Garden Island – Taveuni

Wieder einmal hieß es Abschied nehmen. Heute haben wir uns endlich losreißen können und sind von Taveuni zur zweitgrößten Insel Fijis – Vanua Levu – gefahren. Auf Taveuni haben wir direkt vor der Pizzeria geankert. Der Ort Matei mit Bäckerei und ein paar Geschäften war auch in 20 min. gut zu Fuß zu erreichen. Gerade nach einigen Wochen „Wildnis“ auf den abgelegeneren Inseln Fijis kam uns das wie gerufen. Direkt daneben befand sich die Filiale der Tauchbasis von Taveuni Ocean Sports, welche eigentlich nur aus vier Wänden, einem Dach und Sosi- dem äußerst hilfsbereiten Angestellten besteht. Am Tag nach der Ankunft plumpsten wir also erstmal ins Wasser und haben direkt vom Boot aus einen Auffrischungstauchgang gemacht. Das letzte Mal war ja in Tonga und ist schon mehr als ein halbes Jahr her.

Als wir unsere Flaschen zum Wiederbefüllen im Shop abgaben, meinte Sosi wir sollten am Samstag unbedingt zum Fundraiser, also einer Benefizveranstaltung, vorbeikommen. Für kleines Geld gäbe es Speis und Trank, sowie Kavatrinken mit LiveMusik. Der Erlös geht an ein Recyclingprojekt. Taveuni selber hat kein Müllprogramm und so verbrennt jeder seinen Kram eben selbst,oder kippt es ins Meer. In Suva – der Hauptstadt – gibt es wenigstens Papier und Flaschenrecycling, aber dazu muss das Zeug eben erstmal dahin und das gilt es zu organisieren. Wie so oft in armen Ländern hat auch die Regierung anderes zu tun und kann sich um so Lappalien wie Müllentsorgung nicht wirklich kümmern, deshalb muss man eben selbst aktiv werden.

Der Fundraiser war dann richtig lustig. Nach dem Essen ist dann irgendwann auch die Band eingetrudelt und hat mit Klampfe und Ukulele für Südseestimmung gesorgt. Der Kava floss in Strömen und ein lukratives Trinkspiel gab es auch noch dazu. Man konnte dem Zeremonienmeister Geld geben und dann bestimmen wer als nächstes ein Schälchen Kava trinken muss. Das „Opfer“ (es gibt tatsächlich auch Fijianer denen das Zeug nicht schmeckt), muss dann entweder Trinken, oder er kauft sich frei indem er einen größeren Betrag spendet als der urspüngliche Geldgeber. Wählen kann man übrigens zwischen „low tide“ (Niedrigwasser) – einer kleinen Schale Kava, „high tide“ (Hochwasser) – große Schale und „Tsunami“ – was ungefähr ein halber Liter Kava auf ex trinken heißt. Wir haben uns jedenfalls nicht einschüchtern lassen und brav mitgetrunken (high tide!).

Bei dieser Gelegenheit trafen wir Jeff, einen Tasmanier der schon seit 18 Monaten auf der Insel wohnt. Im richtigen Leben ist Jeff Professor für Agrarwissenschaften. Er ist für insgesamt 3 Jahre mit seiner Frau und seinen beiden Kindern hier um in einem Entwicklungshilfeprojekt den Einheimischen zu zeigen, wie sie ohne Kunstdünger und Pestizide ihr Gemüse anbauen können. Leider werden nämlich gerade von Laien hier Unmengen von dem Zeug versprüht. Wie es sich anhörte ist es wohl eine recht komplexe Geschichte mit Bodenproben, Holzkohledüngung (Terra preta) und etlichem mehr. Auf jeden Fall hat Jeff sich schon recht gut den örtlichen Gewohnheiten angepasst und sprach dem Kava ordentlich zu. Freigekauft hat er sich jedenfalls nie.

