Nambawan

Also ganz viel ist passiert, und das meiste ging dann so schnell, dass wir kaum mit dem Bloggen hinterher kamen. Im Moment sind wir auf dem Weg nach Mikronesien, aber der Reihe nach:

Nachdem wir in Havannah Harbour einige Solaranlagen installiert haben, hatten wir unseren Ruf als Elektriker weg. Erich von der Delphin ist noch da und hat seit unserer Abreise noch einige Anlagen mehr installiert- nun ja- dafür wird er nun mit frischem Obst und Gemüse totgeschmissen.
Die relative Technisierung im Gegensatz zu z. B. Tanna mag zum Großteil mit der Nähe zu Port Villa begründet sein. Die Hauptstadt ist nur eine Stunde mit dem Truck entfernt.
Technisches Verständnis fehlt den Einheimischen fast vollständig, aber ein Großteil ist sehr interessiert und lässt sich von uns die Elektro Basics erklären. Wie es in ein paar Jahren in der salzhaltigen Luft mit den Kontakten aussieht – wir werden sehen. Oft werden uns elektrische Geräte gezeigt die „kaputt“ sind. Nach einer gründlichen Reinigung und einer Ladung Kontaktspray wird vieles wieder zum Leben erweckt. Einige Dinge leiden einfach an einem ausgelutschten Akku. Selbst mal den Akku auszutauschen kommt aber keinem in den Sinn – ist das Gerät hinreichend billig wird oft einfach ein Neues gekauft. Aber das Alles ist den Leuten völlig egal, die denken irgendwie überhaupt nicht an morgen und sind einfach nur gut drauf. Im Moment freuen sie sich halt über Licht am Abend, wenns dann irgendwann nicht mehr geht, dann ist das halt so. Das ist dann auch schon wieder irgendwie beneidenswert.

Mehrmals täglich kommen die Einheimischen vorbei wenn man vor Anker liegt und meistens lassen die Leute dann Gemüse und Obst da. Wir geben halt mal eine Packung Kekse oder Smarties oder ein altes T-Shirt als Gegenleistung, aber das alles ist völlig ungezwungen und hat weniger was mit Handeln als mit gegenseitigem Beschenken zu tun. Havannah Harbour mit seinen großzügigen Bewohnern werden wir sicher nicht so schnell vergessen.

Nachdem Flaute und auch noch ein paar Tage Fieber, das uns beide erwischt hat, uns über eine Woche in Havannah Harbour festgehalten haben, konnten wir dann endlich weitersegeln. Der Passatwind war in seiner gewohnten Stärke zurückgekehrt und bescherte uns eine sehr schnelle Überfahrt nach Wala Island, eine kleine Insel vor Malekula. Wir wurden von zwei Kanus empfangen, die uns den wohl einzig guten Ankerplatz zeigten. Direkt vor dem Strand befindet sich auf 5 m Tiefe ein kleines Sandpodest, auf dem man den Anker eingraben kann. Kurz danach fällt der Meeresboden steil auf 40 m Tiefe ab. An diesem Ankerplatz ist also nicht mal Platz für ein Boot sondern nur Platz für einen Anker. Wenn man nämlich in die falsche Richtung schwoit pickt man auf dem Schwimmsteg, der vom Strand aus 30 Meter Richtung Boot ragt. Glücklicherweise war die Zugrichtung des Ankers meist quer zum Hang, so dass auch bei nächtlichem Wind bis 15 Knoten der Anker hielt. Am Schwimsteg wird etwa einmal im Monat ein Kreu
zfahrer empfangen. Dann fallen in dieses verschlafene 300 Seelen- Dorf für einen halben Tag 1900 bis 3000 Kreuzfahrttouristen ein. Dies stellt wohl die Haupteinnahmequelle des Dorfes dar.

Charly, der uns beim Ankern geholfen hat, hat uns dann auch gleich eine kleine Inseltour angeboten, bei der wir die alten Kultstätten besuchten, Menschenschädel unter ein paar Steinen ausgruben und wiederum mit Pampelmusen und Papayas beschenkt wurden. Natürlich verlangt das dann auch immer nach einem kleinen Gegengeschenk und so trennten wir uns von einem Stück alter Schot, die angeblich für Charlys Kuh zum Anbinden gedacht ist. Am nächsten Tag kam dann Charlys Bruder Don vorbei, der gerade unterwegs zu seinen Gärten war. Hier auf Wala Island sind wirklich noch die traditionellen Ausleger-Kanus im Einsatz und jeden Morgen fahren die Bewohner aufs Festland nach Malekula, wo sich die Gärten befinden. Wir haben dann noch eine Ladung Tomaten, Pampelmusen und Papayas bekommen. Schnorcheln, Spaziergang am weißen Sandstrand und ein überaus gastfreundliches Dorf. Herz was willst du mehr.

