Die ersten Tage in Suva

Suva, die Hauptstadt von Fiji, ist unter anderem für die Häufigkeit der Regenfälle bekannt. Das können wir nun live bestätigen. Seit wir angekommen sind, gab es noch nicht viele Sonnenstunden. Uns lässt das aber im Moment ziemlich kalt. Schließlich gibt es hier noch Einiges zu erledigen und wir müssen auch einige Stunden Schlaf von der Überfahrt nachholen. Wen kümmert da das Wetter draußen.

Wir ankern hier in Suva direkt neben größeren Versorgungsschiffen und Berufsfischern und das eine oder andere verrostete Wrack ist auch nicht weit weg. Schön ist es hier am Ankerplatz also nicht unbedingt. Sandstrände und Palmen sind noch ziemlich weit entfernt. Die letzten zwei Tage sind wir wegen des Tiefs, das auch die Kira in Schach hält, vorsichtshalber an Bord geblieben um Ankerwache zu gehen. Immer wieder hört man hier Geschichten, dass sich so eine Barge oder ein größerer Fischer bei Starkwind losreißt und die in unmittelbarer Nähe ankernden Yachten in Bedrängnis bringt. So zuletzt geschehen vor ca. 3 Wochen, wie uns Andy von der SY Tina berichtet hat. Und gestern konnten wir dann auch beobachten, wie so ein „Fatty“ über Nacht plötzlich 200 m weiter hinten lag. Ab morgen soll das Wetter wieder besser werden und dann geht es wieder in die Stadt. Ob das 100 Meter vor uns ankernde Monster (äh, meinte natürlich Versorgungsschiff) aus Rost und Farbe sich ebenso losreißt und durch den Hafen driftet? Wir müssen es leider aussitzen, da sich genau auf unserem Anker ein Italiener mit seiner Amel geparkt hat, so dass wir nicht mal Ankerauf gehen können. Nun denn,ein Platz ist hier eh so gut wie der andere, die Berufsschiffe sind strategisch gut im Hafen verteilt, so dass man eh nirgends wirklich sicher ist.

In der Stadt wollen wir uns morgen auch noch um eine Fahrtenerlaubnis kümmern, um die Inseln von Fiji erkunden zu dürfen. Dieser Antrag sollte in 1-3 Tagen erledigt sein. Und dann müssen wir uns am Markt auch noch mit einigen Kilo Kava-Wurzeln eindecken, die den jeweiligen Dorf-Ältesten als Geschenk überbracht werden. Wenn sie mit dem Geschenk zufrieden sind und wir als in Ordnung eingestuft werden, dürfen wir uns frei im Dorf bewegen, die Thor vor der jeweiligen Insel ankern und fischen, schnorcheln, und die Gegend erkunden. Diese Zeremonie wird Sevusevu genannt und es gibt da ziemlich strenge Vorschriften, was die Kleidung und das Benehmen der Besucher betrifft. Frauen dürfen bspw. keine Hosen tragen, das Bedecken von Knien und Schultern ist sowieso Pflicht und auch das Tragen von Sonnenbrillen und Kopfbedeckungen ist strengstens untersagt. Das gleiche gilt übrigens auch für die Männer. Am besten kleiden sich diese mit dem typisch für Fiji wadenlangen Wickelrock und einem Hemd. Die Traditionen auf den äußeren Inseln wollen unbedingt gewahrt bleiben und nur dann dürfen auch in Zukunft Yachten diesen abgelegenen Orten einen Besuch abstatten. Da bin ich ja mal gespannt! Wenn man den Lonely Planet Reiseführer so liest, werden Erinnerungen an Thailand wach, was das Überangebot an Attraktionen und Touren für Touristen angeht. Ob wir hier auch unser einsames Südseeatoll finden werden?

Suva ist eine sehr interessante Stadt und zählt mit ihren 86.000 Einwohnern (Volkszählung 2007) zur zweitgrößten Stadt im Südpazifik. Sie befindet sich auf der größten Insel Fijis, Viti Levu, die von den Einheimischen auch als „Festland“ bezeichnet wird. In den Straßen geht es recht quirlig zu, nicht zuletzt wegen des hohen Anteils an asiatischer Bevölkerung. Während der britischen Herrschaft über Fiji wurden nämlich unzählige indische Gastarbeiter für die Arbeiten auf den Zuckerrohrplantagen angeheuert und nachdem Fiji die Unabhängigkeit erlangte, lag der Anteil der indischstämmigen Bevölkerung höher als der einheimischen Fijianer. Dies sorgte immer wieder zu Unruhen und politischen Konflikten, die nach wie vor nicht vollständig beigelegt sind. Dennoch ist unser erster Eindruck ein durchaus guter, die Menschen haben alle ein Lächeln und ein freundliches „Bula“ für uns parat.

