Die andere Bay of Islands

So werter Leser, unser kleiner Abstecher in die Lau-Gruppe ist zu Ende. Gestern im Morgengrauen sind wir in Taveuni, der Garteninsel, angekommen, aber alles der Reihe nach:
Über unseren leider nicht sooo tollen ersten Eindruck über Daliconi hatten wir ja schon geschrieben. Natürlich lag das meiste an uns und unseren wie auch immer zu hoch gesteckten Erwartungen. Liest man doch überall in den Segelführern über die erst vor einigen Jahren für die Außenwelt geöffnete Lau-Gruppe und die noch sehr traditionell lebenden Insulaner. Da kann der Reality Check ja nur mit einem unsanften Erwachen enden. Schließlich leben wir im Jahr 2013, da haben sogar karibische Kuna- Indianer nen Gamerlaptop in der Strohhütte. Sei es drum. Als die Dorfbewohner dann am nächsten Morgen auch noch Geld für eine Kokosnuss wollten, hatten wir dann endgültig die Nase voll. Das ist etwa so, wie wenn man den Touristen zu Hause Geld dafür abknöpft, wenn sie beim Spaziergang im Wald ein paar Beeren pflücken. Wir verkrümelten uns bei 6 Windstärken in die etwas nördlicher gelegene Bay of Islands.

Die gesamte Bay besteht aus Korallenblöcken, die durch Verschiebungen im Erdmantel nach oben gedrückt wurden und nun lauter kleine pilzförmige Inseln bilden. Ein nicht ganz einfach zu navigierendes Gewässer, aber dafür um so schöner. Hier lagen wir knapp eine Woche vor Anker um den Starkwind abzuwettern. Die Fijianer nennen das Wetter den Acht-Tage-Wind und ziemlich genau 8 Tage hat er auch gedauert. Durch die Vielzahl an Inselchen lag man in der Bucht sehr geschützt in durchwegs sehr ruhigem Wasser. Leider hatte der Regen zu viel Dreck ins Wasser gespült, sodass das Schnorcheln leider nicht sooo wahnsinnig aufregend war. Trotzdem hatten wir unseren Spaß. Mit uns vor Anker lagen alte Bekannte, nämlich SY Namani und SY Caps 3, sowie zwei neuseeländische Segler, SY Navara und SY Liberation. Wechselseitige Besuche und Einladungen zum Essen verkürzten die Zeit. Einige Ausflüge im Dinghi sorgten ebenfalls für Kurzweil. Allabendlich stiegen aus einer Ecke der Bucht hunderte von Flughunden auf und verdunkelten fast den eh schon Wolken verhangenen Himmel. Wir gingen dann eines Tages auf Erkundungsfahrt. Es bot sich ein atemberaubendes Schauspiel. Hunderte von Flughunden hingen dicht gedrängt in den Bäumen, jedes schön zugedeckt mit den eigenen Flughäuten. Der Lärm und der Geruch waren wie im Augsburger Zoo. Irre so etwas in freier Natur erleben zu dürfen.

Auf Regen folgt bekanntlich Sonnenschein und so zogen wir ein paar Buchten weiter nach Bavatu Harbour. Dort befindet sich der wohl abgeschiedenste Yachtclub der Welt (bekommt aber starke Konkurrenz vom NYC- dem Niue Yacht Club). Es ist die „Royal Exploring Islands Yacht Squadron“. Es besteht eigentlich nur aus einem ziemlich leeren Clubhaus mit kleinem Dinghi Dock, zwei Mooring Bojen sowie einer Süßwasserdusche im Freien, welche wir ausgiebigst genossen haben. Aufenthalt und Nutzung der Einrichtung kostet nichts, es wäre auch niemand da der Geld kassieren könnte.

