Angekommen

Puh, mir fällt grad gar nicht ein, wie ich anfangen soll. Am Morgen nach der Überfahrt wusste ich ganz genau, wie ich das Erlebte dann im Blog beschreiben wollte… Dann vergingen ein paar Tage auf der wunderschönen Insel Graciosa und jetzt ist alles gar nicht mehr so schlimm, wie wir nach der Ankunft dachten 🙂

Ich versuch’s mal:

Am Tag vor unserer Abreise in Agadir haben wir uns den aktuellen Wetterbericht geholt und beschlossen, am nächsten Tag auszulaufen. Es war für den ersten Tag Nordwind angesagt (gut), am zweiten Tag Flaute (nicht so gut, aber ok) und für den dritten Tag wieder Nordwind (sehr gut). Als wir dann am nächsten Tag unsere Reisepässe schon abgegeben hatten, um die Ausreise abstempeln zu lassen, holten wir uns noch mal einen Wetterbericht und mussten feststellen, dass aus dem Tag Flaute plötzlich Westwind Stärke 3-4 geworden war. Also genau aus der Richtung, in die wir wollten. Aber zu spät. Die Pässe waren schon unterwegs mit dem Polizisten zum Flughafen für die Stempel. Sollten wir dem einfach sagen, dass wir jetzt doch bleiben wollen? Oder sollten wir es einfach wagen und schauen wie es uns da draußen geht?

Also machten wir uns mal auf den Weg. Am ersten Tag konnten wir gut segeln (Wind aus Nordwest), es war zwar noch eine ziemliche Restdünung aus Südwesten vorhanden, aber wir kamen gut voran. Zwar sehr schaukelig, aber es ging. Dann am zweiten Tag der Westwind. Mit Motor eine Geschwindigkeit von 1 Knoten, dann unter Motor und Segel eine Geschwindigkeit von 2,5 – 3 Knoten. Natürlich mussten wir dann kreuzen. Restdünung von irgendwoher und neuer Seegang aus Westen, also ein ziemliches Wellendurcheinander und wir konnten weder kochen noch gut schlafen. Und das für volle 24 Stunden. Da wir dann aber schon mehr als die Hälfte der Strecke hinter uns hatten, wollten wir auch nicht mehr umdrehen. Am nächsten Tag sollte derWind ja wieder auf Nord drehen.

Tatsächlich stellte sich am nächsten Vormittag der Wind dann aus der richtigen Richtung ein und zwar gleich mit 4-5 Windstärken und wir brausten mit gerefften Segeln mit durchschnittlich 6 Knoten dahin. Was für ein wilder Ritt. Dazwischen kriegten wir immer wieder Regenschauer ab, echt super…

Regenwetter am Atlantik

Durch den Gegenwind am Vortag würden wir nun aber mitten in der Nacht ankommen. Wir wälzten alle Handbücher und Karten zu dem Gebiet, aber nirgends wurde vor einer Nachtansteuerung der Isla Graciosa gewarnt. Dann würden wir es wohl schaffen.

Richtig mulmig wurde uns dann noch, als die Wassertiefe ziemlich plötzlich von mehr als 1.000 Metern auf 150 Meter anstieg und sehr chaotische Wellen entstanden. Unserer THOR wurde ständig abwechselnd einmal links das Deck gewaschen, dann wieder rechts – und das über mehrere Stunden hinweg in abenteuerlichem Rhythmus. Man will nur noch, dass es endlich aufhört…. Da hatten wir aber noch 30 Seemeilen vor uns. Also bei unserer Geschwindigkeit würden wir noch rund 6 Stunden unterwegs sein. Irgendwann setzten wir uns dann händchenhaltend nebeneinander ins Cockpit, an der Sicherheitsleine eingepickt und mit den Beinen irgendwie abgespreizt, damit wir nicht von der Bank runterfallen 🙂 Im Licht der untergehenden Sonne konnten wir noch die ersten Inseln ausmachen, dann wurde es dunkel.