Ein weiterer Grund noch in Suva zu bleiben, ist natürlich auf die Kira zu warten. Tim und Laura haben seit der Abfahrt in Neuseeland nur schlechtes Wetter erwischt, sie schliddern von einem Sturmtief ins nächste und jede Seemeile Richtung Fiji ist hart erkämpft. Wir funken täglich mit Tim und versorgen ihn mit den neuesten Wetterinfos und geben Durchhalteparolen raus. Aber beim täglichen Blick auf die Grib-Files für ihre Position rutscht uns ständig das Herz in die Magengegend. Auweia. Darum werden wir also einen ordentlichen Empfang auf die Beine stellen für die beiden, sobald sie sicher in Suva angekommen sind. Und danach ist wieder Island-Hopping angesagt!!! Darauf freuen wir uns schon wieder am meisten. Der Westen und die äußeren Inselgruppen Fijis sollen auch viel trockener als Suva sein. Von den 300 Inseln Fijis sind ca. 110 bewohnt und sie unterscheiden sich auch stark hinsichtlich Vegetation und Klima. Ich hoffe doch, dass wir einen guten Querschnitt in den nächsten Wochen zu sehen bekommen. Viele Inseln werden wir sicher nicht schaffen, da dafür die Segelsaison im Südpazifik einfach zu kurz ist und auch die nächsten Länder wie Vanuatu und die Solomonen noch für heuer auf dem Programm stehen.

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Bildmaterial

Hier gibts noch ein paar Fotos von der Abfahrt aus Neuseeland, der Überfahrt und der Ankunft in Fiji:

 

