Amtsschimmel

Mittlerweile sind wir schon die fünfte Woche in Kosrae. Die Bevölkerung ist nach wie vor superfreundlich. In welchem Land der Erde schenkt der Obst- und Gmüsehändler einem einen Sack Orangen. Frei nach dem Motto: „Die wachsen bei uns ja eh kostenlos im Garten!“

Wie auch immer. Kosrae ist nunmal nur eine kleine Insel und so kommt es, dass man nach einigen Wochen mal überall hingeschnuppert hat. Vom perfekten Korallenriff im Süden bei „Hiroshis Point“, bis zur Kajaktour im Mangrovensumpf im Norden, aber so langsam macht sich Aufbruchstimmung breit.

Hier in Kosrae gibt es vor der Abfahrt noch eine Hürde zu meistern. Das Büro des Hafenmeisters. Bis letztes Jahr waren die zu entrichtenden Hafengebüren recht einfach zu berechnen. 25 USD pro Boot. Heuer änderte sich die ganze Gebührenordnung und letzte Saison brach dann das Chaos aus. Ein Boot sollte gerüchteweise um die 1000 USD zahlen (25USD/Tag oder so), andere Boote zahlten nix, oder so um die 200 USD. Alle fühlten sich natürlich ungerecht behandelt und im Internet gabs ne ordentliche Schlammschlacht. Die örtliche Handelskammer schlug natürlich die Hände über dem Kopf zusammen und versuchte, natürlich tunlichst ums Geschäft bemüht, die Sache aus der Welt zu räumen.

Das hatten wir im Vorfeld schon alles aus dem Netz erfahren und waren nun recht gespannt darauf, was wir so zu blechen hätten. Dass hier in der Ecke des Pazifiks mittlerweile von vielen Ländern Gebühren zum Ein- und Ausklarieren erhoben werden, daran hatten wir uns ja schon gewöhnt, aber 1000 USD – das ist natürlich viel zu viel. Einige der Yachties waren vor einer Woche schon dort und hatten entsprechend schlechte Erfahrungen gemacht. Summen von um die 200 USD wurden kolportiert. Die Handelskammer rief erneut ein Notfallmeeting mit diversen Offiziellen ein – sogar ein Senator war anwesend.

Wir waren als Betroffene mit dabei und legten unsere Probleme mit dem aktuellen System dar. Das Hauptproblem scheint leider der Hafenmeister selbst zu sein der Yachties offensichtlich nicht wohlgesonnen ist und die bestehende Gebührenordnung auf die für Yachten schlechtmöglichste Weise auslegt.

Einige Tage später begab sich die Besatzung der Thor in die Höhle des Löwen. Wir hatten Glück, der Hafenmeister war gar nicht im Büro sondern sein Chef – der Vorsitzende der Hafenbehörde.

141 USD – autsch. Wir überflogen die Rechnung und entdeckten einen Posten „Docking fee“ über 50 USD, obwohl wir niemals an der Hafenmauer angelegt haben. Wir machten die Leute im Büro auf diesen Fehler aufmerksam und er wurde anstandslos korrigiert. Jetzt waren es nur noch 91 USD. Zusammen mit den 25 USD Quarantänegebühr sind das 116 USD Verwaltungsgebühren. Für ein so kleines Land sicherlich immer noch ein großer Brocken, aber bei fünf Wochen Aufenthalt sind die Kosten pro Tag einigermaßen verschmerzbar. Wir waren einigermaßen happy und wollten schon das Internet informieren, dass die Probleme in Kosrae einigermaßen beigelegt waren.

Da kamen Stieg und Rolf – die Skipper der beiden skandinavischen Boote in der Anchorage – vom Hafenmeister zurück. Sie sollten um die 150 USD bezahlen inclusive Docking fee, auch wenn zumindest Stieg nie am Dock war. Der Hafenmeister ließ auch nicht mit sich reden. Um weiterer unfairer Behandlung und ggf. Strafen zu entgehen flüchteten beide Boote ohne zu Bezahlen am nächsten Morgen die Anchorage und das Land. Als Yachtie sitzt man ja immer am kürzeren Hebel und im Hinterkopf war bei beiden sicherlich das Bild von Yachten an der Kette. Eigentlich schade, da die örtliche Bevölkerung ja auch unter dem Rückgang des Yachttourismus leidet. Jeder hier weiß von den Problemen mit dem Hafenmeister und so gut wie alle die uns Yachties kennen rufen uns ein „don’t pay“ auf der Straße zu – ist natürlich auch keine langfristige Lösung. Es braucht nur einen Hafenmeister um allen Beteiligten den ansonsten fantastischen Aufenthalt zu vergällen.

Die örtliche Legislative arbeitet wohl schon fieberhaft an einer Lösung und an einer eindeutigen Gebührenordnung, aber die kosraeischen Mühlen mahlen langsam und für heuer sind sicherlich keine umwälzenden Neuerungen mehr zu erwarten.

DSC_0396