Oh wie schön ist Panama

Wir sind wieder in der Zivilisation – genauer gesagt in Colon, um die Fahrt durch den Panamakanal vorzubereiten. Über Colon sag ich hier noch nichts, erst mal der Bericht über die San Blas Inseln:

Die Überfahrt von Bonaire zu den San Blas Inseln war eine der besten unserer gesamten Reise. Wir hatten durchwegs guten Wind und nur eine Nacht mit Starkwind. Schon nach 6 Tagen hatten wir die 690 Seemeilen geschafft und ankerten in der erstbesten Bucht bei den Holandes Cays. Nach El Porvenir zum Einklarieren wären es noch zehn Meilen mehr gewesen, die wir nicht mehr bei Tageslicht geschafft hätten.

Aber schon der erste Eindruck war wunderschön. Zwei kleine Inseln umsäumten den Ankerplatz, vollständig mit Palmen bewachsen, weißer Sandstrand und ein tolles Korallenriff. Wir sind dann zwar am nächsten Tag zum Einklarieren gefahren, aber schon nach einer Nacht wieder zu den Holandes Cays zurückgekehrt. Und blieben dort gleich zehn Tage. Auf der Insel Waisaladup gab es dann auch ein kleines Dorf mit Kuna-Indianern, die uns wirklich sehr freundlich aufnahmen. Wenn wir ein Lagerfeuer machen wollten, kam der Sohn des Häuptlings und besorgte trockene Palmwedel und leere Kokosnusschalen – als Gegenleistung freute er sich dann auch über eine Dose Bier oder ein Glas Wein. Am Lagerfeuer erfuhren wir dann auch ein bisschen mehr über die Kunas.

Die Tage vergingen mit Schnorcheln, Fischen, Relaxen und geselligen Abenden mit den Crews der Rancho Relaxo of the Seas, Tamora und Kira. Wir waren somit wieder eine deutsch-österreichische Reisegruppe, aber es war alles sehr entspannt und ungezwungen. Immer wieder mal kamen Kuna-Familien mit ihren traditionellen Kanus an, um die berühmten Molas zu verkaufen. Dabei handelt es sich um bunt bestickte Stoffteile, die sehr kunstvoll und aufwändig in Handarbeit hergestellt werden. Eigentlich dienen diese als Mittelteil der Blusen für die Frauen, aber man kann die auch als Bilder an die Wand hängen.

Es gibt auf den meisten Inseln keine Infrastruktur, worüber wir auch sehr froh waren. Zu schnell werden solche Paradiese für den Tourismus aufbereitet und erste Zeichen kann man leider auch schon hier erkennen. Ein Kanadier hat zum Beispiel ein recht einträgliches Geschäft mit Rucksacktouristen, die er mit seinem Segelschiff transportiert und auf Waisaladup hat er dann mit Genehmigung des Chiefs drei Zelte aufgestellt. Ohne einen Cent dafür zu bezahlen! Der Sohn des Ortschefes ist damit überhaupt nicht einverstanden und darum liegt er auch mit seinem Vater im Streit. Aber selbst er denkt schon daran, in Kürze Hütten für die Touristen auf die Insel zu stellen und damit etwas Geld zu verdienen. Das stimmte uns schon nachdenklich. Auch die krassen Gegensätze zwischen Tradition und Moderne scheinen unglaublich, so wird in den einfachsten Bambushütten mit Hilfe von Solarzellen und Batterien ein Laptop betrieben und auch Internet soll es auf den ersten Inseln schon geben. Wie es ein Insider ganz trefflich sagte – „in zehn bis fünfzehn Jahren wird es hier genauso aussehen, wie auf den restlichen Karibikinseln“. Sehr schade… Gut, dass wir jetzt hier sind! Andererseits waren natürlich vorrangig auch die Segler schuld daran, dass immer mehr Touristen ankamen. Jeder schwärmte von diesem letzen Paradies, die San Blas Inseln wurden als Geheimtipp gehandelt, die sie nun schon lange nicht mehr sind und obwohl hier noch relativ wenig los ist, findet man an den beliebtesten Ankerplätzen schon mal zehn oder mehr Ankerlieger. Früher war man hier wahrscheinlich alleine.

