Yasawas und Mamanucas

Lange habe wir nix mehr von uns hören lassen, deshalb gibt es nun einen etwas längeren Artikel. Es ist ja viel passiert inzwischen. Kurz nachdem wir Bua Bay verlassen hatten, verließ uns leider auch der Wind. Eigentlich hätte für die Nachtfahrt zu den Yasawas Südwind sein sollen, aber leider ließ der bis zum nächsten Tag auf sich warten, sodass wir bei fast Flaute die ganze Nacht motort sind. Obwohl nachts zu motoren obernervig ist – die Motorgeräusche werden trotz Schallisolierung etc. natürlich durch den ganzen Rumpf übertragen, und es fühlt sich so an als ob man direkt auf dem Diesel schläft – fanden wir, dass sowohl unser Motor noch prima ohne mit der Wimper zu zucken durchhält, und außerdem unser in Auckland umgetauschter Autopilot wunderbar geradeaus steuert. Die Doldrums auf dem Weg nach Mikronesien in Äquatornähe können also kommen- wir sind gerüstet.

OK, letztendlich kamen wir wohlbehalten Mitte des nächsten Tages in der „Blauen Lagune“ an. Kurz vor Erreichen des Ankerplatzes bemerkten wir eine fette Makrele am Haken. Auskuppeln, Wenden und Fisch an Bord hieven war schnell erledigt, weiter gings mit dem Ankermanöver. Auf 15 m Tiefe fiel der Anker in den Sand. Wieder einmal eine wunderschöne Lagune. Von allen Seiten geschützt, wunderschöne Palmeninsel, nicht einmal das Resort auf der Insel konnte den guten Eindruck trüben. Mit in der Anchorage befand sich das neuseeländische Motorboot Waverley. Waverley haben wir nun schon mehrfach in Fiji getroffen und so war die Wiedersehensfreude groß. Brian und Shirley sind berentete Landwirte und verbringen schon seit einigen Jahren den neuseeländischen Winter in Fiji. Für die einfache Fahrt von NZ nach Fiji verballern die beiden 2800 Liter Diesel in sieben Tagen. Da lob ich mir doch die an sich unbegrenzte Reichweite eines Segelschiffes. Ohne den kostenlosen Wind als Vortrieb könnten wir uns eine weltweite Reise gar nicht leisten.

Blue Lagoon
Blue Lagoon

Aber zurück zur blauen Lagune. Im Resort gab es erstmal ein Bierchen für jeden – natürlich zu Inselpreisen. Stutzig wurden wir dann, als wir uns nicht in die bequemen Sofas an der Bar setzen durften, diese seien für Hausgäste reserviert, sondern auf zwei Klappstühle in einer Ecke des Resorts verfrachtet wurden. Hm. War wohl unser erstes und letztes Bier dort. Später erfuhren wir dann, dass das eigentliche Dorf auf der anderen Seite der Insel ist. Am nächsten Tag bei Ebbe ging es dann auf Erkundungstour. Vorbei am perfekten Palmenstrand, durch Mangrovensümpfe und über einen kleinen Hügel, dann standen wir im Dorf angekommen direkt vor Lo’s Tea House. In dieser einfachen Kneipe gab es Tee, Kaffee, kalte Getränke und einen Bananenkuchen zum Niederknien. Wie sich dieser Laden am Ende der Welt halten kann war uns ein Rätsel, welches bald gelüftet wurde.

