Ono – Fiji

Seit Tagen nun liegen wir vor dem netten Ort Naqara auf der Insel Ono vor Anker. 50 Meter vor der Haustür befindet sich ein perfektes Riff mit wunderschönen Hart- und Weichkorallen sowie massig bunten Fischen. Bei gutem Wetter fischen die Frauen aus dem Ort tagsüber am Riff, in der Nacht gehen die Jungs auf Jagd mit der Speargun, der Harpune.
Bei unserem ersten Besuch im Ort wurden wir von einer Horde Kindern begrüsst, sowie zwei Fijianer welche in kniehohem Wasser stehend auf Muschelhörnern uns einen Willkommensgruß zutrompetet haben. Der Klang der Hörner ist einem Alphorn – oder Nebelhorn für die norddeutschen Leser – nicht unähnlich. Das sind so Postkartenmomente. Nachdem wir uns umgedreht hatten und nach hinten aufs Meer blickten, wurde die Ursache für den riesigen Bahnhof klar. Drei Motorboote mit den Schulkindern des Dorfes kamen gerade vom Rugby Turnier von der Nachbarinsel – aha, das Begrüßungskomitee war also gar nicht für uns. Tja – warum sollten die Einheimischen auch wegen vier abgerissener Yachties so nen Aufwand betreiben.

Weiter gings zum Versammlungshaus im Dorf. Wie so oft besteht es auch hier aus einem recht kahlen Raum, der Boden mit Palmwedelmatten belegt. Man hockt sich dann im Schneidersitz hin und wartet auf den Dorfchef um Sevusevu zu machen. Sevusevu ist eine uralte fijianische Tradition, bei der jeder Besucher eines Dorfes ein Bündel Kava als Gastgeschenk überreicht. Einer der Dorfbewohner nimmt die Rolle des Fürsprechers für den Gast ein und erklärt das warum und wieso des Besuches. Die gesamte Zeremonie wird auf Fijianisch abgehalten, sodass wir leider nur sehr bruchstückhaft mitbekommen, worum es in der minutenlangen Ansprache geht. Auf jeden Fall versichert uns der Fürsprecher danach auf Englisch, dass wir in dem Dorf sehr willkommen wären und wir Landbesitz und die zum Dorf gehörenden Riffe nutzen können, so lange wir wollen. Auch bedankt er sich, dass wir als Weiße die fijianische Tradition des Sevusevu achten würden. Grund und Boden gehören in Fiji nicht etwa Privatpersonen w
ie bei uns, sondern immer einem Dorf. Deshalb ist es für Gäste eben wichtig, sozusagen offiziell beim Bürgermeister um Erlaubnis des Besuchs anzufragen, was dann eben in Form des Sevusevu geschieht.

Ganz erstaunt waren die Fijianer dann auch, dass es in Deutschland gar kein Sevusevu gibt. Die für sie logische Schlussfolgerung, dass dann der Gast in Deutschland einfach so überall alles benutzen kann, mussten wir dann aber leider verneinen. Wir erklärten das Konzept des privaten Grundbesitzes und erläuterten, dass in Deutschland sowieso fast jeder einen Zaun um sein Anwesen gezogen hat. Eigentlich ist das fijianische Konzept recht sympathisch.

Es fanden sich noch so einige komische Momente, die in den kulturellen Unterschieden und den unterschiedlichen Erfahrungshorizonten zwischen Europäern und Fijianern begründet waren. Als wir erzählten, dass Christine aus Österreich stammt und Österreich und Deutschland Nachbarländer seien, wurde dann gleich Mal gefragt welches Meer denn zwischen beiden Ländern liegt. Eine sicherlich berechtigte Frage wenn man in einem Inselstaat aufgewachsen ist, allerdings vermute ich, dass in diesem speziellen Fall die betreffende Person in Geographie nicht sonderlich aufgepasst hat. Die Schulbildung in Fiji ist nämlich nicht schlecht – auch in der kleinsten Gemeinde gibt es eine Schule und die meisten Kinder gehen insgesamt acht Jahre zum Unterricht, wobei es danach auch noch weiterführende Schulen gibt. Wir haben ihnen dann auch noch erzählt, dass es in Österreich sehr hohe Berge gibt und sie waren dann auch ganz stolz darauf, dass der zweithöchste Berg Fijis hier in der Kandavu-Gruppe ang
esiedelt ist. Auf die Frage, wie hoch der Berg denn sei, gab es dann einige Diskussionen, aber „er ist so hoch wie die Wolken, hm… vielleicht so 20 Meter?“. Sehr witzig. Das Grinsen haben wir uns natürlich für hinterher aufgehoben.

