Wo wir uns gerade so rumtreiben …

Das Königreich Tonga erstreckt sich über eine Fläche von 748 km², besteht aus 170 Inseln, von denen 36 bewohnt sind und hat etwa 115.000 Einwohner. Der König schaltet und waltet mit einer kleinen Gruppe Erbadliger, da sie die ständige Mehrheit in der gesetzgebenden Versammlung haben. Tonga wurde nie vollständig kolonialisiert, darum wird es von seinen Einwohnern auch als einzigartig im ganzen Pazifik angesehen.

Wir finden Tonga auch einzigartig und zwar vor allem wegen seiner Landschaft. Als wir von Niue hierher segelten, hatten wir überhaupt keine Vorstellung, wie das hier aussehen wird und wir sind wirklich positiv überrascht worden. Tonga besteht aus einer Reihe von Inselgruppen, wobei die drei wichtigsten Gruppen Vava’u, Ha’apai und Tongatapu heißen. Wir befinden uns jetzt in der Vava’u Gruppe ganz im Norden. Die Inseln bestehen aus Korallen und Kalkstein und sind aber gleichzeitig sehr fruchtbar. Zusätzlich gibt es auf den meisten Inseln aber auch noch feinste weiße Sandstrände!

Beautiful Islands

Es wird hier – im Gegensatz zu den meisten anderen Inseln im Pazifik, die wir gesehen haben – wieder Gemüse angebaut. So kann man sich auch am Markt schön mit Tomaten, Paprika, Gurken, Auberginen usw. eindecken. Das Obst wächst hier von ganz allein. Die Mango-Bäume sind so zahlreich, dass der Großteil der Früchte überreif am Boden landet und dort verrottet. Die Menschen nehmen was sie brauchen, für weitere Aktivitäten wie zB das Obst einzukochen oder zu verkaufen, sind sie glaub ich nicht zu motivieren. Hier geht alles noch eine etwas langsamere Gangart, um 16 Uhr schließen die Geschäfte, die Bars und Restaurants sind meist um 22 Uhr geschlossen und am Wochenende haben nur die chinesischen Läden offen. Der Sonntag ist heilig und auch die Yachties sollten lieber nicht dabei erwischt werden, sonntags auf ihren Booten zu arbeiten. Da ist der Tonganer echt beleidigt.

„Ausgeh-Fein“ in Tonga

Letzte Woche machten wir uns dann auch einmal auf den Weg um ein paar Ankerplätze gemeinsam mit der SY Kira zu erforschen. Insgesamt gibt es in der Vava’u Gruppe so an die 40 Ankerplätze – wir haben schon 2 davon gesehen!😉

Törnplanung auf der KIRA, Foto: SY Kira, Tim und Claus

Seit Moorings hier eine Charterbasis eröffnet hat, sind die Ankerplätze ganz unromantisch mit Nummern versehen worden, aufgrund der unaussprechlichen Namen ist dies aber aus organisatorischen Gründen auch verständlich. Wir machten uns also auf den Weg zum Ankerplatz Nummer 8 – Nuku, wo uns eine kleine Insel mit winzigem weißen Sandstrand erwartete, die wir (fast) für uns alleine hatten.

unsere Privatinsel für ein paar Tage

Unser Swimming-Pool

Dies soll wohl die meistfotografierteste Insel Tongas sein, wir können verstehen warum. Sie wird auch als Picknickinsel Tongas bezeichnet. Wir haben es uns dort dann auch gutgehen lassen, Bananen und Kokosnüsse gefunden und Abends gab es dann Döner Kebab auf der Thor. Mit selbstgemachten Fladenbroten, original mit selbstgemachtem Krautsalat, Tomaten, Zwiebel, selbstgemachtem Tsatsiki und viel „Scharf“. Döner from scratch.

Döner Kebab – eine Geschäftsidee für NZ?😀

Am nächsten Tag verirrte sich leider ein kleines Ausflugsboot auf unsere Insel, die wir aber mit unserem Lagerfeuer, das leider ziemlich rauchte, schnell wieder los wurden. Hihi… Dabei wollten die Jungs auch einmal versuchen, ohne Feuerzeug unser Lagerfeuer zu entfachen, nämlich mit Hilfe von Bambus und Kokosfasern, aber das braucht wohl noch etwas Übung.

