Zurück in der Zivilisation – Niue

Wir hätten nicht gedacht, dass man sich innerhalb von ein paar Stunden gleich in eine ganze Insel verlieben kann. Aber in Niue ist genau das passiert. Sobald wir an Land waren – was in Rekordzeit geschah, sobald wir an der Mooring festgemacht hatten – begegneten wir so vielen netten Menschen und einer beeindruckenden Landschaft, dass wir es später am Abend noch immer nicht ganz fassen konnten. Das Ganze erinnerte uns schon sehr an Neuseeland im Kleinformat.

Ohne Kommentar

Wir kamen um ca. halb fünf am Freitag Nachmittag an und bauten in Windeseile unser Banana-Boot zusammen. Da wir wieder ein paar hundert Meilen weiter nach Westen gesegelt waren, wurde die Uhr wieder um eine Stunde zurückgedreht und es bestand noch die Chance, dass wir gerade noch etwas im Supermarkt erwischen. Vor allem frisches Obst und Gemüse, Eier und ein paar kalte Getränke standen am Einkaufszettel. Im Segelführer stand zu lesen, dass bei Ankunft am Freitag Nachmittag mit dem Einklarieren ruhig bis Montag gewartet werden kann, also machten wir uns deswegen vorerst keine Gedanken. Am Dinghisteg trafen wir gleich eine australische Crew, die wir schon öfter gesehen hatten. Wir bekamen die Wegbeschreibung zum Supermarkt und hatten dann auch gleich die Gewissheit, dass dieser noch offen hat. Vor dem Supermarkt trafen wir dann Alejandro aus Malta, der mit seiner Yacht Mahina unterwegs ist, den wir auch schon mehrfach getroffen hatten. Er war gerade in ein Gespräch mit den Supermarktmitarbeitern vertieft, die sich gleich nach unserer Überfahrt erkundigten und ob alles gut gegangen sei usw. Das war schon ziemlich überraschend. Man muss noch dazu sagen, dass die ganze Insel über nicht mehr als 1.600 Einwohner verfügt und zwar ein unabhängiger Staat ist, aber kräftig mit Zahlungen aus Neuseeland unterstützt wird.

Alejandro erklärte sich dann auch gleich bereit, uns die wichtigsten Anlaufstellen im Dorf zu zeigen, nachdem wir eingekauft hatten. Nach 4 Wochen ohne Einkaufsmöglichkeit sitzt die Geldbörse schon lockerer und wir kauften einfach mal, worauf wir wirklich Lust hatten, ohne allzu sehr auf den Preis zu achten. Ganz billig ist es hier nämlich auch nicht. Aber egal fürs Erste.

Dann ging es zum Duty-Free Laden, der von der Regierung betrieben wird und wo man innerhalb der ersten 24 Stunden nach Ankunft und am Tag der Abreise zollfrei Alkohol und Tabak kaufen kann. Im Supermarkt gab es nämlich kein Bier…. Wir hatten zwar offiziell noch nicht einklariert, aber das war alles kein Problem. Einfach den Yachtnamen und den Namen des Skippers angegeben und schon konnten wir uns was aussuchen. Da wir aber die neuseeländischen Biersorten nicht (mehr) kennen, bekamen wir eine Dose zum Kosten und dann kauften wir ein bisschen ein. Der Typ in diesem Geschäft meinte dann sogar noch, wenn wir nicht genug Geld haben, können wir das Zeug einfach mitnehmen und morgen bezahlen – er vertraut uns. Wo hat man so was schon gesehen? Da wir aber eh nicht viel einkauften, war das kein Problem und wir machten uns auf zum Niue Yacht Club, der die Moorings vermietet.

