Ein Ort mit Geschichte

Wir haben uns schon wieder ganz gut eingelebt hier auf Kosrae (sprich: Koschreih) und mittlerweile liegen neben uns noch zwei australische Boote, sowie ein norwegisches, ein amerikanisches und ein schwedisches Boot. Für mikronesische Verhältnisse wird es langsam richtig voll hier, aber man merkt schon, dass wir abseits der Barfußroute unterwegs sind. Alle unsere Freunde und Bekannten sind entweder noch in Fiji/NZ oder schon in Indonesien/Malaysien/Thailand. Andy von der SY Tina, mit dem wir fast zeitgleich durch den Panama-Kanal gefahren sind, ist sogar schon in Südafrika.

Es lässt sich aber schon jetzt erahnen, dass Mikronesien den Umweg wert war. Allein auf Kosrae wird uns die Zeit nicht lang und wir erkunden alte Ruinen, gehen tauchen und knüpfen Freundschaften mit den Locals hier.

Die Ruinen auf Lelu Island stammen aus dem 14. Jahrhundert. Die damaligen Könige haben auf das vorgelagerte Riff Unmengen an Korallenschrott und Basaltsteinen aufgeschüttet um somit die Insel Lelu zu vergrößern und sich eine richtige Stadt mit Mauern, Versammlungsplätzen, Gräbern, geheiligten Stätten und Häusern aus Stein gebaut. Vieles davon ist noch erhalten und ist gleich hinter dem kleinen Dorf Lelu im Dschungel versteckt.

Als wir uns auf den Weg machen, werden wir von einer jungen Frau gefragt, ob wir Hilfe benötigen, die wir erstmal ablehnen. Sie folgt uns jedoch im 100 m Abstand und als wir noch einer halben Stunde im Dschungeldickicht und Ruinenlabyrinth lansam den Rückweg antreten, steht sie plötzlich vor uns und fragt ob alles ok ist. Sie hat sich ernsthaft Sorgen gemacht, dass wir uns verirren könnten- naja, sooo weitläufig ist das Gelände nun auch nicht. Es stellt sich dann heraus, dass ihre Familie Nachfahren des letzten Königs ist und sie uns Einiges über diese heiligen Stätten erzählen kann. Nach wie vor gelten die Ruinen an bestimmten Plätzen als heilig und man ist dort angehalten, keinen Lärm zu machen und sich ordentlich zu benehmen. Aberglauben vor der Macht der Urahnen ist noch weit verbreitet und so erzählt sie uns dann auch ein paar Geschichten, die uns von dem Glauben an die alten Geister überzeugen sollen. So ist letztes Jahr ein kleiner Junge tödlich verunglückt, der zum Spielen mit seinem Kumpel in die Ruinen gegangen ist und sich dabei aber angeblich so respektlos verhalten hat, dass ihn die Geister vom Baum gestoßen haben. Dann wiederum sind ein paar junge Männer am Wochenende nachts zum Trinken in die Ruinen gegangen. Das war wohl vor ein paar Wochen. Einer wurde schlafend und betrunken zurückgelassen und als er aufwachte, war er von fünf Wesen umstellt, die keine menschlichen Züge hatten. Er wurde so sehr verprügelt, weil Trinken in diesen Stätten natürlich tabu ist, dass er ein paar gewaltige Narben davon getragen hat. Hm…. So ganz für bare Münze nehmen wir ihre Geschichten nicht- beides hört sich zu sehr als willkommene Ausreden für ein schicksalhaftes Ereignis, bzw. für einen Streit unter Betrunkenen an, aber naja. Kurz danach tauchen dann noch zwei Typen mit geschultertem Gewehr hinter ihr auf, die zur Vogeljagd in der Ruine unterwegs sind (natürlich sehr „tabu“). Wir machen uns dann doch Mal schleunigst aus dem Staub.

