Mit etwas Verspätung …

Dies ist jetzt der zweite Versuch, diesen Blogeintrag zu schreiben. Gerade als ich fast fertig war, ist der Bildschirm erst weiß und dann schwarz geworden und dann war der Computer bei noch vollem Akku aus. Hallo Christkind??

Warum man also vielleicht das nächste Mal nicht an einem Freitag, den 13. losfährt, haben wir bei der letzten Überfahrt mal getestet.

Angefangen hat der Unmut schon, als wir den Anker rauf holten. Auf ca. der der Hälfte der Kette (wir hatten 50 m draußen) hatten sich ganz kleine Muscheln, Algen, Schlamm und andere organische Substanzen festgesetzt. Wir haben das so gut wie möglich versucht abzuschrubben, aber letztendlich hat es doch die ganzen vier Tage der Überfahrt nach totem Fisch oder Schlimmerem im ganzen Schiff gestunken. Bei dem Seegang war auch Lüften nicht drin.

Beim Zusammenlegen des Dinghis am Vordeck hat eine kleine Welle Christian aus dem Gleichgewicht gebracht und er hat sich sehr elegant gegen unsere schon mehrmals geschweißte Relingsstütze „gelehnt“, die jetzt wieder angeknackst ist. Na gut, müssen wir wohl irgendwo wieder mal das Schweißgerät auspacken oder einen Profi fragen?

Am Tag der Abfahrt hatten wir auch ordentlich Wind, was dann dazu führte, dass wir im Pass aus Lelu gegen 2 – 3 m hohe Wellen ankämpfen mussten. Wir haben es gerade noch mit 0,6 Knoten Fahrt geschafft, ansonsten hätten wir halt umgedreht und wären am nächsten Tag gefahren. Aber es war schon ganz schon Nerven aufreibend und Christian hatte ganz schön zu tun, um die Thor auf Kurs zu halten, sodass wir nicht am Riff landen.

Kaum war das geschafft, haben wir festgestellt, dass unser Wassertank wohl leer ist. Wir haben ja keine Anzeige, aber irgendwie waren wir uns sicher, dass es wegen dem vielen Regen bestimmt genug Wasser im Tank gibt. Schließlich haben wir den zweimal komplett anfüllen können während unserer Zeit in Lelu. Aber da haben wir uns wohl verrechnet, ist uns noch nie vor einer Überfahrt passiert. Da haben wir uns aber auch nicht viel gedacht dabei, wir hatten schließlich noch 90 l in Kanistern mit dabei – ausreichend also für ca. 2 Wochen, wenn man sehr, sehr großzügig rechnet. Meist kommen wir mit weniger aus, da wir ja mit Salzwasser spülen. War dann auch in Ordnung.

In der ersten Nacht ist natürlich typisch für uns der Wind eingeschlafen und am nächsten Tag bescherten uns Squalls immer wieder Flauten abwechselnd mit Sturmböen. Das hat unsere Planung mit einer Ankunft am Montag Morgen ganz schön über den Haufen geworfen. Wir wären dann wohl irgendwann Montag sehr spät am Nachmittag oder überhaupt Abends angekommen und das wollten wir vermeiden. Das hieße dann entweder Überstundengebühren, oder eine Nacht am ev. teuren Dock und eine unsichere Fahrt durch den Pass. Also sind wir die nächsten zwei Tage mit nur gerefftem Vorsegel gegen Westen geschaukelt und das war echt ganz schön unbequem.

Aber gut, irgendwann ist auch das vorüber und als wir dann am Dienstag Morgen durch die Sokehs Passage nach Kolonia eingelaufen sind, waren wir mit der Welt wieder versöhnt. Wir wurden gleich von einem Mitarbeiter der Hafenbehörde mit seinem Motorboot ans Dock gelotst, wir hatten Hilfe an Land zum Anlegen und innerhalb von 1,5 Stunden waren alle Vertreter von Gesundheitsbehörde, Quarantäne, Zoll, Hafenbehörde und Immigration an Bord und wir waren wieder offiziell einklariert. Obwohl die Staaten Kosrae, Pohnpei, Chuuk und Yap zusammen die Föderierten Staaten von Mikronesien bilden und quasi ein Land sind, muss man in jedem Teilstaat erneut ein- und ausklarieren. Aber egal.

Nach dem Einklarieren sind wir dann wieder von einem Mitarbeiter der Hafenbehörde zum ca. einer Meile entfernten Ankerplatz gelotst worden, da der Weg dorthin komplett mit Riffen verbaut ist und ohne die Hilfe (erst scharf nach links, nach der Mangrove im 90 Grad Winkel abbiegen, dann wieder geradeaus und so weiter) wäre das auch wieder ein richtiger Krimi geworden. Die Sicht war nämlich nicht so gut, dass man einfach so reinfahren könnte. Auf ein paar Riffen wurden auch Baken angebracht, aber sicher ist sicher. Voll cool!

