Rodrigues

Nachdem es der Wettergott auf den letzten Metern nicht sooo gut mit uns gemeint hatte und uns nochmals ordentlich durchschuettelte, schafften wir es dann aber doch ins Lee der Insel. Kurz vorm Pass der Griff zum Zuendschluessel um in den Hafen zu juckeln und – nix. Der Anlassermotor huestelte ein paar Mal geriatrisch und dann war er aus. Mist, da sind wir in der letzten Zeit wohl zu wenig motort. Warum auch bei DEM Segelwind. Gluecklicherweise koennen wir unsere Verbraucherbatterien zur Starterbatterie parallel schalten und mit vereinten Kraeften sprang der Motor dann an. Puha.

Schon aus der Ferne vermittelte Rodrigues einen sehr gruen/erfrischenden und freundlichen Eindruck. Ueber Funk wurden wir vom Hafenmeister Gilbert angewiesen fuer die Einklarierungsformalitaeten am Pier laengsseits zu gehen. Nachdem die Parade an Offiziellen durch unser Cockpit gegangen war, durften wir dann auch schlussendlich an Land. Der Hafenmeister bot uns gleich an dass wir, bis das Versorgungsschiff am naechsten Montag kommt, an der Hafenmole liegen bleiben duerfen. Ja super. Wie langen hatten wir das schon nicht mehr – einfach mal so an Land gehen, ohne Dinghi? Das letzte Mal war vor etwa einem Jahr in der Vuda Piont Marina in Fiji. Seitdem waren wir, abgesehen von kurzen Zwischenstopps, ausschliesslich vor Anker.

Die Leute hier sind alle ausgesprochen freundlich. Ueberall auf der Strasse wird man freundlich begruesst. Um die 40000 Menschen leben auf Rodrigues.

Gerade das Hafenpersonal ist Oberklasse. Ich fragte Gilbert, ob er einen Schweisser kennt der unsere, auf der Passage leider erneut gebrochene, Relingsstuetze richten kann und hast du’s nicht gesehen, am naechsten Tag versammelt sich das halbe Hafenpersonal um die Thor und Michael, der hiesige Schweisser, brutzelt unsere Relingsstuetze wieder dran. Geld will dafuer keiner. Dufte!!!!

Das Klima ist eine tolle Abwechslung – 25 Grad zur Mittagszeit. Nach den Temperaturen der letzten Jahre- fast kontinuierlich ueber 30 Grad eine Wohltat. Nachts braucht man eine Decke, und T- Shirt mit kurzer Hose fuehlt sich tagsueber endlich wieder einmal “richtig” an.

Im Supermarkt gibt es wieder einmal eine reichhaltige Auswahl zu mehr als cruiserfreundlichen Preisen.

Ihr seht schon, wir haben diese kleine Insel (18 x 8 km) gleich ins Herz geschlossen. Wir bleiben jedenfalls erst einmal hier und gucken uns das Eiland etwas genauer an.

Auf der Zielgeraden

Nachdem wir im letzten Blogartikel ja so ueber das schoene Segelwetter geschwaermt hatten, bekamen wir gleich zwei Tage spaeter wieder das Gegenteil bewiesen.

Wind von 30 Knoten und in Boen um die 40 Knoten. Uns blieb nur noch, ca. 1 qm Segel stehen zu lassen und vor dem Wind Richtung 280 Grad abzulaufen. Dazu ca. 4,5 m hohe Wellen. Zum Glueck dauerte der Spuk nur etwas mehr als einen Tag und seitdem koennen wir wieder Kurs Rodrigues ansteuern.

Im Moment haben wir noch 195 Seemeilen vor uns und wenn alles weiterhin so laeuft mit dem Wetter, werden wir wohl am Dienstag ankommen. Seit Tagen eigentlich wieder Sonnenschein und annehmbare Wellenhoehen, wir sind echt zufrieden…

Aktuelle Position:
S 19 03.8
E 066 47.4

Verschnaufpause

Der Indische Ozean ist doch nicht immer so wild, wie wir dachten. Seit gestern goennt er uns eine Pause. Der Wind hat nachgelassen und somit sind auch die Wellen gleich mal niedriger geworden, im Moment sind sie so max. 2 m hoch.

