. Nach ca. 1700 Hoehenmetern und ca. 6 Stunden waren wir dann am Gipfel. Flugs war das Zelt aufgebaut und nach einem kurzen Nickerchen genosssen wir den Sonnenuntergang auf 3070 Metern. Für Christine war es übrigens der erste Dreitausender – herzlichen Glückwunsch. Am nächsten Morgen wurde es noch im Dunkeln recht geschäftig vor dem Zelt. Etliche Wanderer hatten sich noch zu nachtschlafender Zeit von der letzten Hütte aus aufgemacht, um den Sonnenaufgang zu genießen. An die 50 Trekker fanden sich für das tolle Spektakel ein. Nachdem die Sonne dann etwas hoeher geklettert war, bauten wir schliesslich unser Zelt ab und machten uns auf die Socken. Für den Nachmittag war nämlich Regen angesagt. Pünktlich zur Mittagszeit waren wir dann wieder im Hauptort von Cilaos.

Wir liessen uns ein riesiges, überbackenes Baguette mit Lachs und Käse schmecken. Wir dachten darüber nach, wann wir zuletzt Lachs gegessen hatten (Neuseeland), dass bei den Franzosen sogar das Fast Food Klasse hat, und freuten uns wie Schnitzel dass wir insgesamt, also rauf und runter, nur eine halbe Stunde länger gebraucht hatten, als auf den Wegweisern stand (für Seglerbeine doch gar nicht sooo schäbig). Paradox, rundum zufriedene Segler so weit Weg vom Boot, am Berg – ;).

Parallel zu der ganzen Wanderei gab es natürlich noch eine Menge mehr zu sehen und zu tun. St. Denis wurde von uns erkundet, unser wöchentlicher Cruiser Grilltreff am Strand, welcher sich schon seit Cocos Keeling etabliert hat. Ein Seglerpärchen aus Reunion von der SY Teclena III, Benedicte und Soka, welche wir in Rodrigues kurz getroffen hatten, hat als Heimathafen Le Port und lud uns zu sich nach Hause zum Essen ein. No Brainer. Die Besatzungen von der SY Taurus und der SY Thor liessen sich das natürlich nicht zweimal sagen. In St. Benoit bei den beiden zu Hause angekommen gab es erstmal – typ. franzoesisch – einen ausgiebigen Aperitif mit Sekt und gefüllten chinesischen Teigtaschen. Danach ein Barbecue, das einem Argentinier zur Ehre gereicht hätte. Die beiden hatten sich ein Jahr Auszeit genommen und haben eine Runde im indischen Ozean gedreht. Reunion, Seychellen, Malediven, Thailand, Malaysia, Indonesien und Mauritius. Die beiden hatten ihren Weidereinstieg in die “normale” Gesellschaft ja erst hinter sich und so war es für uns natürlich sehr interessant, wie sie den Schritt hinter sich gebracht hatten, da er uns ja früher oder später auch bevor steht.

Alles in Allem hatten wir hier auf Reunion mit Aktivitäten vollgepackte zweieinhalb Wochen, die wie im Fluge vergingen. Die ersten tropischen Tiefs machen sich allerdings schon auf den Weg hierher, ein untrügliches Zeichen dass die Zyklonsaison eigentlich schon begonnen hat, und so machen wir uns dann Mal auf die Socken nach Südafrika.

Und hier gibt es noch ein paar mehr Fotos zu sehen:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157649020541130/

Bienvenue à La Réunion!

Nach 7 Wochen auf Mauritius und der Abfahrt der World ARC aus Reunion koennen wir uns nun auch endlich wieder auf den Weg machen und eine Insel weitersegeln. Es geht nach Reunion, 136 Seemeilen entfernt. Wir klarieren am Montag Abend aus und tuempeln erst einmal bei sehr wenig Wind die ersten 35 Seemeilen durch die Nacht.