In der Anchorage sind im Moment an die zehn Boote, drei davon kannten wir schon aus Kosrae und gleich am ersten Tag kamen die Segler von den anderen Booten vorbei um hallo zu sagen und uns über Supermärkte und kommende Aktivitäten zu informieren. Sehr nett und ganz anders als in Fiji oder Vanuatu, wo die meist neuseeländischen und australischen Yachten am liebsten unter sich bleiben und nicht so die Kontakte suchen.

Kolonia (die Karolinen, wie FSM früher hieß, waren tatsächlich mal eine deutsche Kolonie) ist deutlich mehr verwestlicht als Kosrae und man merkt, dass hier täglich ein Flugzeug landet und die Infrastruktur wesentlich davon profitiert. Es gibt mehrere große Supermärkte, wieder mal einen Obst- und Gemüsemarkt mit lokalen ungekühlten Produkten und unser Kühlschrank ist seit Wochen zum ersten Mal wieder richtig voll.

Auf der Terrasse des Ocean View Hotels mit Blick auf den Ankerplatz gibt es billiges kaltes Bier und gratis Internet, günstiges und sehr gutes Essen mit schon deutlich asiatischem Einschlag.

Gestern haben wir uns dann mit den Australiern zum Surfen auf die Westseite der Insel aufgemacht. Wir sind mit Lisa und Paul mit ihrem Tauch- und Surfdinghi ca. 5 Meilen über die Lagune gebrettert und haben uns am Pass an den Begleitbooten für die Surfer festgemacht. Jetzt weis ich endlich auch mal für was mehr als 5 PS am Außenborder gut sind.

Was das Surfen anging sah das für uns halt eben so aus wie das was man daheim im Fernsehen zu sehen bekommt, aber unsere fachkundigen Begleiter,die sich mit viel Oh und Ah Gerufe kaum mehr eingekriegt haben, klärten uns dann auf was für eine besondere Welle wir da vor uns hatten. Diese Welle hat die amtierende Weltmeisterin (!) im Surfen veranlasst von Hawaii nach Pohnpei zu fliegen um hier genau diese Welle für einige Stunden zu reiten. War total cool. Was für ein Erlebnis.

Am Samstag steht auch noch so eine Art Weihnachtsfeier mit den anderen Seglern am Programm, die von der Seven Seas Cruising Association (so eine Art amerikanischer Trans- Ocean Verein) veranstaltet wird, wo es BBQ, gratis Punch und ein paar Info-Veranstaltungen gibt. Wir sind also hier von Früh bis spät unterwegs und es wird uns sicher nicht langweilig.

Ach ja – hier noch das Foto des Tages: vor einer Woche ist hier ein Frachter in den frühen Morgenstunden auf dem Riff gelandet. Warum ist noch unklar, das Riff ist natürlich völlig zerstört und im Moment wird versucht, den Dampfer wieder vom Riff runterzuziehen. Wir hoffen, dass es gut geht – schließlich könnte bei Bruch des Frachters jede Menge Öl auslaufen und noch schlimmerer Schaden für die Umwelt hier entstehen.

Don't drink and drive?

Don’t drink and drive?

Und die Fotos vom Surfen wollen wir euch natürlich auch nicht vorenthalten, plus ein paar erste Eindrücke aus Kolonia!

http://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157638840130276/

DSC_0723b

3 Gedanken zu “Mit etwas Verspätung …

  1. Liebe Christine, lieber Christian!
    Begegnung bewirkt Veränderung
    Möge aus jeder Begegnung etwas bleiben:
    Ein bisschen Empfindsamkeit für Deine Haut;
    Ein bisschen Wärme für Dein Herz;
    Ein bisschen Ordnung für Deine Gedanken:
    Ein bisschen Trost für Dein Gestern;
    Ein bisschen Heilung für Deine Seele;
    Ein bisschen Zuversicht für Dein Morgen.
    (Roland Breitenbach)
    Frohe Weihnachten und ein gesundes, glückliches Jahr 2014 wünscht Euch aus Salzburg
    Gabi Jirkal

  2. Hi Ihr Zwei!
    Nun ist es fast zwei Jahre her, dass ich von euch die Abschiedsmail für den Atlantiksprung bekam …
    Denke wöchentlich an euch, v.a. wenn ich wieder Steuererklärungen machen darf oder um 0430 Uhr vor meinen Korrekturen sitze und dann gegen 0600 Uhr wieder einen Reisebericht von euch per Mail bekomme – so wie heute🙂
    Im nächsten Leben mache ich auch sowas – oder, wenn ich in Pension gehe – also in etwa 25 Jahre😦

    Wünsche euch ganz viel Spaß, tolle Feiertage und weiterhin und noch viele schöne Erlebnisse auf eurer weiteren Route
    Herzlichste Grüße – Mario

    P.S.: ein Blockeintrag über das Thema „Navigation“ wäre mal cool! Ist alles digital oder gibt es wirklich auch Papierseekarten? Abl, Mw, Bw, Bs … – wie sieht es da auf Langfahrt aus? Gibts auch einen Sextanten usw.; wie sieht es mit Gezeitenmaterial aus und was ist mit dem Funken etc. …

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