Loctite und die grossen Boote

So, wird wieder einmal Zeit fuer den woechentlichen Report. Nach ordentlichem Gewuerge haben wir den oberen Wirbel der Rollreffanlage demontiert bekommen. Christoph von der Taurus fixierte die 60 cm Wasserpumpenzange am Boden, ich stellte mich auf den Englaender. Endlich gab die Verschraubung nach. Tatsaechlich war das obere Lager durch Ueberlastung geschaedigt. Tiefe Dellen haben sich in die Laufflaechen eingegraben. Wir fanden ordentlichen Ersatz bei der Fa. Engitech. Diese  hatte unser Lager, ebenso wie viele andere Maschinenbauteile in Premiumqualitaet vorraetig, selbst SKF war vertreten, was mir als Unterfranke natuerlich sehr gefallen hat.

Die Suche nach Schraubensicherungslack zur Montage der Ganzen gestaltete sich dann allerdings zum Lustspiel allererster Garnitur. Noch auf dem Rueckweg vom Kugellagerladen fiel mir ein, dass wir ja Loctite benoetigen wuerden. Ich also gleich in den naechstbesten Chinaladen und danach gefragt. Die Dame stellte eine Flasche No-name Kram auf den Tresen- 450 Rupies (11 Euro) fuer 50 ml. Puha, stolzer Preis fuer eine Menge, die ich ja im Leben nicht brauchen wuerde. Ich dachte mir, da guck ich doch lieber nochmal woanders. Ich marschiere also erst einmal weiter. Wie der Teufel will, hatte dann natuerlich keiner der naechsten fuenf Laeden Schraubensicherungslack. Grummel. Bin ich etwa gerade am einzigen Laden in Mauritius vorbeigekommen, der Schraubensicherungslack fuehrt? Ein einziges weiteres Geschaeft hatte dann einen – waren ungefaehr 400 Rupies fuer 10 ml – aaaarg. Die Flasche war schon sehr angegammelt. Letztenendes kaufte ich dann einen Tag spaeter 5 ml fuer 380 Rupies brandneu im Blisterpack im Baumarkt in der Naehe unseres Ankerplatzes. Nachdem dann alles montiert war und wir wieder einmal einen Grossreinemachetag einlegten,  fand ich dann zu allem Uebel noch ein Flaeschchen pipifeinen Schraubensicherungslack in einer unserer Werkzeugkisten sowie im ganz normalen Supermarkt einen Schraubensicherungslack in zwei verschiedenen Staerken um 48 Rupies – famos, famos. Die Story trug jedenfalls sehr zur Erheiterung der in der Anchorage befindlichen Segler bei.

Lange Rede kurzer Sinn, die Rollreffanlage funktioniert jetzt wieder wie neu und dreht sich butterweich.

Neben der Rollreffanlage bastelten wir noch eine Unterteilung fuer unseren Kuehlschrank, damit nicht alles darin herumpurzelt, ein weiteres Gemuesenetz auf der Backborseite wurde installiert, Diesel und Benzin wurden gebunkert, das Vorsegel ging erneut zum Segelmacher- der von ihm fehlerhaft reparierte UV- Schutz wurde nachgebessert. Wassertanks wurden wieder aufgefuellt, Waesche gewaschen usw.

Der Hauptggrund warum wir so lange in Mauritius bleiben, liegt an der World ARC. Die World ARC ist eine Segel-Rally bei der die Teilnehmer ihre Boote in 15 Monaten auf der Barfussroute um die Welt pruegeln. Meist sind die Boote jenseits der 14 m Marke und eben auch dementsprechend schnell. Vor Anker liegt man kaum. Zeit fuer ausgiebiges Eintauchen in fremde Kulturen bleibt nicht, aber jedem das seine.