Am naechsten Tag haben wir dann tollen Segelwind, aber die Rollreffanlage truebt unsere Freude etwas. Haben wir am Vortag und auch am zweiten Tag das Segel noch problemlos ausgerollt, eingerollt, wieder ausgerollt und ein paarmal eingerefft, bleibt am naechsten Tag beim Ausreffen die Rollreffanlage komplett stecken. Weder vor noch zurueck – wir sind ratlos. Mit viel Muskelkraft und der Hilfe einer langen Stange als Hebel rollen wir die Genua erstmal ganz aus. So koennen wir, wenn der Wind wieder staerker wird (so laut Grib-Files vorhergesagt) das Segel leicht bergen. Gesagt, getan. Nach einigen Stunden wird der Wind immer frischer und wir entscheiden uns genau im richtigen Moment die Genua zu bergen und mit der kleinen Stagreiter-Fock sowie dem Gross im 2. Reff weitersegeln. Kurz danach faengt es dann richtig zu blasen an, wieder einmal viel mehr als vorhergesagt. Mit dieser Besegelung aber kein Problem. Nur das Raetsel um die Rollreffanlage bereitet uns eine etwas schlaflose Nacht – und dazu eine 2 bis 3 m hohe Welle aus Sueden. Die meiste Zeit muessen wir mehr am Wind als Halbwind-Kurs segeln. Aber es ist ja zum Glueck nicht weit.

Mittwoch Vormittag kommen dann auch wir in Le Port in Reunion an. Orion, Fellow Traveller und Taurus, die alle erst am Dienstag in der Frueh losgefahren sind, warten schon auf uns und berichten ueber Rekordetmale. Naja. Das naechste Mal haben wir hoffentlich auch wieder eine bessere Ueberfahrt. Am spaeten Nachmittag kommt dann auch die Renata an und so ist unsere Runde wieder komplett.

Zu unserer grossen Ueberraschung treffen wir auch gleich am ersten Tag liebe Bekannte wieder, die wir das letzte Mal vor zwei Jahren in Tonga gesehen haben. Bruce und Jeanne von der Jabula. Die beiden kommen aus Canada/Suedafrika und die Wiedersehensfreude ist gross. Ganz spontan laden Sie uns gleich zu einer Inseltour am naechsten Tag ein – Abfahrt um 5 Uhr in der Frueh! Halbumnebelt zwecks Schlafmangel sagen wir natuerlich zu und das war auch genau die richtige Entscheidung.

Wir kurven mit einem typisch winzigen Mietauto ueber die Insel, die Ausblicke sind spektakulaer – man kann es kaum in Worte fassen. Nach etwa 2 Stunden Fahrt befinden wir uns dann am Ziel des heutigen Tages – dem Vulkan Piton de la Fournaise. Zwar reicht es an dem Tag zeitlich nicht, den Gipfel zu besteigen (unsere Gastgeber sind nicht so die Wanderer und haben einen etwas anderen Zeitplan), aber wir sind trotzdem nachhaltig beeindruckt. Wo man vorher noch neben dicht begruenten Bergen vorbeigefahren ist, trifft man ploetzlich auf eine voellig karge Lavalandschaft, die einen an die Mondoberflaeche denken laesst. Die Wolken befinden sich unter uns, wir wandern auf 2.350 m Seehoehe gemuetlich durch die Gegend und geniessen die kalte klare Luft und das beeindruckende Panorama. Wir werden uns in den naechsten Tagen auch ein Auto mieten und den Vulkankrater aus der Naehe besichtigen. Fuer den ersten Tag nach dieser Ueberfahrt freuen wir uns ueber ein paar Stunden leichten Herumwanderns.

Das Hauptaugenmerk des Tages lag aber dann auf einem ‘lecker Braai’! Typisch fuer die Suedafrikaner wird ueberall und jederzeit gegrillt (ein gutes Grillen heisst bei ihnen “lecker Braai”, der Begriff kommt aus dem Afrikaans) und so haben auch Bruce und Jeanne den Kofferraum voll mit einem Grillrost, kaltem Bier, Weisswein, Bratwuersten und Broetchen. Neben der Strasse findet man ab und zu Picknickplaetze mit Feuerstelle und so sitzen wir auf ca. 2000 m Seehoehe und geniessen einen sonnigen, aber schoen kuehlen, Nachmittag. Mit von der Partie sind auch drei Spanier, die ebenfalls um die Welt segeln und von Bruce und Jeanne zum Grillen eingeladen wurden.

