Garden Island – Taveuni

Wieder einmal hieß es Abschied nehmen. Heute haben wir uns endlich losreißen können und sind von Taveuni zur zweitgrößten Insel Fijis – Vanua Levu – gefahren. Auf Taveuni haben wir direkt vor der Pizzeria geankert. Der Ort Matei mit Bäckerei und ein paar Geschäften war auch in 20 min. gut zu Fuß zu erreichen. Gerade nach einigen Wochen „Wildnis“ auf den abgelegeneren Inseln Fijis kam uns das wie gerufen. Direkt daneben befand sich die Filiale der Tauchbasis von Taveuni Ocean Sports, welche eigentlich nur aus vier Wänden, einem Dach und Sosi- dem äußerst hilfsbereiten Angestellten besteht. Am Tag nach der Ankunft plumpsten wir also erstmal ins Wasser und haben direkt vom Boot aus einen Auffrischungstauchgang gemacht. Das letzte Mal war ja in Tonga und ist schon mehr als ein halbes Jahr her.

Als wir unsere Flaschen zum Wiederbefüllen im Shop abgaben, meinte Sosi wir sollten am Samstag unbedingt zum Fundraiser, also einer Benefizveranstaltung, vorbeikommen. Für kleines Geld gäbe es Speis und Trank, sowie Kavatrinken mit LiveMusik. Der Erlös geht an ein Recyclingprojekt. Taveuni selber hat kein Müllprogramm und so verbrennt jeder seinen Kram eben selbst,oder kippt es ins Meer. In Suva – der Hauptstadt – gibt es wenigstens Papier und Flaschenrecycling, aber dazu muss das Zeug eben erstmal dahin und das gilt es zu organisieren. Wie so oft in armen Ländern hat auch die Regierung anderes zu tun und kann sich um so Lappalien wie Müllentsorgung nicht wirklich kümmern, deshalb muss man eben selbst aktiv werden.

Der Fundraiser war dann richtig lustig. Nach dem Essen ist dann irgendwann auch die Band eingetrudelt und hat mit Klampfe und Ukulele für Südseestimmung gesorgt. Der Kava floss in Strömen und ein lukratives Trinkspiel gab es auch noch dazu. Man konnte dem Zeremonienmeister Geld geben und dann bestimmen wer als nächstes ein Schälchen Kava trinken muss. Das „Opfer“ (es gibt tatsächlich auch Fijianer denen das Zeug nicht schmeckt), muss dann entweder Trinken, oder er kauft sich frei indem er einen größeren Betrag spendet als der urspüngliche Geldgeber. Wählen kann man übrigens zwischen „low tide“ (Niedrigwasser) – einer kleinen Schale Kava, „high tide“ (Hochwasser) – große Schale und „Tsunami“ – was ungefähr ein halber Liter Kava auf ex trinken heißt. Wir haben uns jedenfalls nicht einschüchtern lassen und brav mitgetrunken (high tide!).

Bei dieser Gelegenheit trafen wir Jeff, einen Tasmanier der schon seit 18 Monaten auf der Insel wohnt. Im richtigen Leben ist Jeff Professor für Agrarwissenschaften. Er ist für insgesamt 3 Jahre mit seiner Frau und seinen beiden Kindern hier um in einem Entwicklungshilfeprojekt den Einheimischen zu zeigen, wie sie ohne Kunstdünger und Pestizide ihr Gemüse anbauen können. Leider werden nämlich gerade von Laien hier Unmengen von dem Zeug versprüht. Wie es sich anhörte ist es wohl eine recht komplexe Geschichte mit Bodenproben, Holzkohledüngung (Terra preta) und etlichem mehr. Auf jeden Fall hat Jeff sich schon recht gut den örtlichen Gewohnheiten angepasst und sprach dem Kava ordentlich zu. Freigekauft hat er sich jedenfalls nie.

Einige Tage später haben wir dann mit Thomas von Taveuni Ocean Sports einen Tauchausflug zum berühmten Rainbow Reef gemacht. Wie ein Trichter bringt die Somosomostrasse zwichen Taveuni und Vanua Levu Plankton und Nährstoffe zum Riff, so dass sich dort eine irre Artenvielfalt entwickelt hat. Wir können den guten Ruf des Riffs nur bestätigen. Es waren zwei wunderschöne Tauchgänge. Weichkorallen in allen Farben, Fische ohne Ende, auch ein paar Arten die wir bisher noch gar nicht kannten wie z.B. die Nasenmuräne, oder einen Schaukelfisch. Leider können wir uns solche Profitauchgänge nur selten leisten – sie reißen doch ein Riesenloch in die Bordkasse.

Bordkasse hin oder her haben wir uns dann doch noch eine Abschiedspizza in der Lieblingspizzeria gegönnt, einer Abfahrt am nächsten Morgen stand also nix imWege – dachten wir.

In der Nacht vor der Abfahrt kam es wohl zu sintflutartigen Regengüssen, die wir leider größtenteils verschlafen hatten. Am nächsten Morgen waren die Eimer im Cockpit alle fast voll und ein Blick zum Heck ließ uns das Herz in die Hose rutschen. Unser Thörchen war mit Regenwasser vollgelaufen und gesunken. Grummel. Dem Dinghi macht das ja nix, aber leider sind dann bei solchen Gelegenheiten immer die Flipflops weg und der Motor muss mittels nerviger Fummelei wieder gangbar gemacht werden. Ein paar Stunden später schnurrte der Außenborder dann auch wieder. Die Latschen blieben aber leider auch beim wiederholten Rauf- und Runterpaddeln der Küste verschollen. Da es den ganzen Tag immer wieder Regenschauer gab, konnten wir uns nicht so recht zum Losfahren überwinden, und irgendwie war eh die Luft raus, weshalb wir die Abfahrt kurzerhand auf den nächsten Tag verschoben.

Heute hatten wir dann einen duften Segeltag. Erst moderate Backstagsbrise, und dann in der zweiten Hälfte Halbwindkurs hinter dem Rainbow Reef, also keine Welle. Und man merkt das neue Antifouling der Thor, wir fliegen nur noch so dahin! Aktuell liegen wir in Fawn Harbour, wir planen morgen weiter nach Savusavu zu tingeln. Die nächste Zeit scheinen die Etappen so zu sein das wir Daysailing machen können, also nix da mit Nachtfahrten. Ist ja auch mal ganz nett so zur Abwechslung.

2 Gedanken zu “Garden Island – Taveuni

  1. Wunderbar, so am alltäglichen Seglerleben teilhaben zu können. Ein bisschen Büßergang (Barfußgang) schadet nicht. Außerdem seit ihr mittlerweile abgehärtet im Gegensatz zu mir. Bis Weihnachten dauerts ja nicht mehr all zu lange. Viel Spaß weiterhin.
    LG Mama

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