Der grosse Pulk der ARC kam vor kurzem hier in P. Louis an, in zwei Tagen zieht der Tross (insgesamt 23 Boote) gesammelt nach Reunion weiter. Dort werden dann beide Haefen komplett belegt sein. Normalerweise waere das kein Problem, wir ankern viel lieber in einsamen Buchten, als uns in schmutzigen Hafen- / Marinawassern herumzutreiben, aber leider bietet die Insel Reunion keinen (!) einzigen Ankerplatz. Zum Glueck ist am 1. November der Spuk vorbei – dann verzieht sich der Zirkus weiter nach Suedafrika und wir koennen hoffentlich ein Plaetzchen in Reunion finden.

Grand Baie

Seit wir den indischen Ozean befahren ist die Zeit eigentlich recht gut ausgefüllt mit Schiffsreparaturen. Die Propellerwellendichtung ist zur Zeit einigermassen dicht. Der Windgenerator verrichtet im Moment seinen Dienst wieder ohne viel Wehklagen. Beides wurde von uns in Rodrigues repariert. Auf der Fahrt nach Mauritius dann die nächste Baustelle. Die Rollrefffanlage liess sich nur noch ultraschwer einrollen. Eine absolute Katastrophe, wenn man auf offener See von Starkwind ueberrascht wird und dann der Einrollvorgang auf halbem Weg stockt. Das Segel ist dann halb heraussen und kann weder weggerollt, noch ganz abgenommen werden. Die Schaeden am Rigg und Segel sind damit vorprogrammiert. Eine Reparatur duldete deshalb keinen Aufschub.

Nach kurzer Rumturnerei im Mast war die Rollreffanlage dann an Deck. Nach Zerlegen der Refftrommel zeigte sich das Problem. Zwei der drei Lager waren völlig verwittert – da muss Ersatz her. Um die aeussere Lagerschale des Radiallagers herauszubekommen, mussten wir aber professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, diese war nämlich völlig festgerostet. Die Firma Integrity (Integritaet- was fuer ein Name fuer einen metallverarbeitenden Betrieb!) in Port Louis erledigte den Job dann auch schnell und zuverlaessig. Sie besorgten auch gleich neue Lager, sodass wir den Kram am Folgetag abholen konnten. Prima.

Alles wieder zusammenbauen – passt nicht – aaaargs. Eines der Lager hatte nicht die exakte Groesse, weshalb man uns eine kleine Ausgleichsscheibe gedreht hatte. Diese war nun genau 0,4 mm zu dick. Wir also wieder mit dem Bus nach Port Louis…

Eineinhalb Wochen spaeter:
… wir haben endlich wieder alles zusammengedengelt. Ich turne wieder in den Mast, Rollreffanlage ist kurz danach installiert. Hm, bewegt sich zwar eine Winzigkeit leichter, ist aber immer noch superhackelig. Die unteren Lager drehen sich butterweich, die sind ja neu und nicht das Problem. Wie sich herausstellte, scheint das Lager im oberen Wirbel unter Last ganz schoen zu hackeln. Ohne Last, an Deck, ist der Lauf eigentlich seidenweich. Das Problem dabei: um den Wirbel zu oeffnen, braucht man einen 41er Schluessel und einen Schraubstock. Beides ist an Bord nicht vorhanden. Mal sehen was zwei Monster- Wasserpumpenzangen ausrichten können. Wir werden berichten…

Fuer unseren hinnigen Schalthebel ist übrigens endlich Ersatz eingetroffen und war auch recht flott eingebaut. Wir koennen nun endlich wieder mit dem Hebel schalten und muessen nicht direkt am Schaltzug rumfuhrwerken.