Vom Dorf betrieben gab es direkt daneben ein einfaches Resort, das von Backpackern ordentlich frequentiert wird. Täglich gibt es eine Katamaranfähre – den Yasawa Flyer welcher von Viti Levu kommend alle Resorts in den Yasawas abklappert und so Island Hopping ermöglicht. Prima Sache. Falls jemand ohne eigenes Boot mal Lust auf Inselhüpfen hat – hier gehts: http://www.awesomefiji.com . Auch Wasserflugzeuge sind zu hauf unterwegs, und so wird man dann auch das eine oder andere Mal aufgeschreckt, wenn ein wummerndes Wasserflugzeug dicht hinter dem eigenen Heck vorbei schwimmt. Ein nicht alltäglicher Anblick.

ein seltener Anblick
ein seltener Anblick

Im Laufe der Zeit haben wir weitere Trampelpfade über die Insel entdeckt und wurden mit wunderschönen Fernblicken belohnt, sodass unsere Inselwanderungen bald zum täglichen Ritual wurden.

Da wir in der Blauen Lagune gutes Internet hatten, haben wir auch bereits angefangen die Einreiseformalitäten für Indonesien zu klären – obwohl wir dort erst in einem halben Jahr sein werden. Aber obwohl wir das Ganze schon mit Hilfe unserer Agentin Ruth organisieren, wird es doch nicht so einfach wie wir dachten. Täglich gingen die Mails zwischen Fiji und Bali hin und her und es mussten ganz schön viele Dokumente gesendet werden. Aus den geplanten vier Monaten werden es nur zwei werden, weil wir auf unserer Route (Vanuatu – Solomonen – Mikronesien – Palau) einfach kein indonesisches Konsulat ansteuern und das braucht man, um das sogenannte Social Visa zu bekommen, mit dem man bis zu einem halben Jahr in Indonesien bleiben kann. Wir hätten jetzt auch noch 6 Wochen in Fiji dafür warten können, weil es hier ein Konsulat gibt, aber so lange halten wir es hier glaub ich nicht mehr aus. Wir wollen weiter! Eigentlich dachten wir ja schon, dass wir jetzt früh dran sind mit der Planung (machen wir ja eigentlich sonst nicht und wir ändern unsere Pläne liebend gerne), aber irgendwie klappt es doch nicht. Oh well. Dann haben wir zumindest mehr Zeit für den Indischen Ozean – nächstes Jahr sind dann nach Indonesien Zwischenstopps in Cocos Keeling, Chagos, Mauritius und Réunion geplant, bevor es weiter nach Südafrika geht. Jetzt müssen wir dann in Lautoka nur noch die Gebühren für die Agentin mittels Western Union transferieren und dann haben wir zumindest für Indonesien das wichtigste Dokument vor der Ankunft – die Fahrtenerlaubnis – in der Tasche. Das Ganze wird bequem mittels E-Mail in ca. 4 Wochen versendet und bei der Ankunft in Indonesien bekommen wir dann unser Touristenvisum.

Wie gesagt, irgendwie machten sich bei uns aber so langsam dann die Hummeln im Hintern bemerkbar und wir spürten, dass unsere Tage in Fiji gezählt sind. Wir müssen weiter nach Vanuatu. Gesagt getan. Beim nächsten klaren, sonnigen Tag gingen wir ankerauf und fuhren Richtung Süden.

Die Sonnentage sind wichtig, da die Seekarten in den Yasawas extrem ungenau sind. Wie sich hinterher herausstellte, sind zwar alle Riffe an denen wir dicht vorbeifuhren eingezeichnet, aber so richtig drauf verlassen, ob der Kartenhersteller auch wirklich alle Riffe aus den Luftbildern abgemalt hat will man sich ja auch nicht. Das dort in letzter Zeit ein Vermessungsschiff durchgekommen ist, ist stark zu bezweifeln. In unseren Karten gibt es in der gesamten Inselgruppe so gut wie keine Tiefenangaben. Eigentlich sind die Yasawas ein klarer Fall für Openseamap.org. Die Jungs haben es sich zur Aufgabe gemacht, eine gemeinfreie Seekarte nach dem Wikipedia-Prinzip zu erstellen. Gerade in Gebieten wie den Yasawas ist es meiner Ansicht nach sehr einfach ein besseres Produkt zu erstellen, als von den „professionellen“ Kartenherstellern angeboten wird.