Einige Tage später haben wir dann mit Thomas von Taveuni Ocean Sports einen Tauchausflug zum berühmten Rainbow Reef gemacht. Wie ein Trichter bringt die Somosomostrasse zwichen Taveuni und Vanua Levu Plankton und Nährstoffe zum Riff, so dass sich dort eine irre Artenvielfalt entwickelt hat. Wir können den guten Ruf des Riffs nur bestätigen. Es waren zwei wunderschöne Tauchgänge. Weichkorallen in allen Farben, Fische ohne Ende, auch ein paar Arten die wir bisher noch gar nicht kannten wie z.B. die Nasenmuräne, oder einen Schaukelfisch. Leider können wir uns solche Profitauchgänge nur selten leisten – sie reißen doch ein Riesenloch in die Bordkasse.

Bordkasse hin oder her haben wir uns dann doch noch eine Abschiedspizza in der Lieblingspizzeria gegönnt, einer Abfahrt am nächsten Morgen stand also nix imWege – dachten wir.

In der Nacht vor der Abfahrt kam es wohl zu sintflutartigen Regengüssen, die wir leider größtenteils verschlafen hatten. Am nächsten Morgen waren die Eimer im Cockpit alle fast voll und ein Blick zum Heck ließ uns das Herz in die Hose rutschen. Unser Thörchen war mit Regenwasser vollgelaufen und gesunken. Grummel. Dem Dinghi macht das ja nix, aber leider sind dann bei solchen Gelegenheiten immer die Flipflops weg und der Motor muss mittels nerviger Fummelei wieder gangbar gemacht werden. Ein paar Stunden später schnurrte der Außenborder dann auch wieder. Die Latschen blieben aber leider auch beim wiederholten Rauf- und Runterpaddeln der Küste verschollen. Da es den ganzen Tag immer wieder Regenschauer gab, konnten wir uns nicht so recht zum Losfahren überwinden, und irgendwie war eh die Luft raus, weshalb wir die Abfahrt kurzerhand auf den nächsten Tag verschoben.

Heute hatten wir dann einen duften Segeltag. Erst moderate Backstagsbrise, und dann in der zweiten Hälfte Halbwindkurs hinter dem Rainbow Reef, also keine Welle. Und man merkt das neue Antifouling der Thor, wir fliegen nur noch so dahin! Aktuell liegen wir in Fawn Harbour, wir planen morgen weiter nach Savusavu zu tingeln. Die nächste Zeit scheinen die Etappen so zu sein das wir Daysailing machen können, also nix da mit Nachtfahrten. Ist ja auch mal ganz nett so zur Abwechslung.

Fotooooooooooooos!!!

Ja, ich hab das Internet in die Knie gezwungen und nach nur ein paar Stunden die neuesten Fotos von Taveuni und Vanua Balavu hochgeladen und natürlich auch noch die restlichen Fotos vom Astrolabe Reef…

Enjoy!

 

Great Astrolabe Reef – Teil II

http://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157634783183619/

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Fotoalbum Vanua Balavu (Lau-Gruppe)

http://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157634790501904/

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und schon ein paar Fotos aus Taveuni:

http://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157634790610592/

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Die andere Bay of Islands

So werter Leser, unser kleiner Abstecher in die Lau-Gruppe ist zu Ende. Gestern im Morgengrauen sind wir in Taveuni, der Garteninsel, angekommen, aber alles der Reihe nach:
Über unseren leider nicht sooo tollen ersten Eindruck über Daliconi hatten wir ja schon geschrieben. Natürlich lag das meiste an uns und unseren wie auch immer zu hoch gesteckten Erwartungen. Liest man doch überall in den Segelführern über die erst vor einigen Jahren für die Außenwelt geöffnete Lau-Gruppe und die noch sehr traditionell lebenden Insulaner. Da kann der Reality Check ja nur mit einem unsanften Erwachen enden. Schließlich leben wir im Jahr 2013, da haben sogar karibische Kuna- Indianer nen Gamerlaptop in der Strohhütte. Sei es drum. Als die Dorfbewohner dann am nächsten Morgen auch noch Geld für eine Kokosnuss wollten, hatten wir dann endgültig die Nase voll. Das ist etwa so, wie wenn man den Touristen zu Hause Geld dafür abknöpft, wenn sie beim Spaziergang im Wald ein paar Beeren pflücken. Wir verkrümelten uns bei 6 Windstärken in die etwas nördlicher gelegene Bay of Islands.