Bula Fiji

Wir sind am Sonntag Nachmittag in Suva, der Hauptstadt von Fiji angekommen! Die teils wegen ihren Stürmen berüchtigte Strecke zwischen Neuseeland und den Tropen ging für uns wieder sehr harmlos über die Bühne. Wir wussten, dass wir die ersten beiden Tage viel Wind aus Südost haben würden. Das hat auch gestimmt – was wir aber nicht wussten, dass sich gleich nördlich von uns ein kleines Tief entwickeln würde, das uns noch einmal zwei Tage Starkwind bringen sollte. Das Gute war, dass wir das Tief an dessen Rückseite passieren konnten und somit wieder Wind aus südlicher Richtung erwischten, der uns ordentlich voran brachte. Die ersten vier Tage hatten wir zwar so durchgehend Starkwind mit 6 Bft. und in Böen 7 bis 8 Bft. aber danach wurde es immer bequemer. Die erste Zeit haben wir hauptsächlich unter Deck verbracht, weil es einfach viel zu kalt und ungemütlich war – alle 20 min. sind wir zum Rundumblick Mal nach draußen geklettert.
Wir konnten dann in dieser Zeit auch die Koordination eines Seenotfalles über Funk aufnehmen, aber wir waren zu weit entfernt, um das in Seenot betreffende Schiff über Funk zu hören und wussten dann auch nicht, was genau passiert war. Kiwi Rescue war auf Kanal 16 für uns zu hören und wir meldeten uns dann auch, aber wir waren zu weit weg. Da fängt man dann ganz arg zum Nachdenken an, was alles schief gehen könnte. Zum Glück ist die Thor so robust, dass sie auch dieses Wetter und die unglaublich starken Seeschläge ohne mit der Wimper zu zucken wegsteckte. Ihre Crew war da schon etwas nervöser. Insgesamt stellten wir aber gleich am Anfang fest, dass uns das halbe Jahr Segelpause sehr gut getan hatte und wir super entspannt und ausgeglichen waren. Keinen einzigen Tag gab es die Frage „wann kommen wir endlich an?“ und wir fanden uns auch erstaunlich schnell wieder in die Segelroutine ein. Ein schönes Gefühl, wieder unterwegs zu sein.
Danach hatten wir – typisch für die THOR – wieder einige Tage Flaute, aber in diesen Tagen kletterten die Temperaturen kontinuierlich nach oben, wodurch es immer angenehmer wurde, wieder ein paar Stunden im Cockpit zu verbringen.
In der zweiten Woche hatten wir wieder besseren Wind, das Wetter war auch großteils in Ordnung. Ein ziemlich unerklärliches Wetterphänomen brachte uns dann doch etwas aus der Ruhe. Zwei Nächte hinteinander hatten wir heftiges Wetterleuchten, tagsüber Flaute, wobei wir in der zweiten Nacht fast den stärksten Wind unserer gesamten Reise hatten. 12 Stunden durchgehend mit 7 Bft. und dazu stundenlanges Wetterleuchten. Das war ja so was von gruselig. Vor allem weil dies a) in den Wettervorhersagen absolut nicht erkennbar war und b) auch vom Barometer keine Abweichung abzulesen war. Wir machten uns ernsthafte Sorgen, was da als nächstes kommen würde, wenn nicht einmal dieser heftige Wind vorherzusehen war. Vielleicht gar ein Hurrikan? Hier in Fiji haben wir dann auch ein englisches Seglerpaar getroffen, die ins gleiche Gewitter gekommen sind und die meinten, dass sie das seit dem Beginn ihrer Reise vor 8 Jahren noch nie so etwas Schreckliches erlebt hätten. Ok, dann ging diese Gewitter also nicht nur uns Segelanfängern bis in die Knochen.
Ein Haustier hatten wir uns auch für eine Nacht zugelegt und zwar ein kleines Vögelchen, dass die Nacht völlig erschöpft unter Deck verbracht hat. Leider ist er am nächsten Tag gestorben. Versuche, sie mit Wasser und Müsli wieder aufzupäppeln wurden ignoriert, und beim Versuch die Thor am nächsten Tag fliegend zu verlassen, ist er dann einfach ins Wasser gefallen.
Danach hatten wir zum Glück bis zur Ankunft in Fiji wunderbares Wetter und auch halbwegs brauchbaren Segelwind. Insgesamt brauchten wir für die Strecke 15 Tage, was etwas länger ist, als bei der Hinfahrt – aber wir sind ja auch etwas weiter südlich, nämlich von Auckland, losgesegelt.
Das Einklarieren fand dann gestern Vormittag (Montag) statt und somit konnten wir uns Einiges an Überstundengebühren sparen. Die fünf (!) Beamtinnen und Beamten, die dann an Bord kamen, waren sehr entspannt und haben sich fast entschuldigt, dass so viele Formulare auszufüllen waren. Sie arbeiten gerade an einer Modernisierung des Einklarierungsverfahrens. Gut zu wissen. Wir durften alle unsere Lebensmittel und unseren kleinen Kräutergarten aus Neuseeland behalten und nach einer halben Stunde durften wir offiziell an Land. Wie schön! Auf demWeg an Land kamen wir überraschenderweise an der SY Mahina vorbei,die etwas weiter an einer Mooring liegt. Eleandro, ein befreundeter maltesischer Skipper lud uns gleich auf ein Stamperl Rum ein, und zusammen enterten wir dann den Royal Suva Yacht Club der uns gleich mit offenen Armen empfangen hat. Insgesamt haben wir einen sehr  sympathischen und guten ersten Eindruck von Fiji erhalten (vor allem das Bier ist spottbillig! :-)). Heute ging es dann in die Stadt, um die Einklarierungsgebühren zu bezahlen, Internet aufzutreiben und uns mit etwas Gemüse und Obst einzudecken.
Das Klima ist hier wieder tropisch heiß, die Luftfeuchtigkeit liegt bei 85 % (ok etwas nervig) und es regnet häufig. Dafür hat es angenehme 28 bis 30 Grad, das Wasser hat Badewannentemperatur und im Vergleich zum herannahenden Winter in Neuseeland ist das wieder eine willkommene Abwechslung! Fotos folgen in Kürze, wir müssen erst noch Internet auftreiben (im Yacht Club geht es grad nicht).

Bye, bye New Zealand

Es wird ernst mit der Abfahrt. Um 10.00 Uhr Ortszeit sind wir beim Zoll angemeldet und sobald wir dort ausklariert haben, müssen wir sofort das Land verlassen. Mit dem Wind schauts ganz gut aus und nachdem es heute Nacht grade mal 13 Grad Außentemperatur hatte, freuen wir uns jetzt schon wieder sehr auf die Tropensonne!

Gestern gab es noch sehr nette Gesten zum Abschied. So hat uns zB unser Stegnachbar, mit dem wir nur ein paar Mal gequatscht haben, eine geräucherte Forelle geschenkt, die es hier in Neuseeland nur sehr selten gibt und die man auch in keinem Laden kaufen kann. Er hat gemeint, wir können Neuseeland nicht verlassen, ohne diese von ihm selbst gefangene Forelle zu probieren. Cool, cheers Mate!

Dann kam noch Bob von der „Arohanui“ vorbei und hatte ein paar deutsche Spezialitäten vom Metzger im Gepäck, um uns die Überfahrt ein bisschen schmackhafter zu machen! Danke Bob und Sandra!

Annette und Elliot haben uns dann gestern auch noch mit selbstgebackenem Kuchen und ein paar lieben Abschiedsgeschenken besucht und typisch neuseeländisch gab es ein letztes Mal „fish and chips“.