Natürlich war nicht nur Arbeit angesagt. Wir unternahmen noch weitere Touren ueber die Insel. Mit Dieter von der Orion mieteten wir ein Auto und gondelten in den Sueden. Eine Teefabrik stand auf dem Programm, eine Rhumerie (Rumfabrik fuer die Nichtfranzosen), eine riesige indische Tempelanlange, der Obst- und Gemuesemarkt in Port Louis und diverse kurze Spaziergaenge durch die pitoreske mauritianische Landschaft. Wegen des vulkanischen Ursprungs ergeben sich wirklich spektakulaere Felsformationen und Bergketten. Und fast jedes Wochenende Grillen am Strand mit den anderen Seglern …

Hier geht’s zu den Fotos unserer Landausfluege:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157648260855910/

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Wievel Seekarte braucht der Cruiser?

Die Navigation mit elektronischen Seekarten ist mittlerweile Gang und Gaebe. Ich persönlich kenne kein Cruiserboot, das nicht auf Kartenplotter, Tablet und/oder Laptops setzt. Einige wenige haben noch Seekarten als Backup dabei. Auch wir fuhren, zumindest bis Fiji, mit alten Papierseekarten als redundantes System herum. Danach waren diese aber nur mehr mit riesigem Aufwand und für teures Geld aufzutreiben, so dass wir letzten Endes darauf verzichteten.

In Mikronesien war es dann soweit. Wir kamen frohen Mutes im wunderschönen Atoll Puluwat (also am A…. der Welt) an. Jeweils zwei persoenliche Netbooks fuer die Navigation und sonstige Computerei, und zusaetzlich zwei alte Pentium 3 Schleppies als Ersatz. Eines schoenen Tages ging Christines Laptop nicht mehr, und liess sich auch nicht mehr zum Leben erwecken. Die Ersatzlaptops, die bis dahin friedlich in der Hundekoje geschlummert hatten, waren ebenfalls tot- grummel, ein halbes Jahr zuvor haben sie noch funktioniert. In Windeseile waren wir also von 4 Laptops auf nur noch einen funktionierenden Navigationscomputer runter. Eine halbe Woche spaeter machte dieser Zicken und lud nur noch ab und zu. Na prima. Schnell wurden alle Ansteuerungswegpunkte fuer die naechsten Inseln auf alle verfuegbaren Hand-GPSe uebertragen.

Gluecklicherweise hielt der letzte Laptop dann aber doch durch, drei Inseln und zwei Staaten weiter konnte dann ein Neugeraet als Ersatz angeschafft werden. Mit der Installation von Navigatrix ( http://navigatrix.net/ ), einer Linuxdistribution fuer Segler, hielt sich die Neueinrichtung des Navilaptops dann auch zeitlich im Rahmen.

Das obige Beispiel zeigt recht gut, dass es teilweise auch einmal recht schnell gehen kann mit dem Sterben von elektronischen Geraeten an Bord. Auch Ersatzlaptops sollten regelmäßig (z. B. vierteljaehrlich) ueberprueft werden.

Bis wir einen Ersatzlaptop aufgetrieben hatten, fragten wir uebrigens unter den Mitcruisern nach Papierseekarten zum Kopieren. Ein einziges Boot (von vielleicht sechs oder sieben) hatte noch welche an Bord. So konnten wir wenigstens fuer die Ansteuerung von Palau auf Papierkarten als Backup zurueckgreifen. Auch wenn wie gesagt der letzte Laptop dann doch durchhielt, es war ein sehr gutes Gefuehl noch “ein Ass im Aermel” zu haben.

Es waere in obiger Situation wirklich von argem Vorteil gewesen, wenn wenigstens ein Uebersegler an Bord gewesen waere. Uebersegler sind Karten, welche ein grosses Gebiet abdecken und üblicherweise zur groben Reiseplanung genutzt werden. Auf langen Ueberfahrten wurde es bei uns an Bord zur schoenen Gewohnheit die Mittagsposition auf einer schoenen Uebersichtskarte einzutragen (so wie man das eigentlich seit Jahrhunderten auf saemtlichen Seeschiffen gemacht hat). Das ergibt dann einen tollen Ueberblick ueber den Reiseverlauf. Seit einem guten Jahr treiben wir uns nun aber in Gebieten herum, in denen es leider kaum Seekartengeschaefte gibt. Lediglich in Bali waere ein solches gewesen, gefunden haben wir es aber nicht.