Die gesamte Bay besteht aus Korallenblöcken, die durch Verschiebungen im Erdmantel nach oben gedrückt wurden und nun lauter kleine pilzförmige Inseln bilden. Ein nicht ganz einfach zu navigierendes Gewässer, aber dafür um so schöner. Hier lagen wir knapp eine Woche vor Anker um den Starkwind abzuwettern. Die Fijianer nennen das Wetter den Acht-Tage-Wind und ziemlich genau 8 Tage hat er auch gedauert. Durch die Vielzahl an Inselchen lag man in der Bucht sehr geschützt in durchwegs sehr ruhigem Wasser. Leider hatte der Regen zu viel Dreck ins Wasser gespült, sodass das Schnorcheln leider nicht sooo wahnsinnig aufregend war. Trotzdem hatten wir unseren Spaß. Mit uns vor Anker lagen alte Bekannte, nämlich SY Namani und SY Caps 3, sowie zwei neuseeländische Segler, SY Navara und SY Liberation. Wechselseitige Besuche und Einladungen zum Essen verkürzten die Zeit. Einige Ausflüge im Dinghi sorgten ebenfalls für Kurzweil. Allabendlich stiegen aus einer Ecke der Bucht hunderte von Flughunden auf und verdunkelten fast den eh schon Wolken verhangenen Himmel. Wir gingen dann eines Tages auf Erkundungsfahrt. Es bot sich ein atemberaubendes Schauspiel. Hunderte von Flughunden hingen dicht gedrängt in den Bäumen, jedes schön zugedeckt mit den eigenen Flughäuten. Der Lärm und der Geruch waren wie im Augsburger Zoo. Irre so etwas in freier Natur erleben zu dürfen.

Auf Regen folgt bekanntlich Sonnenschein und so zogen wir ein paar Buchten weiter nach Bavatu Harbour. Dort befindet sich der wohl abgeschiedenste Yachtclub der Welt (bekommt aber starke Konkurrenz vom NYC- dem Niue Yacht Club). Es ist die „Royal Exploring Islands Yacht Squadron“. Es besteht eigentlich nur aus einem ziemlich leeren Clubhaus mit kleinem Dinghi Dock, zwei Mooring Bojen sowie einer Süßwasserdusche im Freien, welche wir ausgiebigst genossen haben. Aufenthalt und Nutzung der Einrichtung kostet nichts, es wäre auch niemand da der Geld kassieren könnte.

Bavatu Harbour ist eigentlich nur eine tief eingeschnittene Bucht mitten im Nirgendwo. Vor ein paar Jahren wurde das umliegende Land von den Einwohnern in Daliconi an einen reichen Australier verkauft. Die dort lebenden Fijianer leben nun nicht nur einfach da, sondern sind Angestellte. Neben der Pflege des kleinen Weilers müssen sie pro Woche 100 Liter Kokosnussöl produzieren, was heißt dass sie an drei Tagen der Woche in ihrer kleinen Fabrik arbeiten müssen. Das Leben auf Fijis abgelegeneren Inseln ist eigentlich sehr einfach. Essen wächst und gedeiht in den Gärten wie Unkraut und kann das ganze Jahr über im Überfluss geerntet werden. Das Fischen, um die Proteinzufuhr sicherzustellen, ist schnell erledigt. Das Überleben ist also kein Problem. Überschuss wird an Resorts verkauft, außerdem arbeiten einige der Dorfbewohner in Cash- Jobs in der Hauptstadt oder sonstwo in der Tourismusbranche. Das spült das natürlich auch hier dringend benötigte Bargeld in das Geldtascherl. Kein Wunder dass es auf den ersten Blick verlockend erscheint, Teile des Grundbesitzes nach westlicher Art zu veräußern. Es ist jedoch sehr fraglich ob die Dörfer irgendwann in der Lage sein werden, sich den Grund und Boden wieder zurück zu kaufen. Er wird wohl für das Dorf nun für alle Zeit verloren sein. Die Angestellten in diesen verkauften Parzellen machen zusätzlich zu den üblichen Aufgaben (Gärtnern, Fischen etc.) eben noch all das, was dem Besitzer eben Geld einbringt. Früher haben sie das eben für die eigene Familie/ Dorfgemeinschaft erwirtschaftet, heute arbeiten sie in einem abhängigen Angestelltenverhältnis mit regelmäßigem (landestypisch sehr niedrigem) Gehalt.
Dieser Ausverkauf Fijis ist leider (?) kein Einzelfall. Die Nachbarinsel Mango Island z. B. gehört Mel Gibson.
Warum die Dörfer nicht langfristig verpachten verstehe ich nicht. Sollte jemand zu diesem Thema mehr wissen, so würde es mich brennend interessieren.