Survival-Training auf Nuku

Selbstversorger

Beim Ankeraufgehen hatten wir dann leider ziemliche Probleme unseren Heckanker hochzubringen. Der Wind hatte gedreht und so steckte unser Bügelanker jetzt in 16 m Tiefe zwischen ein paar Korallenblöcken fest. Einerseits gut, weil wir sonst auf der Insel gelandet wären, andererseits hatten wir aber jetzt einige Mühe von hier wieder wegzukommen. Zu Guter Letzt musste Christian dann mit der Taucherflasche runter. Eine Sache von ein paar Minuten, das hätten wir vielleicht gleich machen sollen. Während Christian dann noch seinen Sicherheitsstopp auf 5 m Tiefe absolvierte, sammelte ich mit der Thor erst den Anker und dann auch meinen Taucher wieder ein. Der Motor ging dabei zweimal wieder aus, aber letztendlich war dann wieder alles in Ordnung.

Weiter also zum nächsten Ankerplatz, Nummer 17 – zur Insel Lape. Die Dorfbewohner von der Insel veranstalten in der Segelsaison dort in regelmäßigen Abständen ein traditionelles Festessen, mit Spanferkel und im Erdofen gegarten Spezialitäten.

die Ferkelchen brutzeln den ganzen Tag schön vor sich hin

Das Essen kostet nichts, aber man wird um eine Spende gebeten, mit deren Hilfe das Dorf bereits einen Steg und andere Baulichkeiten errichten konnten. Echt super! Wir gingen bereits am Nachmittag an Land, aber leider etwas zu spät, da der Erdofen schon gerade zugedeckt wurde. Im Prinzip befindet sich in einer Grube ein Feuer und Vulkansteine. Nachdem das Feuer niedergebrannt ist, dienen die Vulkansteine als Hitzequelle, die Speisen werden in Bananenblätter gewickelt daraufgelegt, dann wird die Grube mit Bananenblättern und einer Wolldecke zugedeckt und zum Schluss kommt noch eine Schicht Erde darüber. Typischerweise wird im Erdofen, Fisch, Süßkartoffeln, Brotfrucht, Taro und andere Beilagen gegart. Nach ein paar Stunden wird das Ganze dann wieder ausgegraben. In der Zwischenzeit durften wir uns im Dorf umsehen, bekamen eine Tasche mit Mangos in die Hand gedrückt und der Lehrer Daniel zeigte uns seine Schule. Im Moment gibt es 9 Schüler auf der Insel, in 6 unterschiedlichen Jahrgängen! Seit diesem Jahr hat Daniel also eine Kollegin zur Unterstützung bekommen und die beiden unterrichten in einem Raum, der nur durch die Tafel getrennt ist.

die Schule in Lape

Daniel, der Dorflehrer

Abends (also 17 Uhr für polynesische Verhältnisse – kurz vorm Dunkelwerden halt) startete dann das „Feast“, wir wurden mit Blumenketten begrüßt und die vielen verschiedenen Speisen wurden an einem langen Tisch aufgebaut. Als Teller dienten die dicken Enden der Bananenstauden, kunstvoll geschnitzt und es waren an die 50 Yachties anwesend.

ganz schön viel Arbeit

super Essen!

beim „Tongan Feast“ in Lape

Die meisten kannten wir sogar und so gab es wieder Einiges zu erzählen. Der Abend endete dann für die Jungs mit der Fernsehübertragung des Rugby-Spieles Neuseeland gegen Australien im Gemeinschaftssaal des Dorfes, mit selbstgebrautem Kokosnuss-Bier und Kokosnuss-Rum.

