Von Fatu Hiva nach Hiva Oa

Seit unserer Ankunft auf den Marquesas ist schon wieder über eine Woche vergangen und die vielen neuen Eindrücke lassen sich kaum festhalten. Diese Inseln sind viel grüner und vielfältiger als wir es auf den Karibik-Inseln erlebt haben und riechen auch besonders gut. Das hört sich jetzt vielleicht komisch an und man kann das schwer beschreiben, wenn man nicht selbst hier ist, aber es ist einfach super! Die Blumen und Pflanzen auf den Inseln erinnern an einen riesigen botanischen Garten, Obst gibt es in Hülle und Fülle und überall laufen Tiere wie Ziegen, Kühe, Pferde, Schweine und Hühner frei herum.

Exotische Blütenpracht

Die Menschen strahlen eine andere Art von Gelassenheit aus als in der Karibik, sie sind fröhlich, immer freundlich und die Gärten und Häuser machen einen sehr sauberen und gepflegten Eindruck. Auch liegt hier nirgends Müll rum. Fast alle Mädchen und Frauen tragen Blüten im Haar oder überhaupt einen Blumenkranz.

Da die Marquesas ein Teil von Französisch Polynesien sind und somit ein französisches Überseedepartment ist, bleiben in kulinarischer Sicht auch keine Wünsche offen. In der Bäckerei gibt es Baguettes und Croissant und im Supermarkt findet man Rillettes, Brie und Camembert. Andererseits befinden wir uns auch mitten im Pazifik und so wird vieles aus Neuseeland, USA und Südamerika importiert. Vor allem Fleisch aus Neuseeland und Südamerika ist vergleichsweise billig. Andere Lebensmittel wie Kaffee oder Alkohol sind aber wirklich sehr teuer und wir sind froh, in Panama ordentlich eingekauft zu haben.

In der Südsee werden Tauschgeschäfte und Geschenke noch groß geschrieben und so versuchen wir auch unser erstes Obst nach der Ankunft mittels eines Tauschgeschäftes zu erwerben. Einheimisches Geld haben wir auf Fatu Hiva noch nicht und hier gibt es auch keine Bank. Wir gieren nach frischen Grapefruits, Orangen und Zitronen und lassen uns deswegen auch ein bisschen über den Tisch zu ziehen. Für zwei Taschen voll Zitronen und Grapefruits sowie zwei Papayas (die leider faul sind, wie wir an Bord feststellen), werden wir eine Handcreme, ein T-Shirt, alte Badelatschen und eine Sonnenbrille los, die wir irgendwann in Spanien auf der Straße gefunden haben. Also es hat uns nicht viel gekostet, aber die Mädels vom Dorf haben einfach alles genommen, was wir in der Tasche hatten. Eigentlich hätten sie aber am liebsten Ohrringe, Halsketten, Parfüm, Flip Flops und Alkohol gehabt. Wollen wir aber mal am Teppich bleiben, hier.😉 Hat aber trotzdem Spaß gemacht und wir genossen die frischen Früchte, die doppelt so groß sind wie in europäischen Supermärkten und auch vom Geschmack unübertrefflich sind.

Tolle Früchte

In der ersten Ankerbucht auf Fatu Hiva sind wir das einzige deutsche Boot und wir treffen uns mit einer französischen Familie mit 3 Kindern auf einem Riesenkatamran und zwei französischen Seglern, die gerade aus der Antarktis kommen, zum Sundowner. Ich muss mich nun von Spanisch wieder auf Französisch umstellen, aber es klappt ganz gut und wir freuen uns über Gesellschaft.

Die Bucht heißt übrigens Jungfrauenbucht (Baie de Vierges), der Name der Einheimischen für diese Bucht war früher Phallusbucht (Baie de Verges). Als dann die Missionare vor ein paar hundert Jahren hier ankamen, wurde der Name sofort geändert und einfach ein „i“ eingefügt.

in der „Jungfrauenbucht“

Leider regnete es dort in Strömen, vielleicht unter anderem auch deswegen, weil die Berge von Meeresspiegel-Niveau auf über 1.000 m ansteigen und die Gipfel ständig wolkenverhangen sind. Nicht umsonst findet man hier diese üppige Vegetation. Wir können unsere Tanks wieder mit bestem Wasser auffüllen und machen uns nach 4 Tagen auf den Weg nach Hiva Oa, um dort einzuklarieren.

