Yasawas und Mamanucas

Lange habe wir nix mehr von uns hören lassen, deshalb gibt es nun einen etwas längeren Artikel. Es ist ja viel passiert inzwischen. Kurz nachdem wir Bua Bay verlassen hatten, verließ uns leider auch der Wind. Eigentlich hätte für die Nachtfahrt zu den Yasawas Südwind sein sollen, aber leider ließ der bis zum nächsten Tag auf sich warten, sodass wir bei fast Flaute die ganze Nacht motort sind. Obwohl nachts zu motoren obernervig ist – die Motorgeräusche werden trotz Schallisolierung etc. natürlich durch den ganzen Rumpf übertragen, und es fühlt sich so an als ob man direkt auf dem Diesel schläft – fanden wir, dass sowohl unser Motor noch prima ohne mit der Wimper zu zucken durchhält, und außerdem unser in Auckland umgetauschter Autopilot wunderbar geradeaus steuert. Die Doldrums auf dem Weg nach Mikronesien in Äquatornähe können also kommen- wir sind gerüstet.

OK, letztendlich kamen wir wohlbehalten Mitte des nächsten Tages in der „Blauen Lagune“ an. Kurz vor Erreichen des Ankerplatzes bemerkten wir eine fette Makrele am Haken. Auskuppeln, Wenden und Fisch an Bord hieven war schnell erledigt, weiter gings mit dem Ankermanöver. Auf 15 m Tiefe fiel der Anker in den Sand. Wieder einmal eine wunderschöne Lagune. Von allen Seiten geschützt, wunderschöne Palmeninsel, nicht einmal das Resort auf der Insel konnte den guten Eindruck trüben. Mit in der Anchorage befand sich das neuseeländische Motorboot Waverley. Waverley haben wir nun schon mehrfach in Fiji getroffen und so war die Wiedersehensfreude groß. Brian und Shirley sind berentete Landwirte und verbringen schon seit einigen Jahren den neuseeländischen Winter in Fiji. Für die einfache Fahrt von NZ nach Fiji verballern die beiden 2800 Liter Diesel in sieben Tagen. Da lob ich mir doch die an sich unbegrenzte Reichweite eines Segelschiffes. Ohne den kostenlosen Wind als Vortrieb könnten wir uns eine weltweite Reise gar nicht leisten.

Blue Lagoon

Blue Lagoon

Aber zurück zur blauen Lagune. Im Resort gab es erstmal ein Bierchen für jeden – natürlich zu Inselpreisen. Stutzig wurden wir dann, als wir uns nicht in die bequemen Sofas an der Bar setzen durften, diese seien für Hausgäste reserviert, sondern auf zwei Klappstühle in einer Ecke des Resorts verfrachtet wurden. Hm. War wohl unser erstes und letztes Bier dort. Später erfuhren wir dann, dass das eigentliche Dorf auf der anderen Seite der Insel ist. Am nächsten Tag bei Ebbe ging es dann auf Erkundungstour. Vorbei am perfekten Palmenstrand, durch Mangrovensümpfe und über einen kleinen Hügel, dann standen wir im Dorf angekommen direkt vor Lo’s Tea House. In dieser einfachen Kneipe gab es Tee, Kaffee, kalte Getränke und einen Bananenkuchen zum Niederknien. Wie sich dieser Laden am Ende der Welt halten kann war uns ein Rätsel, welches bald gelüftet wurde.

Vom Dorf betrieben gab es direkt daneben ein einfaches Resort, das von Backpackern ordentlich frequentiert wird. Täglich gibt es eine Katamaranfähre – den Yasawa Flyer welcher von Viti Levu kommend alle Resorts in den Yasawas abklappert und so Island Hopping ermöglicht. Prima Sache. Falls jemand ohne eigenes Boot mal Lust auf Inselhüpfen hat – hier gehts: http://www.awesomefiji.com . Auch Wasserflugzeuge sind zu hauf unterwegs, und so wird man dann auch das eine oder andere Mal aufgeschreckt, wenn ein wummerndes Wasserflugzeug dicht hinter dem eigenen Heck vorbei schwimmt. Ein nicht alltäglicher Anblick.

ein seltener Anblick

ein seltener Anblick

Im Laufe der Zeit haben wir weitere Trampelpfade über die Insel entdeckt und wurden mit wunderschönen Fernblicken belohnt, sodass unsere Inselwanderungen bald zum täglichen Ritual wurden.

