Eine Blauwasser-Reise

Der ursprüngliche Plan war ja, von Portugal nach Madeira zu segeln. Aber wir ändern unsere Pläne auch gerne wieder mal. Und nachdem wir unterwegs immer wieder SEgler trafen, die als nächstes Ziel Marokko vor Augen hatten, wurden wir auch langsam neugierig…

Wir beschlossen also nach ausgiebiger Internetrecherche und aufgrund Christians Erfahrungen aus zwei Marokko-Urlauben vor vielen Jahren uns auch mit dem Schiff in dieses aufregende Land zu wagen.

Am Mittwoch, dem 12. Oktober ging es los. 435 Seemeilen lagen vor uns. Der Wind sollte in den ersten zwei Tagen noch schwach sein, aber später auffrischen, sodass ein gutes Vorankommen gewährleistet sein sollte. Die Realität sah natürlich wieder etwas anders aus. Wir hatten die ganze Zeit nie mehr als 3-4 Beaufort, in der Mehrzahl eher so um 1-2 Beaufort. ABER: Wir haben den Motor nicht angemacht. Wir wollten mal das Flautensegeln lernen. Das ist eher eine psychologische Herausforderung als eine seglerische, aber wir hatten echt Spaß! Das war einer der schönsten Abschnitte unserer Reise bisher. Und die Farbe des Meeres war von einem so unbeschreiblichem Blau, das man es selbst gesehen haben muss. Das kann man nicht mit Worten beschreiben…

Zugegeben, in der ersten Nacht mussten wir mal ein paar Stunden den Motor anmachen, weil wir gerade das Gebiet querten, in dem die Berufsschiffe von der Straße von Gibraltar rauskommen. Totale Flaute und 13 Schiffe am AIS-Radar. Da ging dann doch die Sicherheit vor. Wir wollten nicht einfach so zwischen den dicken Pötten rumdümpeln… Also 30 sm unter Motor. Und am letzten Tag auch noch einmal den Motor an (ca. 70 sm), weil wir doch bei Tageslicht ankommen wollten. Wir hatten „Stehzeiten“, also wo wir nur in der Flaute rumgetrieben sind, von ca. 10 Stunden und waren insgesamt 122 Stunden, das sind ca. 5 Tage und Nächte, unterwegs. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 3,4 Knoten… Nix mit Rauschefahrt, aber es war ein Traum. Als Standardbesegelung hatten wir die meiste Zeit den Blister und das Groß oben.

Gleich am ersten Tag fingen wir zwei Fische, wobei der letztere so groß war, dass wir 3 Mahlzeiten davon kochen konnten. vom ersten Fisch wurden wir auch zweimal satt. Also haben wir am nächsten Tag mal eine Angel-Pause gemacht. Die darauffolgenden Tage haben wir dann wieder jeden Tag einen Fisch gefangen!!! Wir wissen leider die Art nicht genau, es waren drei unterschiedliche Arten, wobei wir zweimal den gleichen gefangen haben. Also falls sich wer mit Fischen auskennt, bitte um sachdienliche Hinweise (siehe Fotos!). Geschmeckt haben sie auf alle Fälle, haben es gut vertragen. Christian hat alles mögliche gekocht, von gebratenem Fisch bis Fischsuppe „Camarque“ und Fisch Teriyaki-Style. Es war super!!!

Da wir kaum Wind hatten, blieb auch der Seegang erträglich – ich konnte unterwegs sogar frisches Brot backen. Gutes und abwechslungsreiches frisches Essen trägt schon sehr zur Motivation der Crew auf so einer Überfahrt bei. Uns war nie langweilig.

Die Nächte hatten wir im 3-Stunden-Rhythmus eingeteilt, wobei wir gegen Ende hin auch in jeder erdenklichen Minute der Freiwache geschlafen haben… Irgendwann wird man einfach zu müde!

Den ersten Kontakt mit Marokkanern hatten wir dann am Anfang der letzten Nacht. Ein marokkanisches Fischerboot mit ca. 5-7 Mann Besatzung. Sie haben gewunken, gelacht und „Bonjour, Bonjour“ gerufen! Also keine Piraten…😀

Die ersten vier Nächte waren wir weit draußen vor der Küste, mit guter Sicht und nur Berufsschiffahrtsverkehr, den wir gut am AIS-Radar verfolgen konnten. In der der letzten Nachtwurde es dann aber noch einmal so richtig anspruchsvoll. War zu Beginn der Nacht noch klarer Sternenhimmel (hab ich in der Intensität auf der ganzen Reise noch nicht erlebt), so hat sich – je näher wir Richtung Küste fuhren – ein immer dichter werdender Nebel ausgebreitet. Und mit der Dichte des Nebels stieg auch die Anzahl der kleinen Fischerboote. Echt anstrengend. Zum Glück hatten die meisten irgendein Licht dran und mann konnte sie noch rechtzeitig erkennen. Kurz haben wir uns überlegt, einfach wieder auf den weiten Ozean rauszufahren, da war was Segeln so schön einfach… aber ok, wir wollten auch ankommen🙂

Am Montag, 17. Oktober um 11.00 Uhr haben wir dann die Leinen in der Marina in Agadir festgemacht. Da wir hier zum ersten Mal auch richtig einklarieren mussten, wurde das Schiff innen und außen vor dem Einlaufen noch auf Hochglanz gebracht, weil ja schließlich gleich ein paar Beamte aufs Schiff kommen würden. Wir hatten unsere besten Sachen angezogen, uns noch einmal frisch gemacht und eine schnelle Inventur unserer Weinbestände gemacht. Deutlich über den erlaubten 1 Liter zollfreier Einfuhrmenge… Naja, mal abwarten…

Die Beamten kamen dann auch gleich 10 Minuten nach der Ankunft aus Schiff und sie waren so was von freundlich und unbürokratisch – klasse! Es wurde kein Bakschisch (Schmiergeld) verlangt, unsere Angaben zu den Weinvorräten haben sie einfach hingenommen ohne Zoll zu verlangen und nach einer Viertelstunde war der ganze Spuk schon wieder vorbei. Wir fühlen uns hier wirklich willkommen. Unnötig waren unsere Sorgen zur Ankunft und dem Einklarieren.

Eine Stunde später bekamen wir unsere Reisepässe zurück, in denen jetzt der erste Stempel drinnen ist.

Hier nach ein paar Bilder von unsere Überfahrt! Hier Klicken, um zum Album zu kommen:

http://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157627805467957/

unser größter Fang auf der Reise...

5 Gedanken zu “Eine Blauwasser-Reise

  1. Gut zu wissen dass ihr eine schoene Ueberfahrt hattet und dass ihr Euch in Agadir wohl fuehlt. Wenn ich die Fisch-Fotos dem Elliot zeige, dann will er bestimmt auch gleich segeln gehen.

  2. Hallo Christine, dass, was du da in der Hand hältst, ist eine Goldmakrele. Die Fische leben im Mittelmeer, im Atlantik, Pazifik und im Indischen Ozean. Werden euch noch öfter begegnen..
    Das andere ist wahrscheinlich ein Roter Thunfisch. Congratulations – you killed an endangered species…

    Der Argonaut

    • Hi Jens,
      Ist schon so wie Elliot sagt- der Thun ist ein weisser Thunfisch- zumindest ist das Fleisch beim Kochen so geworden- nix also mit bedrohter Tierart und so…. puha.
      Wenn man so eine Killermaschine hinter sich herschleppt weis man halt nie was so beisst. Fischbestimmungsbuch wäre cool- vielleicht bekommen wir ja eines zu Weihnachten (gell Mama-hihi)…

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