Wenn man übrigens von unserem Ankerplatz nach Südwesten blickt, so erkennt man die Silhoutte einer schlafenden Frau. Der Legende nach haben sich die Götter einst arg über eine Frau geärgert, weshalb sie dann zur Strafe ins Meer gelegt und dann in die Insel Kosrae verwandelt wurde. Von den Einheimischen wird die Insel daher auch inoffiziell die „Sleeping Lady“ genannt.

Beim Tauchen im Hafen finden wir dann auch Relikte der aktuelleren Geschichte, nämlich ein fast vollständig erhaltenes Flugzeugwrack aus dem zweiten Weltkrieg. Es handelt sich dabei um eine Suchmaschine der Amerikaner des Typs US PBY. Da in die Bucht einige Flüsse münden ist das Wasser am Wrack entsprechend trübe. Sichtweite um die 4-5 Meter- mehr ist nicht drin. An der Markierungsboje gehts abwärts ins grünliche Nichts. Die Bojenleine verschwindet ins Bodenlose. Kurz darauf taucht dann mit Korallen durchsetzter Sandboden auf. Kurzer Richtungscheck und nach ein Paar Metern schält sich im Norden über einem das Cockpit des Flugzeugwracks aus der trüben Brühe. Ganz schön gruselig. Nachdem man sich dann einige Minuten an die Verhältnisse gewöhnt hat gewinnt die Neugier Oberhand und die Angst löst sich in Wohlgefallen auf. Nach fast siebzig Jahren haben sich trotz allem noch kaum Korallen festgesetzt und Details sind noch gut zu erkennen. Ein Flügel ist noch komplett dran, die Luken sind alle offen (sind wir natürlich nicht rein), Geschütztürme und Ladeluken sind zu erkennen und man fühlt sich in eine komplett andere Zeit versetzt.

Wir wollten dann auch noch einen japanischen 90 m langen Frachter, der hier auch im Hafen aufgrund von Bombenbeschuss während des zweiten Weltkrieges auf ca. 15 m Tiefe gelandet ist, erkunden, aber da hat man dann lediglich 2-3 Meter weit gesehen, so daß wir den Tauchgang abgebrochen haben. Die schlechten Sichtweiten liegen wohl an den ständigen Regenschauern, die wir hier seit über einer Woche haben. Die Wassertanks sind dafür voll, Wäsche ist gewaschen und das Gute ist, dass der Regen meist nach ein paar Minuten wieder vorbei ist. An der Außentemperatur ändert das nichts, wir haben durchschnittlich so um die 35 Grad und auch die Wassertemperatur beträgt zwischen 32 und 35 Grad. Badewannentauglich.

Etwas profanere Kultur finden wir dann als Ausgleich immer wieder im Treelodge Resort, wo es jeden Dienstag Abend „Pizza and Movie Night“ gibt und wir haben uns auch schon mit den Besitzern Mark, der aus den USA stammt und Maria, einer Italienerin, angefreundet. Mit ihnen haben wir letzte Woche schon zwei Tauchgänge am Außenriff unternommen. Leider sind die Korallen dieses Jahr etwas gebleicht. Dennoch war es ein ansonsten intaktes Riff und neben Adlerrochen und Schildkröten gab es natürlich wieder jeder Menge kleiner bunter Fische zu bewundern. Mark und Maria haben uns dann auch noch einen halben Tag ein Auto zum Einkaufen fahren geliehen, weil sie nicht genug Fahrer für das Zurückholen ihrer Mietautos vom Flughafen zum Hotel hatten und wir wurden spontan zur Sunset Cruise eingeladen, als die zahlenden Gäste kurzfristig abgesagt hatten. Da gab es dann mitten in Lelu Harbour köstliches Sushi, Frühlingsrollen mit frischem Fisch und Spinat gefüllt und dazu ein kühles Beck’s. Uns geht’s also prima! Am Donnerstag sind wir bei ihnen zum Thanksgiving-Potluck eingeladen, dem amerikanischen Äquivalent zu unserem Erntedank. Jeder bringt eine Hauptspeise mit und das wird dann als Buffet aufgebaut. Wir freuen uns schon darauf.

