In Tahiti angekommen – mit Flauten, Pech und Pannen

So, endlich wieder einmal ein Lebenszeichen von der THOR, leider hatten wir in den letzten 3 Wochen keine Möglichkeit uns zu melden. Aber dazu mehr etwas spaeter – jetzt der Reihe nach:

Nachdem wir die Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag auf Hiva Oa genossen hatten, machten wir uns auf den Weg nach Tahuata, eine etwas kleinere Insel südwestlich von Hiva Oa. Unbewohnte Ankerbuchten und der einzige Sandstrand auf den Marquesas enttäuschten uns nicht und so wurden die Tage mit Lagerfeuern am Strand und Entspannen nach der langen Überfahrt verbracht. Ging man ein paar Schritte in den Dschungel fand man alles für den täglichen Vitamin-Bedarf wie Zitronen-, Grapefruit- und Papayabäume sowie ausreichend Kokosnüsse.

Entspannt auf Tahuata

endlich wieder Lagerfeuer!

wir nutzen die Gelegenheit, um eine Lage Grundierung auf den Lackschaden aufzubringen…

ein bisschen Ballast auf der einen Seite, dann kann man auf der anderen Seite schön streichen!

Wir hatten aber etwas Termindruck, weil wir Besuch von Christians Schwester Annette und ihrem Freund Elliot auf Tahiti bekommen würden. Die beiden kommen aus Neuseeland und da ist das wirklich nur ein Katzensprung in die Südsee. Und wir freuten uns schon sehr darauf, endlich wieder jemanden von unserer Familie zu sehen! Unser Plan war, dass wir am letzten Juli-Wochenende in Papeete ankommen würden. Die beiden würden am 26.07. ankommen und die ersten Tage im Hotel verbringen. So weit so gut. Wir sind also am 20.07. losgefahren und haben für die 750 sm lange Strecke 7 – 8 Tage Überfahrt veranschlagt, sogar noch mit 2 Tagen Reserve eingeplant. Im Normalfall wäre das auch leicht zu schaffen gewesen, aber wir haben die Unbeständigkeit des Passatwindes im Pazifik völlig unterschätzt. Den ersten Tag hatten wir super guten Wind und schafften 120 sm, worauf wir uns schon eine schnelle Überfahrt ausgerechnet haben. Aber nix da. Schon am zweiten und dritten Tag hatten wir totale Flaute und schafften nur Etmale von 70 sm und 40 sm. Na gut – eine rechtzeitige Ankunft wäre noch immer möglich gewesen, wenn wir danach guten Wind gehabt hätten. Den hatten wir für genau 2 Tage, dann war er wieder weg, der Passatwind. Und danach 4 (!) Tage Flaute. Aber so richtige Windstille. Früher haben wir ja Windstärken von 1 -2 Bft. als Flaute bezeichnet, aber mittlerweile wissen wir, dass man da noch immer locker 3 Knoten schnell segeln kann wenn man tief in die Regattatrickkiste greift. Nein – hier ist die Rede von absoluter Windstille mit Segelgeschwindigkeiten von 0,5 – 1 Knoten, wobei man auch nicht vergessen darf, dass uns davon eine leichte Strömung vorwärts geschoben hat.

Spiegelglatte See

Jetzt könnte man natürlich sagen: warum habt ihr nicht einfach den Motor angeschmissen? Wären ja nur noch 200 Meilen oder so gewesen? Tja, auf den Marquesas gab es keinen Diesel, was für so entlegene Inseln gar nicht so ungewöhnlich ist, da die Versorgungsschiffe nur alle paar Wochen mal vorbeikommen. Wir hatten also noch 30 l Diesel an Bord, was für ca. einen halben Tag motoren reicht. Wir entschlossen uns aber trotzdem, einfach mal ein paar Stunden zu motoren, vielleicht würde der Wind dann ja kommen und wir hätten dann schon weniger Reststrecke. Aber nach 2 Stunden Fahrt ist der Motor einfach ausgegangen. Natürlich kurz nach Sonnenuntergang, wo wir nicht mehr viel unternehmen konnten. Wir haben also bis zum nächsten Morgen gewartet um bei Tageslicht der Ursache für den trotzigen Motor auf den Grund zu gehen. Dem Geräusch nach zu urteilen, hatte sich nichts in der Schraube verfangen und es klang eher so, als ob der Motor keinen Diesel mehr bekommen würde. Der Tank war aber noch zu einem Drittel voll, also haben wir mal den Dieselfilter gewechselt. Das war auch gut, weil der war nämlich völlig mit dunkelbraunem Zeugs verstopft. Wir konnten dann den Motor wieder ganz normal starten und haben uns voll gefreut. Wir wollten jetzt aber kein Risiko eingehen und den Motor erst kurz vor Papeete wieder starten.