Es bleibt also zumindest im Moment nix anderes übrig als bei bester Sicht (und die hat man nun Mal bei Knallsonne am Mittag wenn sie am höchsten steht) um die Riffe herumzutuckern. Konstanter Ausguck ist extrem wichtig. Der Blick auf den Tiefenmesser ist so gut wie nutzlos, plötzliche Sprünge von 30 auf 4 Meter sind nicht ungewöhnlich und kündigen sich am Echolot durch nichts an. Nur an der sich verändernden Farbe des Wassers kann man abschätzen, wie vor einem die Tiefe des Meeresboden ist und wie er beschaffen ist. Alles in allem zumindest für uns eine recht nervenaufreibende Sache. Manchmal helfen Satellitenfotos weiter – da sieht man dann wenigstens die Riffe direkt, und muß sich nicht auf die Sorgfalt eines Kartenzeichners verlassen, aber flächendeckende Satellitenkarten haben wir leider auch nicht an Bord.

Unser nächster Ankerplatz war bei angesagtem Südostwind auf der Westseite der beeindruckend hohen Vulkaninsel Waya – direkt vor dem piekfeinen Oktopusresort. Leider stand ein arger Schwell in die Bucht und wir wurden ordentlich durchgeschüttelt. Am nächsten Morgen langte es gerade für einen kurzen Ausflug zum nächsten Hügel, wo wir uns kurzum zur Weiterfahrt entschlossen. Auf eine weitere Nacht in der rolligen Anchorage (es war etwa so wie an Sylvester in der Oneroa Bay- wer dabei war erinnert sich sicherlich noch lebhaft daran) hatten wir beide keine Lust, und so hüpften wir den Hügel wieder runter, ins Dinghi und gingen ankerauf.

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Waya Island

Einige Stunden kamn wir dann in Navadra Island an, welche schon zu den Mamanucas – einer Inselgruppe im Südwesten von Fiji – zählt. Die Waverley kam zufälligerweise auch wieder vorbei und ankerte neben uns. Nach kurzem Plausch am Strand wurden wir netterweise zum Abendessen eingeladen. Shirley’s Salat, Kartoffelbrei aus Süßkartoffeln und gebratener Fisch waren fantastisch.

Wunderschön, aber leider ziemlich ungemütlich zum Ankern
Wunderschön, aber leider ziemlich ungemütlich zum Ankern

Die Anchorage ist relativ gut geschützt und in einigen Tagen gibts zur Abwechslung Mal Nordwind mit dem wir dann gut nach Lautoka zum Auklarieren segeln können – Denkste. Zwar war das Riff vor der Insel das bisher schönste was wir in Fiji bisher erschnorchelt hatten und wir waren schon drauf und dran unser Tauchzeugs raus zu kramen, aber am Abend gab sich auch an diesem Ankerplatz der Schwell ein Stelldichein, weshalb wir nach erneut unruhiger Nacht unser Heil wieder einmal in der Flucht suchten. Das Problem mit dem Schwell in den Yasawas und den nördlichen Mamanuca Inseln rührt daher, dass es kein durchgehendes, den Inselgruppen vorgelagertes Barriereriff gibt und so die großen Ozeanwellen ungehindert auf die Inseln prallen. Wir hatten jedenfalls nach der dritten unruhigen Nacht die Nase voll, und fuhren deshalb ganz in den Süden der Mamanucas nach Malololailai. Da gibt es eine vollständig abgeschlossene Lagune innerhalb des großen Barriereriffs. Doppelte Sicherheit sozusagen.