Ach ja, das Versorgungsschiff ist mittlerweile auch angekommen und nun parken drei Kühlcontainer vor dem Supermarkt, quasi als Kühllager, bis das nächste Schiff wieder kommt. Man kann jetzt wieder typisches westliches Gemüse und Obst wie Zwiebeln, Kartoffeln, Tomaten, Paprika, Äpfel, Weintrauben etc bekommen, sollte jedoch dabei im Hinterkopf haben, dass das ganze Zeug vor ein Paar Wochen in den USA losgeschickt wurde und halb gefroren hier ankommt. Die Preise sind nicht mehr verschmerzbar – außer für Zwiebeln und Kartoffeln – und so kaufen wir das, was hier lokal angebaut wird. Bananen, Mandarinen, Zitronen, Ananas, grüne Bohnen, Auberginen und Gurken. Das ist übrigens keine beispielhafte Aufzählung, sondern das ist wirklich das einzige Obst und Gemüse, das man hier kaufen kann. Reicht ja aber auch – eine nette Anreicherung unseres Speiseplans.

Und hier gibt es wieder ein paar neue Fotos:

http://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157638101462976/

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Tatsächlich Fotos

Wir sitzen nun im schönen Restaurant des Treelodge Resort, das ca. 3km Fußmarsch entfernt ist und genießen halbwegs schnelles Internet. Zwar bezahlen wir auch hier 8 USD-Cent für 1 MB, aber das ist hier in ganz Mikronesien so.

Und wenn man die Fotos ordentlich komprimiert, dann klappt es auch mit dem Hochladen. Die Qualität reicht fürs Internet alle Mal.

Wir haben noch ein paar Fotos von Vanuatu hochgeladen, Fotos von der Überfahrt nach Kosrae und erste Eindrücke hier von der Insel!

 

Fotoalbum Wala Island:

http://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157637713888844/

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Fotoalbum Überfahrt nach Mikronesien: http://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157637714221893/

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Erste Fotos aus Kosrae / FSM:

http://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157637713948884/

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Island Time

Langsam haben wir den Schlafnachholbedarf der Überfahrt ausgeglichen und finden wieder einmal Zeit über die letzten Tage zu berichten.

Einklariert sind wir seit heute Mittag vollständig, erst war Wochenende und am Montag auch noch ein Feiertag. Gestern morgen sind uns dann nach der Reihe Quarantäne, Zoll und Immigration besuchen gekommen, obwohl sich nur der Quarantäne-Inspektor unser Boot ansehen wollte. Die restlichen Formalitäten wurden an Land auf einer wackeligen Holzbank unter ein paar Palmen ausgefüllt. Sehr sympathisch. Leider fehlte uns bis heute aber noch die Cruising Permit, die wir schon im Mai beantragt haben und ohne die wir offiziell noch gar nicht an Land gehen dürften. Was ziemlich witzig ist, weil wir schon am Sonntag auf der Suche nach Zoll und Immigration über die Insel gewandert sind und am Montag sogar in der Hauptstadt waren um einzuklarieren. Wir wussten nicht, dass es ein Feiertag war und somit standen wir vor allen Büros vor verschlossenen Türen. Gleichzeitig hatten sich die Beamten aber am Strand vor unserem Boot eingefunden und waren vergeblich auf der Suche nach uns (die Offiziellen verf
ügen hier nicht einmal über ein eigenes Boot). Upps! Am nächsten Tag konnten wir aber alles klären und es war kein Problem. Und wir haben uns dadurch auch noch die Überstundenzuschläge fürs Wochenende erspart. Sehr gut.

Am Feiertag fand auch noch ein großer Laufwettbewerb statt, den wir uns nicht entgehen lassen wollten. Die Teams aus den fünf Dörfern waren jeweils in unterschiedlich farbigen T-Shirts vertreten und wurden enthusiastisch von großteils jungen Mädchen und Frauen durch Singen, Klatschen und lautem Kreischen angefeuert. Und wir mittendrin. Hat echt Spaß gemacht.