schnell mal Dieselfilter wechseln

Hinzu kam jetzt noch ein kleines anderes Problem. Seit Fatu Hiva funktioniert unser E-Mail Verkehr über Kurzwelle nicht mehr. Wir können uns zu keinem PSK-Server verbinden da sich diese in mindestens 3000 Seemeilen Entfernung befinden und das Modem hat auch die meiste Zeit – trotz intensiver WD40-Behandlung – einen Wackler. Annette und Elliot waren da bereits ein paar Tage auf Papeete und sollten am Montag aus dem Hotel ausziehen. Wir hatten aber noch 65 Seemeilen vor uns, keinen Wind, Diesel für 35 Seemeilen und einen mehr als nicht richtig funktionierenden Motor. Das GPS sagte uns eine voraussichtliche Ankunftszeit von 4 Tagen voraus. Na toll, da wären die beiden ja schon wieder fast in Neuseeland!! Zum Glück funktioniert die Funkanlage aber grundsätzlich zum Sprechfunk und über das Pacific Island Net konnten wir uns dann mit Tim und Claus von der KIRA verständigen, die liebenswerterweise über ihr Satellitentelefon unseren Besuch über unsere Verspätung informiert haben. Vielen lieben Dank noch einmal dafür ihr zwei!!!s Also gut, jedenfalls konnten wir uns zu dem Zeitpunkt nicht über Mail verständigen und es gab nach wie vor keinen Wind.

Am Abend sahen wir bereits die Umrisse von Tahiti (wie gesagt 65 sm entfernt) und es war einfach noch völlig unerreichbar für uns. Emotional war das viel, viel schlimmer, als die 47-Tage lange Überfahrt von Panama zu den Marquesas. Das war im Vergleich dazu richtig schön gemütlich und entspannt – da hatten wir eine gute Zeit. Naja, zurück zu dieser Geschichte. Wir mussten wohl die Ankunft noch um einen Tag verschieben. Und dabei hatten wir uns schon alles so schön ausgemalt, wie die Ankunft sein würde und was wir als Erstes unternehmen würden usw. Nach der Funkrunde am Montag Abend kam dann endlich etwas Wind auf, zwar aus Nordwest, also völlig ungewöhnlich für diesen Bereich, wo normalerweise der Wind aus Südost kommt, aber egal. Wir konnten segeln! Am Dienstag in der Früh hatten wir dann noch 38 Seemeilen und wir starteten den Motor. Wir könnten so noch bei Tageslicht ankommen. Aber falsch gedacht – nach 4 Stunden Fahrt ging der Motor erneut aus, wieder einfach abgestorben. Er ließ sich zwar immer wieder starten, ist aber nach ein paar Sekunden immer wieder ausgegangen. Ok, also was tun? Noch einmal Dieselfilter wechseln. Da wir aber nach diesem nur noch einen in Reserve hatten, haben wir uns vorerst nicht mehr getraut zu motoren. Ein Filter müsste ja dann noch für die Einfahrt zum Ankerplatz als Reserver da sein. Nach wie vor hatten wir keinen Wind und mittlerweile waren seit dem Start 10 Tage verfangen. Völlig verrückt für diese kurze Strecke von 750 sm.

Wir waren dann schon 10 Seemeilen vor Tahiti, man konnte schon alles klar erkennen, aber der Sonnenuntergang rückte auch schon immer näher. Dann als Draufgabe noch plötzlich ein paar heftige Squalls (Regenschauer) mit stürmischen Böen, viel Regen und die Sicht war auf 100 m reduziert. Also bei Dunkelheit durch eine unbekannte Riffpassage fahren, mit der Unsicherheit dass der Motor jederzeit ausgehen kann? Und noch dazu mit Wind aus Nordwest, was aus der Leeküste plötzlich eine Legerwallküste machte? Zu viel Risiko, sehr schweren Herzens und mit einigen verzweifelten Tränen meinerseits haben wir uns dann entschlossen, die Nacht vor Tahiti zu kreuzen und mit dem ersten Tageslicht den Kanal durch das Riff zum Yacht-Club zu nehmen. Und das war auch gut so. Wir hatten die ganze Nacht über noch heftigen Wind, teilweise mit Böen von 25 bis 30 Knoten. Sicher auch ein Düseneffekt zwischen den Inseln Moorea und Tahiti, aber wir wollten auch nicht im Lee der Insel warten, weil es wäre ja unsicher, ob wir da ohne Motorhilfe wieder wegkommen. Gut, also Mittwoch Morgen sind wir dann mit dem ersten Sonnenstrahl durch den Pass durch das Riff gefahren, der Wind drehte in der Nacht glücklicherweise auf Südwest, der Motor schnurrte wie ein Kätzchen (das Luder!) und wir machten um 7 Uhr in der Früh sicher an einer Mooring des Tahiti Yacht Clubs fest. Was für eine Freude, man kann sich das gar nicht vorstellen! Insgesamt haben wir also tatsächlich 11 Tage für diese Strecke benötigt, die eigentlich in 7 Tage erledigt hätte sein sollen. Drei Stunden später war unser Besuch an Bord und die erste Flasche Sekt wurde geköpft! Zum Glück hatten sich die beiden schon so eine schöne Zeit auf Tahiti gemacht und auch eine gemütliche Pension gefunden, wo sie unterkommen konnten.