Nachdem wir uns also wieder an einigen Riffen vorbeigemogelt hatten und u. A. die Insel Moniriki, auf der seinerzeit der Film Castaway gedreht wurde, passiert hatten, wollten wir durch einen der südlichen Pässe in die Lagune Malololailais einfahren, doch oh Wunder, der Pass war weg. Kann nicht sein. Flugs bin ich den Mast bis zur ersten Saling geentert um von oben einen besseren Winkel für die Riffbeobachtung zu haben. Dort klärte sich dann das Rätsel. Über dem Riffpass schwamm hellbraunes Sägemehl welches eine ähnliche Farbe wie das Riff hatte. Vorsichtig tasteten wir uns weiter vor und siehe da, es war tatsächlich nur Sägemehl und wurde von unserem Bug wie nix geteilt. Der Tiefenmesser blieb bei 20 Meter und schon waren wir in der Lagune. Uffz. Im Moment liegen wir in der Musket Cove Marina an einer Mooring und schlafen uns Mal wieder so richtig aus. Schnarch…

sieht aus wie eine Sandbank -war es zum Glück aber nicht
sieht aus wie eine Sandbank -war es zum Glück aber nicht. Die Lücke ist übrigens nicht der Pass, sondern wurde soeben von unserem Rumpf durch den Sägestaub „gefräst“.
Musket Cove - Malolo Lailai
Musket Cove – Malolo Lailai

Bua Bay – Vanua Levu

Nach einer Woche in Savusavu haben wir uns am Donnerstag wieder auf den Weg gemacht. Wir wollen bald weiter nach Vanuatu und darum werden wir jetzt in den nächsten zwei bis drei Wochen über die Yasawas und Mamanucas nach Lautoka segeln, um von dort auszuklarieren.

Savusavu – die beste Stadt der Welt? Obwohl nach deutschen Maßstäben nur ein Weiler, ist Savusavu für fijianische Verhältnisse eine Metropole. Es gibt in konzentrierter Form in einer Straße alle Läden, die der Segler so braucht, angefangen vom Fleischer über eine kleine Wäscherei bis hin zu mehreren Supermärkten und dem Obst- und Gemüsemarkt. Am Ufer liegen die zwei Marinas, die gemeinsam die Bucht mit Mooringbojen besetzt haben und dazwischen gibt es noch ein paar Restaurants für jeden Geschmack. Die Mooringbojen sind auch gar nicht so schlecht in diesem Fall, weil durch Ankern gar nicht so viel Platz wäre und man für wenig Geld (umgerechnet 4 EUR pro Nacht) auch die Marinainfrastruktur wie Dinghidock, Süßwasser, Tiefkühltruhe und heiße Duschen nutzen kann. Es war also gar nicht einfach, dieses nette Örtchen so schnell wieder zu verlassen.

Aber schon in der ersten Ankerbucht, in der wir danach waren, wussten wir wieder, warum wir unterwegs sind. Wir waren das einzige Boot in der großen Bucht, morgens wurden wir von fröhlichem Vogelgezwitscher geweckt, es gibt wieder kein Internet und wir können uns wieder aufs Segeln und die Natur um uns konzentrieren.

Die Strecke zu den Yasawas legen wir nun auch wieder in Tagesetappen zurück, nur heute steht eine Nachtfahrt an, um morgen in der Blauen Lagune anzukommen. Dort wurde tatsächlich der gleichnamige Film mit Brooke Shields gedreht und angeblich reden die Dorfbewohner noch heute von ihr. Wir werden uns das also auch einmal ansehen.