Da wir in der Blauen Lagune gutes Internet hatten, haben wir auch bereits angefangen die Einreiseformalitäten für Indonesien zu klären – obwohl wir dort erst in einem halben Jahr sein werden. Aber obwohl wir das Ganze schon mit Hilfe unserer Agentin Ruth organisieren, wird es doch nicht so einfach wie wir dachten. Täglich gingen die Mails zwischen Fiji und Bali hin und her und es mussten ganz schön viele Dokumente gesendet werden. Aus den geplanten vier Monaten werden es nur zwei werden, weil wir auf unserer Route (Vanuatu – Solomonen – Mikronesien – Palau) einfach kein indonesisches Konsulat ansteuern und das braucht man, um das sogenannte Social Visa zu bekommen, mit dem man bis zu einem halben Jahr in Indonesien bleiben kann. Wir hätten jetzt auch noch 6 Wochen in Fiji dafür warten können, weil es hier ein Konsulat gibt, aber so lange halten wir es hier glaub ich nicht mehr aus. Wir wollen weiter! Eigentlich dachten wir ja schon, dass wir jetzt früh dran sind mit der Planung (machen wir ja eigentlich sonst nicht und wir ändern unsere Pläne liebend gerne), aber irgendwie klappt es doch nicht. Oh well. Dann haben wir zumindest mehr Zeit für den Indischen Ozean – nächstes Jahr sind dann nach Indonesien Zwischenstopps in Cocos Keeling, Chagos, Mauritius und Réunion geplant, bevor es weiter nach Südafrika geht. Jetzt müssen wir dann in Lautoka nur noch die Gebühren für die Agentin mittels Western Union transferieren und dann haben wir zumindest für Indonesien das wichtigste Dokument vor der Ankunft – die Fahrtenerlaubnis – in der Tasche. Das Ganze wird bequem mittels E-Mail in ca. 4 Wochen versendet und bei der Ankunft in Indonesien bekommen wir dann unser Touristenvisum.

Wie gesagt, irgendwie machten sich bei uns aber so langsam dann die Hummeln im Hintern bemerkbar und wir spürten, dass unsere Tage in Fiji gezählt sind. Wir müssen weiter nach Vanuatu. Gesagt getan. Beim nächsten klaren, sonnigen Tag gingen wir ankerauf und fuhren Richtung Süden.

Die Sonnentage sind wichtig, da die Seekarten in den Yasawas extrem ungenau sind. Wie sich hinterher herausstellte, sind zwar alle Riffe an denen wir dicht vorbeifuhren eingezeichnet, aber so richtig drauf verlassen, ob der Kartenhersteller auch wirklich alle Riffe aus den Luftbildern abgemalt hat will man sich ja auch nicht. Das dort in letzter Zeit ein Vermessungsschiff durchgekommen ist, ist stark zu bezweifeln. In unseren Karten gibt es in der gesamten Inselgruppe so gut wie keine Tiefenangaben. Eigentlich sind die Yasawas ein klarer Fall für Openseamap.org. Die Jungs haben es sich zur Aufgabe gemacht, eine gemeinfreie Seekarte nach dem Wikipedia-Prinzip zu erstellen. Gerade in Gebieten wie den Yasawas ist es meiner Ansicht nach sehr einfach ein besseres Produkt zu erstellen, als von den „professionellen“ Kartenherstellern angeboten wird.

Es bleibt also zumindest im Moment nix anderes übrig als bei bester Sicht (und die hat man nun Mal bei Knallsonne am Mittag wenn sie am höchsten steht) um die Riffe herumzutuckern. Konstanter Ausguck ist extrem wichtig. Der Blick auf den Tiefenmesser ist so gut wie nutzlos, plötzliche Sprünge von 30 auf 4 Meter sind nicht ungewöhnlich und kündigen sich am Echolot durch nichts an. Nur an der sich verändernden Farbe des Wassers kann man abschätzen, wie vor einem die Tiefe des Meeresboden ist und wie er beschaffen ist. Alles in allem zumindest für uns eine recht nervenaufreibende Sache. Manchmal helfen Satellitenfotos weiter – da sieht man dann wenigstens die Riffe direkt, und muß sich nicht auf die Sorgfalt eines Kartenzeichners verlassen, aber flächendeckende Satellitenkarten haben wir leider auch nicht an Bord.

