Die Suedinsel

So werte Leser, nach einem kleinen Abstecher auf die Südinsel sind wir nun endlich wieder in Auckland, die Thor schwimmt schon wieder und ist dicht. Grosse Überraschungen beim zu Wasser lassen stellten sich nicht ein. Doch der Reihe nach.

P1010272
Nachdem wir mit unserem boatyard bei dem die Thor an Land stand einen Discount für die Zeit unseres „Urlaubs“ auf der Südinsel ausgehandelt hatte (dann nur knapp 20 $/d – naja, sooo das riesen Schnäppchen wars nu nicht) konnte es losgehen. Wir haben von meiner Schwester den kleinen Toyotabus ausgeliehen bekommen. Dafür übrigens nochmals vielen Dank! Mit 250 Tsd km ist er zwar nicht mehr der allerjüngste, aber um es kurz zu machen, die Fahrt hat er mit Bravour gemeisert. In knapp 4 Wochen haben wir ca. 4500 Kilometer absolviert, teilweise mit langen Schotterstrassenpassagen. Der Townace hat alles klaglos mitgemacht. Wir haben etwa 380 Liter Sprit verballert. Das ist etwa doppelt soviel wie wir während unserer gesamten Pazifiküberquerung – also von Panama bis Neuseeland benötigt haben (inklusive des Butangases zum Kochen waren es da knapp 200 Liter fossile Brennstoffe).

Da wir heuer in Neuseeland einen Jahrhundertsommer hatten war das Wetter eigentlich durchwegs prima. Die gesamte Westküste runter hatten wir strahlenden Sonnenschein. Die Westküste der Südinsel ist normalerweise für sein regnerisches Wetter berüchtigt. Üblicherweise wird dort von gutem Wetter gesprochen wenn es zwischen den Schauern nur nieselt. Gut für uns, konnten wir die bombastische Landschaft der Westküste, anders kann man es kaum beschreiben, bei strahlendem Sonnenschein besuchen. Einziger Wermutstropfen waren die Sandflies, fiese kleine Stechmücken, bei denen selbst der Stich selber schmerzt, und dann wochenlang juckt. Denen hat das Wetter anscheinend auch gefallen, so das sie heuer recht zahlreich vorhanden waren. Selbst die sonst gegen Sandflies recht immunen Einheimischen haben heuer über die Plagegeister geflucht. Insgesamt haben wir drei Insektensprays gebraucht um nicht dem Wahnsinn zu verfallen.
Der Franz- Joseph Gletscher (tatsächlich nach dem österreichischen Kaiser benannt) der vom Mt. Cook- Massiv kommt, fließt fast bis auf Meereshöhe hinab und kann selbst für des Wanderns völlig ungeübte Segler gut erreicht werden. Anschließend fährt man nur wenige Kilometer zum Gillespies Beach einem waschechten Surferstrand. Wo gibt’s so was schon.

Natürlich war unser einziger Schlechtwettertag gerade dann als wir uns den Milford Sound anschauen wollten. Wie schon bei meinem ersten Besuch vor acht Jahren konnte ich von diesem angeblich schönen Postkartenfjord nur eine weise Nebelwand sehen. Grummel.

Insgesamt drei Wanderwege wurden von uns gelaufen. Zuerst einer der sog. Great Walks- der Abel Tasman Coast Track. Dieser entpuppte sich weniger als Wander-, sondern als Spazierweg. Die Wege waren mit fast durchgehend mit über einem Meter Breite in die Klippen gesprengt worden, sodass man bequem die entgegenkommenden Spaziergänger passieren konnte. Der Wanderweg ist durchweg Flip- Flop tauglich (kann ich persönlich bestätigen). Landschaftlich ist das dort alles recht schnuckelig, wechseln sich dort Farnwälder mit goldenen Stränden ab. Wenn ich Spaziergänger sage, dann ist das tatsächlich so gemeint. Insgesamt drei Wassertaxi unternehmen bringen tagein tagaus Tageswanderer in die verschiedensten Buchten am Abel Tasman und holen sie dann in der nächsten Bucht wieder ab. Damit ist der Weg dann völlig überlaufen und man trampelt sich tot. Für Menschen mit leichter Blasenschwäche gibt es in machbaren Abständen öffentliche Toiletten am Wegesrand. Die wenigsten Urlauber dort sind Weitwanderer.