Die Sonne scheint, die Temperaturen liegen bei angenehmen 27 Grad tagsueber und in 9 Tagen haben wir nur ein anderes Boot gesehen. Die Schifffahrtslinie von Singapur nach Suedafrika werden wir erst in ein paar Tagen kreuzen.

Gestern haben wir Bergfest mit einem Glas Reiswein gefeiert. Die naechsten 1000 Seemeilen werden wir aber wohl nicht im gleichen Tempo schaffen. Fuer die naechsten Tage ist weiterhin etwas schwaecherer Wind vorhergesagt. Aber es ist so viel angenehmer zum Segeln und darum nehmen wir eine etwas laengere Ueberfahrt gerne in Kauf. Wir koennen uns wieder normal an Bord bewegen und das Unterwegssein macht auch wieder richtig Spass.

Wir haben es heute sogar geschafft, die Genua herunterzuholen und den Riss zu kleben. Interessanterweise ist eine Dreifachnaht im oberen Drittel des Segels komplett weggescheuert worden. Das heisst der Segelstoff selbst ist noch stabil, nur war kein Naehfaden mehr vorhanden. Wir haben jetzt also die 15 cm der aufgegangen Naht einfach mit Kontaktkleber wieder zusammengeklebt und werden das Ganze dann in Rodrigues mit der Naehmaschine nachnaehen. Beim aktuellen Wind haelt das Ganze jetzt schon seit ein paar Stunden- daumendruecken! Wenn der Wind wieder zunimmt und wir reffen muessen, werden wir einfach wieder auf die Sturmfock wechseln.

Es geht uns also sehr gut im Moment und wir geniessen die Fahrt. Noch 898 Seemeilen bis Rodrigues, wo wir von der “Kind of Blue” gehoert haben, dass der Ankerplatz “nice and dry” ist, die Vorfreude auf die Maskarenen und das suedliche Afrika waechst schon langsam.

Aktuelle Position:
S 16 24.6 und E 078 44.8

Unterwegs auf der “rauen Piste”

Beate Kammler, eine der ersten deutschen Weltumseglerinnen in den sechziger/ siebziger Jahren, hatte den indischen Ozean in ihrem Buch “Komm, wir segeln um die Welt!” als die “raue Piste” bezeichnet. Als seinerzeit Hiscock vor knapp hundert Jahren aus Cocos Keeling losfuhr und in schweres Wetter geriet, drehte er, wie man das damals (und auch heute noch) macht, bei. Als selbst nach einigen Tagen das Wetter nicht besser wurde, musste er feststellen, dass das vorherrschende Wetter wohl der Normalzustand ist und setzte einfach Segel und fuhr weiter. Es scheint sich zum heutigen Wetter also nicht viel geaendert zu haben, diese Geschichte erscheint uns mehr als plausibel.

Sechs Tage sind wir jetzt schon unterwegs. Die angekuendigte Schwachwindzone verschob sich in den Wettervorhersagen immer weiter nach hinten und ist auch jetzt noch, wie schon beim Start, 3-4 Tage in der Zukunft. Unter 6 Bft Wind hatten wir bisher kaum, und die Wellen donnern immer wieder wie Kanonenschlage seitlich an die Bordwand. Gemuetlich ist also anders. Unsere Rollreffgenua hat einen kleinen Riss an einer der Dreifachnaehte. Um sie also zu schonen fahren wir im Moment unsere Sturmfock am Babystag und ab und an das Gross im zweiten Reff.

Und dann treibt auch noch der Klabautermann seinen Schabernack mit uns (vielleicht liegt es aber auch den 3 m Wellen von der Seite). Die Kochtoepfe fallem mal mit, mal ohne Inhalt vom Herd, oft auch hinter den Herd. Unser Kraeutergarten, den wir unter der Sprayhood gut verschnuert hatten, stuerzt sich kopfueber in die Naviecke, die Stuetze vom Windgeneratormast macht sich auch wieder mal selbstaendig und auf die Steuerkette vom Windpilot muss man auch ein Auge haben. Sie neigt dazu, am liebsten nachts, von der Pinne zu springen. Ansonsten tropft es aus allen Luken und Pilzlueftern, wenn wieder einmal Wellen ueber das Vorschiff und den Kajuetaufbau, das Seitendeck oder uebers Heck einsteigen. Es ist wie Skifahren auf der Buckelpiste oder eben Segeln am Indischen Ozean.