Für weitere Erkundungen der auf der Wetterseite von Fiji gelegenen Lau-Gruppe hatten wir keine allzu große Lust mehr, weshalb wir nach Westen zur Garteninsel Taveuni fuhren. Mit eigentlich perfekten Segelbedingungen – um die 3 Bft von der Seite mit so gut wie keiner Welle – ging es im Sauseschritt nach Matei an der Nordspitze von Taveuni. Um 8 Uhr morgens fiel der Hacken in 10 Meter Sandboden. Das Wasser war zur Abwechslung mal wieder klar und wir konnten locker bis auf den Grund gucken. Noch ein kurzes Nickerchen am Vormittag um den Schlaf nachzuholen aber dann hielt uns nix mehr an Bord. Die ersten Läden und Restaurants seit 6 Wochen sendeten unwiderstehliche Lockrufe aus, denen wir nicht widerstehen konnten. Gerade am Morgen hatten wir unser letztes Milchpulver aufgebraucht, Käse, Wurst, Bier, Gemüse, war schon seit Wochen nicht mehr auf dem Speiseplan. Nach einem kleinen Kaufrausch (Käse, Bier, Mehl, Milchpulver, Haferflocken, Obst und Gemüse etc.) ging es in die Pizzeria. Das erste Fiji Bitter war in nullkommanix weg und Fisch & Chips, sowie Pizza Deluxe waren einfach traumhaft. Glücklich und voll bepackt ging es mit dem Dinghi zurück zum Schiff. Ein Gamefishing Boot kam uns gerade entgegen und schenkte uns einen schönen Yellowfin Tuna. Nachdem wir uns tausendmal bedankten und wir über unsere doch sehr unterschiedlich gearteten Anglerglücks sprachen- bei der Überfahrt hatte uns ein Fisch unseren Köder einfach abgerissen – schenkten sie uns noch einen ihrer Köder als Dreingabe. Boah ey – da ist man einfach sprachlos. Der Tauchshop ist auch gleich neben unserem Ankerplatz und darum werden wir heute mal unsere Tauchausrüstung auspacken und die Riffe hier in der Bucht erkunden.

Fotos können wir leider noch immer nicht hochladen, das Internet ist viel zu schwach… das wird aber dann hoffentlich in Savusavu klappen.

Vanua Balavu

Nach fast 4 Wochen in der Kadavu-Gruppe haben wir uns nun auch wieder zu neuen Inseln aufgemacht. Der Abschied von der Kira fiel uns schon schwer, wer weiß wann wir uns wiedersehen werden? Die Verlockung einfach mit ihnen zu den Mamanucas in den Westen zu fahren und somit die „trockene“ Seite Fijis mit vielen Sonnenstunden zu erleben, war schon groß. Andererseits gabs da aber auch noch die Lau-Gruppe, die noch sehr ursprünglich sein soll und wo es noch keinen Platz für die herkömmlichen Touristen gibt. Für Yachten sind die Inseln der Lau-Gruppe seit Kurzem mit der allgemeinen Cruising-Erlaubnis anzulaufen und da wir noch etwas mehr Zeit als Kira haben, machen wir uns also auf den Weg nach Vanua Balavu, die nördlichste Insel der Lau-Gruppe. Einfach ist es nicht, hierherzukommen. Da braucht man schon eine kleine Passatstörung, die wir dann am Freitag und Samstag bekommen – der Wind kommt fast genau aus Süden, nicht zu stark – und wir können die 190 Seemeilen in 48 Stunden auf Halbwind-Kurs zurücklegen. Am zweiten Tag sind die Wellen dann doch schon etwas höher, aber wir können es aushalten. Die Thor würde gerne noch viel schneller segeln, aber um am Morgen und somit bei Tageslicht anzukommen, haben wir ordentlich gerefft. Die letzten Sunden laufen wir vor Topp und Takel auf Vorwindkurs.