Die Bucht in Hiva Oa ist schon mit mehr Yachten gefüllt, aber wir liegen ganz gut vor Bug- und Heckanker und der Schwell hält sich auch in Grenzen. Das Wetter ist hier nicht viel besser, aber die Goretex-Schuhe und Regenjacken sind schon ausgepackt und die Temperaturen bleiben trotzdem schön tropisch warm. Das Dorf liegt ein paar Kilometer entfernt von der Ankerbucht, für die einfache Strecke benötigt man zu Fuß 30-45 min. Nach den langen Tagen auf See ist das aber eine echte Wohltat, täglich ca. 1,5 Stunden spazieren gehen zu können. Im Dorf gibt es die Gendarmerie, die Post und eine Bank sowie 4 kleine Geschäfte mit Lebensmitteln, Bekleidung, Angelausrüstung etc. Bei Sonnenuntergang werden die Gehsteige hochgeklappt, aber wir fallen auch meist kurze Zeit später ins Bett. Wir könnten nach wie vor fast rund um die Uhr schlafen, so ganz haben wir uns noch nicht wieder ans Landleben gewöhnt.

unser Ankerplatz auf Hiva Oa

Am dritten Tag nach der Ankunft auf Hiva Oa scheint endlich mal für längere Zeit die Sonne und wir machen uns auf den Weg zum Waschplatz an Land. Es gibt hier eine Freiluftsüßwasserdusche und einen kleinen gefliesten Bereich mit einem Wasserhahn zum Wäschewaschen. Waschmaschinen und Trockner sucht man hier vergeblich. Harte Arbeit bei unseren riesigen Wäschebergen. Zwar haben wir auf der Überfahrt fast nichts gebraucht, aber leider sind viele Sachen unterwegs schimmlig geworden, weil das mit der Belüftung einfach nicht so gut funktioniert hat. Das Wasser hier kommt ganz braun aus dem Hahn, was am vielen Regen der letzten Tage liegt, aber das kann man jetzt auch nicht ändern. Mit viel Waschmittel, reichlich Sonne und Wind, riecht die Wäsche jetzt wieder super und wir können sie trocken in unseren Regalen verstauen. Besser wird das bis Neuseeland wahrscheinlich nicht werden, aber so ist halt das Seglerleben.

Hier in der Bucht treffen wir auch Andy von SY Tina wieder und gestern ist die Kira mit Claus und Tim angekommen. Standesgemäß gab es dann auch einen ordentlich Grillabend mit Steaks aus Uruguay, frischem Baguette und grünem Salat. Die Wiedersehensfreude war auf beiden Seiten groß und die Party ging bis in die frühen Morgenstunden. Leider haben deswegen Tim und Christian dann auch die Parade anläßlich des französischen Nationalfeiertages verschlafen, die hier um 8 Uhr morgens begann. Die Südseeklischees wurden noch bei Weitem übertroffen und das Ganze war nicht etwa eine Show für Touristen sondern ein wirklich tolles Fest für die Einheimischen. Zuerst stürmten mit Palmenwedel geschmückte Reiter mit ihren Pferden durch die Straßen, dann folgte der Aufmarsch der diversen Tanzgruppen und einheimischen Vereine (zB der Tennisclub). Im Anschluss an den Festakt beim Kriegsdenkmal, wo noch alles unter Aufsicht der offiziellen Vertreter aus Frankreich stattfand, gab es dann Tanzaufführungen und Spiele am Sportplatz, wo die Einheimischen unter sich blieben. Von den Gendarmen und Militärvertretern keine Spur mehr. Es waren nur ein paar Yachties anwesend, ansonsten weit und breit keine anderen Touristen. Das Ganze war sehr stimmungsvoll und wir waren begeistert von der Anmut der Tänzerinnen, dem kriegerischen Auftreten der Tänzer und der polynesischen Lebensfreude. Nach dem offiziellen Teil gab es dann noch Gratisgetränke, Kuchen und Brötchen für alle Zuschauer. Wir haben uns erst nicht hingetraut, so unter dem Motto, ist ja bestimmt nur für die Einheimischen, aber der Dorfpolizist hat uns dann persönlich mit Bier und Brötchen bewirtet! Danke, es war echt ein schönes Fest!

scheint Spaß zu machen – eigentlich sollte das doch die feindlichen Krieger erschrecken

die Mädels von der Tanzgruppe

traditionelle Tätowierungen

„Wild“ – mehr fiel Claus und mir dazu nicht ein

sehr sympathisches Lächeln

Am Montag geht es weiter auf die nächste Insel – Tahuata – wo es den einzigen weißen Sandstrand auf den Marquesas geben soll! Wir freuen uns schon darauf!

Mehr Fotos von Fatu Hiva und Hiva Oa gibt es, wenn die Internetverbindung mit mir gnädig ist! Im Moment ist es gerade sehr zäh…

3 Gedanken zu “Von Fatu Hiva nach Hiva Oa

  1. Danke für den interessanten Bericht und die tollen Fotos! Ich wäre jetzt gerne bei euch🙂 Ganz liebe Grüße Steffi

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