Die Insel ist von 6.000 Menschen bewohnt, die sich auf fünf Dörfer verteilen, wobei Tofol die Hauptstadt ist. Kosrae ist neben Pohnpei, Chuuk und Yap ein eigener Staat und zusammen bilden sie die Föderierten Staaten von Mikronesien. Das heißt, selbst bei nur 6.000 Einwohnern muss der ganze Verwaltungsapparat und Infrastruktur eines Staates zur Verfügung stehen.

Man merkt jedoch deutliche Unterschiede zum Beispiel zu Vanuatu. Durch die massiven Wirtschaftsförderungen aus den USA ist das Land recht weit entwickelt. Ein ziemlich großes E-Werk versorgt die gesamte Insel mittels Dieselgenerator mit Strom, es gibt Straßenlaternen, jedes Haus ist nachts beleuchtet und jeder ist mit dem eigenen Auto unterwegs. Handy und I-Pad sind weit verbreitet, obwohl es mit dem Internet hier schon noch schwierig ist. Es gibt ein paar WLAN-Hotspots auf der Insel, über die man sich ins Internet einwählen kann, aber die Verbindung ist extrem langsam. Wir waren hier noch gar nicht online, weil die nächsten Hotspots mehrere Kilometer von unserem Ankerplatz entfernt sind. Schon mühsam. Auf Fotos werdet ihr also noch länger warten müssen. Vielleicht sogar bis Bali?

Die gebirgige und sehr regenreiche Insel verfügt über ausreichend Süßwasser und es wurde sogar ein Wasserleitungssystem für die ganze Insel errichtet. Das Wasser ist gratis für jeden Haushalt. So sieht man dann leider oft auch gebrochene Wasserrohre oder undichte Stellen, um die sich niemand kümmert, kostet ja eben nix.

Lele Island, vor der wir ankern, ist mittels eines Dammes mit der Hauptinsel Kosrae verbunden. Hier gibt es ein paar kleinere Läden und einen super gut sortierten Baumarkt und einen piekfeinen,kleinen Supermarkt. Wir haben nur so gestaunt. Und auch die Preise sind auf jeden Fall beachtenswert, vieles kostet etwas weniger als in Neuseeland. Der Großteil der Produkte kommt aus den USA, aber man merkt auch, dass nur einmal im Monat ein Versorgungsschiff kommt. Das Mehl ist ausverkauft, Milchpulver gibts nicht und vor allem Gemüse ist hier auf der Insel Mangelware. Das meiste wird importiert und ist dementsprechend teuer. In den Gärten sieht man öfter mal drei oder vier Salatpflänzchen, da bleibt aber nichts mehr zum Verkauf übrig. Obst ist hingegen wieder im Überfluss vorhanden und so werden wir fast täglich beschenkt. Die Familie von Smith Sigrah, die den ACE Hardware Baumarkt betreibt, kümmert sich seit mehr als 40 Jahren um die vorbeikommenden Yachten und haben uns gleich mit einer g
roßen Bananenstaude beschenkt. Hilton, der Beamte von der Immigration, wohnt auch gleich gegenüber von uns und hat uns Trinkkokosnüsse versprochen und heute werden wir noch von einem sehr netten Fischer abgeholt, dessen Name ich leider schon wieder vergessen habe, der uns Orangen aus seinem Garten schenken möchte. Würde man das in Österreich oder Deutschland auch so finden?

Auf den ersten Eindruck sind die Menschen hier, im Gegensatz zu z. B. Fiji, schon sehr reserviert und als Begrüßung reicht erst mal in Kopfnicken oder ein verhaltenes Winken aus der Hüfte heraus für uns Neuankömmlinge. Sobald man aber ein Gespräch anfängt, tauen die Leute hier aber schnell auf und sind wirklich sehr freundlich. Sie sind stolz auf ihre Insel, weil es so wunderschön und friedlich ist. Das können wir bis jetzt nur bestätigen. Jeder bietet uns an, unser Dinghi an ihrem Grundstück festzumachen, gleich danach steht man nämlich meist in einem privaten Garten und wirklich jeder versichert uns, wie sicher es hier ist. Man kann die Türen offen lassen und braucht nichts abzuschließen.

