Island Time

Langsam haben wir den Schlafnachholbedarf der Überfahrt ausgeglichen und finden wieder einmal Zeit über die letzten Tage zu berichten.

Einklariert sind wir seit heute Mittag vollständig, erst war Wochenende und am Montag auch noch ein Feiertag. Gestern morgen sind uns dann nach der Reihe Quarantäne, Zoll und Immigration besuchen gekommen, obwohl sich nur der Quarantäne-Inspektor unser Boot ansehen wollte. Die restlichen Formalitäten wurden an Land auf einer wackeligen Holzbank unter ein paar Palmen ausgefüllt. Sehr sympathisch. Leider fehlte uns bis heute aber noch die Cruising Permit, die wir schon im Mai beantragt haben und ohne die wir offiziell noch gar nicht an Land gehen dürften. Was ziemlich witzig ist, weil wir schon am Sonntag auf der Suche nach Zoll und Immigration über die Insel gewandert sind und am Montag sogar in der Hauptstadt waren um einzuklarieren. Wir wussten nicht, dass es ein Feiertag war und somit standen wir vor allen Büros vor verschlossenen Türen. Gleichzeitig hatten sich die Beamten aber am Strand vor unserem Boot eingefunden und waren vergeblich auf der Suche nach uns (die Offiziellen verf
ügen hier nicht einmal über ein eigenes Boot). Upps! Am nächsten Tag konnten wir aber alles klären und es war kein Problem. Und wir haben uns dadurch auch noch die Überstundenzuschläge fürs Wochenende erspart. Sehr gut.

Am Feiertag fand auch noch ein großer Laufwettbewerb statt, den wir uns nicht entgehen lassen wollten. Die Teams aus den fünf Dörfern waren jeweils in unterschiedlich farbigen T-Shirts vertreten und wurden enthusiastisch von großteils jungen Mädchen und Frauen durch Singen, Klatschen und lautem Kreischen angefeuert. Und wir mittendrin. Hat echt Spaß gemacht.

Die Insel ist von 6.000 Menschen bewohnt, die sich auf fünf Dörfer verteilen, wobei Tofol die Hauptstadt ist. Kosrae ist neben Pohnpei, Chuuk und Yap ein eigener Staat und zusammen bilden sie die Föderierten Staaten von Mikronesien. Das heißt, selbst bei nur 6.000 Einwohnern muss der ganze Verwaltungsapparat und Infrastruktur eines Staates zur Verfügung stehen.

Man merkt jedoch deutliche Unterschiede zum Beispiel zu Vanuatu. Durch die massiven Wirtschaftsförderungen aus den USA ist das Land recht weit entwickelt. Ein ziemlich großes E-Werk versorgt die gesamte Insel mittels Dieselgenerator mit Strom, es gibt Straßenlaternen, jedes Haus ist nachts beleuchtet und jeder ist mit dem eigenen Auto unterwegs. Handy und I-Pad sind weit verbreitet, obwohl es mit dem Internet hier schon noch schwierig ist. Es gibt ein paar WLAN-Hotspots auf der Insel, über die man sich ins Internet einwählen kann, aber die Verbindung ist extrem langsam. Wir waren hier noch gar nicht online, weil die nächsten Hotspots mehrere Kilometer von unserem Ankerplatz entfernt sind. Schon mühsam. Auf Fotos werdet ihr also noch länger warten müssen. Vielleicht sogar bis Bali?

Die gebirgige und sehr regenreiche Insel verfügt über ausreichend Süßwasser und es wurde sogar ein Wasserleitungssystem für die ganze Insel errichtet. Das Wasser ist gratis für jeden Haushalt. So sieht man dann leider oft auch gebrochene Wasserrohre oder undichte Stellen, um die sich niemand kümmert, kostet ja eben nix.

Lele Island, vor der wir ankern, ist mittels eines Dammes mit der Hauptinsel Kosrae verbunden. Hier gibt es ein paar kleinere Läden und einen super gut sortierten Baumarkt und einen piekfeinen,kleinen Supermarkt. Wir haben nur so gestaunt. Und auch die Preise sind auf jeden Fall beachtenswert, vieles kostet etwas weniger als in Neuseeland. Der Großteil der Produkte kommt aus den USA, aber man merkt auch, dass nur einmal im Monat ein Versorgungsschiff kommt. Das Mehl ist ausverkauft, Milchpulver gibts nicht und vor allem Gemüse ist hier auf der Insel Mangelware. Das meiste wird importiert und ist dementsprechend teuer. In den Gärten sieht man öfter mal drei oder vier Salatpflänzchen, da bleibt aber nichts mehr zum Verkauf übrig. Obst ist hingegen wieder im Überfluss vorhanden und so werden wir fast täglich beschenkt. Die Familie von Smith Sigrah, die den ACE Hardware Baumarkt betreibt, kümmert sich seit mehr als 40 Jahren um die vorbeikommenden Yachten und haben uns gleich mit einer g
roßen Bananenstaude beschenkt. Hilton, der Beamte von der Immigration, wohnt auch gleich gegenüber von uns und hat uns Trinkkokosnüsse versprochen und heute werden wir noch von einem sehr netten Fischer abgeholt, dessen Name ich leider schon wieder vergessen habe, der uns Orangen aus seinem Garten schenken möchte. Würde man das in Österreich oder Deutschland auch so finden?

Auf den ersten Eindruck sind die Menschen hier, im Gegensatz zu z. B. Fiji, schon sehr reserviert und als Begrüßung reicht erst mal in Kopfnicken oder ein verhaltenes Winken aus der Hüfte heraus für uns Neuankömmlinge. Sobald man aber ein Gespräch anfängt, tauen die Leute hier aber schnell auf und sind wirklich sehr freundlich. Sie sind stolz auf ihre Insel, weil es so wunderschön und friedlich ist. Das können wir bis jetzt nur bestätigen. Jeder bietet uns an, unser Dinghi an ihrem Grundstück festzumachen, gleich danach steht man nämlich meist in einem privaten Garten und wirklich jeder versichert uns, wie sicher es hier ist. Man kann die Türen offen lassen und braucht nichts abzuschließen.

Einziger Wermutstropfen könnte sein, dass hier in Mikronesien die stärksten Stürme des Pazifiks – genannt „Taifune“ – entstehen, die dann nach Nordwesten Richtung Guam, Philippinen und Japan ziehen. Kosrae scheint noch sehr sicher zu sein (laut Einheimischen gab es hier noch keinen Taifun) und theoretisch sollte es von Dezember bis März auch als relativ sicher gelten, sich hier aufzuhalten. Wir hoffen sehr, dass der verheerende Taifun, der nun die Philippinen heimgesucht hat, der letzte in der Saison war. Ein täglicher Blick auf das Wetter ist hier also trotzdem ein Muss, weil ein gewisses Restrisiko immer besteht.

2 Gedanken zu “Island Time

  1. Schön, dass es euch gut geht… Ich hoffe, ihr bleibt von Stürmen verschont, Leni sorgt sich schon voll, die kann gar nicht mehr Nachrichten sehen im Fernsehen. Gestern hat sie geweint, weil sie glaubte, ihr seid da auch mittendrin ;-( Ganz ganz liebe Grüße – passt auf euch auf, Irene

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