Seit nun schon einiger Zeit bin ich im Openseamap (OSeaM) Projekt involviert ( http://openseamap.org/ ). Dort geht es darum in Wikipedia-Manier eine freie Seekarte zu erstellen, die dann fuer alle unter einer offenen Lizenz zur Verfuegung gestellt wird. Auch wenn die Openseamapkarte in den meisten Gebieten noch nicht zur Detailnavigation zu gebrauchen ist, gerade die Tiefenangaben fehlen in den Flachwasserbereichen noch voellig, so sind doch gerade Uebersegler aus
den vorhandenen Daten durchaus den kommerziell erhaeltlichen Karten ebenbuertig. Der oesterreichische Programmierer/Segler Bernhard Fischer hat mit dem SMrenderer ( http://www.abenteuerland.at/smrender/ ) ein tolles Programm geschrieben, welches aus den vorhandenen Daten eine Seekarte zeichnet. Mittels der OSeaM Daten, und den gemeinfreien Karten von http://www.naturalearthdata.com/, gelang dann eine tolle Seekarte, die sich meines Erachtens nach sehen lassen kann.

Hier mal ein Beispiel unseres aktuellen Seegebiets:

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Diese Karten koennen von jedem Fahrtgebiet der Welt erzeugt werden. Ich werde hier in Zukunft immer mal wieder neue Karten zum Download einstellen. Sie liegen im pdf Format vor und sind dafuer gedacht im DIN A2 Format ausgedruckt zu werden.

Wichtiger Hinweis:
Es sollten auch auf diesen grossmassstaeblichen Karten alle Hindernisse fuer die Navigation in irgendeiner Form vorhanden sein. Dies ist aktuell sicherlich nicht der Fall und bedarf bestimmt noch zahlreicher Korrekturen.
Hindernisse fuer die Navigation sollten entweder innerhalb der 200 m Linie liegen, als Kuestenlinie, extra Symbol (Fels etc…) dargestellt werden. Falls jemand da Schnitzer findet, so moege er mir diese bitte per Mail mitteilen. Ich werde den Fehler dann so bald als moeglich korrigieren.

Juristischer Kram:
Die Karten sind natuerlich wie ueblich nicht zur Navigation geeignet. Eine Gewaehr irgendeiner Art kann ich nicht geben. Die Karten sind aus Daten vom Openstreetmap Projekt (openstreetmap.org) und von http://www.naturalearthdata.com/. Die Daten von OSM stehen unter der ODbL, die Daten von NED sind gemeinfrei. Die Karte darf frei kopiert und weitergegeben werden (entsprechend der ODbL).

Auf der Zuckerinsel Mauritius

Wir haben uns ja vorgenommen, einmal in der Woche zu bloggen. Die Zeit verfliegt aber so schnell hier, dass wir schon wieder ein bisschen hinterherhinken. Aber heute hab ich es mir fest vorgenommen (so wie die letzten Tage auch) und versuche hier gemuetlich beim Fruehstueck die letzten zehn Tage in Mauritius in ein paar Absaetzen zusammenzufassen.

Die erste Woche haben wir weitgehend damit verbracht, unsere diversen Ersatzteile zu suchen. Mit teilweisen Erfolgen. Zum Einen braucht man viel Geduld, weil man von einem Laden und einem Dorf zum naechsten geschickt wird und zum Anderen gutes Schuhwerk, weil die meisten natuerlich irgendwo in einem Industriegebiet zu finden sind, wo die Busse auch nicht stehen bleiben.

Die Simmeringe haben wir in Triolet, einem kleinen Ort zwischen Grand Baie und Port Louis gefunden, an Bord sind sie aber leider noch nicht. Die muessen naemlich erst vom Zentrallager ins Geschaeft gebracht werden und das dauert wieder ein paar Tage. Aber gut. Wir haben ja keinen Stress.