Abends sind wir dann bei Doug von der SY Fellow Traveller noch zum Sundowner eingeladen und so sind die Unannehmlichkeiten der Ueberfahrt wieder sehr schnell vergessen. Heute werden wir uns mal um die Rollreffanlage kuemmern – hoffentlich ist es nur ein kleiner Schaden, den wir schnell reparieren koennen. Hier rufen naemlich die Berge und wir wollen so schnell wie moeglich wieder raus aus der Marina im Industriegelaende und die kalte Gebirgsluft schnuppern. Falls wir es nicht reparieren koennen, ist es bis Suedafrika auch kein allzu grosses Problem: wir haben zum Glueck noch eine Genua mit Stagreitern fuers zweite Vorstag und zwei Focks in unterschiedlichen Groessen fuer das Babystag. Das ist fuer die Fahrt nach Suedafrika vielleicht auch gar nicht die schlechteste Wahl.

Erste Eindruecke von Reunion:

Small Scale Charts

Here you can find small scale charts for download.

world.topo

The charts are made from either public domain data from naturalearthdata.com/ or from data from openstreetmap.org which is under the Open Database License. The maps can be used and copied freely according to this license. To my understanding, the copyright is held by Openstreetmap and contributors.

The charts are meant for cruisers who still like to have some form of paper chart around, mainly for trip planning purposes. The downloaded files are meant to be taken to the next copy shop and being printed out on A2 paper.

Although the charts should display all hazards to navigation in one form or the other (and please consider everything inside the 200m depth contour a hazard), currently the maps don’t show all obstacles.

Maps are never complete and the ones here are no exception. They are compiled by using crowd sourced data. The data gets better by the contribution of people like YOU. If you find errors, please tell me about it (e.g. in the comments below), so that the next version could be made better.

These maps are in no way useful for coastal navigation. Please always use other means to navigation (like official charts!) to ensure your intended route is clear of obstacles.

By the way, I’d like to introduce you to the OpenSeaMap Project (short: OSeaM). Its goal is to produce a libre and open source nautical chart of the world. Some of the data used in these small scale charts is derived from the OSeaM data. This data is provided by sailors like YOU.  If you have local knowledge, please consider improving the map yourself- it is not that hard to do. Also, if you have gps tracks with depth data, please upload them to depth.openseamap.org. In the long run everyone will benefit from OSeaM. Since we started our circumnavigation on SY THOR three years ago, we use the OSeaM Garmin charts with great success.

hawaii  Hawaii

 

 

 

frzpoly French Polynesia

 

 

 

panama  Central America

 

 

 

galapagos  Galapagos

 

 

 

carribean  Caribbean Sea

 

 

 

azores  Azores

 

 

 

centralatlantic  Central Atlantic Ocean

 

 

 

northatlantic  North Atlantic Ocean

 

 

 

southeastatlantic  South East Atlantic

 

 

 

indiannorth  Indian Ocean North

 

 

 

indianoceaneast  Indian Ocean East

 

 

 

indianoceanwest  Indian Ocean West

 

 

 

southchinasea  South China Sea

 

 

 

marshallislands  Marshall Islands

 

 

 

tasman  Tasman Sea

Happy Divali!

Zwei Drittel der Bevoelkerung in Mauritius sind indischer Abstammung und so wurde auch hier auf der Insel diese Woche das traditionelle Divali-Fest  (https://de.wikipedia.org/wiki/Diwali) gefeiert. Es handelt sich hierbei um das sogenannte Lichterfest, das mehrere Tage dauert und seinen Hoehepunkt am 3. Tag hat, an dem alle Haeuser mit bunten Lichterketten und kleinen Oellampen geschmueckt werden. Schon ein paar Tage vorher werden neue Kleider und neues Geschirr gekauft und die Haeuser auf Hochglanz gebracht. Man beschenkt Nachbarn, Familie und Freunde mit Divali-Sweets und auch wir neugierigen Touristen bekommen Unmengen dieser unglaublich suessen Koestlichkeiten in die Hand gedrueckt.

In Triolet, einer kleinen Stadt zwischen Port Louis und Grand Baie, ist die indische Bevoelkerung am dichtesten angesiedelt und so hatten wir uns zusammen mit Tanya und Oren von der SY Renata fuer diesen Tag ein Auto gemietet, da die Festlichkeiten erst Abends stattfinden sollten und so spaet keine Busse mehr unterwegs sind.

Natuerlich nutzten wir das Auto gleich den ganzen Tag und wanderten in der Frueh erstmal bei sengender Hitze auf den 720 m hohen Corps de Garde (“Wache”). Dort kontrollierte in frueheren Zeiten eine franzoesische Militaerstation die Banden an entkommenen Sklaven auf der Insel.