Als Wanderer muss man wie auf allen Great Walks seine Übernachtungen im voraus buchen und bezahlen. Leider kann man dann seine Pläne nicht unterwegs spontan ändern, sondern muss an den Plätzen übernachten welche man sich im Vorfeld ausgesucht hat. Wild Zelten ist natürlich verboten. Mit 14 $/d und Nase fürs Camping an den Zeltplätzen und ca.30 $ für die Hüttenübernachtung waren die Kosten meines Erachtens recht happig. Einerseits wurden die Great Walks ja eingeführt um dem massiven Besucheranstrom Herr zu werden, und außerdem um überfüllte Hütten zu vermeiden- Geld spielt da leider wie so oft eine wichtige Filterfunktion, andererseits wurde meiner Meinung nach viel vom Gefühl der Freiheit beim Wandern genommen.

Der Abel Tasman war mein vierter Great Walk. Die vorhergehenden habe ich allesamt in der Nachsaison (Mai) absolviert, da ist man wenigstens relativ alleine unterwegs und kann bei durchaus grandioser Landschaft seinen Aufenthalt trotz der ganzen Einschränkungen die ein sogenannter Great Walk mit sich bringt geniessen. Der Abel Tasman hat sich für mich in der Hauptsaison also völlig überlaufen präsentiert, so dass die Freude am Wandern doch arg getrübt war. Aus berichten anderer Wanderer ist es in der Hauptsaison auf den übrigen Great Walks nicht anders. Der populärste – der Milford Trek, ist ist regelmässig für die Hauptsaison des nächsten Jahres ausgebucht, kann nur in eine Richtung gelaufen werden und Camping ist dort generell verboten- es muss in Hütten geschlafen werden.
Ich denke der Abel Tasman Coastal Trek war mein letzter Great Walk den ich in Neuseeland gelaufen bin.

Die beiden anderen Wanderwege die wir gegangen sind waren dementsprechend keine Great Walks und damit auch nicht mit deren Nachteilen behaftet. Kein im Vorraus buchen, niedrigere Preise (Camping 5 $/Nase an den Hütten), deutlich weniger überlaufen, wild campen war mit einigen Einschränkungen (teile des Weges gingen über Privatbesitz des dortigen Maoristammes) sogar erlaubt. Das war schon eher was für Vatterns Sohn.
Es handelte sich um den Greenstone und den Caples Trek. Beide können zusammengenommen als Rundwanderweg gelaufen werden. Schöne Fernsicht boten der Ausblick vom Key Summit und dem McCellar Saddle. Ansonsten ging es durch schöne, typisch neuseeländische Urwälder und weite grasbestandene Hochtäler. Viele der Weiden waren Kuhweiden und bei Christine und mir kam einiges an Heimatgefühlen auf, die Parallelen zu den österreichischen Almwiesen waren nicht zu leugnen.
Interessanterweise macht auch vor diesem Weg der Fortschritt nicht halt der Abschnitt über den McCellar Saddle wurde gerade vor einigen Monaten fertiggestellt. Brauchte man vorher für diese Strecke noch 7 Stunden, es war halt ein alter, steiler, ausgetretener Trampelpfad, so sind es jetzt nur noch 5 Stunden. Erkauft wurden diese 2 Stunden Zeitgewinn und die deutliche Erleichterung beim Wandern mit massiven Sprengungen in die Millionen Jahre alten Felsen. Über kilometerlange Strecken konnte man Trümmer weggesprengter Felsen an fast jeder Wegbiegung sehen. Teilweise war der Weg auch richtig in die Felsen hineingesprengt. Wenn ich daran denke das in Schweden beispielsweise davor gewarnt wird Feuer auf Felsen zu machen da diese Haarrisse bekommen welche dann im nächsten Winter auffrieren, so mutet der Umgang der Neuseeländer mit Ihrer (unbelebten) Natur durchaus etwas befremdlich an. Einer der DOC- Hüttenwarte meinte man nur den natürlichen Verlauf etwas beschleunigt habe. Die Felsen wären ja so oder so erodiert. Wie gesagt- komisch. Auf jeden Fall hat man den Caples Trek nun für eine deutlich grössere Menge von Touristen zugänglich gemacht. Ob da vielleicht der nächste Great Walk entstehen soll?