Unser nächster Ankerplatz war bei angesagtem Südostwind auf der Westseite der beeindruckend hohen Vulkaninsel Waya – direkt vor dem piekfeinen Oktopusresort. Leider stand ein arger Schwell in die Bucht und wir wurden ordentlich durchgeschüttelt. Am nächsten Morgen langte es gerade für einen kurzen Ausflug zum nächsten Hügel, wo wir uns kurzum zur Weiterfahrt entschlossen. Auf eine weitere Nacht in der rolligen Anchorage (es war etwa so wie an Sylvester in der Oneroa Bay- wer dabei war erinnert sich sicherlich noch lebhaft daran) hatten wir beide keine Lust, und so hüpften wir den Hügel wieder runter, ins Dinghi und gingen ankerauf.

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Waya Island

Einige Stunden kamn wir dann in Navadra Island an, welche schon zu den Mamanucas – einer Inselgruppe im Südwesten von Fiji – zählt. Die Waverley kam zufälligerweise auch wieder vorbei und ankerte neben uns. Nach kurzem Plausch am Strand wurden wir netterweise zum Abendessen eingeladen. Shirley’s Salat, Kartoffelbrei aus Süßkartoffeln und gebratener Fisch waren fantastisch.

Wunderschön, aber leider ziemlich ungemütlich zum Ankern

Wunderschön, aber leider ziemlich ungemütlich zum Ankern

Die Anchorage ist relativ gut geschützt und in einigen Tagen gibts zur Abwechslung Mal Nordwind mit dem wir dann gut nach Lautoka zum Auklarieren segeln können – Denkste. Zwar war das Riff vor der Insel das bisher schönste was wir in Fiji bisher erschnorchelt hatten und wir waren schon drauf und dran unser Tauchzeugs raus zu kramen, aber am Abend gab sich auch an diesem Ankerplatz der Schwell ein Stelldichein, weshalb wir nach erneut unruhiger Nacht unser Heil wieder einmal in der Flucht suchten. Das Problem mit dem Schwell in den Yasawas und den nördlichen Mamanuca Inseln rührt daher, dass es kein durchgehendes, den Inselgruppen vorgelagertes Barriereriff gibt und so die großen Ozeanwellen ungehindert auf die Inseln prallen. Wir hatten jedenfalls nach der dritten unruhigen Nacht die Nase voll, und fuhren deshalb ganz in den Süden der Mamanucas nach Malololailai. Da gibt es eine vollständig abgeschlossene Lagune innerhalb des großen Barriereriffs. Doppelte Sicherheit sozusagen.

Nachdem wir uns also wieder an einigen Riffen vorbeigemogelt hatten und u. A. die Insel Moniriki, auf der seinerzeit der Film Castaway gedreht wurde, passiert hatten, wollten wir durch einen der südlichen Pässe in die Lagune Malololailais einfahren, doch oh Wunder, der Pass war weg. Kann nicht sein. Flugs bin ich den Mast bis zur ersten Saling geentert um von oben einen besseren Winkel für die Riffbeobachtung zu haben. Dort klärte sich dann das Rätsel. Über dem Riffpass schwamm hellbraunes Sägemehl welches eine ähnliche Farbe wie das Riff hatte. Vorsichtig tasteten wir uns weiter vor und siehe da, es war tatsächlich nur Sägemehl und wurde von unserem Bug wie nix geteilt. Der Tiefenmesser blieb bei 20 Meter und schon waren wir in der Lagune. Uffz. Im Moment liegen wir in der Musket Cove Marina an einer Mooring und schlafen uns Mal wieder so richtig aus. Schnarch…

sieht aus wie eine Sandbank -war es zum Glück aber nicht

sieht aus wie eine Sandbank -war es zum Glück aber nicht. Die Lücke ist übrigens nicht der Pass, sondern wurde soeben von unserem Rumpf durch den Sägestaub „gefräst“.

Musket Cove - Malolo Lailai

Musket Cove – Malolo Lailai

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