Schon gut, dass wir erst bei Tageslicht in den Pass fahren – obwohl sich dann rausstellte, dass die GPS-Karten genau gestimmt hätten… aber das weiß man ja vorher nicht..

Tja, natürlich hatten wir unterwegs auch immer Wetterfaxe runtergeladen, die aber nicht wirklich gestimmt haben, allerdings haben auch die Gribfiles der Teilnehmer der Funkrunde selten gestimmt. Wir hatten also gar keine Möglichkeit, irgendetwas an der Situation zu verändern. Unseren Blister, den wir auf Hiva Oa repariert haben, haben wir auf der Überfahrt wieder gekillt. Da wir unbedingt ankommen wollten, haben wir ihn zu lange stehen lassen und das Segel ist an einer anderen Stelle wieder gerissen. Also da muss spätestens in Neuseeland auch noch einmal Ersatz her. Der eine oder andere wird sich jetzt vielleicht noch denken: wärt ihr halt eine Woche früher los gefahren! Hm, diese Entscheidung ist nicht ganz einfach, wenn man gerade kurz vorher eine 7-wöchige Überfahrt hinter sich hat. Und man konnte ja nicht damit rechnen, dass man bei einer Überfahrt von 750 sm gut 5 Tage totale Flaute bekommt. Naja, egal.

Das war also eine wirklich unvergessliche Überfahrt und wir brauchen jetzt einmal ein paar Tage Pause. Wir vermuten, dass der Diesel im Tank oder der Tank selbst verunreinigt sind und werden jetzt erstmal den alten Diesel ablassen, den Tank reinigen und frischen Diesel nachfüllen. Ob das Problem mit dem Motor dann behoben ist, wissen wir nicht, aber andere Möglichkeiten fallen uns im Moment nicht ein. Wenn jemand einen Tipp dazu hat, was das sonst noch sein könnte, bitte um Info!

Tahiti selbst ist wunderschön, wir genießen das lebhafte Treiben in der Großstadt und lassen uns von Annette und Elliot aufpäppeln! Es gibt französische Leckerbissen vom Carrefour um die Ecke und wir verbrachten jetzt noch ein paar tolle Tage mit den beiden; leider fliegen sie morgen schon wieder zurück nach Auckland! Vielen Dank noch einmal für die – wenn auch kurze – wunderschöne Zeit!

beim Italiener in Papeete

wir lassen es uns wieder gut gehen und freuen uns über unseren Besuch!

6 Gedanken zu “In Tahiti angekommen – mit Flauten, Pech und Pannen

  1. Nachdem ich euch in letzter Zeit ein wenig vernachläßigt habe – freut es mich umso mehr, dass es euch gut geht und eure Top-Berichte lesen zu dürfen. Möchte euch wiederum danken, dass ihr es ermöglicht die Welt von zu Hause aus so nah und vor allem fast live, mit wunderbaren Bildern mitzuerleben. Sollte es auf der nächsten Reise einen Platz geben, ich wäre dann auch als Mechaniker für den Diesel zu gebrauchen….Beim Diesel ist oft das Problem auch mit dem Kondenswasser (Wasserabscheider??), was er nicht mag.
    Viel Erfolg und viel Spaß noch und bleibt Gesund – Günter

  2. Oje wenn ich sowas lese kommt bei mir nur ein Gedanke, „scheiß Segelei“😉 Wir sind seit einer Woche Daheim und uns fehlt es schon jetzt „Zeit“ zu haben. Aber wir zehren von den tollen Erlebnissen und freuen uns über die tolle Ankunft die wir hatten.
    Wir denken an Euch und schicken euch ganz ganz liebe Grüße aus Bremen. Anna und Robert

  3. noch jemand, der SEHR beruhigt ist🙂 Froh, dass nix Schlimmes war. Vermutlich hätt ich Euch auch bei intakter SW-Verbindung keinen passenden Wind schicken können. Diesel-Tipp kommt per mail.
    „Entstresst“ Euch erstmal😉 LG

  4. Nachdem mein erster Kommentar verschwunden ist hier nun der zweite Versuch. Danke für die schönen Fotos und die ausführliche Information. Habe eben mit Annette telefoniert. Ihr hattet doch noch einige wenn auch wenige schöne gemeinsame Tage. Erholt euch von dem Frust.
    LG Mama

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