Und vor zwei Tagen hatten wir auch noch einen kleinen Abschieds-Umtrunk mit unserer neuseeländischen Familie, die uns einen wunderschönen Aufenthalt in Neuseeland ermöglicht haben!

Freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen!

unsere neuseeländische Familie - danke für alles!
unsere neuseeländische Familie – danke für alles!

Werden unterwegs wohl nicht erreichbar sein, ihr hört also wieder von uns, sobald wir im nächsten Land angekommen sind – wir lassen den Wind entscheiden, ob es Tonga oder Fiji wird 😀

Fast startklar!

Sieht so aus, als ob wir endlich einen Termin für unsere Abfahrt festgelegt hätten. Und schon arbeiten wir gleich viel produktiver. Man muss sich nämlich 72 Stunden vor Abfahrt beim neuseeländischen Zoll anmelden und damit ist man schon mal quasi fast weg. Im Moment haben wir Freitag angepeilt. Sollte sich das Wetter schlagartig verschlechtern, kann man den Termin natürlich noch mal verschieben.

Wir waren in der letzten Zeit aber natürlich nicht untätig, wir haben uns nur ein bisschen mehr Zeit für die eine oder andere Sache gelassen (die Liste an erledigten Dingen ist ja recht überschaubar).

  • Christian war heute zum letzten Mal beim Zahnarzt (brauchte gleich zwei Termine, der Arme ;-)),
  • wir haben die Lebensmittel, die es hier billig gibt, ordentlich gebunkert und auch schon verstaut,
  • wir haben Rindfleisch und Hühnerfleisch eingekocht,
  • zum ersten Mal selbst Zwetschgen-Marmelade gemacht (ja gut, das war schon vor ein paar Wochen, hab ich aber glaub ich noch nicht erzählt),
  • der Blister ist geflickt,
  • neue zusätzliche Solarzelle mit 90 Watt gekauft, dann kann der Kühlschrank Tag und Nacht an sein und unsere Netbooks im Betrieb sein,
  • Naviecke fertig gebastelt,
  • Autopilot reparieren lassen – war tatsächlich ein Garantiefall, weil das Ding von Anfang an nicht funktioniert hat und irgendein Teil kaputt war – und damit sind wir über den Pazifik gekommen 😀 ,
  • zusätzliche Kleiderhaken gebastelt (neu kosten die hier ein Vermögen!),
  • noch ein paar Holzteile neu lackiert,
  • Papierkram für die nächsten Reiseziele erledigt,
  • unseren Notfall-Wassermacher gewartet (sollte man einmal im Jahr machen ),
  • eine erste kleine Abschiedsparty auf der Thor gefeiert,
  • neue Seewasserpumpe eingebaut und in Umkreis von ganz Auckland Ersatzteile für unsere alte Seewasserpumpe beschafft (hat uns zwei Tage Autofahrt durch die Millionenstadt mit einem völlig maroden Verkehrssystem gekostet, uff),
  • Christian ist in den Mast geklettert um das Rigg zu checken – wieder ist ein Sicherungsstift für einen Bolzen abhanden gekommen, diesmal an der Umlenkrolle für das Spifall,
  • und weil wir dazwischen mal keine Lust dazu hatten, alles Gekaufte im Boot zu verstauen, haben wir in zwei Tagen Elliots und Annettes Holzschuppen ein neues Dach aus Wellblech verpasst 😀 schaut jetzt echt cool aus und ist vor allem wasserdicht, was für den herannahenden Winter sehr von Vorteil ist. Wir verbringen fast jeden Abend vor dem offenen Kamin um es schön kuschelig warm zu haben und da sollte das Holz gut trocken sein …

Ja, und sonst? Morgen und übermorgen noch Öl- und Filterwechsel am Motor, UV-Schutz an der Genua ausbessern, Pactor-Modem anschließen und den Wasserstand der Batterien checken. Dann sind wir startklar. Mehr oder weniger. Für die Überfahrt nach Tonga auf jeden Fall.

Irgendwie ist man ja eh nie ganz fertig und es fällt einem immer wieder was ein, aber irgendwann muss man auch einfach wieder los. Und außerdem wird das Wetter hier schon so was von ungemütlich – es ist richtig kalt und regnet die meiste Zeit. Wir müssen echt wieder schnell in den Sommer, auch wenn es zum Teil schwer fällt, weil wir hier mit Christians Schwester eine super schöne Zeit verbracht haben und wir uns jetzt schon vor diesem Abschied fürchten. Das wird Tränen geben! Aber irgendwo gibt es bestimmt wieder ein Familientreffen!

Melden uns dann noch mal kurz vor Abfahrt, aber es ist noch irgendwie nicht sicher, ob wir unterwegs erreichbar sein werden. Schließlich ist das Pactor-Modem ja noch nicht angeschlossen, …