Gestern morgen werden wir dann mit sehr vielen Regenschauern begrüßt und mitunter kann man die Inseln gar nicht mehr erkennen. Es ist wieder ein richtiger Krimi, wir sind soooo kurz davor, weiterzusegeln nach Taveuni, weil es einfach halsbrecherisch ist, bei Null Sicht durch die Riffpassage zu fahren. Was tun? Noch eine Nachtfahrt zur nächsten Insel wo man durch keinen Pass durchs Riff muss? Die Einfahrt nach Vanua Balavu trotzdem riskieren? Wir haben ja auch Google Earth Satellitenkarten der Region, GPS-Wegpunkte von anderen Seglern… aber trotzdem ein unsicheres Gefühl. Noch dazu sind die elektronischen Seekarten um ein paar hundert Meter verschoben.

Zum Glück bekommen wir dann etwas Unterstützung bei der Entscheidungsfindung – die Wolkendecke reißt für kurze Zeit auf und wir können die Insel und das Riff plötzlich glasklar erkennen. Also nichts wie rein in die Lagune! Ich stehe vorne am Bug und dirigiere uns von dort durch den Pass, Christian checkt zusätzlich auch noch die Satellitenbilder, die exakt stimmen und schon sind wir durch den Pass in der Lagune. Was für ein Glück! Gleich danach kommt der nächste Regenschauer an, aber jetzt ist das alles nicht mehr so schlimm. Bis zum Ankerplatz beim Dorf sind keine Riffe mehr eingezeichnet und wir können sicher auf 11 Meter Wassertiefer den Haken in den Sand graben. Wir sind erleichtert, dass wir es hierher geschafft haben, viele Segler tun sich das nicht an, gegen den Passat hierher zu segeln. Zur Belohnung gibts gleich ein Schlückchen „Hopi“ – die Bezeichnung für Selbstgebrautes auf tonganisch. Unser Reiswein schmeckt nämlich echt sehr gut und wir werden immer besser im Ver feinern des Rezeptes.

Heute sind wir dann ins Dorf gefahren um unser Sevusevu zu machen. Etwas gedämpft war unsere Stimmung danach schon, weil wir tatsächlich noch zusätzlich zu den Kava-Wurzeln eine „freiwillige“ Spende bezahlen sollten, damit das Dorf verschiedene Projekte umsetzen kann. Wir sind dann auch wie immer viel zu gutmütig um „Nein“ zu sagen, wenn man erwartungsvoll vom Chief, dem Spokesman und der Sekretärin des „Tourismuskommitees“ angesehen wird. Eigentlich ist das nicht viel Geld, aber nach der großen Herzlichkeit auf Ono und den anderen Inseln der Kadavu-Gruppe kommen wir uns jetzt schon ein bisschen ausgenommen vor. Oh well, ist ja für das Schulgeld der Kinder und dient somit einem guten Zweck.
Beim Spaziergang durchs Dorf sieht man dann auch sehr große, massiv gebaute Häuser, eine Satellitenschüssel fürs Telefon, Solarzellen überall usw. Das Dorf macht einen sehr geschäftsmäßigen Eindruck, man kann gegen Aufpreis noch extra Ausflüge und typisch fijianische Abendessen buchen. Gut, dass war jetzt unser erster Eindruck von der Lau-Gruppe – wir sind aber auch erst einen Tag hier und lassen uns einfach überraschen wie es weitergeht.