Wir lassen uns die Laune aber nicht allzu sehr verderben. Christian kocht fast taeglich etwas Warmes, eine akrobatische Meisterleistung zum Wohl der Crew. Abends wird dann mit den anderen Booten gefunkt, die wir in Cocos Keeling kennengelernt haben und die ebenfalls unterwegs Richtung Suedafrika sind. Da waere die hollaendische “Kind of Blue”, die oesterreichische “Taurus”, die schottische “Nay Hassle”, die norwegische “Snoere Viking” und die australische “Gratis”. Wir sind also wieder mit einer bunten kleinen Truppe unterwegs. In ein paar Wochen wird uns dann auch noch die amerikanische/canadische “Momo” folgen, die wir in Bali kennengelernt haben. In Mauritius wird hoffentlich Dieter von der “Orion” schon auf uns warten. Auch ihn haben wir in Bali kennengelernt.

Ansonsten gibt es grad nicht viel mehr zu berichten. Unsere Positionsreportseite scheint wieder nicht zu funktionieren. Wen es interessiert, bitte unter aprs.fi unter Eingabe unseres Rufzeichens DL3ZFC suchen, oder einfach Yachttrack Live Ticker googeln. Dort sollten wir auch zu finden sein.

Unsere aktuelle Position ist uebrigens: S 14 43.4 und E 84 40.7 Wir haben noch 1.255 Seemeilen bis Rodrigues vor uns.

Abschied von Cocos Keeling

Vorgestern haben wir ausklariert, wir werden uns wohl heute auf den Weg Richtung Rodrigues machen, ca. 2000 Seemeilen nach West/Suedwest.

Leider hatten wir fast die komplette Zeit in Kokos Island stuermischen Wind, so dass sich die Aktivitaeten oft auf Ankerwache an Bord beschraenkten. Die zwei Meilen lange Dinghifahrt in den Ort war nur mit Oelzeug und staendigem Ausschoepfen des Dinghis moeglich. Zum Weitersegeln lud dieses Wetter natuerlich auch nicht ein.

Wenn dann mal abends der Wind weniger wurde, trafen wir Segler uns zum Potluck (in australischer Manier meist ein BBQ) am Strand von Direction Island bei einem schoenen Lagerfeuer. Mangels Grillfleisch haben wir uns oft an vegetarischen Burgern, die man aus Kichererbsen oder Linsen, sowie Mehl und Ei leicht selbst aus den Bordvorraeten zaubern kann, versucht. Dazu noch einige Broetchen (ebenfalls am Grillrost gebacken) und fertig ist das Grillfest.

Letze Woche haben wir es dann sogar einmal mit der Faehre nach West Island geschafft. Mit Flugplatz und einigen Pensionen/ Hotels ist es eher die Insel fuer die Touristen, die nach Kokos kommen. Der Anteil der malayisch staemmigen Bevoelkerung ist dort deutlich geringer als auf Home Island. Wir freuten uns schon auf einen richtig saftigen, australischen Burger. Beim Preis von 15 Euro ohne Fritten haben wir uns diesen dann aber verkniffen. Das Preisniveau ist australientypisch hoch und die Tatsache, dass man sich auf einer Insel mitten im Nirgendwo befindet, macht die Angelegenheit dann auch nicht billiger. Ein Bungalow fuer die Flugtouristen schlaegt sich dann auch mit 300 Euro pro Nacht nieder. Lediglich die zollfreien Weine im Kokos Club haben einigermassen seglerfreundliche Preise.

Seit zwei Tagen hat der Wind hier etwas nachgelassen und so konnten wir endlich einmal die Lagune geniessen. Schnorcheln, Muscheln suchen und auch einfach Mal entspannen. Bis 38 Knoten Wind in der Anchorage zehrt naemlich schon an den Nerven.