Wer ganz genau schaut, kann die erste Insel am Horizont entdecken

Unser Plan war, uns für das Ankermanöver so gut wie möglich eine Nachtsicht anzueignen. Jedes Licht wurde ausgemacht. Über den Navi-Laptop wurde eine rote Klarsichthülle geklebt, die Augen klebten direkt am GPS um den Weg zwischen den Inseln zu finden. Im Revierhandbuch wurde die Ansteuerung der Ankerbucht von Nordost vorgeschlagen. Aber dort war der Kanal zwischen den Inseln nur eine Meile breit, dazwischen flache Stellen von 4 – 6 m Wassertiefe und wir hatten mächtig Seegang aus Nordost. Bei Tageslicht völlig ausreichend, waren wir uns aber einig, dass wir die Insel im Norden umrunden würden und dann die Ankerbucht von Südwesten ansteuern wollte. Übermüdet wie wir waren, sicher die richtige und sichere Entscheidung. Zwischen der Insel Graciosa und Alegranza war ausreichend Platz und wir konnten die Ankerbucht sicher ansteuern. Der Himmel war stockdunkel, die Sterne die uns die Nächte davor gute Sicht bescherten, wurden ausgerechnet in dieser Nacht von Wolken verdunkelt.

In der Ankerbucht an die 20 Boote (!) und ein Fischer, der die volle Arbeitsbeleuchtung anhatte. Unsere gute Nachtsicht war durch die grellen Scheinwerfer sofort weg und mit dem Handscheinwerfer, Stirnlampen und GPS suchten wir uns ein Plätzchen in der letzten Reihe. Der Wind blies schon ziemlich heftig, für die nächsten Tage war noch stärkerer Wind vorhergesagt. Aber gut, auf 11 m Tiefe ließen wir dann den Anker fallen, 50 m Kette, alles gut! Nach einem Glas Wein sind wir dann sofort in unsere Kojen gefallen und schliefen uns erst mal so richtig aus. Obwohl, wenn man so im 3-Stunden-Wachrhythmus ist, hat man einen ziemlich leichten Schlaf und ich war dann auch immer wieder mal wach und hab nach dem Anker geschaut. Aber alles gut. Christian war durch nichts mehr zu wecken, schlief wie ein Stein 🙂 Ehrlicherweise muss ich hier gestehen, dass er die eine oder andere Wache für mich übernommen hat, weil ich mich zu mancher Stunde doch ziemlich fürchtete… Aber mittlerweile hab ich echt volles Vertrauen in unser Schiff gefasst (es kippt selbst bei diesen Wellen nicht um 🙂 ) und mein Skipper trifft sichere Entscheidungen.

Der nächste Morgen entschädigte uns dann für die Strapazen. Die Isla Graciosa ist eine der schönsten Inseln des gesamten Insel-Archipels der Kanaren. Weißer Sandstrand, türkises Wasser, die ganze Insel unter Naturschutz…. Hier wollen wir länger bleiben, mehr dazu und Bilder im nächsten Blog-Beitrag!

Am Morgen danach auf dem Ankerplatz - im Hintergrund sieht man schon Lanzarote

Wie gesagt, jetzt – 4 Tage später, ist alles gar nicht mehr so schlimm. Aber das nächste Mal warten wir einfach mit der Abfahrt, bis der Wind besser passt. Dann muss halt der Zollbeamte uns noch einmal einreisen lassen. Egal. Wie Bernd, unser Freund von der SY Traumjäger, immer so schön im Hinblick auf das Wetter sagt: „Geduld, Geduld, Geduld“ … wie recht er hat! 🙂

Startklar

Wir haben am Sonntag noch schön frisches Obst und Gemüse im Souk eingekauft und sind schon wieder startklar für das nächste Land. Es geht zu den Kanarischen Inseln, wobei wir als erste Insel La Graciosa ansteuern wollen. Mal sehen ob es klappt, wir haben die Genehmigung fürs Ankern noch nicht bekommen… wohl auch ein bisschen zu spät beantragt 😉 Aber vielleicht dürfen wir dort trotzdem ankern weil wir so nett sind?

Die Pässe sind noch bei der Polizei und werden dort für die Ausreise gestempelt. Sobald wir die haben, nochmal tanken (günstiger Diesel!) und Wasser bunkern und los geht’s!

Das Gemüse wird wegen Ungeziefergefahr gewaschen, bevor es an Bord kommt
Viel Ware für wenig Geld
Unser marokkanischer Stegnachbar schenkt uns ein Abendessen. War voll gut!