Eine blöde Geschichte ist uns vorgestern noch passiert, als wir innerhalb der Lagune von Nasasoni Point Richtung Bua Bay segelten. Es war eine leichte Brise von hinten, wir hatten also im Nu unseren Blister oben und segelten ohne Welle ordentlich schnell dahin. Leider hatten wir gar nicht damit gerechnet, dass wir sooo schnell sein würden und hatten halt das Dinghi noch hinter der Thor hergezogen. Bis fünf Knoten bei null Welle eigentlich kein Problem. Nachdem der Tacho langsam von 5 auf 6 und dann sogar auf 7 Knoten kletterte, war es dann soweit. Unser Dinghi ging wieder mal auf Tauchgang. Durch die hohe Geschwindigkeit saugt sich der hintere Teil des Dinghis nämlich im Wasser fest, schnell läuft das Bananaboot dann voll und geht unweigerlich irgendwann unter. Und so mussten wir erst mal alle Segel bergen (hatten natürlich auch noch das Groß gesetzt, weil das ja noch cooler ist) und das Dinghi aufs Vordeck winschen. Christians neue Flip-Flops waren wieder verloren, aber anso
nsten war noch alles da. Sobald wir also unser Thörchen gerettet hatten, wurde der Blister wieder gesetzt und wir fetzten wieder weiter. Echt ein cooler Segeltag. Dann auch noch ein Riesenfisch an der Angel! Leider handelte es sich um einen großen Barrakuda, den wir wieder laufen ließen. Schließlich sind diese Fische am ehesten Ciguatera (Fischvergiftung) verseucht und dieses Risiko wollen wir nicht eingehen.

In der Bua Bay kamen wir dann noch knapp vor Sonnenuntergang an, die Riffe waren aber zum Glück noch einigermaßen zu erkennen und mit Hilfe der Google Earth Karten war das Ankern auch kein Problem. Gestern warteten wir hier dann einen Winddreher aus Westen ab und heute Nachmittag starten wir dann zur Blauen Lagune in den Yasawas Inseln.

Hopi

So und hier ist der dritte und fürs erste der letzte Teil der Selbstversorgerserie. Später werden in unregelmäßigen Abständen immer wieder Mal Fortsetzungen zum Thema erscheinen, meine Finger sind aber eben schon beginnend blutig und deshalb wars das erst mal.
Genussmittel:
Also mit dem Alkohol an Bord ist das ja immer so ne Sache. Mal ist er zu teuer, Mal ungenießbar, Mal hat man von der 10 Palette Dosenbier einfach die Schnauze voll. Selber brauen ist angesagt. Erste Versuche haben wir letztes Jahr in Tonga gemacht. Seinerzeit wurde Kokosbier- auf tonganisch „Hopi“ angesetzt. Hierzu vergärt man 5 Liter Kokosnusswasser mit 1 kg Zucker mit einem Päckchen Backhefe, wartet eine Woche und voila. Das Ergebnis ist durchwachsen. Bittere Note im Abgang und sehr „hefig“. Nun ja, funktioniert hat es trotzdem.

Dieses Jahr sind wir (Internet und Michael Wnuk sei Dank) dann auf ein dolles Rezept für Reiswein gestoßen. Das Ergebnis ist richtig trinkbar. Im Federweisserstadium (Österreicher nennen das „Sturm“) ist noch etwas Süße vom Zucker dabei und das ganze funktioniert als so ne Art Cocktailersatz. Fertig vergoren erhält man etwas Weißweinartiges was gekühlt gar nicht so übel schmeckt.

Hier Mal das Grundrezept:

in einer 5 Liter Plastikflasche werden folgendes angesetzt:
1 kg Zucker
0,5 kg Reis
250 gr. Rosinen
1 kleingeschnittene Limone (oder sonstige Zitrusfrucht)
1 EL Trockenhefe

Dann alles mit Wasser auffüllen, dabei ein bisschen Luft oben lassen. Den Deckel nur locker auflegen,auf keinen Fall fest zuschrauben, da die Hefe beim Gärprozess ordentlich Kohlendioxid produziert und der Behälter dann ordentlich Druck aufbaut.
Nun stellt man das Ganze einige Tage warm und schüttelt/rührt täglich um. Innerhalb der ersten Stunden sollten erste Blasen aufsteigen, falls nicht, so ist evtl. die Hefekultur zu alt und man muss nochmals Hefe zugeben.