Unseren Schalthebel fuer den Motor konnten wir hingegen nicht auftreiben. Zwar waren wir in so ziemlich allen Marinezubehoerlaeden auf der Insel und die haben auch alle irgendeinen Art von Schalthebel, aber halt nicht den richtigen fuer die Thor. Auch ein Ergebnis – festzustellen, dass es das Teil auf der Insel nicht gibt. Also haben wir kurzerhand aus Deutschland ein Ersatzteil bestellt, dass seit ein paar Tagen unterwegs ist. Mal sehen, wann wir es tatsaechlich vor Ort haben. Beim alten Hebel laesst sich naemlich der Gang nicht mehr einlegen, Gas geben funktioniert noch. Wir koennten das vielleicht reparieren, aber der Hebel ist so festgegammelt, dass wir den wahrscheinlich nicht schadensfrei abbekommen und da waer es dann schon gut, wenn wir einen Reservehebel parat haben. Bis jetzt haben wir uns damit beholfen, einfach die Backskiste beim Manoevrieren offen zu haben und direkt an den Schaltzuegen zu schalten, aber das ist auch keine Dauerloesung.

Gestern haben wir uns dann der Genua-Rollreffanlage angenommen, die seit Rodrigues nur noch mehr als schwer zu bedienen ist. Und siehe da, die Kugellager am unteren Ende sind komplett verrostet. Das obere Kugellager konnten wir noch nicht begutachten, weil da erst der Rost mit Desoxidante “aufgeweicht” gehoert, bevor wir da ueberhaupt rankommen. Das erklaert so Einiges. Und wir haben es sogar geschafft, noch am selben Abend unsere Genua beim Segelmacher abzuliefern bzw. war der grad eh im Yachtclub und hat sie mitgenommen. Das Segeltuch selbst ist noch sehr gut in Schuss, nur der UV-Schutz gehoert einmal nachgebessert. Und die Preise sind hier auch voellig in Ordnung fuer solche Reparaturen.

Die Stopfbuchse ist, seit wir uns in Rodrigues ausfuehrlich um sie gekuemmert haben, einigermassen dicht und so koennen wir sicherlich erstmal bis Suedafrika kommen.

Zwischendurch versuchen wir natuerlich auch von der Insel etwas zu sehen. Grand Baie selbst ist zwar sehr touristisch, aber dafuer findet man auch wieder alles fuer einen komfortablen Bordalltag. Wasser gibts kostenlos im Yachtclub, das Ankern ist auch kostenlos und im nahegelegenen SuperU gibt es alles, was der europaeische Gaumen so begehrt. Der Strand ist gesaeumt von Hotels und kleinen Restaurants und fast taeglich findet dort eine Hochzeit statt.

In Pamplemousse haben wir uns einen der aeltesten botanischen Gaerten der Welt angesehen, danach noch ein Stueck Sachertorte im Cafe “Wiener Walzer” und schon wieder war ein Tag rum.

Und wir waren am dritthoechsten Berg der Insel, dem “le Pouce” (812 m), was auf deutsch “der Daumen” bedeutet. Der hoechste Berg ist uebrigens nur ein kleines bisschen hoeher, naemlich 825 m. Wenn man aus Oesterreich kommt, sind das natuerlich im Vergleich zu den Alpen keine nennenswerten Groessen, aber da man hier quasi vom Meeresniveau startet, sehen die Bergketten hier trotzdem sehr imposant aus und der Muskelkater am naechsten Tag hat sich auch ordentlich gewaschen. Die Ausblicke von dort oben sind spektakulaer und es hat uns wieder einmal richtig gut getan.

