Dravuni Island – Great Astrolabe Reef

Wir haben es nach einer etwas rumpligen Nachtfahrt endlich wieder ins Südseeparadies geschafft. Rumpelig deswegen, weil wir gegen den Passatwind mit 4-5 Bft. am Wind nach Süden fuhren. Etwas ungemütlich, aber da es nur 40 Seemeilen waren, kein Grund zu Meckern. Unser erster Stopp war Dravuni, weil dort der Chief (Häuptling?) für die umliegenden Inseln sitzt und wir hier das erste mal Sevusevu machen mussten. Haben uns dann auch fein herausgeputzt und sind mit unseren Kava-Bündeln an Land gerudert. Dort erwartete uns dann auch gleich der Spokesman des Dorfes, quasi der Fürsprecher beim Chief.

Wir mussten uns im Halbkreis ins Gras um den Chief setzen, der etwas erhöht auf einer Holzpalette thronte. Nachdem wir erzählt haben, wo wir herkommen, was wir machen wollen und wo wir hin wollen, wurde das Ganze dem Chief übersetzt, dann gab es ganz viel fast gebetsartiges Gemurmel auf Fidschianisch und wir mussten unsere Kavabündel vor dem Chief auf den Boden legen. Ein anderer Typ hat die dann begutachtet und es gab noch mehr Gemurmel und schlussendlich wurden wir im Dorf willkommen geheißen und man bedankte sich bei uns dafür, dass wir die alten Traditionen bewahren. Kava mussten wir keinen trinken, da ja Sonntag war, würde es erst noch einen Gottesdienst geben (den zweiten für diesen Tag) und dann am Abend würde es den „Grog“ geben. Es sei uns aber freigestellt, daran teilzunehmen. Gut, wir waren nämlich hundemüde von der Überfahrt und nachdem wir uns noch ein bisschen im Dorf umgesehen haben und dabei gleich noch mit ein paar Trinkkokosnüssen bewirtet wurden, machten wi
r uns noch auf einen kleinen Sundowner auf zur Kira und dann fielen wir in unsere Kojen. Kira und wir sind die einzigen Boote hier, es ist echt traumhaft schön. Man merkt, dass wir früh in der Saison dran sind. Glück für uns!

Das Dorf auf Dravuni lebt hauptsächlich vom Tourismus. Ein- bis zweimal im Monat kommt ein Kreuzfahrtschiff vorbei, wo dann für sechs Stunden ca. 2000 Touristen die Insel unsicher machen. Und diese Insel ist nicht groß, man kann sich das gar nicht vorstellen. Kokosnüsse werden für 2 Dollar das Stück verkauft, es gibt Ausflugsfahrten mit den Fischerbooten für 10 Dollar und das Kreuzfahrtschiff muss pro Ankunft 5.500 Dollar an das Dorf zahlen. Und darauf sind die Dorfbewohner richtig stolz. Sie zeigen uns den Steg (Schwimmpontoon), der extra angeschafft wurde und die Häuser im Dorf sehen auch sehr robust und gepflegt aus. Es gibt einen Kindergarten und eine kleine Schule für die ersten 4 Grundschuljahre, danach müssen die Kinder ins Internat auf die nächstgrößere Insel Ono. Im Dorf leben etwas mehr als 200 Einwohner, aber man bekommt nur wenige davon zu sehen. Auf einer unbewohnten Nachbarinsel, die auch diesem Chief untersteht, wird gerade ein Luxusresort gebaut, wo viele der
Dorfbewohner beschäftigt sind. Bleibt abzuwarten, was aus diesen Inseln wird, wenn hier noch mehr gebaut wird. Im Moment ist es nämlich tatsächlich noch relativ ursprünglich. Die Männer treffen sich täglich abends zum Kavatrinken, tagsüber sind sie mit Fischen und Arbeiten auf den Gemüse- und Obstplantagen auf der Insel beschäftigt. Die Frauen sieht man sehr selten, ich denke sie sind hauptsächlich mit Kochen und der Haushaltsführung beschäftigt. Die Kinder sind von 8 Uhr bis 15 Uhr in der Schule, kommen aber mittags von der Schule zum Essen heim. Die Internatsschüler kommen am Wochenende heim. Überall zwischen den Häusern sind lange Leinen mit frisch gewaschener Wäsche gespannt, hier ist sicher auch Handarbeit beim Wäsche waschen angesagt.