Einziger Wermutstropfen könnte sein, dass hier in Mikronesien die stärksten Stürme des Pazifiks – genannt „Taifune“ – entstehen, die dann nach Nordwesten Richtung Guam, Philippinen und Japan ziehen. Kosrae scheint noch sehr sicher zu sein (laut Einheimischen gab es hier noch keinen Taifun) und theoretisch sollte es von Dezember bis März auch als relativ sicher gelten, sich hier aufzuhalten. Wir hoffen sehr, dass der verheerende Taifun, der nun die Philippinen heimgesucht hat, der letzte in der Saison war. Ein täglicher Blick auf das Wetter ist hier also trotzdem ein Muss, weil ein gewisses Restrisiko immer besteht.

Ankunft in Mikronesien

Geschafft! Gestern Nachmittag 16.30 Uhr fiel der Anker in Lele Harbour auf der wunderschönen Insel Kosrae. Die hohen schroffen Berge lassen Erinnerungen an die Marquesas wach werden.
Mit uns sind noch zwei andere Segelschiffe hier, diese scheinen aber unbewohnt zu sein. Vom Land her begrüßte uns leise Musik von der Ukukele. Nach gebührender Ankunftsfeier und 11 Stunden Schlaf machen wir uns heute Mal auf die Socken zu Zoll und Immigration.

Auf Wiedersehen Südpazifik

Heute morgen um 8:26 Uhr haben wir bei strahlend blauem Himmel den Äquator überquert und befinden uns nun wieder auf der Nordhalbkugel. Mit einem Schluck Sekt mussten wir schon darauf anstoßen und auch Neptun kriegte seine Portion, um uns mit gutem Wind im Norden zu versorgen.

Ein paar Minuten waren wir wehmütig, als wir an all die lieben und glücklichen Menschen auf den südpazifischen Inseln und die Schönheit der Natur dort zurückdachten. Wir werden aber ganz sicher eines Tages wieder mit einem Schiff durch diese Inselwelt segeln! Auf der anderen Seite sind wir jetzt auch wieder gespannt auf Neues, der Indische Ozean mit seinen Inseln liegt noch vor uns und das wird bestimmt auch ein Abenteuer. Und in Mikronesien wird es jetzt noch nicht so viel anders als im restlichen Pazifik sein. Glauben wir zumindest.

Seit ca. drei Tagen kreuzen unsere Route vermehrt große Fischereiflotten, leider sendet keiner ein AIS-Signal aus, weshalb unsere Nachtwachen wieder ganz schön spannend geworden sind. Zum Glück hatten wir jetzt die Tage auch wieder gutes Wetter, wodurch man andere Schiffe schon von Weitem erkennen kann. Selbst haben wir leider noch nichts gefangen, da ist wohl die Konkurrenz zu groß.

Im Moment segeln wir sogar mit 4,5 – 5 Knoten dahin, der Seegang ist noch nicht allzu hoch und es geht uns sehr gut. Bis Kosrae sind es jetzt noch 300 Seemeilen, wann wir aber genau ankommen, können wir jetzt noch nicht sagen. Aller Voraussicht nach irgendwann am Wochenende. Vielleicht auch erst Montag? Wäre zumindest besser, was die Überstundenzuschläge beim Einklarieren angeht.

Position: Nord 0 Grad 39 min. und Ost 164 Grad 51 Min.

Endlich Wind

Es sieht so aus, als ob wir jetzt endlich etwas Glück mit dem Wind haben. Seit heute Morgen, also seit ca. 16 Stunden, fahren wir konstant mit 3 bis 4 Knoten nach Norden. Völlig ungewohnte Geschwindigkeiten für uns. Es sind keine Squalls in Sicht und glaubt man den Grib-Files, so werden wir die nächsten paar Tage weiterhin Wind haben. Da sind wir aber mal gespannt.

