Noch immer in Tonga …

Schon ist wieder eine Woche vergangen und bald sind die 31 Tage, die wir mit unserem Visum in Tonga verbringen dürfen, vorbei. Diese Woche verbrachten wir am Ankerplatz Nummer 7, auch Port Morelle nach einem portugiesischem Entdecker benannt. Eigentlich wollten wir hier nur einen Tag verbringen, aber das türkise, glasklare Wasser und der unbewohnte weiße Sandstrand haben uns dann doch zum Bleiben überredet.

Glasklares Wasser

Von hier aus konnten wir auch zwei der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Vava’u Gruppe mit dem Dinghi erkunden – die Mariners Cave und die Swallows Cave, zwei echt faszinierende Höhlen. In die erste muss man sogar hineintauchen, da der Eingang ständig unter Wasser ist. Ich hab es mir einfach gemacht und einfach meine Taucherflasche umgeschnallt. Wir wussten ja nicht, wie weit man da wirklich reinschnorcheln muss. Die Jungs sind ohne Flasche reingetaucht und das war wohl auch ganz einfach.

Unterwegs mit 15 Pferdestärken

Tim von der SY Kira hat dazu übrigens zwei coole Videos gedreht,die ihr hier findet:

http://vor-dem-wind.de/2012/11/06/swallows-cave/

http://vor-dem-wind.de/2012/11/05/hohlen/

Wir haben unsere Zeit aber nicht nur mit Schnorcheln und Faulenzen verbracht, sondern die Thor auch schon für die Überfahrt nach Neuseeland vorbereitet. Unsere Luken waren seit Panama nicht mehr ganz dicht, immer wenn viel Wasser übers Seitendeck geschwemmt wurde, tropfte es bei den vier Bullaugen in den Salon und ins Bad. Also haben wir die die Alu-Rahmen der Bullaugen galvanisch getrennt eingebaut. Dies war vorher nämlich nicht der Fall und die Rahmen sind einfach zerbröckelt, wodurch immer ein bisschen Wasser durchkam. Gleichzeitig haben wir bei der Arbeit gleich wieder ein paar Roststellen entdeckt, die wir dann mit drei Lagen Rostschutz gestrichen haben. Heute oder morgen noch eine Schicht weißer Lack drauf, dann passt es wieder.

Bei unseren Verbraucherbatterien wurde der Wasserstand nachgefüllt, was schon sehr dringend nötig war und wir haben einen Riggcheck gemacht. Dabei haben wir gleich einen richtigen Schrecken bekommen … Unsere zwei Achterstagen sind über eine Wippe mit EINEM Bolzen am Mast befestigt. Durch den Bolzen geht dann theoretisch noch ein Sicherungsstift. Die letzte Überprüfung hatten wir in Panama durchgeführt und seitdem hatte sich dieser Sicherungsstift einfach aufgelöst, bzw. links und rechts einfach abgeschert – im Bolzen war noch ein kleiner Rest vom Stift übrig. Der Bolzen hatte sich schon ein paar mm herausgearbeitet und wäre nach ein paar Stunden/Tagen/Wochen?! völlig rausgerutscht. Und damit wäre dann der Mast einfach nach vorne gekippt und das wäre das Schlimmstmögliche, was neben Wassereinbruch auf so einer Yacht passieren kann. Puha… Glück gehabt!!! Man merkt schon, dass wir seit Panama einfach sehr viel gesegelt sind, so an die 6.500 Seemeilen. Aber jetzt ist der Fehler behoben und wir können wieder ein paar Meilen zurücklegen, ohne darüber nachdenken zu müssen. Beim Segeln setzen wir dann eh noch unsere Backstagen, dann kann noch weniger passieren.

yeah – die THOR von oben… leider kriegen wir sie nicht ganz ins Bild

Abends gab es dann eine kleine Strandparty mit gegrilltem Hühnchen vom Lagerfeuer auf asiatische Art an Kochbananen. War ein sehr lustiger Abend, der dann mit Kava auf der SY Kira endete…

Da man in Neuseeland sehr viele Lebensmittel nicht einführen darf, aus Angst dass damit das dortige Ökosystem nicht aus dem Gleichgewicht gerät, sind wir nun dabei, alles was auf der Liste steht, zu verbrauchen und so zu sortieren, dass die Beamten gleich alles im Überblick haben. Jaja, da wird die Thor bei der Ankunft von drei oder vier Offiziellen geentert und wieder einmal von oben bis unten gefilzt. Es wird sogar das Unterwasserschiff kontrolliert, ob wir keinen Bewuchs darauf haben, der die neuseeländischen Meeresbewohner gefährden könnte. Nicht zu sprechen von den etwa gefühlt 20 Formularen, die wir für unsere Ankunft ausfüllen müssen und eines davon sogar schon vor Abfahrt an die Behörden faxen müssen. Sehr bürokratisch, aber da wir da unbedingt hinwollen, fügen wir uns ganz brav.

sieht nach Arbeit aus

Man merkt dann auch auf dem Ankerplatz, wer noch die meisten Leckereien zu verbrauchen hat. So wurden wir auf die SY Gypsy Blues zu einer Martini-Party eingeladen, wo es neben eisgekühlten Vodka-Martinis mit Limettenscheibchen (was für ein Luxus!!!) noch allerlei Snacks, wie zum Beispiel eingelegte Meeresfrüchte, gab. Alle Boote am Ankerplatz wurden eingeladen, jeder hat etwas mitgebracht und das war auch wieder ein richtig netter Abend.

