Hausaufgaben

So langsam geht es auch in Neuseeland wieder daran das Boot für die anstehenden Seemeilen fertig zu machen. Nach Unterwasserschiff und Bordwand ist nun der Innenraum dran. Als Einstieg wurden erstmal unsere Schapps in der Küche verbessert. Ständig kam einem da immer Tee, Kaffee, Ketchup und ihre Verbündeten entgegen wenn man sie bei minimalem Seegang aufgemacht hat. Jetzt kamen da ordentliche Zwischenböden mit grosszügig bemessenen Schlingerleisten rein. Da kullert so schnell nix mehr raus.

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Schon vor einigen Wochen haben wir unsere Seekoje im Salon endlich benutzbar gemacht. Die Salonbank hat zwar ausreichend Liegelänge, allerdings musste der Kopf in einem 20 cm hohen Hartholzfach liegen, was natürlich praktisch unmöglich ist, außer man schläft kamikazemäßig mit dem Kopf in Fahrtrichtung. Rumst man dann auf einen Felsen oder umhertreibende Container, dann ist mit dem sicheren Genickbruch der Überlebenskampf wenigstens schnell vorbei.
Was macht also der Seefahrende Heimwerker? Er dreht die ganze Salonbank eben um. So wird dann aus dem Kopf- ein Fussfach und alles ist Paletti. Seekoje endlich einsatzbereit, die Tage bei schlechtem Wetter auf dem Salonboden sind nu vorbei.

Mit unserer Navi-Ecke waren wir eigentlich nie zufrieden. Irgendwie soll man da wohl quer zur Fahrtrichtung mit dem Blick Richtung Bordwand sitzen, die Füße irgendwie gegen die steil ansteigende Bordwand gestemmt. In der Praxis geht das natürlich nicht, da der Fußraum natürlich komplett vollgestaut ist und man dann mit einem fast 180 Grad Twist im Oberkörper dasitzt. Kommt man ins Boot und sieht diese Navi-Ecke dann denkt man sich in etwa: „Naja, ist ja nur ein 10 Meter Kahn- klar das da irgendwo gespart werden muss.“

Vorher

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Also lange Rede kurzer Sinn, es muss was Gescheites her:

Sitz in Fahrtrichtung, ordentliches Kartenfach. Kartentisch kann ruhig kleiner sein, richtige Kartenarbeit findet heutzutage, wenn überhaupt, ja eh auf dem Salontisch statt. Im Prinzip muss da eh nur der Laptop draufpassen.

Bauanleitung:
Erstmal wird alles möglichst zerstörungsfrei entkernt.

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Danach kann man unter Verwendung möglichst vieler Originalteile eine neue Navi-Ecke bauen. So ne Art Lego für Große.

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Man muss natürlich aufpassen, dass man sich nicht ständig an irgendwelchen herumliegenden Navieckenbauteilen stösst. Wie so oft wenn man bei größeren Renovierungsarbeiten zeitgleich an Bord wohnt, so sieht es halt oft aus als ob eine Bombe eingeschlagen hätte.

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Eine Sitzbank wird aus den vorhandenen Sperrholzteilen geschnitzt. Die Sitzfläche wurde von einer Baustelle recycelt, es handelt sich um wasser- und schimmelfestes Sperrholz vom dortigen Abfallhaufen. Die Bauarbeiter dort waren wirklich super hilfreich. Die Insel Waiheke gewinnt immer mehr Pluspunkte.

Am zweiten Tag kam Anders von der schwedischen Yacht Tina rüber und hat mit Rat und Tat zur Seite gestanden (Tack sa mycket!!).

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Aus dem Holz des alten Kartenfachs entstand direkt das Neue, welches sich nun unter dem Navitisch befindet. Ursprünglich fristete unser Kartenfach unpraktischerweise unter der Sitzfläche der Salonbank sein Dasein und musste immer, wenn man Mal an den Proviant wollte, hochgewuchtet werden. Bei Seegang echt doof.

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Der alte Navitisch war zu allem Überfluss geneigt eingebaut. Das führte dazu das alles was nicht extra festgemacht war sich unter Garantie unterwegs am Salonboden wiederfand. Nun haben wir unseren Tisch schön waagerecht. Die Schlingerkante könnte gerne noch 4 cm höher sein, aber man kann halt nur mit dem arbeiten, was man zur Verfügung hat.

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Ein Stück der Tischplatte fehlt, und lackiert werden muss das Ganze auch noch, aber für drei Tage in der Anchorage schuften sieht das alles bisher IMHO recht passabel aus (Selbstbeweihräucher…). Es ist übrigens nicht im mindesten so, dass der Skip da alleine vor sich hinwurschtelt. Christine wächst bei sowas immer über sich hinaus, hilft wo sie kann und wird so langsam zur Meisterin an der Stichsäge.

Das Häufchen Holz ist von der alten Naviecke übriggeblieben:

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Weiters wurde nun endlich unser VHF auf die Verbraucherbatterie gelegt. Damit saugt dieses nicht ständig die Starterbatterie leer, wenn wir längere Passagen unter Segel unternehmen. Das hat eigentlich schon in der Biskaya genervt, aber wie so oft war der Skipper da ein Meister im Sachen vor sich her schieben. Wie auch immer, ich werde mich demnächst mal dransetzen und unseren Blister flicken… Der ist seit den Tuamotus im Eimer, wurde allerdings schonmal auf den Marquesas nachgenäht. Der gelbe Stoff ist denke ich schon recht morsch und muss ersetzt werden.

Dauert länger als gedacht um die Thor für die nächsten zwei Jahre fit zu machen, aber es macht auch irre Spaß. Wir bleiben am Ball…

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5 Gedanken zu “Hausaufgaben

  1. Kalimera ihr Beiden,
    ich mache gerade fuer 8 Tage die Insel Kreta unsicher und versuche herauszufinden, was mein Knie eigentlich so vom Wandern haelt.
    Schoene Bastelarbeit hast du da abgeliefert. Der alte Kartentisch war Mist, habe ich doch gesagt.
    Gruss an den Teddy.

    Jens

  2. Wahnsinn, tolle Arbeit und es sieht aus wie von einer Werft. Merkwürdig, dass Bootsbauer sich so einen Mist wie einen quer zur Fahrtrichtung eingebauten Kartentisch überhaupt einfallen lassen.
    Die Passage mit dem Skipper, der ein „Meister in Sachen vor sich herschieben“ ist, hat mich zum Lachen gebracht.
    Wie ist denn das mit den zwei Jahren gemeint? Hab ich da eure weiteren Pläne noch nicht so ganz mitbekommen?
    Weiterhin toi-toi-toi, viel Spaß und kia manuia bei euren Instandhaltungsarbeiten

    Mario vom Chiemsee

    • Lieber Mario!

      Haben festgestellt, dass wir am Anfang viel zu schnell unterwegs waren – und jetzt lassen wir uns für den Rest doch noch 2 Jahre Zeit😀 Genaue Route steht aber noch nicht fest, jetzt erstmal zurück nach Tonga, dann Fiji, und dann schauen wir mal. Auf jeden Fall Richtung Westen… Ganz liebe Grüße aus Neuseeland,
      Christine und Christian

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