Marrakech

Jetzt können wir euch auch verraten, warum wir unbedingt eine bewachte Marina gesucht haben. Wir haben THOR für ein paar Tage alleine gelassen, um ins Landesinnere zu reisen. Und man kann ja schlecht vorher übers Internet verbreiten, dass das Schiff jetzt dann die nächsten Tage ohne Besitzer rumsteht 🙂 Aber ist alles gut gegangen, die THOR schwimmt, ist noch alles da und wir freuen uns auch, wieder daheim zu sein.

Am Tag der Abreise nach Marrakech waren wir bereits um 7 Uhr in der Früh wach (eine Stunde Zeitverschiebung hilft da natürlich), um die THOR für unsere Abwesenheit vorzubereiten. Die Matratzen werden hochkant gestellt, alle Wertsachen sicher verstaut und Vorhängeschlösser an den Backskisten, Außenborder und der Vorschiffsluke aktiviert. Die Seeventile werden zugemacht, das Gas abgedreht und die Batterien abgeklemmt. Christian baut noch das Zündrelais vom Motor aus. So schnell bewegt sich die THOR jetzt nicht weg, ohne das es auffällt. Wir packen zum ersten Mal seit über einem halben Jahr wieder einmal den Rucksack und es fühlt sich fast ein bisschen wie in den Urlaub fahren an. Bin ein bisschen aufgeregt, ob wohl mit dem Schiff alles klar gehen wird und freue mich auf die nächsten Tage in Marrakech.

Der Taxifahrer bringt uns in halsbrecherischer Weise zum Busbahnhof. Wieder mal sind wir froh, hier kein Auto gemietet zu haben. An die Fahrweise kann man sich eigentlich überhaupt nicht anpassen. Die Busfahrt kostet 8 EUR pro Person und für die 245 km sind wir fast vier Stunden unterwegs. Neben zwei anderen Pärchen sind wir die einzigen Touristen im Bus, der bis auf den letzten Platz voll ist. Die neue Autobahn führt quer durch das Hohe-Atlas-Gebirge und natürlich fahren wir bald von der Autobahn wieder runter, um einen Teil der Strecke auf der Landstraße zurückzulegen.

Angekommen in Marrakech setzen wir uns gleich ins Taxi um zum Hotel zu kommen. Das mit dem Hotel ist ja auch so eine Geschichte. Christian war ja vor 15 Jahren oder so schon mal in Marokko und ist damals eben im Hotel ALI (was für ein Name!) abgestiegen, wo er unbedingt wieder hinwollte. Ich war zugegeben etwas skeptisch. Christians Erzählungen von damals lauteten so, dass er Nächte auf der Straße neben dem Wachhaus des Club Med (aus Geldnöten) oder auf einem Campingplatz einfach unter einer Plane verbracht hat. Jetzt war ich daher auf alles zwischen einem Zeltplatz und einer Jugendherberge eingestellt, als wir uns auf den Weg ins Hotel machten. Aber dann die Überraschung: es ist ein richtig nettes Haus, unser Zimmer hat eine eigene Terrasse mit Blick auf den „Djemaa el-Fna“ – Platz, im Zentrum Marrakechs, ist sauber und es gibt sogar eine Badewanne :-). Das Ganze um 35 EUR pro Nacht inkl. Frühstück. Dann erzählt mir Christian natürlich, dass er damals auf einer Matratze auf der Dachterrasse des Hotels um 10 EUR geschlafen hat – aber er gesteht mir ein richtiges Zimmer mit Bett zu. Danke!