Danach haben wir uns am Nachmittag noch am Strand den Bauch mit indischen Suessigkeiten vollgeschlagen (ganz nach Divali-Tradition) und abends in Triolet die beleuchteten Haueser, Feuerwerke, indische Livemusik und noch mehr Suessigkeiten, die uns von wunderschoen gekleideten Frauen geschenkt wurden, genossen.

 

Und hier gibt es noch ein paar Fotos der letzten Woche aus Mauritius:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157648568364278/

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Loctite und die grossen Boote

So, wird wieder einmal Zeit fuer den woechentlichen Report. Nach ordentlichem Gewuerge haben wir den oberen Wirbel der Rollreffanlage demontiert bekommen. Christoph von der Taurus fixierte die 60 cm Wasserpumpenzange am Boden, ich stellte mich auf den Englaender. Endlich gab die Verschraubung nach. Tatsaechlich war das obere Lager durch Ueberlastung geschaedigt. Tiefe Dellen haben sich in die Laufflaechen eingegraben. Wir fanden ordentlichen Ersatz bei der Fa. Engitech. Diese  hatte unser Lager, ebenso wie viele andere Maschinenbauteile in Premiumqualitaet vorraetig, selbst SKF war vertreten, was mir als Unterfranke natuerlich sehr gefallen hat.

Die Suche nach Schraubensicherungslack zur Montage der Ganzen gestaltete sich dann allerdings zum Lustspiel allererster Garnitur. Noch auf dem Rueckweg vom Kugellagerladen fiel mir ein, dass wir ja Loctite benoetigen wuerden. Ich also gleich in den naechstbesten Chinaladen und danach gefragt. Die Dame stellte eine Flasche No-name Kram auf den Tresen- 450 Rupies (11 Euro) fuer 50 ml. Puha, stolzer Preis fuer eine Menge, die ich ja im Leben nicht brauchen wuerde. Ich dachte mir, da guck ich doch lieber nochmal woanders. Ich marschiere also erst einmal weiter. Wie der Teufel will, hatte dann natuerlich keiner der naechsten fuenf Laeden Schraubensicherungslack. Grummel. Bin ich etwa gerade am einzigen Laden in Mauritius vorbeigekommen, der Schraubensicherungslack fuehrt? Ein einziges weiteres Geschaeft hatte dann einen – waren ungefaehr 400 Rupies fuer 10 ml – aaaarg. Die Flasche war schon sehr angegammelt. Letztenendes kaufte ich dann einen Tag spaeter 5 ml fuer 380 Rupies brandneu im Blisterpack im Baumarkt in der Naehe unseres Ankerplatzes. Nachdem dann alles montiert war und wir wieder einmal einen Grossreinemachetag einlegten,  fand ich dann zu allem Uebel noch ein Flaeschchen pipifeinen Schraubensicherungslack in einer unserer Werkzeugkisten sowie im ganz normalen Supermarkt einen Schraubensicherungslack in zwei verschiedenen Staerken um 48 Rupies – famos, famos. Die Story trug jedenfalls sehr zur Erheiterung der in der Anchorage befindlichen Segler bei.

Lange Rede kurzer Sinn, die Rollreffanlage funktioniert jetzt wieder wie neu und dreht sich butterweich.

Neben der Rollreffanlage bastelten wir noch eine Unterteilung fuer unseren Kuehlschrank, damit nicht alles darin herumpurzelt, ein weiteres Gemuesenetz auf der Backborseite wurde installiert, Diesel und Benzin wurden gebunkert, das Vorsegel ging erneut zum Segelmacher- der von ihm fehlerhaft reparierte UV- Schutz wurde nachgebessert. Wassertanks wurden wieder aufgefuellt, Waesche gewaschen usw.

Der Hauptggrund warum wir so lange in Mauritius bleiben, liegt an der World ARC. Die World ARC ist eine Segel-Rally bei der die Teilnehmer ihre Boote in 15 Monaten auf der Barfussroute um die Welt pruegeln. Meist sind die Boote jenseits der 14 m Marke und eben auch dementsprechend schnell. Vor Anker liegt man kaum. Zeit fuer ausgiebiges Eintauchen in fremde Kulturen bleibt nicht, aber jedem das seine.