Ono – Fiji

Seit Tagen nun liegen wir vor dem netten Ort Naqara auf der Insel Ono vor Anker. 50 Meter vor der Haustür befindet sich ein perfektes Riff mit wunderschönen Hart- und Weichkorallen sowie massig bunten Fischen. Bei gutem Wetter fischen die Frauen aus dem Ort tagsüber am Riff, in der Nacht gehen die Jungs auf Jagd mit der Speargun, der Harpune.
Bei unserem ersten Besuch im Ort wurden wir von einer Horde Kindern begrüsst, sowie zwei Fijianer welche in kniehohem Wasser stehend auf Muschelhörnern uns einen Willkommensgruß zutrompetet haben. Der Klang der Hörner ist einem Alphorn – oder Nebelhorn für die norddeutschen Leser – nicht unähnlich. Das sind so Postkartenmomente. Nachdem wir uns umgedreht hatten und nach hinten aufs Meer blickten, wurde die Ursache für den riesigen Bahnhof klar. Drei Motorboote mit den Schulkindern des Dorfes kamen gerade vom Rugby Turnier von der Nachbarinsel – aha, das Begrüßungskomitee war also gar nicht für uns. Tja – warum sollten die Einheimischen auch wegen vier abgerissener Yachties so nen Aufwand betreiben.

Weiter gings zum Versammlungshaus im Dorf. Wie so oft besteht es auch hier aus einem recht kahlen Raum, der Boden mit Palmwedelmatten belegt. Man hockt sich dann im Schneidersitz hin und wartet auf den Dorfchef um Sevusevu zu machen. Sevusevu ist eine uralte fijianische Tradition, bei der jeder Besucher eines Dorfes ein Bündel Kava als Gastgeschenk überreicht. Einer der Dorfbewohner nimmt die Rolle des Fürsprechers für den Gast ein und erklärt das warum und wieso des Besuches. Die gesamte Zeremonie wird auf Fijianisch abgehalten, sodass wir leider nur sehr bruchstückhaft mitbekommen, worum es in der minutenlangen Ansprache geht. Auf jeden Fall versichert uns der Fürsprecher danach auf Englisch, dass wir in dem Dorf sehr willkommen wären und wir Landbesitz und die zum Dorf gehörenden Riffe nutzen können, so lange wir wollen. Auch bedankt er sich, dass wir als Weiße die fijianische Tradition des Sevusevu achten würden. Grund und Boden gehören in Fiji nicht etwa Privatpersonen w
ie bei uns, sondern immer einem Dorf. Deshalb ist es für Gäste eben wichtig, sozusagen offiziell beim Bürgermeister um Erlaubnis des Besuchs anzufragen, was dann eben in Form des Sevusevu geschieht.

Ganz erstaunt waren die Fijianer dann auch, dass es in Deutschland gar kein Sevusevu gibt. Die für sie logische Schlussfolgerung, dass dann der Gast in Deutschland einfach so überall alles benutzen kann, mussten wir dann aber leider verneinen. Wir erklärten das Konzept des privaten Grundbesitzes und erläuterten, dass in Deutschland sowieso fast jeder einen Zaun um sein Anwesen gezogen hat. Eigentlich ist das fijianische Konzept recht sympathisch.

Es fanden sich noch so einige komische Momente, die in den kulturellen Unterschieden und den unterschiedlichen Erfahrungshorizonten zwischen Europäern und Fijianern begründet waren. Als wir erzählten, dass Christine aus Österreich stammt und Österreich und Deutschland Nachbarländer seien, wurde dann gleich Mal gefragt welches Meer denn zwischen beiden Ländern liegt. Eine sicherlich berechtigte Frage wenn man in einem Inselstaat aufgewachsen ist, allerdings vermute ich, dass in diesem speziellen Fall die betreffende Person in Geographie nicht sonderlich aufgepasst hat. Die Schulbildung in Fiji ist nämlich nicht schlecht – auch in der kleinsten Gemeinde gibt es eine Schule und die meisten Kinder gehen insgesamt acht Jahre zum Unterricht, wobei es danach auch noch weiterführende Schulen gibt. Wir haben ihnen dann auch noch erzählt, dass es in Österreich sehr hohe Berge gibt und sie waren dann auch ganz stolz darauf, dass der zweithöchste Berg Fijis hier in der Kandavu-Gruppe ang
esiedelt ist. Auf die Frage, wie hoch der Berg denn sei, gab es dann einige Diskussionen, aber „er ist so hoch wie die Wolken, hm… vielleicht so 20 Meter?“. Sehr witzig. Das Grinsen haben wir uns natürlich für hinterher aufgehoben.

