Vanua Balavu

Nach fast 4 Wochen in der Kadavu-Gruppe haben wir uns nun auch wieder zu neuen Inseln aufgemacht. Der Abschied von der Kira fiel uns schon schwer, wer weiß wann wir uns wiedersehen werden? Die Verlockung einfach mit ihnen zu den Mamanucas in den Westen zu fahren und somit die „trockene“ Seite Fijis mit vielen Sonnenstunden zu erleben, war schon groß. Andererseits gabs da aber auch noch die Lau-Gruppe, die noch sehr ursprünglich sein soll und wo es noch keinen Platz für die herkömmlichen Touristen gibt. Für Yachten sind die Inseln der Lau-Gruppe seit Kurzem mit der allgemeinen Cruising-Erlaubnis anzulaufen und da wir noch etwas mehr Zeit als Kira haben, machen wir uns also auf den Weg nach Vanua Balavu, die nördlichste Insel der Lau-Gruppe. Einfach ist es nicht, hierherzukommen. Da braucht man schon eine kleine Passatstörung, die wir dann am Freitag und Samstag bekommen – der Wind kommt fast genau aus Süden, nicht zu stark – und wir können die 190 Seemeilen in 48 Stunden auf Halbwind-Kurs zurücklegen. Am zweiten Tag sind die Wellen dann doch schon etwas höher, aber wir können es aushalten. Die Thor würde gerne noch viel schneller segeln, aber um am Morgen und somit bei Tageslicht anzukommen, haben wir ordentlich gerefft. Die letzten Sunden laufen wir vor Topp und Takel auf Vorwindkurs.

Gestern morgen werden wir dann mit sehr vielen Regenschauern begrüßt und mitunter kann man die Inseln gar nicht mehr erkennen. Es ist wieder ein richtiger Krimi, wir sind soooo kurz davor, weiterzusegeln nach Taveuni, weil es einfach halsbrecherisch ist, bei Null Sicht durch die Riffpassage zu fahren. Was tun? Noch eine Nachtfahrt zur nächsten Insel wo man durch keinen Pass durchs Riff muss? Die Einfahrt nach Vanua Balavu trotzdem riskieren? Wir haben ja auch Google Earth Satellitenkarten der Region, GPS-Wegpunkte von anderen Seglern… aber trotzdem ein unsicheres Gefühl. Noch dazu sind die elektronischen Seekarten um ein paar hundert Meter verschoben.

Zum Glück bekommen wir dann etwas Unterstützung bei der Entscheidungsfindung – die Wolkendecke reißt für kurze Zeit auf und wir können die Insel und das Riff plötzlich glasklar erkennen. Also nichts wie rein in die Lagune! Ich stehe vorne am Bug und dirigiere uns von dort durch den Pass, Christian checkt zusätzlich auch noch die Satellitenbilder, die exakt stimmen und schon sind wir durch den Pass in der Lagune. Was für ein Glück! Gleich danach kommt der nächste Regenschauer an, aber jetzt ist das alles nicht mehr so schlimm. Bis zum Ankerplatz beim Dorf sind keine Riffe mehr eingezeichnet und wir können sicher auf 11 Meter Wassertiefer den Haken in den Sand graben. Wir sind erleichtert, dass wir es hierher geschafft haben, viele Segler tun sich das nicht an, gegen den Passat hierher zu segeln. Zur Belohnung gibts gleich ein Schlückchen „Hopi“ – die Bezeichnung für Selbstgebrautes auf tonganisch. Unser Reiswein schmeckt nämlich echt sehr gut und wir werden immer besser im Ver feinern des Rezeptes.

Heute sind wir dann ins Dorf gefahren um unser Sevusevu zu machen. Etwas gedämpft war unsere Stimmung danach schon, weil wir tatsächlich noch zusätzlich zu den Kava-Wurzeln eine „freiwillige“ Spende bezahlen sollten, damit das Dorf verschiedene Projekte umsetzen kann. Wir sind dann auch wie immer viel zu gutmütig um „Nein“ zu sagen, wenn man erwartungsvoll vom Chief, dem Spokesman und der Sekretärin des „Tourismuskommitees“ angesehen wird. Eigentlich ist das nicht viel Geld, aber nach der großen Herzlichkeit auf Ono und den anderen Inseln der Kadavu-Gruppe kommen wir uns jetzt schon ein bisschen ausgenommen vor. Oh well, ist ja für das Schulgeld der Kinder und dient somit einem guten Zweck.
Beim Spaziergang durchs Dorf sieht man dann auch sehr große, massiv gebaute Häuser, eine Satellitenschüssel fürs Telefon, Solarzellen überall usw. Das Dorf macht einen sehr geschäftsmäßigen Eindruck, man kann gegen Aufpreis noch extra Ausflüge und typisch fijianische Abendessen buchen. Gut, dass war jetzt unser erster Eindruck von der Lau-Gruppe – wir sind aber auch erst einen Tag hier und lassen uns einfach überraschen wie es weitergeht.