Buchteln in Fiji

Nachdem in Namara der gefangene Fisch verputzt war, haben wir uns dort erstmal häuslich eingerichtet. Außer der SY Kira waren wir das einzige Boot in der Anchorage. Privatinsel auf Zeit sozusagen. Freizeitprogramm nach kleineren Wartungsarbeiten sah die üblichen Aktivitäten vor: Schnorcheln mit Korallen, Speerfischen mit Riffhaien (huch), Kokusnuss- Wettrinken am Strand, Inselwanderung durchs Gestrüpp, Dinghiausflüge zum Fischen in der Lagune. Alles in allem wurde es uns nicht langweilig.

Die Angel- und Speerfischversuche unsererseits waren leider völlig ohne Erfolg, lediglich Tim von der Kira konnte einen durchaus essbaren Riffbarsch speeren. Die Insel gab bis auf Kokosnüsse leider auch kein weiteres wildwachsendes Obst oder Gemüse her, sodass wir uns, nachdem uns so langsam die Frischkost ausging, auf die Socken zum Wochenmarkt nach Vunisea auf Kadavu machten.

Wegen Verwirrungen der Grib- Files sind wir sogar eine Tag „zu früh“ etwas überstürzt aufgebrochen. Ein angekündigter Wetterumschwung, welcher dann letzendlich doch nicht kam, veranlasste uns – dazu noch vor dem Frühstück – aufzubrechen. Immerhin waren es mehr als 32 SM, die die Thor dann allerdings mit Backstagsbrise in Rekordzeit mit einem für unsere Verhältnisse tollen Schnitt von 5,1 Knoten abspulte. Ein Traumsegeltag. Kira, deren Unterwasserschiff immer noch von der langen Überfahrt durch Entenmuscheln und co… gezeichnet ist, musste sich zur Abwechslung nun Mal mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Normalerweise sind wir eigentlich immer das langsamste Boot im Teilnehmerfeld, um so grösser ist dann die Freude wenn es doch mal anders kommt😉.

In Vunisea befindet sich der Flugplatz der Inselgruppe, außerdem nicht weniger als sieben (!) Geschäfte – also quasi Metropole. Die Läden führen allerdings alle im Wesentlichen das Gleiche. Viel mehr als Grundnahrungsmittel gabs nicht zu kaufen, und außerdem nur zu „Inselpreisen“, weshalb nur die nötigsten Lücken in den Vorratsschapps gefüllt wurden.

Am Flugplatz hofften wir der Landung der Inselmaschine beiwohnen zu können, diese kam dann aber leider erst am nächsten Tag. Zum Zeitvertreib schlenderten wir über die Rollbahn am Flughafen zur Südseite der Insel und wieder zurück. So kleine Ortschaften mitten im Nirgendwo sind für uns meist immer etwas trostlos anzusehen. Auch wenn selbst auf den kleinsten Inseln noch eine Grundschule für den Nachwuchs steht, sind doch die Entwicklungsmöglichkeiten für die Jugendlichen und Erwachsenen extrem beschränkt. Zwar verhungert auf den Inseln sicherlich keiner, etwas Landwirtschaft für den Eigenbedarf- geerntet wird rund ums Jahr, ein paar Fische aus dem Meer und ab und zu ein freilaufendes Huhn, das reicht um das Überleben sicherzustellen. Allerdings sind auf den Inseln die Jobaussichten gleich Null. Das sind so die ersten Eindrücke aus der Sicht eines Mitteleuropäers. Schaut man länger und genauer, dann sieht man viele frohe Gesichter (viel mehr als daheim in D), meist läuft ein Liedchen irgendwo in einer Ecke. Die Menschen sind unglaublich offen und großzügig. Eigentlich ist Fiji bisher die gastfreundlichste Ecke auf der gesamten Reise. Erfreulicherweise gibt es anscheinend auf den Inseln recht wenig Probleme mit Alkohol und Drogen. Zwar ist das Kava als Rauschmittel ubiquitär erhältlich, da es aber nur eine Wirkung hat die sich am ehesten mit dem Gegenteil von Kaffee beschreiben lässt, fallen negative Effekte eher moderat aus.

Interessant ist die Verbreitung von Mobiltelefonen. Fast jeder hat eines, auch noch auf der entlegensten Insel. Ich habe mal gelesen dass 95 % der Menschheit im Empfangsbereich von Handymasten lebt. Während die meisten Mitteleuropäer primär mal internetfähige Computer hatten, hat die Mehrheit der Menschen In Fiji diese Schritt übersprungen und ist nun direkt mit dem Telefon online. Einen PC haben die wenigsten zu Hause.

Nachdem wir auf dem Wochenmarkt noch das ein oder andere Gemüse erstanden haben wie Tarowurzel, Bok- Choy, Schlangenbohnen, Zitronen, Karotten, Knobi,Kartoffeln, Eier und Zwiebeln sind wir dann wieder zurück zu den Inseln im Astrolabe Riff gefahren. Da Kiras Kühlwasserpumpe gerade arge Inkontinenzproblem hat, haben wir sie durch den Riffpass nach draußen geschleppt. Wider Erwarten ging das Schleppen einer anderen Jacht erstaunlich gut, und so konnten wir dann gegen Mittag gemeinsam in freiem Seeraum Segel setzen.

Wie schon auf der Hinfahrt hatten wir achterliche Winde, allerdings deutlich schwächer mit so gut wie keinem Seegang, so dass heute Mal wieder seit langem der Blister zum Einsatz kam. Die Reparatur des Blisters in Auckland scheint zu halten. Wir hatten dort eine alterschwache Stoffbahn ausgetauscht und das marode Saumband am Achterliek ersetzt . Die UV- Belastung in den Tropen ist nicht zu unterschätzen, auch ist unser Blister sicherlich nicht mehr der jüngste. Sogar SY Kira hat bei diesen Traumbedingungen den Spi gesetzt. Bei kaum merklichem Wind ging es dann einigermaßen voran und so konnten wir gerade noch vor Sonnenuntergang bei der Insel Ono den Anker fallen lassen. Morgen geht es zum Sevusevu an den Strand zum Dorfchef, mal gespannt was uns da erwartet.

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