Für den nächsten Tag wurden wir von George zum Abendessen eingeladen. Es gab Thunfisch mit Reis. Einfach aber gut. Beim „Tisch“-gespräch (Tisch gibts natürlich nicht,man sitzt auf geflochtenen Palmwedelmatten am Boden) erfahren wir mehr über Vanuatu, die Verwandschafts- und Besitzverhältnisse im Dorf und vieles mehr.

Ein Ausdruck der uns hier ständig über die Lippen geht ist „Nambawan“ (lest wie es geschrieben ist, dann kommt „number one“) raus. Das ist die lokale Amtssprache „Bislama“- eine Art Pidgin English, der Ausdruck heist hier soviel wie 1A, alles super, Spitze oder alles OK. Vanuatu ist wirklich Nambawan – neben Fiji haben wir uns selten in einem Land wohler gefühlt.

Ungern gehen wir nach nur zwei Nächten Ankerauf um in Luganville unser Visum zu verlängern, welches in vier Tagen auslaufen sollte. Bei wiederum guten Passatbedingungen geht es unter ausgebaumter Genua nach Norden. 35 Meilen in 6 Stunden – für die Thor eine toller Wert. In Luganville machen wir auf der anderen Seite des Kanals an einer Boje im Päckchen mit der SY Connivence fest. Roland liegt da an einer Mooringboje und da keine weitere frei ist gehen wir kurzer Hand neben ihm längsseits. Laut dem piekfeinen Hotel vor dem wir liegen und das die Mooringbojen vermietet, würden die Bojen das wohl locker wegstecken. Am nächsten Tag dann Stadtbesuch – Burger, Gemüsemarkt, Zoll, Immigration etc. Als wir zum Boot zurückkehren kommt dann der Schock. Die Thor liegt an einer völlig anderen Boje, die Connivence ebenso an einer anderen. In unserer Abwesenheit ist die Mooringleine gebrochen und beide Boote trieben einfach so herum. Die Hotelbediensteten verteilten die Boote dann an andere Bojen.
Die Boote haben weder andere Boote, noch irgendwelche Riffe gestreift. Puha, Glück im Unglück. Bei genauer Inspektion zeigte sich dann das sich wohl schon länger keiner mehr um die Wartung der Mooringbojen gekümmert hat. Eine ehemals 10 mm starke Kette war bis auf 3 mm zusammengerostet. Das passiert nicht innerhalb eines Jahres, da hat jemand ganz lange überhaupt nicht kontrolliert, geschweige denn repariert. Und dafür haben sie 1500 Vatu pro Tag verlangt – eigentlich eine Unverschämtheit. Die Mooringbojen des Aore Resorts sind zumindest zum jetztigen Zeitpunkt (Oktober 2013) nicht zu empfehlen, da sie offensichtlich seit langer Zeit nicht gewartet wurden. Den letzten Tag in Luganville haben wir dann vor Anker gelegen (015 31.39 S 167 09.84 E). Bei Ostwind zwar nicht der geschützteste Ankerplatz, aber guter Ankergrund bei 10m, Sandboden.

Unser Visum haben wir dann nicht mehr verlängert. Die Zyklonsaison rückt unaufhaltsam näher, unsere nächsten Ziele in Vanuatu würden weiter nördlich liegen, und wir hätten dann wieder gegen den Passatwind nach Luganville zurück gemusst um auszuklarieren. Viel zu umständlich. Kurzerhand sind wir nochmal auf den Markt um frisches Gemüse zu bunkern und dann hieß es auch schon „Leinen Los!“ nach Mikronesien.

Unsere derzeitige Position ist: 011 13 S und 165 19 E
Noch 1004 Seemeilen bis Lele Harbour in Kosrae / Federated States of Micronesia (FSM)

Ein Gedanke zu “Nambawan

  1. Oh wie paradiesisch klingt das bei euch:) hier gabs gestern Nacht Bodenfrost. Julitas Baumhaus ist fertig geworden, noch rechtzeitig vor Wintereinbruch. Dank Euch, dass wir virtuell mitreisen können!! Lieben Gruß aus Kiel!!

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