Von hier aus können wir uns gleich in den Trubel diese bekannten Platzes stürzen. Der Muezzin ruft gerade zum Gebet, als wir nach einem letzten Blick von der Dachterrasse langsam in die orientalische Nacht eintauchen. An jeder Ecke wird etwas dargeboten, Musikanten begeistern die Menschen mit ihren Trommeln und anderen arabischen Instrumenten und es wird getanzt. Eine große Menschentraube ist rund um einen Geschichtenerzähler versammelt, wo man gleich an die Märchen aus 1001 Nacht denkt. Dazwischen werden kunstvolle Henna-Tattoos gemalt (ich hab auch schon wieder eins), frisch gepresster Orangensaft und marokkanisches Essen in allen möglichen Variationen verkauft. Da mein Henna-Tatto eine Stunde trocknen muss, nutzt Christian die Chance gleich, um mich in den Souk zu führen. Jetzt kann ich eine Stunde lang nichts anfassen, sondern nur schauen. Hahaha…. schlau! Es gibt die schönsten Schuhe, Taschen, Stoffe, Tücher, Keramikarbeiten und vieles Anderes, was ich gar nicht mehr alles aufzählen kann. Die Farben sind kunterbunt und die Händler versuchen, ihre Waren loszuwerden. Oft reicht aber ein mit einem Lächeln begleitetes „La, shokran“ – „Nein, danke“… In den engen Gassen des Souks drängen sich Mopedfahrer (auch oft Frauen), Radfahrer, Eselskarren und viele, viele Menschen. Wer bremst verliert. Der Fußgänger bleibt am besten oft einfach stehen, damit links und rechts mal schnell ein paar Mopedfahrer vorbeirauschen können. Ob es hier wohl auch eine Unfallstatistik gibt? 🙂

An einer Ecke des Platzes ist ein Gebäude mit Planen verhängt und große Bilder wurden darüber gehängt. Hier fand am 28. April dieses Jahres ein Bombenattentat statt, bei dem 25 Menschen, darunter großteils Touristen, starben. Den Menschen hier am Markt merkt man nichts an. Das Leben geht weiter…

Nach ein paar Stunden ist mein Kopf voll mit Eindrücken und um 11 Uhr am Abend schlafe ich schon tief und fest, obwohl draußen noch von irgendwo laute Musik, Stimmengewirr und der Lärm der Autos und Mopeds herkommt.

Am nächsten Tag geht es nach einem guten Frühstück wieder in die Altstadt. Heute die erste wirkliche Herausforderung für mich: wir müssen an den Schlangenbeschwörern vorbei. Dann kommen die mit ihren Schlangen auch noch auf die andere Straßenseite um uns näher hinzulocken. Wir könnten dann bessere Fotos machen. Ich ergreife die Flucht und Christian bekommt bestimmt blaue Flecken an seinem Arm, so fest halt ich mich fest. Ich hab halt mal schreckliche Angst vor Schlangen…

Wir sehen uns einen wunderschönen Palast (Palais de Bahia) an und ersteigern dann am Markt noch ein paar Souvenirs. Klar werden wir übers Ohr gehauen, aber bei Licht betrachtet kosten die Dinge im Vergleich zu Europa eh trotzdem wenig. Wir beschließen morgen wieder zurück nach Agadir zu fahren. Zu lange wollen wir die THOR nicht alleine lassen und an Bord können wir unser Budget wieder schonen. Der Ausflug hat sich aber auf alle Fälle gelohnt, es war echt schön in Marrakech!

Leider, leider habe ich nicht meine Spiegelreflexkamera sondern nur die kleine Digitalkamera mitgehabt. Sicherheitsdenken irgendwie. Und jetzt ist die Qualität der Bilder nicht die beste 😉 vielleicht bekommt ihr trotzdem etwas vom Flair Marrakechs mit!

Hier geht’s zu den Bildern:

http://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157627849497933/

Reise nach Marrakech

Im Souk

So, jetzt war ich zum ersten Mal im Souk und es war echt cool. Gut dass ich vorher schon mal in Izmir und Bangkok am Markt war, das war eine gute Eingewöhnung. Obwohl ich finde, dass die Händler in Marokko jetzt auch nicht viel aufdringlicher sind.