Der grosse Pulk der ARC kam vor kurzem hier in P. Louis an, in zwei Tagen zieht der Tross (insgesamt 23 Boote) gesammelt nach Reunion weiter. Dort werden dann beide Haefen komplett belegt sein. Normalerweise waere das kein Problem, wir ankern viel lieber in einsamen Buchten, als uns in schmutzigen Hafen- / Marinawassern herumzutreiben, aber leider bietet die Insel Reunion keinen (!) einzigen Ankerplatz. Zum Glueck ist am 1. November der Spuk vorbei – dann verzieht sich der Zirkus weiter nach Suedafrika und wir koennen hoffentlich ein Plaetzchen in Reunion finden.

Grand Baie

Seit wir den indischen Ozean befahren ist die Zeit eigentlich recht gut ausgefüllt mit Schiffsreparaturen. Die Propellerwellendichtung ist zur Zeit einigermassen dicht. Der Windgenerator verrichtet im Moment seinen Dienst wieder ohne viel Wehklagen. Beides wurde von uns in Rodrigues repariert. Auf der Fahrt nach Mauritius dann die nächste Baustelle. Die Rollrefffanlage liess sich nur noch ultraschwer einrollen. Eine absolute Katastrophe, wenn man auf offener See von Starkwind ueberrascht wird und dann der Einrollvorgang auf halbem Weg stockt. Das Segel ist dann halb heraussen und kann weder weggerollt, noch ganz abgenommen werden. Die Schaeden am Rigg und Segel sind damit vorprogrammiert. Eine Reparatur duldete deshalb keinen Aufschub.

Nach kurzer Rumturnerei im Mast war die Rollreffanlage dann an Deck. Nach Zerlegen der Refftrommel zeigte sich das Problem. Zwei der drei Lager waren völlig verwittert – da muss Ersatz her. Um die aeussere Lagerschale des Radiallagers herauszubekommen, mussten wir aber professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, diese war nämlich völlig festgerostet. Die Firma Integrity (Integritaet- was fuer ein Name fuer einen metallverarbeitenden Betrieb!) in Port Louis erledigte den Job dann auch schnell und zuverlaessig. Sie besorgten auch gleich neue Lager, sodass wir den Kram am Folgetag abholen konnten. Prima.

Alles wieder zusammenbauen – passt nicht – aaaargs. Eines der Lager hatte nicht die exakte Groesse, weshalb man uns eine kleine Ausgleichsscheibe gedreht hatte. Diese war nun genau 0,4 mm zu dick. Wir also wieder mit dem Bus nach Port Louis…

Eineinhalb Wochen spaeter:
… wir haben endlich wieder alles zusammengedengelt. Ich turne wieder in den Mast, Rollreffanlage ist kurz danach installiert. Hm, bewegt sich zwar eine Winzigkeit leichter, ist aber immer noch superhackelig. Die unteren Lager drehen sich butterweich, die sind ja neu und nicht das Problem. Wie sich herausstellte, scheint das Lager im oberen Wirbel unter Last ganz schoen zu hackeln. Ohne Last, an Deck, ist der Lauf eigentlich seidenweich. Das Problem dabei: um den Wirbel zu oeffnen, braucht man einen 41er Schluessel und einen Schraubstock. Beides ist an Bord nicht vorhanden. Mal sehen was zwei Monster- Wasserpumpenzangen ausrichten können. Wir werden berichten…

Fuer unseren hinnigen Schalthebel ist übrigens endlich Ersatz eingetroffen und war auch recht flott eingebaut. Wir koennen nun endlich wieder mit dem Hebel schalten und muessen nicht direkt am Schaltzug rumfuhrwerken.

Natürlich war nicht nur Arbeit angesagt. Wir unternahmen noch weitere Touren ueber die Insel. Mit Dieter von der Orion mieteten wir ein Auto und gondelten in den Sueden. Eine Teefabrik stand auf dem Programm, eine Rhumerie (Rumfabrik fuer die Nichtfranzosen), eine riesige indische Tempelanlange, der Obst- und Gemuesemarkt in Port Louis und diverse kurze Spaziergaenge durch die pitoreske mauritianische Landschaft. Wegen des vulkanischen Ursprungs ergeben sich wirklich spektakulaere Felsformationen und Bergketten. Und fast jedes Wochenende Grillen am Strand mit den anderen Seglern …

Hier geht’s zu den Fotos unserer Landausfluege:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157648260855910/

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