Ein anderes Problem der Inseln sind die Müllberge, die nicht nur durch den vermehrten Tourismus entstehen, sondern es sind auch ganze Strandabschnitte übersät mit Plastikmüll, der aus dem karibischen Meer angespült wird. Wohin damit? Dies wird hier sicher in Zukunft noch ein heißes Thema werden.

Trotz dieser Schattenseiten hatten wir aber eine wunderschöne Zeit hier. Die Inseln sind bisher das Schönste, was wir hier in der Karibik gesehen haben. Nach den Holandes Cays ging es weiter zu den Coco Bandero Cays. Hier zwar das Wasser nicht ganz so klar, aber die Inseln sahen wieder anders aus als auf den Holandes Cays. Von der kleinsten Insel, die nur mit zwei Palmen bewachsen war, bis zu größeren Inseln, die fast komplett von einem Riff umsäumt waren, war für jeden Geschmack etwas dabei. Seesterne im Wasser und auch Ammenhaie wurden von den anderen Booten gesehen. Aber die sind eh harmlos. Fast hatten wir vergessen, dass Ostern vor der Tür stand. Nur durch Kontakt zur Familie wurden wieder daran erinnert. Man vergisst hier wirklich Raum und Zeit, Kalender und Uhren werden nebensächlich, man genießt den Tag, wie er kommt.

Nicht weit von den Coco Bandero Cays – ca. 5 Seemeilen entfernt – dann wieder zurück in die Zivilisation. Die Insel Nargana war das nächste Ziel, weil es hier ein paar Läden, Internet und die Möglichkeit zur Müllentsorgung geben sollte. Gemeinsam mit der Kira machten wir uns dann auf den Weg und waren sehr enttäuscht. Auf der Insel hatten sich diejenigen Kuna-Indianer niedergelassen, die nicht mehr nach den alten Traditionen leben wollen, sondern einen westlichen Lebensstil führen wollen. Das Ganze hat uns aber eher an einen Slum erinnert. Die Läden waren in kleinen Hütten untergebracht, wo es das Notwendigste zu kaufen gibt und die Müllberge erstreckten sich vom Wasser bis ans Land. Die ganze Zeit läuft ein riesiger Generator, das Abwasser geht direkt ins Meer. Auf jedem noch so schiefen Dach war eine große Satellitenschüssel montiert und von Tradition war hier gar nichts zu sehen. Man will diesem Volk den Fortschritt auch nicht vorenthalten, aber die Menschen auf den entlegenen Inseln in ihren Dörfern haben großteils glücklicher und zufriedener gewirkt.

Ein Highlight gab es hier aber trotzdem – den Rio Diablo. Die Inseln liegen direkt vor dem Festland und als Vorratskammer dienen die Ufer des Rio Diablos, wo die Indianer noch in ihren schmalen Kanus den Fluss raufpaddeln, um dort ihr Gemüse, Obst und die Kokosnüsse zu ernten. Auch das Frischwasser kommt von dort, da die Wasserleitung zu den Inseln immer wieder von ankernden Seglern zerstört wurde und scheinbar nach vielen Jahren noch immer nicht repariert ist. Wir machten uns also auch auf den Fluss zu erkunden und es war schon ein Abenteuer. Teilweise war der Fluss enger und ein Mangrovendach spannte sich über einen, dann wurder er wieder breit und links und rechts konnte man die „Kleingärten“ der Einheimischen erkennen. Also Palmen, Mangobäume, … dahinter dichter Dschungel, in den man als Weißer nicht so schnell einen Fuß setzen will. Wir haben dann sogar noch unsere neuen „Spibäume“ unterwegs gefunden. Es war ja schon länger der Plan, dafür zwei robuste Stangen aus Bambus zu verwenden und direkt vor uns baute sich eine dicht mit Bambussträuchern/-bäumen? bewachsene Ecke auf. Wir haben dann ein paar Einheimische gefragt, ob wir hier Bambus mitnehmen durften und nachdem wir von ihnen das grüne Licht bekamen, ging es los. Claus und Tim von der Kira hatten zum Glück ihre Machete mit und somit konnten wir ein paar schöne, gerade gewachsene Bambusstangen ergattern. Natürlich standen wir da mitten im Dschungel, es hat gekrabbelt, geraschelt und wir wurden von allen möglichen fliegenden Viechern drangsaliert. Wir beeilten uns und machten uns danach auch gleich wieder auf den Rückweg zum Schiff. Unterwegs hat Christian dann auch noch Krokodil gesehen… Abenteuer genug für mich.