Was gewöhnungsbedürftig ist, waren die Gar-Küchen am Straßenrand. Ok, das hatten wir in Bangkok auch… aber hier ist es noch mal eine Spur härter finde ich. Am besten nicht auf den Boden, die Köche und die Umgebung schauen – es starrt vor Dreck. Aber das Essen war total gut… Mir gehts noch immer gut. Nach einem Schluck Kärntner Obstler (Gailer Brand 🙂 danke @ Mel)… Na Scherz beiseite, das Essen ist fantastisch, man muss sich nur daran gewöhnen, dass man kein Besteck bekommt und das Ganze mit Fingern und einem Stück Brot isst. Vorher könnte man sich auch die Hände an einem Fass Wasser waschen, aber ich glaub meine Hände sind so sauberer 😉

Der Markt selbst war super. Wir wurden von Händlern zum Tee eingeladen, die natürlich als Gegenleistung erwarteten, ein bisschen was von den Kräutern für Tee oder Gewürzen für den nächsten Fisch einzukaufen. Aber die waren durch die Bank so sympathisch, dass die paar Euros auch gar nicht schwer aus der Börse zu locken waren. Als Geschenk gibts dann noch ein gratis Henna-tattoo (mein erstes – also mit Henna! :-)) und gratis Bimsstein und „Wangen-Rot“… irgendso ein rotes Pulver um sich Wangen und Lippen rot zu schminken. Witzig…. und natürlich gratis Minz-Tee. Voll gut….

Um 2 Euro ist man dann mit dem Taxi auch wieder geschwind durch die ganze Stadt am Hafen angekommen. Die Wäsche ist zum Glück trocken geworden. Von unseren Liegeplatznachbarn haben wir Seekarten von der Karibik bekommen, die wir im DIN-A0 Format im Copy-Shop für 1 EUR kopieren können. Danke 🙂

Hier lässt es sich also ganz gut leben. Bin schon gespannt, welche Abenteuer uns noch erwarten…
Und hier noch ein paar Bilder:

http://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157627812037213/

im Souk gibt's alles!

Marokko für Anfänger

Ich bin ja zum ersten Mal in Marokko, Christian war schon mehrmals hier. Aber bis jetzt gefällt es mir echt gut. Wir wollten ja ursprünglich erst in Rabat ankommen und von dort dann weiter nach Agadir. Es hat sich aber rausgestellt, dass es nicht so einfach ist mit dem Wind und Schwell in und aus dem Hafen zu kommen. Also fuhren wir gleich weiter nach Agadir.

Der Yachttourismus steckt in Marokko noch in den Kinderschuhen, lediglich in Rabat und Agadir gibt es Marinas… dazwischen nur Fischerei- und Industriehäfen, wo es keine sanitären Anlagen im Hafen oder Frischwasser gibt. Auch sind die Häfen nicht bewacht…In Agadir hat man hier jedoch den vollen Service zu einem tollen Preis.

Und von hier aus ist es auch nur noch ein Katzensprung zu den Kanarischen Inseln!

So, jetzt machen wir uns auf in den Souk – den Markt – wir werden weiter berichten!

Die Marina in Agadir - die können wir weiter empfehlen

Eine Blauwasser-Reise

Der ursprüngliche Plan war ja, von Portugal nach Madeira zu segeln. Aber wir ändern unsere Pläne auch gerne wieder mal. Und nachdem wir unterwegs immer wieder SEgler trafen, die als nächstes Ziel Marokko vor Augen hatten, wurden wir auch langsam neugierig…

Wir beschlossen also nach ausgiebiger Internetrecherche und aufgrund Christians Erfahrungen aus zwei Marokko-Urlauben vor vielen Jahren uns auch mit dem Schiff in dieses aufregende Land zu wagen.

Am Mittwoch, dem 12. Oktober ging es los. 435 Seemeilen lagen vor uns. Der Wind sollte in den ersten zwei Tagen noch schwach sein, aber später auffrischen, sodass ein gutes Vorankommen gewährleistet sein sollte. Die Realität sah natürlich wieder etwas anders aus. Wir hatten die ganze Zeit nie mehr als 3-4 Beaufort, in der Mehrzahl eher so um 1-2 Beaufort. ABER: Wir haben den Motor nicht angemacht. Wir wollten mal das Flautensegeln lernen. Das ist eher eine psychologische Herausforderung als eine seglerische, aber wir hatten echt Spaß! Das war einer der schönsten Abschnitte unserer Reise bisher. Und die Farbe des Meeres war von einem so unbeschreiblichem Blau, das man es selbst gesehen haben muss. Das kann man nicht mit Worten beschreiben…