Ansonsten gibt es nicht viel Neues zu berichten. Nach wie vor begleiten uns hin und wieder Delfine und wir haben jetzt auch wieder ernsthaft mit dem Fischen angefangen. Bei Flaute macht das ja wenig Sinn. Bis jetzt hat aber leider noch kein Abendessen angebissen, morgen wird ein neuer Köder probiert.

Sternenklare Nacht, alles bestens!

Bis Kosrae sind es aktuell noch 472 Seemeilen.

Position: Süd 2 Grad 17 Min. und Ost 165 Grad 04 Min.

Postanschrift Südpazifik, Mitten im Nirgendwo

So,da stehen wir nun also mitten im Pazifik bewegen uns so gut wie nicht vom Fleck. Die südpazifische Konvergenzzone (SPCZ) hat uns mit ihren Flauten und Squalls fest im Griff. In den letzten zehn Tagen haben wir lediglich 260 Meilen Richtung Mikronesien gut gemacht. Anfangs gabs ordentlich Squalls mit ständigen Winddrehern und ordentlich Gegenwind. Dies hat sich seit knapp einer Woche deutlich gebessert. Aus dem Gegenwind ist Nullwind geworden. Den Vogel haben wir vor zwei Tagen abgeschossen. Da haben wir ganze 17 Seemeilen (etwa 30 km) in 24 Stunden geschafft.

Mit unseren insgesamt 170 l Diesel überlegen wir es uns halt zweimal, ob wir jetzt anfangen sollten zu motoren. Damit kommen wir vielleicht 250 bis 300 Seemeilen weit, und dann? Die Schwachwindzone in den Grib-Files ist viel größer, also können wir auch einfach auf Wind warten. Wir sparen uns den Diesel also lieber für die letzten Meilen vor der Ankunft auf, sollte es dort noch immer keinen Wind geben. Außerdem kommt das Nicht-Motoren unserer Öko-Bilanz sehr zu Gute.

Wir richten es uns hier so langsam häuslich ein. Die See ist brettleben, die Sonne knallt runter (aktuelle Außentemperatur 39,3 Grad), Squalls mit ordentlich Regen kommen nur ab und an noch vorbei. Also für Trinkwasser, eine riesige Meeresbadewanne und eine Süßwasserdusche ist gesorgt. Proviant haben wir fürs nächste halbe Jahr mit – Herz was willst du mehr.

Die Schiffsbewegungen ähneln eher denen in einer geschützten Ankerbucht. Anstatt Palmen und Sandstrand fotografieren wir hier wunderschöne Wolkenformationen und einiges an Sonnenauf- und -untergängen. Ab und an kommt ein Seevogel vorbei und auch die Delfine geben sich ein Stelldichein. Besonders schön war es als die Delfine nachts im Meeresleuchten ums Schiff herum schwammen und jeweils einen Leuchtstreifen nach sich zogen.

Sogar ich finde nun Muße und lese das eine oder andere Buch aus unserer Bordbibliothek – Christine ist schon bei Buch Nr. 10 seit Abfahrt angelangt. Ist hier ja fast so wie Urlaub und man hat das Gefühl ewig so weiter machen zu können.

So richtig viel Wind ist für die nächsten Tage immer noch nicht vorhergesagt und so geht das hier wohl noch eine Weile so weiter,obwohl wir den Nadir hoffentlich durchschritten haben. Die letzten zwei Tage ging es mit jeweils 20 und 40 gutgemachten Seemeilen mit fast „Siebenmeilenstiefeln“ voran. Andererseits sollte die Innertropische Konvergenzzone am Äquator mit ähnlichen Wetterphänomenen offiziell wohl noch vor uns liegen. Wir werden sehen. Aus der südpazifischen Hurrikan-Zone sind wir jedenfalls heraußen, haben also keine Eile.

550 Seemeilen bis Kosrae
Position: Süd 3 Grad 28 Min. und Ost 165 Grad 45 Min.