47 Tage auf See

Wir sind letzten Mittwoch, also am 4. Juli, auf Fatu Hiva in den Marquesas angekommen. 47 Tage (!) auf See liegen hinter uns und das war wohl der längste Abschnitt unserer gesamten Reise. 4.227 Seemeilen liegen zwischen Panama und Fatu Hiva in unserem Kielwasser und durchschnittlich haben wir 90 Seemeilen in 24 Stunden zurückgelegt. Das ist echt langsam, bei unserer Atlantiküberquerung haben wir beispielsweise 120 Seemeilen an einem Tag geschafft. Man muss aber auch dazu sagen, dass es das bequemste Segeln war, das wir seit Langem hatten, kaum Welle und meistens schönes Wetter! Wir konnten es echt gut aushalten, in der letzten Woche haben wir uns aber schon sehr aufs Ankommen gefreut. Und gerade in den letzten Tagen vor der Ankunft war der Wind wieder weg, unser Blister (unser absolutes Leichtwindsegel – ein asymmetrischer Spinnaker) gerissen und wir haben wilde Berechnungen über unsere Ankunftszeit angestellt. Letztendlich sind wir dann kurz vor Sonnenuntergang angekommen und haben den Landfall genossen. Mehr zu Fatu Hiva gibt es aber in einem nächsten Eintrag!

Die THOR hat jetzt viel Pflege nötig, sie hat echt erbärmlich ausgesehen nach unserer Ankunft. Vollbewachsen mit Entenmuscheln, obwohl Christian unterwegs zweimal das Unterwasserschiff abgekratzt hat, um ein bisschen Geschwindigkeit rauszuholen und die Bordwand war zur Hälfte mit einem braun-grünem Algenschleim bedeckt. Gut, dass der innerhalb von zwei Tagen mit der Bürste wieder weggeputzt werden konnte. Und wir haben einen ordentlichen Lackschaden, wobei wir nicht wissen, warum. Auf fast der ganzen Länge des Schriftzuges „THOR“ auf der Steuerbordseite ist der Lack abgeblättert und wir schauen aus, also ob wir an einem Container entlang geschrammt wären. Sind wir aber nicht. Der Lack hat einfach kleine Bläschen geworfen und durch die Fahrt durchs Wasser ist das dann immer weiter abgeblättert – ohne das wir irgendwas unterwegs unternehmen konnten. Aber mit ein bisschen Zeit, Pinsel und Farbtopf lässt sich das wieder reparieren.🙂 Dem Blister werden wir mit der Nähmaschine zu Leibe rücken und die üblichen Rosttränen regen uns auch nicht mehr auf. Ein paar Leinen sind auszuwechseln, ansonsten ist nichts zu Bruch gegangen und wir freuen uns sehr darüber.

Wir sind jetzt ein bisschen mehr als ein Jahr unterwegs und haben in dieser Zeit ca. 11.350 Seemeilen zurückgelegt. Darauf sind wir schon stolz, weil viele ja gar nicht geglaubt haben, dass wir so weit kommen! Aber es geht alles, wenn man nur will!

Seit gestern sind wir auf Hiva Oa, der Hauptinsel der Marquesas, wo wir uns heute in der Früh bei der Gendarmerie melden müssen, um unsere Einreise offiziell zu machen. Fatu Hiva war eher so ein kleiner illegaler Zwischenstopp. Hier gibt es jetzt auch wieder ein paar Geschäfte und Internet, die nächsten Tage werden wir wohl erst mal hierbleiben. Ich werde auch versuchen, in der Nacht mal ein paar Fotos hochzuladen, je nachdem wie schnell die Verbindung ist! Noch zur Info – die Zeitverschiebung zu Deutschland/Österreich beträgt im Moment -11,5 Stunden.

Unsere Köpfe sind schon wieder voller neuer Eindrücke, obwohl wir die Überfahrt noch gar nicht ganz verarbeitet haben, also habt Geduld mit unseren Berichten! Wir leiden auch noch ein bisschen unter Jetlag, oder ich weiß nicht, wie man das besser beschreiben kann. Kurz nach Sonnenaufgang um 6 Uhr in der Früh wachen wir auf und kurz nach Sonnenuntergang um 18 Uhr könnten wir schon wieder schlafen gehen😉 Wird schon werden. Auch dauert es sicher noch eine Weile, bis wir nach der Ankunft aus unserem „Survival-Modus auf See“ rauskommen. Also so alle halbe Stunde aufwachen und Rundumblick machen, alles beherrschendes Sicherheitsdenken, Segeltaktik, Verpflegung mit begrenzten Ressourcen, kritischer Blick in den Himmel, uÄ.

Übrigens noch einmal vielen Dank an Bernd von der SY Traumjäger für die Wetterberichte und aufmunternden Mails und vielen lieben Dank an Annette von unserer Basisstation in Neuseeland, für das Hochladen unserer Artikel von unterwegs!

Landfall im Paradies

11 Gedanken zu “47 Tage auf See

  1. Gratulation, tolle Leistung. Das machen nicht viele, einfach Galapagos links liegen lassen und die ganze lange Strecke auf einen Rutsch zu machen. Euer Bericht schreckt aber nicht ab, im Gegenteil. Könnt ihr uns für nächstes Jahr auch so gute Bedingungen für den Törn versprechen? Bei unserer Bummelei wird es aber bestimmt noch ein, zwei Jahre mehr dauern. Eure Fotos sind wunderhübsch und die Präsentation über Flickr einfach Klasse. Ich habe jetzt drei Wochen als Charterskipper hinter mir. Drei Wochen eine 47er von Palma de Mallorca aus immer die Küste hoch und runter, eine neue Erfahrung. Anfang September gehts dann wieder auf unsere Maia, noch ein paar Wochen Kapverden und dann wollen wir in die Karibik.
    Euch alles Gute, schreibt fleissig weiter so, die Fangemeinde dankt.
    vy 73, Karl, C5KFH

  2. Hallo Ihr beiden,
    wir waren auch gerade eine Woche auf unserem Schiff und haben die meisste Zeit im Hafen überwettert und Landausflüge unternommen – Böen bis 9 Bft und immer wieder heftige Schauer bei 12 (!!) bis max. 24 Grad. Wind und Wetter haben dann aber immerhin 2 Tage traumhaftes segeln zugelassen – in Europa fällt der Sommer dieses Jahr bescheiden aus. Respekt vor Eurer Leistung! Die Südsee soll die Karibik ja nochmal um ein vielfaches toppen! Genießt es und lebt!
    Ahoi…
    Birgit & Rainer

    • Naja, manchmal war es auch ein bisschen langweilig😉 aber Angst musste man wirklich keine haben, hatten super Wetter! Wann geht es bei euch weiter? Liebe Grüße, Christine

      • Leider nicht vor Ende August. Wir können froh sein, wenn´s dann klappt. Aber wir starten ja schon „im Süden“, so dass wir länger bleiben können. Der Plan ist: Algarve, Marokko, Kanaren… LG

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