Nach 4- 5 Tagen (je wärmer, desto kürzer ist die Gärzeit) kann schon mal probiert werden. Lässt man den gesamten Zucker vergären hört das Geblubber irgendwann auf, die Hefe sinkt zu Boden und die Flüssigkeit wird klar. Am Besten zieht man den Reiswein mittels eines Schlauches auf andere Flaschen, so stellt man sicher das möglichst wenig Hefe mit abgefüllt wird. Gut gekühlt schmeckt der Reiswein am Besten. Auch wenn wir den tonganischen „Hopi“ schon lange hinter uns gelassen haben, der Name ist geblieben, und so heißt der Reiswein nach wie vor einfach nur „Hopi“.

 

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In Ermangelung von Rosinen kann man z. B. auch kleingeschnittenen Ingwer hinzufügen-dann bekommt man eben Hopi mit Ingwergeschmack- auch nicht schlecht.

Wer hat sonst noch Brautipps und Rezepte? Immer her damit.

Fleisch einkochen

Da der Metzger des Vertrauens oft ein paar tausend Seemeilen weg ist und fertiges Corned Beef aus der Dose einiges an Tricks aus der Trick- und Gewürzkiste braucht um genießbar zu sein, gibts eigentlich nur einen Ausweg- Fleischkonserven selbst herstellen. Einkochen kann man eigentlich alles- Hackfleisch, Gulasch, Geschnetzeltes, Huhn, Schwein oder Rind.

Zuerst brät man eine gute Portion in der Pfanne an, damit diese schonmal vorschrumpft und so mehr in die jeweiligen Gläser gepackt werden kann. Die Fleischstücke sollten durchgebraten werden.

Anschliessend füllt man diese in die sauberen Einmachgläser. Es sollten noch einige Fingerbreit Platz bis oben hin sein. Die Gläser werden nun mit Fleischsud/Bratensaft und ggf. kochendem Wasser bis zur Oberkante der Fleischstücke aufgefüllt.

Wir heben immer die Gläser von Gurken, Mixed Pickles etc. auf und verwenden diese. Nur wenn die Deckel gar zu sehr angerostet sind, dann müssen neue her. Auch wenn Einmachgläser auf den ersten Blick natürlich beim Runterfallen zersplittern können, so ist bei uns im Bordalltag noch kein einziges zu Bruch gegangen. Glas ist offenbar besser als sein Ruf.

Nun wischt man nochmals die Oberkante und das Gewinde der Gläser sauber und verschliesst sie mit dem Deckel. Dabei dürfen die Gläser nicht superfest zugeschraubt werden, sie sollen das Glas nur ganz leicht berühren. Wenn nämlich beim Erhitzen der Wasserdampf nicht austreten kann, dann könnte der entstehende Überdruck die Gläser zum Platzen bringen.

Nun gibt man die Gläser ins Wasserbad im Schnellkochtopf und legt noch ein Geschirrhandtuch mit rein, so können die Gläser nicht aneinanderklappern und kaputtgehen. Die Gläser müssen nun 20 Minuten auf höchster Stufe im Schnellkochtopf („zwei Ringe“) sterilisiert werden. Anschliessend nimmt man den Topf vom Feuer und lässt ihn bei Raumtemperatur auskühlen.Der Schnellkochtopff sollte nicht mit fliessendem Wasser oder ähnlichem abgekühlt werden,da sonst auch hier die Gläser platzen könnten. Ist der Druck vollständig abgebaut, dann können die Gläser entnommen werden. Sollte sich der Deckel nicht von selbst an das Glas gesaugt haben, so schraubt man die Gläser nun händisch fest zu und wartet bis der Inhalt weiter abgekühlt ist. Ob sich nach dem Abkühlen ein Vakuum im Glas aufgebaut hat merkt man indem man auf den Deckel drückt. Er sollte bereits eingedellt sein, und beim Druck darauf sollte es keine Klackgeräusche geben. Falls sich partout kein Vakuum aufgebaut hat, dann kann man das Einkochen wiederholen, oder man verbraucht das betroffene Glas zügig innerhalb der nächsten Tage.