Weiter südlich kamen wir nach Invercargill , eine typische „frontier town“ an der Grenze der Zivilisation. Typischer Wildwestflair. Tatsächlich hören einige Kilometer westlich von Invercargill die Strassen wirklich auf. Das sich dann dort anschliessende Fjordland ist noch relativ unerschlossen. Ortschaften, Strassen, sogar Schotterstrassen fehlen dort zur Gänze. Stellt man sich an die Küste und schaut nach Süden dann sieht man auf Steward Island, das nächste Land dahinter ist dann die Antarktis die regelmässig Ihren bitterkalten Südwind herschickt. Wenn jemand behauptet der A…. der Welt ist nicht weit, dann fällt es schwer demjenigen zu widersprechen.
Nichtsdestotrotz hat sich seinerzeit der ortsansässige Burt Monroe aufgemacht und seine Indian, ein Motorad, gekauft in den dreissigern des letzten Jahrhunderts- soweit in seinem Schuppen in Invergargill aufgemotzt, dass er einige Geschwindigkeitsweltrekorde bis heute hält. In dem sehr sehenswerten Hollywoodstreifen „The worlds fastest Indian“ wurde sein Leben verfilmt. Sein Motorrad sind im örtlichen Baumarkt ausgestellt. Auch im örtlichen Museum gibt es eine eigene Abteilung über Burt. Das Museum ist auch sonst sehr sehenswert, gerade der Abschnitt über die subantarktischen Inseln hatte es mir sehr angetan. Leider will Christine nicht einsehen das diese gottverlassenen Inseln zwischen Neuseeland und Antarktis ein lohnenswertes Reiseziel mit der Thor wären. Ich weis auch nicht was sie da hat😉.

In Ermangelung eines günstigen DOC Campingplatzes (DOC ist das Department of Conservation – die neuseländische Umweltschutz und Tourismusbehörde. Diese unterhält die meisten Nationalparks, Wanderwege, Hütten und Campingplätze. DOC Campingplätze bieten abgesehen von einem Plumpsklo und ggf. einem nahen Fluss zum Wasserholen kaum Komfort, sind aber oft kostenlos, bzw. kosten nur ein Paar Dollar), haben wir uns mal ausnahmsweise auf einem Privat betriebenen Campingplatz verkrümelt. Der „Lignite Pit Scenic Stop“ (www.lignitepit.co.nz) welcher von dem Ehepaar Maria und Dave Sanderson betrieben wird. Wie sich herausstellte handelt es sich um eine aufgelassene Braunkohlegrube. Diese wurde von Dave und Maria in Eigenleistung wiederaufgeforstet und in einen wunderschönen Park verwandelt. Auf dem See tummeln sich ein Paar schwarze Schwäne und Enten. Dave ist ein echter Naturbursche, hat sein ganzes Leben in der Landwirtshaft gearbeitet und sich nun mit seiner Frau sein privates Paradies geschaffen welches er mit den Besuchern gerne teilt. Auf einer Führung durch das Anwesen zeigt er einem wie man ganz einfach aus Setzlingen/ Ablegern Bäume wachsen lässt, zeigt einem noch sichtbare Braunkohleflöze und sogar sein kleines Museum mit Exponaten rund um das Leben auf einer neuseeländischen Farm von anno dazumal bis in die Neuzeit. So gut wie alle technischen Geräte wurden bis zur Funktionstüchtigkeit restauriert, von der antiken Kettensäge, über die Waschmaschine mit Benzinantrieb, mehrere Traktoren, bis zum alten Morris, ein Auto älteren Baujahres mit nur 8 PS. Das alles ist so herzlich und echt, das man dann gerne noch im angeschlossenen Cafe bei Maria einen Kaffee zu sich nimmt und einen Ihrer köstlichen Pies probiert. Im Gegensatz zu so manch anderen Gelegenheiten hatten wir hier das Gefühl mal nicht nur wandelnder Geldsack zu sein, sondern fühlten uns wirklich willkommen.