Der Yacht Club verfügt nur über ein Clubhaus, aber über keine Marina, das ist hier aber egal. Man kann für eine kleine Gebühr einen Duschschlüssel erhalten, wo es sogar Warmwasser gibt und es gibt kostenloses Internet. Betreffend die Geschwindigkeit und die Qualität der Internetverbindung kriegt man zwar graue Haare, aber es reicht für Mails und das Hochladen von ein paar Bildern am Blog – wenn man viel Zeit hat. Skypen kann man leider vergessen.

Die nette Mitarbeiterin im Yacht Club wies uns dann aber gleich darauf hin, dass wir eigentlich gar nicht an Land sein dürften, wenn wir noch nicht bei Zoll und Immigration waren, sogar eine Strafe von 200 NZD (Neuseeländ. Dollar) wäre möglich. Wir sollten also einfach schnell wieder zurück aufs Schiff gehen und dort über Funk die Behörden anrufen. Sie würde einfach sagen, dass sie uns noch nicht gesehen hätte. Cool!

Gesagt, getan. Nach einigem Hin- und Herfunken am selben Abend und am nächsten Tag zeitig in der Früh bekamen wir dann einen Termin für 8 Uhr am Steg mit den Behörden. Am Steg traf dann kurze Zeit später der Mitarbeiter der Zollbehörde mit seinem Lieferwagen ein, mit seiner kleinen Tochter am Beifahrersitz. Wir wurden kurz befragt, wo wir herkommen, wie lange wir bleiben wollen und ob wir die Zollpapiere aus Suwarrow dabei haben. Hatten wir natürlich alles. Er nahm dann nur die Zollpapiere aus dem letzten Hafen mit und meinte dann ganz freundlich, dass wir den Papierkram einfach am Montag erledigen. Er hat uns ja jetzt gesehen und wir dürfen jetzt offiziell auf der Insel sein. Echt total nett. Der Beamte meinte sogar noch, dass er schon gestern Abend gesehen hat, dass wir angekommen sind, aber er und seine Kollegen dachten, wir wollen uns vielleicht lieber noch ausruhen. Da hatten wir fast ein schlechtes Gewissen. Dann fragte er noch, was wir jetzt vorhaben und wir meinten, dass wir zum Dorffest wollen. Wir hatten davon am Vortag im Yachtclub erfahren. „Kein Problem, ich fahr euch hin! Habt ihr auch schon neuseeländische Dollar dabei?“ Soviel Gastfreundschaft haben wir echt noch nirgends erlebt.

Das Fest fand in der Highschool der Insel statt, ein paar Kilometer vom Dorf entfernt. Was waren wir froh, dass wir eine Mitfahrgelegenheit hatten. Wir haben nun in Polynesien schon erlebt, dass solche Feste tatsächlich immer sehr früh am Morgen beginnen und so gegen Mittag wieder beendet sind. Auch nicht schlecht irgendwie. Das Fest hatte den Namen „Village-Show-Day“ und es ging vorrangig darum, den Besuchern und anderen Dorfbewohnern Tanz- und Singeinlagen vorzuführen. Das größte Gemüse wurde in einem Wettbewerb ausgestellt und dann gab es in der Turnhalle auch noch eine Ausstellung von Handwerksarbeiten, die von den Dorfbewohnern hergestellt wurden. Rings um die Bühne waren Essensstände aufgebaut, wo es riesige Portionen an Grilltellern (ja, ja – zum Frühstück), Salaten und Süßigkeiten zu Kaufen gab. Da wir schon so früh aufgestanden sind, hatten wir auf das Frühstück verzichtet und kosteten uns jetzt so durch.

mit vollem Einsatz bei der Sache

Um zehn Uhr Vormittag starteten dann die Vorführungen, bei denen Jung und Alt mitwirkten, und das Ganze endete in einem Coconut-Husking-Competition. Also wer kann am Schnellsten eine Kokosnuss von ihrer Außenhülle befreien? Das ganze fand zwischen den ausländischen Besuchern (vorrangig Yachties), den Frauen und Männern der Insel statt. Es wurde nach Zeit gewertet, wobei die Besucher für die 2 Kokosnüsse ca. 2 Minuten brauchten und die schnellsten Dorfbewohner 15 Sekunden für drei Nüsse!! Übrigens war mein lieber Skipper in der Gruppe der Besucher am schnellsten. Hihi. Die Dorfbewohner meinten dann, dass wir ganz gut auf einer einsamen Insel überleben könnten. Cool.