Die Gläser mit Vakuum sollten sich problemlos einige Monate ungekühlt halten. Falls im Laufe der Zeit eines der Gläser sein Vakuum verliert kann das verschiedene Gründe haben, allerdings ist dann auch nicht mehr ausgeschlossen das sich gasbildende Bakterien in der Konserve vermehrt haben und es besteht die Möglichkeit einer Lebensmittelvergiftung. Solche Konserven sollten deshalb entsorgt werden. Ein solcher Fall ist bei ausreichend langer Kochzeit und hinreichender Sauberkeit beim Einkochen allerdings kaum zu erwarten. Bei uns an Bord jedenfalls ist so etwas noch nicht vorgekommen.

Der Anblick der selbst eingekochten Fleischkonserven ist evtl. etwas gewöhnungsbedürftig,aber geschmacklich sind sie Corned Beef deutlich überlegen und als Zutat ein Highlight in jeder Bordküche. Spaghetti mit Bolognesesauce steht nun also nix mehr im Wege.

 

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So ein Käse

Juhuuu, endlich. Nach einigen halbherzigen, erfolglosen Versuchen Käse auf der Überfahrt von Panama auf die Marquesas herzustellen hatten wir nun endlich Erfolg. Wenn man weis wie es geht dann ist’s eigentlich recht einfach. Hier das Rezept für Segler. Was dabei herauskommt ist eine Art Ricotta oder auch Frischkäse:

15 gehäufte EL Vollmilchpulver
1 Liter kochendes Wasser
ersatzweise geht natürlich auch normale Milch
1 TL Salz
1 TL Zitronensäure (in einer halben Tasse kaltem Wasser aufgelöst)

Das gerade kochende Wasser vom Feuer nehmen und Salz sowie Milchpulver ein rühren. Die Milch sollte etwas gehaltvoller konzentriert sein als normale Milch. Das Rezept sollte aber mit normaler Milch genauso funktionieren- man muss dann beim Erhitzen nur mehr aufpassen das nix anbrennt. Ist das Milchpulver aufgelöst dann gibt man in die noch heiße Milch die Zitronensäure. Die Milch sollte dann sofort stocken. Den Stockungsprozess lässt man noch eine Weile fortsetzen- so etwa 30 Minuten, anschließend werden mit einem Löffel die festen Milchbestandteile in einen mit einem Tuch ausgekleideten Sieb geschöpft. Dort lässt man die Masse weiter abtropfen – je nachdem ob man das ganze eher cremig oder krümelig haben möchte. Fertig ist der Ricotta/Frischkäse. Das Schöpfen erledigt man am besten mit einem Schaumlöffel, oder einem kleinen Teesieb, dann schöpft man nicht sooo viel von der Molke mit rüber. Sollte sich in der Molke noch mehr Milchbestandteile befinden die sich nicht ordentlich verfestigt haben, also noch milchig sein, so kocht man die Brühe einfach nochmal auf und schon ist das ganze erneut gestockt und kann nochmals abgeschöpft werden. Zurück bleibt dann die klare, leicht grünliche Molke. Lt. Gui von der Rancho lässt sich die Molke hinterher prima fürs Brotbacken verwenden. Wer mag kann sie natürlich auch einfach trinken.

Ungewürzt kann er als Butterersatz auf dem Marmeladenbrot dienen, gewürzt mit Salz Pfeffer und frischen (oder – wer keine hat – natürlich auch getrockneten) Kräutern als Kräuterfrischkäse.
Ganz dufte ist auch die fränkische Variante mit Salz, Pfeffer und Kümmel.
Auch zum Überbacken kann man den Ricotta verwenden, einer Pizza oder einer Lasagne auf einem einsamen Atoll steht also nix mehr im Wege.

Der Frischkäse hält sich einige Tage im Kühlschrank, ist aber wahrscheinlich eh schon früher weg- wetten?