Waehrend Christian uebrigens beim Zahnarzt war (er hat sich in Rodrigues ein Stueck Zahn abgebrochen), bin ich mit den Crews der SY Kind of Blue und der SY Nae Haessle beim “Aventure du Sucre” gewesen. Dort ist in einer seit 1999 still gelegten Zuckerfabrik ein fantastisches Museum untergebracht, das nicht nur ueber die Entstehung von Zucker informiert, sondern auch die gesamte Geschichte der Besiedlung der Maskarenen aufarbeitet. In einem Tag schafft man es fast nicht, sich alles anzusehen.

Jetzt sind wieder ein paar Arbeitstage eingeplant, naechste Woche wollen wir uns aber auch einmal einen Tag ein Auto mieten und den Sueden der Insel kennenlernen.

Und hier geht es zu den Fotos der ersten zwei Wochen hier auf Mauritius:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157647599413980/

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Und hier geht es noch zu den letzten Fotos aus Rodrigues, eine unserer Lieblingsinseln bisher:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157647599143580/

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Inselhuepfen

Fast einen ganzen Monat haben wir nun auf Rodrigues verbracht und die Zeit ist wieder einmal viel zu schnell vergangen. Fuer unseren Geschmack dennoch viel zu frueh muessen wir uns von neuen Freunden und dieser wunderschoenen Insel verabschieden. Bis Suedafrika ist es jedoch noch ein langer Weg und hier im Indischen Ozean beginnt die Hurrikansaison schon zeitig im November.

Die letzten Tage haben wir noch einmal mit ein paar Wanderungen und einigen letzten Reparaturarbeiten verbracht. Die Hafenmauer und der Ankerplatz im Hafenbecken sind mitterweile voll geworden (13 Yachten aus 8 Laendern) und so ist es nun wirklich an der Zeit weiterzusegeln.

Also haben wir uns letzten Dienstag auf den Weg nach Mauritius gemacht. Fuer die ca. 350 Seemeilen haben wir vier Tage gebraucht, da wir wenig Wind hatten, aber dafuer war es aber auch herrlich gemuetlich. Kaum Welle, Wind mit max. 15 Knoten und Sonnenschein. Was will man mehr? Einklarieren muss man auf Mauritius in der Hauptstadt Port Louis. Eigentlich wollten wir dort sogar ein paar Tage in der Marina verbringen, aber als wir in den Hafen reinfahren, wollen wir sobald wie moeglich wieder weg. Laute Generatoren der Berufsschiffe, Grossstadtautoverkehr, tausende Menschen und nicht die angenehmsten Gerueche aus der anliegenden Molassefabrik und Fischfabrik. Also schnell Einklarieren, ein paar Burger und Pommes vom MacD geholt (zum ersten Mal seit fast zwei Jahren) und wieder raus aus dem Rummel. Wir sind dann am Nachmittag noch 15 Meilen nach Norden in die Grand Baie gesegelt und das ist uns wie Samstagsnachmittagssegeln auf der Kieler Foerde vorgekommen. Yachtregatta vom Yachtclub, Ausflugsboote, Berufsschifffahrt und wir mitten drin – mit 5 Knoten hart am Wind bei bestem Wind und Sonnenschein.

Die Einfahrt in die Bucht ist etwas seicht, angeblich min. 2,8 m, aber unser Tiefenmesser hat einfach bei mehreren Stellen nur noch Quatsch angezeigt. Ob wir da wohl schon Sand aufgewirbelt haben und ihn somit verwirrt hatten? Zum Glueck hatten uns Oren und Tanja von der SY Renata schon zuvor einige Wegpunkte geschickt und nun liegen wir in einem Feld von ca. 100 Booten auf einer Tiefe von ca. 6 m sicher vor Anker. Wir treffen auch gleich wieder ein paar bekannte Gesichter und freuen uns erstmal, wieder so richtig ausschlafen zu koennen.