Zugegeben, in der ersten Nacht mussten wir mal ein paar Stunden den Motor anmachen, weil wir gerade das Gebiet querten, in dem die Berufsschiffe von der Straße von Gibraltar rauskommen. Totale Flaute und 13 Schiffe am AIS-Radar. Da ging dann doch die Sicherheit vor. Wir wollten nicht einfach so zwischen den dicken Pötten rumdümpeln… Also 30 sm unter Motor. Und am letzten Tag auch noch einmal den Motor an (ca. 70 sm), weil wir doch bei Tageslicht ankommen wollten. Wir hatten „Stehzeiten“, also wo wir nur in der Flaute rumgetrieben sind, von ca. 10 Stunden und waren insgesamt 122 Stunden, das sind ca. 5 Tage und Nächte, unterwegs. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 3,4 Knoten… Nix mit Rauschefahrt, aber es war ein Traum. Als Standardbesegelung hatten wir die meiste Zeit den Blister und das Groß oben.

Gleich am ersten Tag fingen wir zwei Fische, wobei der letztere so groß war, dass wir 3 Mahlzeiten davon kochen konnten. vom ersten Fisch wurden wir auch zweimal satt. Also haben wir am nächsten Tag mal eine Angel-Pause gemacht. Die darauffolgenden Tage haben wir dann wieder jeden Tag einen Fisch gefangen!!! Wir wissen leider die Art nicht genau, es waren drei unterschiedliche Arten, wobei wir zweimal den gleichen gefangen haben. Also falls sich wer mit Fischen auskennt, bitte um sachdienliche Hinweise (siehe Fotos!). Geschmeckt haben sie auf alle Fälle, haben es gut vertragen. Christian hat alles mögliche gekocht, von gebratenem Fisch bis Fischsuppe „Camarque“ und Fisch Teriyaki-Style. Es war super!!!

Da wir kaum Wind hatten, blieb auch der Seegang erträglich – ich konnte unterwegs sogar frisches Brot backen. Gutes und abwechslungsreiches frisches Essen trägt schon sehr zur Motivation der Crew auf so einer Überfahrt bei. Uns war nie langweilig.

Die Nächte hatten wir im 3-Stunden-Rhythmus eingeteilt, wobei wir gegen Ende hin auch in jeder erdenklichen Minute der Freiwache geschlafen haben… Irgendwann wird man einfach zu müde!

Den ersten Kontakt mit Marokkanern hatten wir dann am Anfang der letzten Nacht. Ein marokkanisches Fischerboot mit ca. 5-7 Mann Besatzung. Sie haben gewunken, gelacht und „Bonjour, Bonjour“ gerufen! Also keine Piraten… 😀

Die ersten vier Nächte waren wir weit draußen vor der Küste, mit guter Sicht und nur Berufsschiffahrtsverkehr, den wir gut am AIS-Radar verfolgen konnten. In der der letzten Nachtwurde es dann aber noch einmal so richtig anspruchsvoll. War zu Beginn der Nacht noch klarer Sternenhimmel (hab ich in der Intensität auf der ganzen Reise noch nicht erlebt), so hat sich – je näher wir Richtung Küste fuhren – ein immer dichter werdender Nebel ausgebreitet. Und mit der Dichte des Nebels stieg auch die Anzahl der kleinen Fischerboote. Echt anstrengend. Zum Glück hatten die meisten irgendein Licht dran und mann konnte sie noch rechtzeitig erkennen. Kurz haben wir uns überlegt, einfach wieder auf den weiten Ozean rauszufahren, da war was Segeln so schön einfach… aber ok, wir wollten auch ankommen 🙂

Am Montag, 17. Oktober um 11.00 Uhr haben wir dann die Leinen in der Marina in Agadir festgemacht. Da wir hier zum ersten Mal auch richtig einklarieren mussten, wurde das Schiff innen und außen vor dem Einlaufen noch auf Hochglanz gebracht, weil ja schließlich gleich ein paar Beamte aufs Schiff kommen würden. Wir hatten unsere besten Sachen angezogen, uns noch einmal frisch gemacht und eine schnelle Inventur unserer Weinbestände gemacht. Deutlich über den erlaubten 1 Liter zollfreier Einfuhrmenge… Naja, mal abwarten…

Die Beamten kamen dann auch gleich 10 Minuten nach der Ankunft aus Schiff und sie waren so was von freundlich und unbürokratisch – klasse! Es wurde kein Bakschisch (Schmiergeld) verlangt, unsere Angaben zu den Weinvorräten haben sie einfach hingenommen ohne Zoll zu verlangen und nach einer Viertelstunde war der ganze Spuk schon wieder vorbei. Wir fühlen uns hier wirklich willkommen. Unnötig waren unsere Sorgen zur Ankunft und dem Einklarieren.