Wir machten uns dann am Nachmittag noch auf, um vor Green Island zu ankern. Vorher wollten wir noch einmal Brot im Dorf kaufen, aber nachdem der Bäcker dort heute kein Mehl hatte, gab es auch kein Brot für uns. Selberbacken ist wieder angesagt. Green Island gefällt uns auch gut, nach den Dschungelstrapazen konnten wir uns dann wieder im schönen türkisen Wasser abkühlen – ohne Angst vor Krokodilen oder Müll oder Abwässern.

Und jetzt lassen wir noch Bilder sprechen – eine kleine Auswahl zumindest, die restlichen Fotos werden in den nächsten Tagen hochgeladen! Alles kann man ja doch nicht niederschreiben, was einem so durch den Kopf geht. Insgesamt haben wir diese drei Wochen hier aber absolut positiv erlebt und wir sind nun gestärkt für die Strapazen des Panama-Kanals!

8 Gedanken zu “Oh wie schön ist Panama

  1. Moin moin Ihr Blauwassergenießer,
    unsere „SY Lili Marleen“ ist seit Ostern auch wieder im französischen (Süß-)Wasser und wenn wir das Schiebeluk und die Steckschotten dicht machen, kann man sich bei geschlossenen Vorhängen auch in die Karibik träumen.🙂
    Der Sommer lässt noch ein wenig auf sich warten, wird aber dann regelmäßig an Bord zelebriert, wie sich das gehört!
    Wieder mal ganz tolle Reiseberichte und Fotos von Euch!
    Grüßt Silke & Dieter von uns und lebt das „Vida loca“ in vollen Zügen!
    Ahoi…
    Birgit & Rainer

  2. Ich habe zur Zeit Arbeit ohne Ende, einen unmöglich einzuhaltenden Fertigstellungstermin, keine qualifizierten Mitarbeiter, die mir unter die Arme greifen könnten und obendrein bin ich auch noch unterbezahlt. In meiner Freizeit treibe ich mich auf meinen beiden Privatbaustellen herum und mache nebenbei meinen eigenen Garten fertig.
    Was besseres könnte mir gar nicht passieren. Ihr Beiden habt überhaupt noch nicht begriffen, wie schön das Leben sein kann.
    Jens

  3. Hatte schon sehnsüchtig auf eine Nachricht von euch gewartet – nun bin ich dankbar zu hören, und auch zu sehen (super Bilder), daß es euch gut geht – nach wie vor bin ich, so glaube ich, euer größter Neider. Denn es sieht so aus als ob ich trotz meiner vielen (Berufs)Reisen, die schönsten Teile der Welt übersehen habe….Alles gute und alles Liebe für die Weiterfahrt – LG Günter

  4. Herzlichen Dank für den tollen Bericht! Christine – Grandma und Grandpa werden darüber informiert! Herzliche Grüße auch von den Sölkern, alles Liebe, Umarmung und genießt! Steffi & Co

  5. Das ist ja ein toller Bericht und super Fotos. Kein Wunder das eine Zeit lang Funkstille war. Das sieht alles aus wie im Bilderbuch.

  6. Die Spibäume werden sicher den Rest der Reise halten😉 Hab schon die Linsen der Schleusen-webcams geputzt – nicht vergessen, zu winken🙂
    LG aus 54°N bei 12°C….

  7. Ach ja, ich soll euch grüßen von so vielen lieben Leuten die sich nicht trauen einen Kommentar zu schreiben. Ihr wisst sicher wer an euch denkt und sich noch nicht gemeldet hat.
    LG Mama

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s