In den naechsten Tagen werden wir uns Port Louis dann mit dem Bus geben, wir brauchen ein paar dringende Ersatzteile wie einen neuen Ganghebel, Simmerringe, Sprengring, das Objektiv der Kamera gehoert gereinigt, und und und….

Landschaftlich schaut Mauritius auch sehr interessant aus, wieder einmal eine richtige Vulkaninsel. Wir freuen uns schon drauf!

Arbeiten und Geniessen in Rodrigues

Ueber zwei Wochen sind wir nun schon hier. Nach wie vor gefaellt es uns ausgesprochen gut hier. Das Hafenpersonal ist wie immer eine Wucht und hilft mit Rat und Tat. Revanchieren koennen  wir uns kaum. Alle sind hier supergrosszuegig. Lediglich einige generelle Tips zur Installation einer Photovoltaikanlage koennen wir geben. Auch wenn das monatliche Einkommen der Leute nicht an mitteleuropaeisches Niveau heranreicht, am Hungertuch scheint hier niemand zu nagen. Die Lebensqualitaet scheint zu stimmen. Ladenschluss ist hier um 16.00 Uhr. Danach haben noch eine Handvoll Kneipen geoeffnet, das wars.

Vor einiger Zeit wurde auf der Insel ein generelles Plastiktuetenverbot eingefuehrt. Im Supermarkt gibt es keine mehr, nicht einmal mehr gegen “Aufpreis”. Jeder, der mit einer Plastiktragetasche angetroffen wird, muss 500 Rupien, umgerechnet 1,25 EUR Strafe zahlen. Verteilt ein Haendler eine Plastiktuete, so werden bis zu 25 Eur Strafe faellig. Entgegen den ewigen Bedenkentraegern klappt es hier aber ohne “Plastiksackerln” ganz wunderbar. Die Geschaefte gingen nicht pleite, die Umgewoehnungsphase beschraenkte sich selbst bei uns, die wir ja gerade erst aus dem Plastiktuetenparadies Indonesien kommen, auf wenige Tage. Wenn man erstmal am Markt seine rohen Haehnchenteile oder ein Dutzend Eier in einer null komma nix durchweichten Papiertuete nach Hause balanciert, der lernt ruckizucki dass er das naechste Mal eben Tupperschuesseln, Stofftaschen und Rucksack mit zum Shopping nimmt. Nach nur zwei Tagen hatten wir das dann “drauf”.

Der Unterschied zu Indonesien ist frappierend. War dort der Plastikmuell eigentlich allgegenwaertig, im Meer wie auch an Land, in den Staedten ebenso wie in der freien Natur, fehlt dieser hier eigentlich voellig. Ab und an liegt mal ein Stueck Tauwerk angespuelt am Strand, aber ansonsten ist hier alles schoen Picobello.  Fazit: Es geht locker ohne Plastiktuete. Selbst die Kauftueten in den deutschen Supermaerkten sind komplett unnoetig, im Gegenteil, sie verleiten eher eben keine eigenen Tueten mitzubringen – kostet ja nicht die Welt… Ohne eine entsprechende gesetzliche Regelung wird sich aber nix aendern.

Ansonsten waren wir bisher schon recht fleissig am Bootsbasteln. Unsere Schleifkontakte im Windgenerator waren ‘verbrannt’, so lieferte der Windgenerator bei einigen Windrichtungen keinen Strom mehr. Keine grosse Sache, kurz den Generatormast legen, aufschrauben, Kontakte putzen und wieder hoch mit dem Moeller – denkste. Nach Zerlegen des Generators und einer kurzen Schmirgel-/ Putzaktion waren die Kontakte dann zwar wieder blank, aber die Pulverbeschichtung des Gehaeuses blaetterte schon ganz gut ab, so bekam der Windy dann noch einen neuen Anstrich verpasst. Beim Zerlegen hatte der Skipper dann leider heldenhaft einen der Sprengringe im Hafen versenkt und Ersatz war leider nicht aufzutreiben, so wurde dann kurzerhand noch ein neuer Ring mittels Feile und Muskelschmalz angefertigt. Nach ungefaehr 5 Tagen Werkstattaufenthalt sitzt der Windy wieder auf seinem angestammten Mast und verrichtet klaglos seine Arbeit.