Am Nachmittag fand dann noch ein Rugby-Spiel statt, wofür wir dann aber schon wirklich zu müde waren. Es ging dann noch einmal kurz in den Yachtclub, um die Mails der letzten Wochen abzurufen und dann zurück aufs Boot.

Niue wird von seinen Bewohnern auch als „The Rock“ bezeichnet, da es sich bei der Insel eigentlich um ein Korallenatoll handelt, das aber gänzlich über dem Meeresspiegel liegt (68m über dem Meer). Der Meeresboden fällt gleich nach dem Ufer steil nach unten ab, darum kann man hier auch wirklich schlecht ankern. Die 20 Mooringbojen wurden 2010 errichtet und werden jährlich zur Hurrikan-Saison wieder aus dem Wasser genommen und somit regelmäßig gewartet. Wir liegen also mit ruhigem Gewissen hier. Was auch sensationell ist, ist die Klarheit des Wassers hier. Da die ganze Insel aus Kalkgestein besteht, fungiert diese sozusagen als Filter und man sieht selbst bei 20 Meter Wassertiefe noch bis zum Grund. Wir werden also in den nächsten Tagen sicher auch noch die Unterwasserwelt erkunden und es steht ev. noch eine Inselrundfahrt am Programm.

Der Plan ist im Moment, dass wir noch bis Freitag oder Samstag hier bleiben und dann geht es weiter nach Tonga – unserem Absprungsort nach Neuseeland!

PS: Nachdem das Hochladen von einem Foto hier ca. 45 min. dauert, gebe ich auf. Vielleicht habe ich auch gerade die falsche Tageszeit erwischt. Den Rest gibt es, sobald wir wieder eine schnelle Internetverbindung haben… Versprochen!

8 Gedanken zu “Zurück in der Zivilisation – Niue

  1. Wie gewohnt traumhafte Bilder und wunderschön geschriebene Reiseberichte!
    Habe mein Schiff letzte Woche in Frankreich aus dem Wasser ins Winterleger verbracht und konnte zumindest ein paar Tage bei gutem Wind und Wetter absegeln, mein maritimes Zuhause nutzen und bei Sturm & Regen in der Koje Romane schmökern.

    Genießt Eure „neverending sailing season“!
    Allzeit guten Wind…
    Rainer

  2. Was great to read your blog fraser and i heading to niue 3 November look forward to comparing experiences when you arrive in nz

  3. Hm… Scheint warm da zu sein. Koennte ich jetzt auch irgendwie vertragen. Sitze gerade in einem Hostel im Osten Islands. Hier hat es Frost und endlich verzieht sich der Regen mal wieder. Hoffe, der Sturm laesst auch nach.
    Jens

  4. Schön, wieder von euch zu lesen! Bertel+UTS, SY Odin, habt ihr knapp verpasst, die waren kurz vor euch da und genauso begeistert von Niue wie ihr jetzt! Sie sind weiter nach Tonga, und von da nach Viti Levu, Fidschi, wo sie ihre Maschinenprobleme lösen müssen. Lasst`s euch gut gehen, ihr beiden Lieben! Wir „segeln“ in 1 Wo. mit Katze in das kalte Deutschland…

  5. Ein solch herzliches Willkommen hab ich auch schon in anderen Berichten von SYten gelesen. Schön dass ihr das auch so erlebt. Applaus für den schnellsten Cocousnussöffner, war bestimmt lustig. Freu mich aufs skypen.
    LG Mama

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