Schoen ist es naemlich schon hier. Das Dinghi tanzt nicht mehr wie wild hinter der Thor in den halbmeterhohen Windwellen, nachts spritzt kein Wasser mehr durch die Vorschiffsluke ins Gesicht. Gestern ging es dann auch auf die winzige Insel Prison Island zum Schnorcheln. Spektakulaer auch die grosse Anzahl an Riffhaien, die sich staendig um unser Boot tummeln. Bis zu 10 Stueck gleichzeitig um und unter der Thor haben wir schon gezaehlt. Abends noch ein letztes Mal Lagerfeuer. Die Thor ist abfahrbereit. Die naechste Woche soll der Wind weiterhin etwas schwaecher pusten. Toitoitoi.

PS: Der Artikel ist mittlerweile schon einige Tage alt. Wir haben die ersten 200 Seemeilen Richtung Rodrigues schon im Kielwasser und kommen bei stuermischem Wind gut vorran.

Autor: Christian

Stuermischer Wind

Eigentlich wollten wir ja erst etwas bloggen wenn wir noch einige Inseln mehr von Cocos Keeling gesehen haben, aber leider macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Ein Tief, ungefaehr 250 Meilen nordwestlich von uns entfernt und relativ stationaer verhagelt uns seit der Ankunft das Wetter. Wir sitzen seit zwei Tagen auf der Thor und gehen Ankerwache bei konstanten Windgeschwindigkeiten von ca. 25 Knoten Wind aus Suedost. Aus dieser Richtung haben wir zwar ein Riff vor uns, das uns vor den Wellen schuetzt, aber Landabdeckung besteht leider nicht.

Die Insel vor der wir hier ankern heisst Direction Island, ist unbewohnt und diente in frueheren Zeiten einer Funkstation und einer Unterwasserkabelstation als Standort. Aktuell befindet sich auf der Insel – ganz australisch – mehrere Grillplaetze, Kompostklos, Sitzbaenke und Tische. Sie dient den Touristen und Einheimischen von West Island als Ausflugsziel. Zweimal die Woche landet eine Faehre an. Am Interessantesten fuer uns sind die riesigen Regenwassertonnen, die uns als Suesswasserquelle dienen. Trotz riesiger “Kein Trinkwasser”- Schilder vertragen wir das Wasser problemlos.

In einer Windpause zwischen den Schauerboeen ging es dann einmal auf die naechstgelegene, bewohnte Insel zum Einkaufen und zum Entrichten der Ankergebuehren (50 AUSD/ Woche) im “Shire of Cocos Keeling”. So wird in Australien die Bezirksregierung genannt. Sehr stylisch.

Der Supermarkt bietet, wie auf entlegene Inseln ueblich, die Basics. In Indonesien haben wir noch Horrorstories ueber die hiesigen Lebensmittelpreise gehoehrt. Bedenkt man jedoch wo man sich befindet, so bleibt eigentlich alles im Rahmen. Arg viel teurer als in Mikronesien ist es auch nicht. Lediglich Obst und Gemuese sind teurer. Ein Kilo Aepfel, Birnen, Kartoffeln oder Zwiebeln um 5 Euro, Bananen 10, ein Dutzend Eier ebenfalls 5 Euro. Die Qualitaet ist im Gegensatz zu Mikronesien aber Oberklasse.

Das Archipel wurde 1609 von Kpt. Keeling entdeckt und geriet anschliessend lange wieder in Vergessenheit.

Die jetzigen Einheimischen sind ueberwiegend malayischer Abstammung. Deren Vorfahren kamen vor gut 150 Jahren als Kopraplantagenarbeiter auf die Insel. Zuvor war diese unbewohnt.

Anfaenglich wurde die Insel der englischen Krone unterstellt, heute ist sie ein Teil Australiens. Auf West Island befindet sich ein Flugplatz und ein Armeestuetzpunkt. Einige wenige Touristen verirren sich mit dem woechentlich landenden Versorgungsflugzeug hierher.
Genug Geld um die Einheimischen zu versorgen wirft das Ganze wohl nicht ab, und so leben die meisten von australischer Sozialhilfe.

Naechste Woche soll der Wind wieder etwas nachlassen, dann werden wir hoffentlch wieder einige laengere Exkursionen machen koennen. Wir werden berichten.

Autor: Christian