Nach dem Sevusevu führte uns unser Fürsprecher durchs Dorf, wobei sich jeder Dorfbewohner dem wir über den Weg liefen namentlich vorstellte. Im Dorf wohnen nur so 50 Erwachsene, so hält sich der Aufwand doch in Grenzen, aber merken können wir uns die Namen in der kurzen Zeit natürlich nicht. Für den nächsten Tag werden wir nach der Sonntagsmesse zum Mittagessen bei unserem Fürsprecher Essala eingeladen. Das lassen wir uns natürlich beides nicht entgehen und finden uns am nächsten Tag um10 Uhr zu unserem ersten methodistischen Gottesdienst ein. Wir verstehen natürlich nix – ist ja auf Fijianisch, aber natürlich bekommen wir als Gäste Ehrenplätze neben dem Altar, ungefähr da wo in Europa die Ministranten sitzen würden. So kann uns dann wenigstens jeder gut sehen. Der Priester drückt Tim sein Gesangsbuch in die Hand und macht auffordernde Gesten doch mitzusingen, aber die Sprachbarriere und fehlende Noten verhindern dies leider. Die Gesänge sind aber dann doch sehr hörenswert. O
ft wird mehrstimmig – Frauen und Männer getrennt – gesungen. Fiji ist ja im Gegensatz zu Mitteleuropa erst seit relativ kurzer Zeit missioniert worden, und so wunderte es doch, dass nur die Hälfte dem Gottesdienst beiwohnte. Das Missverständnis klärte sich allerdings rasch auf. Es gibt zwei Konfessionen im Ort. Die andere Hälfte des Dorfes hielt ihren Gottesdienst schon um acht Uhr ab. Erwachsene die nicht in die Sonntagsmesse gehen würden gibt es im Dorf nicht. Das nenne ich Mal Gruppenzwang. Die Kollekte war anfangs wie in Europa, ein kleines Mädchen ging mit einer Schüssel umher, aber dann wurden vom Messdiener alle, die nicht gespendet hatten, mit Namen aufgerufen bis jeder sein Schärflein beigetragen hatte. Also ne freiwillige Spende sieht meiner Ansicht nach anders aus.

Zu Hause bei Essala angekommen gab es dann Fisch in allen möglichen Variationen- gebraten, gekocht, mit Kokosmilch oder ohne. Dazu gab es Taro, eine stärkehaltige Wurzelknolle die als Kartoffelersatz dient. Martha, Essalas Freundin ist eine vorzügliche Köchin, welche in einem der drei Touristenresorts auf der anderen Seite der Insel arbeitet. Dort zahlen eine Handvoll Gäste dann je nach Resort zwischen 250 und 500 USDollar pro Tag um sich von ihrem Alltagsstress zu Hause zu erholen. Irgendwie irre.

Für den Nachmittag sprachen wir eine Gegeneinladung auf die Thor zu Kaffee und Kuchen aus, welche auch gerne angenommen wurde. Dort führten wir unsere Gäste durch das Boot, erläuterten die Vorzüge von Solarstrom- im Dorf wird der Strom von einem tagsüber laufenden Dieselgenerator erzeugt. Wir saßen dann noch bis fast zum Sonnenuntergang im Cockpit und erzählten Anekdoten aus unserem Seglereben und erfuhren Interessantes aus dem Leben in Fiji. Ein dufter Tag.

So,für heute haben wir Mal genug geschrieben, wir gehen jetzt schnorcheln. Bilder gibt es, wenn das Internet wieder etwas besser ist.

4 Gedanken zu “Ono – Fiji

  1. Auch ich beneide euch und freu mich über die mögliche Teilhabe durch eure tollen Berichte. Dankeschön
    Eure Karte ist in O-franken angekommen, Tante Rita hat sich sehr gefreut. Außerdem hab ich ihr zum Lesen Blogbeinträge mitgebracht.
    LG Mama

  2. Toller Reisebericht. Man kann schon verstehen, warum ihr mit dem Boot unterwegs seid- nur so kann man diese abgelegenen Orte erreichen…

    LG

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