Da unser Motor noch immer spinnt, hat Christian dann in der morgendlichen Funkrunde, die mittels Repeater über die gesamte Inselgruppe läuft, die Segler zu einem Brainstorming eingeladen. Woran könnte es liegen, dass wir Seewasser im Motoröl haben? Angefangen hatte die Misere ja mit einem verstopftem Dieselfilter, dann hatten wir Seewasser im Diesel (ok, Tankdeckel war nicht richtig zu) und nun Seewasser im Motoröl. Nun kommt jeden Tag ein Segler vorbei, um unseren Motor zu begutachten und der Motor ist auch schon Gesprächsthema an der Theke im Sunset Grill. Sehr witzig. Heute soll jedenfalls ein australischer Segler vorbeikommen, der zufällig Dieselmotoren-Mechaniker ist! Yippiee. Hoffentlich kann er uns helfen. Bis Neuseeland können wir wohl nicht mehr mit der Reparatur warten, weil der Motor sonst von innen verrostet. Übrigens haben wir schon eine Theorie wie das ganze Motorproblem entstanden ist. Claus und Tim von der Kira können sich nämlich noch gut an Christians Worte nach der erfolgreichen Schleusung durch den Panamakanal erinnern: „So, lieber Motor, jetzt kannst du kaputt gehen, …“ Ja, ja, sowas sollte man auf See nicht sagen. Falls jemand unter euch Lesern Ideen zu unserem Motor hat – sagt uns bitte Bescheid! Es handelt sich um einen Vetus 33 PS Dieselmotor, Type M 414, Serie A, Baujahr?

Wir sind mittlerweile wieder in Neiaf’u und werden jetzt erstmal am Motor herumtüfteln. Bis demnächst!

Ach ja, noch ein bisschen was zum Segeln hier: es ist absolut fantastisch! Keine Welle, schöner Passatwind! Steil abfallende Küsten, also kaum Hindernisse im Weg – echt cooles Segeln! Von den Entfernungen der einzelnen Ankerplätze her- so im einstelligen Seemeilenbereich- ist das Revier IMHO ein ideales Charterrevier.

Schönes Segeln! Foto: SY KIRA, Tim und Claus

NACHTRAG: Motor läuft wieder, es war ziemlich sicher die Seewasserpumpe, die völlig verrottet ist, die Kugellager schon völlig aufgelöst – siehe Foto. Und zum Glück hatte die KIRA eine Ersatz-Seewasserpumpe im Gepäck und wir haben den gleichen Motor! Wir dürfen das Teil bis Neuseeland ausleihen, wo wir dann eine neue Pumpe kaufen können. Das hätten wir hier in Tonga nämlich auch nicht so einfach bekommen… Wir sind total happy, danke Claus und Tim!

links die alte Pumpe, rechts die Neue!

Geschafft!

8 Gedanken zu “Wo wir uns gerade so rumtreiben …

  1. Hello Christine and Christian, (It takes time a little to figure it out) lol

    I am so excited to see the clear blue water and so many of tropical ingredients that is so nice out there. It is very cold out here and rarely sunshine. oh in that photo of banana tree can made some good thai cooking. Your photographs are very nice. Luksana/Steph

    • OK, now you made my mouth water…. You guys will hurry up and be on your way next year, and we will go back to the pacific next year. Then we meet in Hawai or French Poly for a Thai/German cooking party… Yummie.

  2. Hallo Ihr Lieben, wir wünschen Euch eine angenehme und zügige Überfahrt nach Opua. Bitte gebt irgendwie Nachricht, wenn Ihr da seid.
    Fair Winds Silke & Dieter

  3. Hallo ihr zwei, ist echt immer spannend bei euch – und wir freuen uns alle (!!) über eure Berichte!
    Müsst also nicht denken, nur weil sich keiner meldet von den Schuberts, denkt auch keiner an euch… Manche schreiben nur nicht gern ;)))

    Alles Gute,

    Elke und die anderen, die sich nicht zu schreiben trauen….

    • Hi Elke, schön von Dir zu hören. Wir freuen uns immer über Feedback oder Nachrichen aus der Heimat. Gruss auch an die die sich nicht trauen😉.
      Alles Liebe,
      Christian

  4. Hab am Ende des Berichtes durchgeatmet und dabei gemerkt wie interesant und spannend der Artikel zu lesen war. Solch schöne Fotos!!! Das letzte glückliche Foto ist das Tüpfelchen auf dem „i“.
    Bitte nochmal melden vor eurer Abfahrt.
    LG Mama

  5. Pingback: Leben auf tonganisch | vor-dem-wind.de

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