Am nächsten Tag hatten wir uns dann den kleinen Hügel am Südende der Insel als Ziel auserkoren. Wie ein Dorfbewohner meinte: „It’s like Mount Everest in this heat!“… Ja, ja. Bevor wir überhaupt dort raufkamen, wurden wir noch ganz oft aufgehalten und mussten erzählen, wo wir herkommen und was wir so machen. Zufällig war dann auch noch eine Kava-Zeremonie, zu der wir eingeladen wurden. Und das an einem Montag Morgen? Ja, bei besonderen Anlässen spielt die Tageszeit keine Rolle. An diesem Wochenende waren nämlich Verwandte zu Besuch hier und zum Abschied gab es dann für den Besuch am Montag in der Früh einen Kava-Umtrunk mit viel Musik und Gesang. Und da wir gerade vorbeikamen wurden wir auch gleich dazu eingeladen. Schließlich waren wir ja jetzt auch auf Besuch hier. Laura und ich wurden gleich zu den älteren Frauen zitiert, die an der Wand saßen. In der Mitte des Raumes stand die Kava-Schüssel und dann gab es da Runde für Runde Kava. Die Frauen trinken übrigens nur zu besti
mmten Anläßen Kava, die Männer trinken das Gebräu täglich. Aber zumindest ist Alkohol bei den Inselbewohnern verpönt, der macht sie rabiat und darum bleiben sie lieber beim Kava, der sie sehr friedfertig stimmt. Und dann haben wir es schlußendlich doch noch auf den Berg geschafft, mit traumhaften Ausblicken, echt super!

Am gleichen Tag lernten wir dann auch den Lehrer der Schule kennen. Ein sehr junger Inder, der seit drei Monaten auf der Insel beschäftigt ist und per Vertrag noch 3 Jahre hier gebunden ist. Seine Familie stammt aus dem Nordwesten von Vanua Levu und er ist hier sehr einsam und hat Heimweh. Nach der Schule bleibt nur die Bibliothek und das Internet. Da er in der Bibliothek schon alle Lexika und Bedienungsanleitungen durchgelesen hat und es nichts anderes hier zu lesen gibt, haben wir ihn am nächsten Tag gleich mal mit einer Tasche voller Bücher versorgt. Spannend war auch rauszufinden, dass die indische Bevölkerung in der Schule kein Fidschianisch lernt, es gibt extra Schulen für Hindis und Fidschianer. Die gemeinsame Sprache ist Englisch, die an beiden Schulen gelehrt wird. Aber selbst wenn indische Kinder in eine Fidschi-Schule gehen, bekommen sie extra Unterricht auf Hindi, auch wenn es nur 3 Schüler in einer Klasse sind. Schon der Hammer, wenn man bedenkt, dass die Inder s eit 200 Jahren hier auf den Inseln leben.

Christian wurde dann von einem Fischer noch gefragt, ob er ihm helfen kann, sein Boot zu reparieren. Da es sich aber um Glasfaser handelte und wir ja mit einen Stahlboot unterwegs sind, konnte er da nicht von großer Hilfe sein. Zwar hätte der Fischer auch Glasfaser und Harz dagehabt, aber das wär dann doch ein zu großes Experiment geworden. Christian konnte ihm zumindest sagen, wie er die einzelnen Komponenten mischen muss und wie er das machen würde. Dafür haben wir dann aber noch einen kleinen Kürbis bekommen – der Fischer wollte von uns einen Pinsel und ein paar kleine Angelhaken dafür. Und alle waren glücklich.

Im Moment ankern wir mit der Kira (wir sind nach wie vor die einzigen Boote) vor der benachbarten unbewohnten Insel nebenan, weil es grad eine kleine Passatstörung gibt. Der Wind wird in den nächsten Tagen einmal komplett von Südost über Nord auf West und dann wieder Südost drehen. Spannend, dann hier einen Ankerplatz zu finden. Es gibt keine Detailkarten und das ist dann schon cool, wenn man nur auf Sicht navigiert. Dazu muss das Wetter und der Sonnenstand passen, um die Riffe gut erkennen zu können. Wir liegen hier jetzt auf 4 m Wassertiefe, Sandgrund und haben schönes türkises Wasser rund um uns herum. Zum Schnorcheln ist es nicht weit und in der Nacht konnten wir wieder 80 l Regenwasser auffangen. Echt praktisch. Jetzt scheint schon wieder die Sonne und wir machen uns bald auf den Weg um Kokosnüsse zu sammeln. Heute steht das Ansetzen von Kokosnussbier und Reiswein auf dem Programm!

Fotos von unserem Inselparadies gibts leider erst später, weil das Internet hier so unglaublich langsam ist. Da müsste ich hier wohl den ganzen Tag sitzen und warten, sorry geht leider nicht! Dieser Blogbeitrag geht jetzt auch über die Funke raus, geht schneller!

5 Gedanken zu “Dravuni Island – Great Astrolabe Reef

  1. Sehr cooler Artikel- man kann sich das gut vorstellen. Sonne, Strand und warmes Wasser.
    Ueber Neuseeland fegt gerade eine Wetterfront direkt von der Antarktis. Wer weiss, vielleicht schneit es ja sogar in Auckland.
    LG

  2. Klingt guuuut🙂 Hier gab s eben ein 3 Std.-Gewitter mit Wolkenbrüchen und „etwas Wind“ – hoffe, dass die Plane über m TRAUMJÄGER nicht ganz zerfetzt ist – dann läuft er über die ausgebauten Decksluken voll….Trauma hoch 3. Wünsch Euch allen ne gute Zeit🙂

  3. Sitze in der Almhuette beim Frühstück und es hat schon fast 27 Grad.
    Auch wir haben derzeit Traum Wetter,aber es ist starke Gewittergefahr.
    Hallstadt hat es gestern ganz arg vermuhrt.
    Schöne Grusse in die Suedsee.
    Helmut

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