Nach dem Sevusevu führte uns unser Fürsprecher durchs Dorf, wobei sich jeder Dorfbewohner dem wir über den Weg liefen namentlich vorstellte. Im Dorf wohnen nur so 50 Erwachsene, so hält sich der Aufwand doch in Grenzen, aber merken können wir uns die Namen in der kurzen Zeit natürlich nicht. Für den nächsten Tag werden wir nach der Sonntagsmesse zum Mittagessen bei unserem Fürsprecher Essala eingeladen. Das lassen wir uns natürlich beides nicht entgehen und finden uns am nächsten Tag um10 Uhr zu unserem ersten methodistischen Gottesdienst ein. Wir verstehen natürlich nix – ist ja auf Fijianisch, aber natürlich bekommen wir als Gäste Ehrenplätze neben dem Altar, ungefähr da wo in Europa die Ministranten sitzen würden. So kann uns dann wenigstens jeder gut sehen. Der Priester drückt Tim sein Gesangsbuch in die Hand und macht auffordernde Gesten doch mitzusingen, aber die Sprachbarriere und fehlende Noten verhindern dies leider. Die Gesänge sind aber dann doch sehr hörenswert. O
ft wird mehrstimmig – Frauen und Männer getrennt – gesungen. Fiji ist ja im Gegensatz zu Mitteleuropa erst seit relativ kurzer Zeit missioniert worden, und so wunderte es doch, dass nur die Hälfte dem Gottesdienst beiwohnte. Das Missverständnis klärte sich allerdings rasch auf. Es gibt zwei Konfessionen im Ort. Die andere Hälfte des Dorfes hielt ihren Gottesdienst schon um acht Uhr ab. Erwachsene die nicht in die Sonntagsmesse gehen würden gibt es im Dorf nicht. Das nenne ich Mal Gruppenzwang. Die Kollekte war anfangs wie in Europa, ein kleines Mädchen ging mit einer Schüssel umher, aber dann wurden vom Messdiener alle, die nicht gespendet hatten, mit Namen aufgerufen bis jeder sein Schärflein beigetragen hatte. Also ne freiwillige Spende sieht meiner Ansicht nach anders aus.

Zu Hause bei Essala angekommen gab es dann Fisch in allen möglichen Variationen- gebraten, gekocht, mit Kokosmilch oder ohne. Dazu gab es Taro, eine stärkehaltige Wurzelknolle die als Kartoffelersatz dient. Martha, Essalas Freundin ist eine vorzügliche Köchin, welche in einem der drei Touristenresorts auf der anderen Seite der Insel arbeitet. Dort zahlen eine Handvoll Gäste dann je nach Resort zwischen 250 und 500 USDollar pro Tag um sich von ihrem Alltagsstress zu Hause zu erholen. Irgendwie irre.

Für den Nachmittag sprachen wir eine Gegeneinladung auf die Thor zu Kaffee und Kuchen aus, welche auch gerne angenommen wurde. Dort führten wir unsere Gäste durch das Boot, erläuterten die Vorzüge von Solarstrom- im Dorf wird der Strom von einem tagsüber laufenden Dieselgenerator erzeugt. Wir saßen dann noch bis fast zum Sonnenuntergang im Cockpit und erzählten Anekdoten aus unserem Seglereben und erfuhren Interessantes aus dem Leben in Fiji. Ein dufter Tag.

So,für heute haben wir Mal genug geschrieben, wir gehen jetzt schnorcheln. Bilder gibt es, wenn das Internet wieder etwas besser ist.