Weiters wurde die Propellerwellendichtung komplett erneuert. Seitdem wissen wir auch dass man die Dichtungspackung auch im Wasser liegend austauschen kann. Nach nur fuenf Litern Wasser war die neue Packung drin und die Chose wieder dicht. Zuletzt hatten wir um die zwei Liter Wasser pro Tag “gemacht”. Das eingedrungene Wasser wir bei uns zwar in einem Kanister aufgefangen, kommt also nicht mit dem Schiffsrumpf in Kontakt, aber nervig war das staendige Ausleeren des Kanisters schon. Jetzt ist da hoffentlich mal wieder fuer eine Weile Ruhe.

Unser Dinghi hat unten am Kiel ein Plastikrohr, welches schon seit einiger Zeit so langsam vom ewigen Korallensand durchgeschmirgelt war. Coolerweise fand sich nun endlich hier auf der Insel ein entsprechendes PE- Wasserleitungsrohr fuer kleines Geld, welches perfekt passte.  Und nicht zu vergessen die obligatorischen Rostausbesserungsarbeiten auf einem Stahlschiff. Wenn erstmal die Farbe aus den Tiefen der Backskisten herausgekramt sind, geht das mittlerweile auch ganz flott.

Ganz nach dem Motto Zuckerbrot und Peitsche gab es immer wieder eingeschobene Belohnungsausfluege ueber die Insel. Man sieht viel Landwirtschaft, steile Berghaenge und schroffe Schluchten. Man merkt auch dass man sich in hoeheren Breiten befindet. Die bisher ja allgegenwaertigen Kokospalmen werden in Strandnaehe nun von Pinienhainen abgeloest. Man fuehlt sich an Suedfrankreich erinnert.

Ein Besuch in der Schildkroetenaufzuchtstation Parc Francois Leguat http://www.tortoisescavereserve-rodrigues.com/en war ein tolles Erlebnis. Die putzigen, irgendwie uralt wirkenden Tiere waren sehr zutraulich und genossen es richtig am Hals gestreichelt zu werden. Bevor Rodrigues im 16. Jahrhundert von den Portugiesen entdeckt wurde bevoelkerten geschaetzte 200.000 Riesenschildkroeten die Insel. Die Seeleute rotteten die als Frischproviant sehr geschaetzten Tiere dann im Laufe der naechsten Jahrhunderte vollstaendig aus. Seit sieben Jahren versucht man nun in der Zuchtstation Riesenschildkroeten, die urspruenglich von Mauritius und den Seychellen stammen, grosszuziehen. Mit beachtlichem Erfolg. Der Bestand ist auf mittlerweile ueber 2000 Tiere angewachsen. Ausgewildert wird aktuell noch nicht, ultimativ ist aber genau das das Ziel des Parks.

Einmal in der Woche muessen uebrigens alle Boote den Hafen verlassen, um Platz fuer das Versorgungsschiff zu machen, das mit etwas mehr als 100 m Laenge fast die gesamte Hafenmauer zum Anlegen sowie das Hafenbecken zum Manoevrieren benoetigt. Also um 5.00 Uhr aufstehen und ein paar Kreise ausserhalb des Passes fahren, dann darf man wieder zurueck. Es wird uns also auf keinen Fall langweilig.  Im Moment gibt es wettermaessig noch einige Passatstoerungen mit schwachen Winden, die an eine Weiterfahrt noch nicht denken lassen. Nun ja, es gibt Schlimmeres als noch einige Tage hier in Rodrigues zu verbringen.

Und hier geht’s zu den ersten Bildern:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157647000363301/

 

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