Bavatu Harbour ist eigentlich nur eine tief eingeschnittene Bucht mitten im Nirgendwo. Vor ein paar Jahren wurde das umliegende Land von den Einwohnern in Daliconi an einen reichen Australier verkauft. Die dort lebenden Fijianer leben nun nicht nur einfach da, sondern sind Angestellte. Neben der Pflege des kleinen Weilers müssen sie pro Woche 100 Liter Kokosnussöl produzieren, was heißt dass sie an drei Tagen der Woche in ihrer kleinen Fabrik arbeiten müssen. Das Leben auf Fijis abgelegeneren Inseln ist eigentlich sehr einfach. Essen wächst und gedeiht in den Gärten wie Unkraut und kann das ganze Jahr über im Überfluss geerntet werden. Das Fischen, um die Proteinzufuhr sicherzustellen, ist schnell erledigt. Das Überleben ist also kein Problem. Überschuss wird an Resorts verkauft, außerdem arbeiten einige der Dorfbewohner in Cash- Jobs in der Hauptstadt oder sonstwo in der Tourismusbranche. Das spült das natürlich auch hier dringend benötigte Bargeld in das Geldtascherl. Kein Wunder dass es auf den ersten Blick verlockend erscheint, Teile des Grundbesitzes nach westlicher Art zu veräußern. Es ist jedoch sehr fraglich ob die Dörfer irgendwann in der Lage sein werden, sich den Grund und Boden wieder zurück zu kaufen. Er wird wohl für das Dorf nun für alle Zeit verloren sein. Die Angestellten in diesen verkauften Parzellen machen zusätzlich zu den üblichen Aufgaben (Gärtnern, Fischen etc.) eben noch all das, was dem Besitzer eben Geld einbringt. Früher haben sie das eben für die eigene Familie/ Dorfgemeinschaft erwirtschaftet, heute arbeiten sie in einem abhängigen Angestelltenverhältnis mit regelmäßigem (landestypisch sehr niedrigem) Gehalt.
Dieser Ausverkauf Fijis ist leider (?) kein Einzelfall. Die Nachbarinsel Mango Island z. B. gehört Mel Gibson.
Warum die Dörfer nicht langfristig verpachten verstehe ich nicht. Sollte jemand zu diesem Thema mehr wissen, so würde es mich brennend interessieren.

Für weitere Erkundungen der auf der Wetterseite von Fiji gelegenen Lau-Gruppe hatten wir keine allzu große Lust mehr, weshalb wir nach Westen zur Garteninsel Taveuni fuhren. Mit eigentlich perfekten Segelbedingungen – um die 3 Bft von der Seite mit so gut wie keiner Welle – ging es im Sauseschritt nach Matei an der Nordspitze von Taveuni. Um 8 Uhr morgens fiel der Hacken in 10 Meter Sandboden. Das Wasser war zur Abwechslung mal wieder klar und wir konnten locker bis auf den Grund gucken. Noch ein kurzes Nickerchen am Vormittag um den Schlaf nachzuholen aber dann hielt uns nix mehr an Bord. Die ersten Läden und Restaurants seit 6 Wochen sendeten unwiderstehliche Lockrufe aus, denen wir nicht widerstehen konnten. Gerade am Morgen hatten wir unser letztes Milchpulver aufgebraucht, Käse, Wurst, Bier, Gemüse, war schon seit Wochen nicht mehr auf dem Speiseplan. Nach einem kleinen Kaufrausch (Käse, Bier, Mehl, Milchpulver, Haferflocken, Obst und Gemüse etc.) ging es in die Pizzeria. Das erste Fiji Bitter war in nullkommanix weg und Fisch & Chips, sowie Pizza Deluxe waren einfach traumhaft. Glücklich und voll bepackt ging es mit dem Dinghi zurück zum Schiff. Ein Gamefishing Boot kam uns gerade entgegen und schenkte uns einen schönen Yellowfin Tuna. Nachdem wir uns tausendmal bedankten und wir über unsere doch sehr unterschiedlich gearteten Anglerglücks sprachen- bei der Überfahrt hatte uns ein Fisch unseren Köder einfach abgerissen – schenkten sie uns noch einen ihrer Köder als Dreingabe. Boah ey – da ist man einfach sprachlos. Der Tauchshop ist auch gleich neben unserem Ankerplatz und darum werden wir heute mal unsere Tauchausrüstung auspacken und die Riffe hier in der Bucht erkunden.

Fotos können wir leider noch immer nicht hochladen, das Internet ist viel zu schwach… das wird aber dann hoffentlich in Savusavu klappen.

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