Eine Stunde später bekamen wir unsere Reisepässe zurück, in denen jetzt der erste Stempel drinnen ist.

Hier nach ein paar Bilder von unsere Überfahrt! Hier Klicken, um zum Album zu kommen:

http://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157627805467957/

unser größter Fang auf der Reise...

Letzte Bilder aus Portugal

So, hier nun die letzten Bilder aus Portimao und der Isla de Culatra vor Olhao. Wir waren fast 6 Wochen in Portugal und hatten wirklich eine schöne Zeit! Die Menschen waren alle liebenswürdig, extrem hilfsbereit und die Landschaft war abwechslungsreich und wunderschön! Obrigado, Portugal!

Fischerboot - Isla de Culatra

Kochen mit Strom und Windgenerator

Hihi, heute gab es Mal ein völlig politisch korrektes Frühstück. Wir haben unser Wasser für Tee und Kaffee mit Solar/Windstrom erhitzt. Juhuuu, kein Gasverbrauch. In Nordspanien kaufte ich einen 350 Watt Tauchsieder (lustiges Teil- steht noch Made in W. Germany drauf). Wichtig an Bord ist ein Tauchsieder/Wasserkocher der kaum Leistung bringt. Schliesst man seine 2500 Watt Schmiedeesse- äh meinte natürlich Wasserkocher- von zu Hause an, so kann es sein das es einem schon im Hafen die Sicherung vom Landstromanschluss raushaut. Um Verschwendung vorzubeugen haben die Landstromanschlüsse in den Marinas oft Sicherungen die nur 5 A verkraften. Unser Inverter kann eh nur bis 300 Watt liefern, darüberhinaus- die thermische Sicherung im Elektropanel fliegt bei 20 A- also eigentlich nur 240 Watt Dauerleistung.

Nun Schwupps den Inverter angeschmissen, Tauchsieder rein, und nach 10 Minuten bekommt man einen halben Liter heisses Wasser. Interessanterweise klappt das auch mit der 20 A Sicherung- sie scheint wohl eher von der ultraträgen Sorte zu sein.

Laut Batteriemonitor braucht ein halber Liter heisses Wasser so um die drei Amperestunden- puha. Das ist schon ne ganze Menge und geht wohl auch nicht jeden Tag- aber gut zu Wissen das man es kann- hihi. Wenn der Wind allerdings so pfeift wie gerade eben- dann hat der Windgenerator die Amperestunden in null komma nix wieder drin. Im Laufe des Frühstücks habe ich insgesamt 1,5 Liter Wasser mit Strom erhitzt und hinterher war mehr Strom in der Batterie als zuvor- geilo.

A propos Windgenerator (Air X Marine von Southwestwindpower):
Im Norden war die Performance von dem Teil eigentlich nicht der Rede wert und wir waren eigentlich ziemlich enttäuscht. Er macht zwar eine Menge Lärm, gebracht hat er aber so gut wie nix. Der Lärm scheint hauptsächlich von der MPP Regelung (maximum power point) herzurühren- er pfeift dann immer sehr laut und v. A. sehr unregelmäßig wenn der Generator sich auf die optimale Drehzahl für die Stromerzeugung einstellt. Als ich dann ab A Coruna den Batteriemonitor dran hatte konnten wir das auch gut mit Zahlen belegen. Krach machte er wie ein großer, gebracht hat er allerdings nur so ein halbes bis 1 Ampere- und das auch nur wenn wirklich eine spürbare Brise herrschte. Je weiter wir nun in den Süden von Portugal vorstiessen desto besser leif er, und zu Zeit sind wir recht zufrieden. Krach macht er zwar immer noch, aber wenn es richtig bläst (und das tut es hier halt öfter),  dann bringt er auch 5- 10 A Dauerleistung- in Böen auch gerne mehr. Interessanterweise nimmt die Geräuschentwicklung mit zunehmendem Wind eher ab. Einerseits ist natürlich das Hintergrundgeräusch größer, andererseits scheint der Windgenerator bei größeren Windstärken nicht mehr so oft die Geschwindigkeit zu regeln- was das Laufgeräsuch reduziert und v. A. gleichmässiger macht.