Übrigens bebt hier die Erde in Tonga auch ganz schön oft. Meistens ist das nur eine kurze Erwähnung auf der Funkrunde wert und die Menschen hier haben sich schon daran gewöhnt. Unser erstes Erdbeben hier hatte die Stärke 6,1 auf der Richterskala und ich bin tatsächlich davon aufgewacht, obwohl ich dachte, dass man das am Wasser vielleicht nicht fühlt?! Christian hat mich ausgelacht und gemeint, ich soll einfach weiterschlafen – aber in der Funkrunde ein paar Stunden später wurde dann bestätigt, dass wir wirklich ein Erdbeben hatten.

Die Zeit vergeht wie im Fluge und viele der Boote sind schon unterwegs nach Süden. Im Radio sind sogar schon die ersten Weihnachtslieder zu hören. Völlig verrückt bei 30 °C, aber wir freuen uns auch schon sehr auf Weihnachten in Neuseeland! Jedes Jahr segeln übrigens mehrere hunderte Boote nach Neuseeland um den tropischen Wirbelstürmen auszuweichen. In der morgendlichen Funkrunde wird die Stimmung, wenn es um das Wetter geht, auch langsam immer panischer. In jedem Tief wird schon ein herannahender Zyklon (= Wirbelsturm) gesehen und man macht sich gegenseitig völlig verrückt. Unser Blick auf die Wetterkarten beruhigte uns dann gleich wieder, die angesprochenen Tiefdrucksysteme befanden sich weit genug von uns entfernt, dass sie uns eher keine Gefahr werden. Aber so ist das, wenn viele Segler zusammen sind und alle „Wetterexperten“ spielen. Wir versuchen uns davon jedenfalls nicht anstecken zu lassen. Grib-Files und Wetterfaxe werden unsere Grundlage für die Überfahrt nach Neuseeland sein und wir werden sehr sorgsam ein Auge darauf werfen, uns aber eher nicht mit allen anderen Seglern beraten. Sonst kommt man nämlich ganz sicher nie von hier los.

In den nächsten Tagen werden wir noch einmal Proviant und Diesel kaufen, uns bei den Behörden abmelden und uns dann für einen oder zwei Tage auf einen ruhigen Ankerplatz verziehen, wo wir unser Unterwasserschiff ordentlich putzen werden. Wir werden noch Socken, lange Hosen, Mützen und die warmen Decken raussuchen und dann steht einem Sommer in gemäßigtem Klima nichts mehr im Wege. Auch den Kira-Jungs müssen wir ein paar Socken leihen, die haben keine mehr😀

Melden uns noch einmal, bevor es losgeht. Jetzt zieht in den nächsten Tagen noch ein kleines Tiefdrucksystem südlich an uns vorbei, vielleicht können wir am Wochenende los!

Übrigens, was mir gerade noch eingefallen ist: man sollte eine Unterwasserkamera, die bis 10 m wasserdicht ist, nicht auf 11 m Tiefe testen. Dann läuft die nämlich voll mit Wasser…. aber Weihnachten kommt ja bald?😉

Und: Wir haben von Andi, einem Profisegler aus Schweden, ein Lob bezüglich unseres Segeltrimms erhalten. Er hat uns nämlich beobachtet, wie wir in die Ankerbucht gesegelt sind und war ganz begeistert, wie gut die Segel standen und wie schön die THOR unter Segeln aussieht. Balsam für die Seele!

Wir genießen noch einmal das tropische Klima, bevor es so richtig kalt wird in Neuseeland

5 Gedanken zu “Noch immer in Tonga …

    • Not sure if clarity of water affects the actual number of sharks that might be present, but you for sure will see more in clear than in murky water😉.

  1. Sieht nach ein paar entspannten Tagen aus. Übrigends haben wir auch schon 23 grad tagsüber- von wegen kalt in Neuseeland… hihi

  2. …und immer diese Farben🙂 Bin froh, dass der Achterstagsbolzen wieder fest sitzt !!! Auch der alte THOR-Eigner freut sich über euren Weg. Aber schade, dass ich euch unterwegs kein Wetter via SW schicken kann… erstmal LG aus dem GRAUEN Norden😉

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