Anschliessend gings für uns weiter in die Catlins in der Südostecke der Südinsel. Noch mehr einsame Strassen, wilde Küsten, kleine Küstendörfer, Wasserfälle, sowie Pinguine, Hectordelfine und Seelöwen in freier Wildbahn standen auf dem Programm. Der Campingplatz in Curio Bay war toll. Auf einer Halbinsel gelegen, gings auf der einen Seite zu den Hectordelfinen (diese zeichnen sich dadurch aus das sie mit unter einem Meter Länge eigentlich recht winzig sind) und den superseltenen Gelbaugenpinguinen auf der anderen Seite. Als Dreingabe dann noch ein versteinerter Wald- coolo.

Als erste richtige Stadt nach Wellington ging’s dann weiter nach Dunedin. Die schottische Abstammung ist nicht zu verleugnen. Für mich war es bisher die am europäischsten anmutende Stadt in Neuseeland. Ich fand’s dufte da. Leider drängte die Zeit etwas, das Boot musste ja noch vor Ostern ins Wasser und so hat es leider nur für einen nachmittäglichen Stadtbummel gereicht. Weiter ging es an den Moeraki Boulders vorbei nach Christchurch.

Christchurch war leider vor etwa zwei Jahren einem verheerenden Erdbeben zum Opfer gefallen, von dem sich die Stadt beileibe noch nicht erholt hat. Das Stadtzentrum wurde am stärksten getroffen und ist noch heute abgesperrt. Es gleicht einer einzigen Baustelle. 10000 Wohnhäuser müssen abgerissen werden, einige historische Gebäude sind eingestürzt, allen voran die Kathedrale. Das Haus in dem meine Schwester Annette vor 8 Jahren wohnte existiert nicht mehr. Genauso wie grosse Teile ihres damaligen Häuserblocks. Puha. Glücklicherweise scheint sich die Stadt langsam von Ihrem Schock zu erholen. Aufbruchstimmung, Neu-/ Wiedereröffnung von Geschäften allerorten. Es tut sich was.
Übernachtet haben wir südlich von Christchurch am Ufer des Lake Ellesmere an einem wunderschönen, einsamen Campingplatz. Toll.
Unsere Zeit auf der Südinsel ging nun wirklich bald zu Ende und so haben wir uns (leider) wieder auf die Socken gemacht und sind zurück nach Auckland gejuckelt.

Aktuell befinden wir uns wieder einmal auf Waiheke Island vor Auckland um wieder etwas Cruiserleben mit zu bekommen. Die Gastfreundschaft die wir bei Annette und Elliot erfahren haben ist nicht mit Gold aufzuwiegen, und wahrscheinlich können wir ihre Großzügigkeit eh nie wirklich zurückgeben, aber das Leben an Bord fehlt halt doch irgendwie.
Kaum in der ersten Bucht angekommen finden sich gleich ein paar bekannte Boote neben SY Tina mit Anders an Bord, mit dem wir uns dort verabredet hatten, Caps tres aus Spanien, Water Musick aus den USA und Adventurebound aus UK. Yeah Leute, wir sind wieder zurück!

8 Gedanken zu “Die Suedinsel

  1. Es tut der Seele gut bei unserem noch tristen Wetter von so viel Sonne und Urlaubsgefühlen zu lesen. Ein schöner ausführlicher Bericht. Nun konntet ihr das selbstgenähte Zelt nicht auf seine regentauglichkeit testen, oder?
    Wie gehts weiter, wann beginnt das große Packen?
    LG Mama

  2. Hi C&C,

    schön wieder von euch zu lesen …
    Josef und ich brechen morgen endlich zum Round Palagruza Cannonball auf – die Umrundung des blöden Felden ist mir ja der Herrgott noch schuldig🙂. Freu mich auch schon auf die Segel-Luft!
    Ansonsten alles ruhig hier …
    vlG
    A,B & D

    • Viel Spaß beim Segeln, da wäre ich jetzt auch gerne dabei! Kroatien kann schon was… Lg an Josef und deine kleine Familie🙂
      Christine

    • Hallo Horst!
      Ja, die Vorbereitungen laufen schon, wollen ab Ende April los – so lange dauert offiziell die Hurricane-Saison🙂 seid ihr auch schon wieder im Wasser?
      Lg aus dem heute mal verregnetem NZ,
      Christine

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s