Irgendwie ist es doch gut den Windy an Bord zu haben. Wenn es draussen kachelt ohne Ende, dann muß man sich wenigstens um Strom keine Gedanken machen- irgendwie ist das ja auch ein Vorteil.

Auf einem Nachbarboot durften wir übrigens Mal die „Flüsterflügel“ des Silentwind in Aktion hören- also etwas leiser sind sie ja, aber 300 € leiser sind sie irgendwie dann auch nicht- vielleicht bin ich an unseren AirX mittlerweile auch schon angepasst- wer weiss.

Amateurfunk an Bord- wer glaubt schon daran dass sowas auf Anhieb klappt…

Eine meiner letzten Taten in Portimao war die Installation der Amateurfunkanlage. Leider nur durchwachsener Erfolg:
Achtung ab hier wirds technisch. Nichtfunker können den Rest getrost überspringen.
Soweit scheint alles richtig angeschlossen zu sein. verwendet wird ein Transceiver von Icom, der 706MKIIG. Ihn konnte ich günstig in München von einem Amateurfunker erstehen. Ein Test noch in Freilassing bei DL6MDG erbrachte eigentlich keine Auffälligkeiten- das Ding schien zu funktionieren. Der Tuner ist auch von Icom- der AT- 141.
Wenn ich den Abstimmknopf drücke dann macht mein Tuner leider gar nix, der Abstimmknopf leuchtet dann auch nur kurz rot auf, das war es dann. Das Stehwellenverhältnis ist auch so das eigentlich nix abgestimmt wird. Empfang geht.

Auf Nachfrage bei Icom Deutschland musste ich intern erst ein Kabel umlöten damit das Teil an mein Funkgerät passt. Eigentlich ist der Tuner nämlich für die Seefunk- SSB- Geräte von Icom.
Das Steuerkabel für den Antennentuner selbstgebaut, aber mittlerweile so oft durchgeprüft- das Teil scheint zu passen. An den Ausgängen des Steuerkabels (bei angeschlossenem Funkgerät) messe ich komische Werte. Eigentlch sollten da jeweils so um die 8 Volt liegen. Die Star Leitung hat bei mir Null Volt, die Key- Leitung zeigt so 4,5 Volt an. Vielleicht ist es ein Defekt am Funkgerät?
Wer zuhause eine Icom Funke rumliegen hat, der möge bitte Mal nachmessen ab bei Ihm an der Steuerkabelbuchse auch ähnliche Werte anliegen, oder ob das auch unterschiedlich ist. MfG, Christian.

Faro

Sodelle, gestern haben wir Potimao nach einer ewig erscheinenden Zeit verlassen. Unser neuer Standort ist jetzt Ilha da Culatra vor Olhao bei Faro. Nachdem der vorhergesagte Nordwind etwa eine Stunde nach dem Auslaufen doch noch einsetzte konnten wir Unter Maximalbeseglung (Blister+ volles Groß) Richtung Faro rauschen. Die letzten Meilen wurden dann mangels Wind wieder motort. Trotzdem ein schöner Segeltag.

Hier in der Ankerbucht nun eine willkommene Abwechslung zu den Hotelburgen und der andererseits dann doch wieder wunderschönen Steilküste von Potimao. Es erscheint hier alles sehr „norddeutsch“. Flache Barriereinseln und weite Wattflächen.

Wir liegen zwar komplett ungeschützt vor Wind- es ist eben alles sehr flach ringsrum, aber dafür haben wir nicht nur den Wind, sondern auch die Windwellen von vorn. Das bedeutet das unser Schiff mal nicht rumrollt wie Wackelpudding. Eigentlich sehr angenehm. An die Segler: Natürlich haben wir Schutz vor dem Schwell durch die Barriereinseln.

Wahrscheinlich werden wir die nächsten Tage Richtung Marokko weiterbrausen. Wir werden euch auf dem Laufenden halten.