Frohe Weihnachten – Merry Christmas

Wir wünschen allen unseren Leserinnen und Lesern, Familie und Freunden ein schönes Weihnachtsfest und alles Gute für das neue Jahr 2014!

Weihnachten und Sylvester werden wir noch hier in Kolonia/Pohnpei verbringen, danach geht es weiter Richtung Westen!

In diesem Jahr konnten wir endlich mal etwas länger in den von uns besuchten Ländern bleiben (Neuseeland 6 Monate, Fiji 3 Monate, Vanuatu 1 Monat, Mikronesien schon fast 2 Monate und wir sind noch nicht fertig damit!) und so viel mehr von Land und Leute kennenlernen. Nächstes Jahr wird das Segeln wieder im Vordergrund stehen, wenn wir bis November in Südafrika sein wollen. Es steht uns also wieder ein herausforderndes und spannendes Jahr bevor – wir freuen uns schon darauf!

Frohe Weihnachten!
Frohe Weihnachten!

Und hier als Ausgleich zu den ganzen Quatsch-Weihnachtsliedern, mit denen wir hier im Restaurant gerade dauerberieselt werden, mal etwas Schönes aus Österreich (ich hoffe, das funktioniert):

Navigation auf Langfahrt

Nachdem Mario, unser Ausbilder zum SBF- See und SRC von der Wassersportschule Chiemgau folgende Fragen hatte, gibt es mal ein paar Infos zur Navigation und zum Funken auf Langfahrt aus unserer Sicht.

„P.S.: ein Blogeintrag über das Thema „Navigation“ wäre mal cool! Ist alles digital oder gibt es wirklich auch Papierseekarten? Abl, Mw, Bw, Bs … – wie sieht es da auf Langfahrt aus? Gibts auch einen Sextanten usw.; wie sieht es mit Gezeitenmaterial aus und was ist mit dem Funken etc. …“

Ausrüstung für die Navigation:
Heutzutage hat man Vektorkarten auf dem Plotter und/oder dem Laptop. Sowohl Laptop als auch Plotter sind mehrfach redundant an Bord. Die kleinen Netbooks brauchen kaum Strom und laufen bei Überfahrten fast 24 Stunden am Tag. Plotter sind etwas robuster gebaut und vor überkommendem Wasser besser geschützt, aber bei jahrelangem Gebrauch mit Salzwasserspritzern und Tropensonne geben auch sie irgendwann den Geist auf. Laptops sind ja nicht fest installiert und können so bei schlechtem Wetter mit unter Deck genommen werden. Bei gutem Wetter sind sie in unserem Doghouse (feste Sprayhood) ausreichend geschützt. Hand- GPS sind ebenfalls mehrfach vorhanden und so sind wir hoffentlich vor Ausfall ausreichend geschützt.

Einige Cruiser navigieren seit kurzem mit Tablets. Die dortigen Navigationsprogramme bringen das Kartenmaterial schon mit und sind damit preislich unschlagbar. Wie es allerdings mit den billigen GPS- Chips offshore- außerhalb der Handynetze aussieht – kann ich nicht sagen. Evtl. kann man mit einer externen Bluetooth- GPS- Maus adäquaten Ersatz schaffen.

Ein billiger Plastiksextant ist seit Panama zusätzlich an Bord. Damit eine Mittagsposition auf einige Meilen genau zu bestimmen ist nicht schwer, erfordert aber Übung. Zeit und Muße hat man ja aber auf Überfahrten genug.

Kartenmaterial:
Auf dem Hand- GPS läuft, falls es denn kartenfähig ist, eine kostenlose und freie OpenSeaMap- Karte. Diese geben zwar keine Tiefenangaben, aber sehr akkurate Küstenlinien und oft die ein oder anderen Leuchttürme an. Manchmal sind die offiziellen Seekarten um mehrere hundert Meter verschoben. Dies war mit den OpenSeaMapkarten noch nie (!) der Fall. Bei dem Preis kann man nicht klagen.

In den Hinterhöfen des Pazifik sind die aktuellsten Seekartendaten manchmal über hundert Jahre alt. Da tut man dann gut daran, sich vor Abfahrt von den Zielhäfen einige Satellitenkarten, die man am Laptop über die offizielle Seekarte legen kann, zu basteln. Oft sieht man da einige Riffe mehr als auf den Seekarten. Auch Kartenversatz kam bei den Satellitenkarten bisher nie vor.

Papierseekarten haben bei großen Überfahrten, die länger als eine Woche dauern, noch ihren Platz an Bord. In einem Übersegler wird bei uns die Mittagsposition eingetragen. Durch dieses Ritual sieht man sehr schön seinen täglichen Fortschritt. Sonstige navigatorische Kunststücke wie Peilung von Landmarken zur Positionsbestimmung etc. sind allerdings an Bord der Thor im GPS- Zeitalter obsolet geworden und finden im Bordalltag nicht mehr statt. Ein kurzer reality check bezüglich der Genauigkeit der angezeigten Position findet immer wieder Mal „überschlagsmäßig im Kopf“ statt. Ansonsten gibt es Papierseekarten eigentlich nicht mehr. Ich kann mich aktiv lediglich an einen (!) sehr betagten Cruiser erinnern, der den Sprung zur elektronischen Seekarte nicht gemacht hat. Bei weltweiter Fahrt machen Papierseekarten sowohl aus finanzieller, als auch aus praktischer Sicht keinen Sinn mehr. Ich möchte nicht wissen, wie viele Kilo an Papierkarten man bei weltweiter Fahrt dabei haben müsste.
Ebenso sind Mißweisung, Ablenkung etc. etwas geworden was man zwar Mal im SBF- See Kurs gelernt hat, aber für unsere Navigation hier keine Rolle spielt. Den fast einzigen Zweck den der Kompass an Bord der Thor erfüllt ist folgender: Autopiloten bzw. Windselbststeueranlage werden anhand der Routen- und Tracklinie am Plotter eingestellt. So muß man sich um Sachen wie Abdrift, Stromversatz, Mißweisung etc. keine Gedanken mehr machen, da beide Linien ja „über Grund“ sind. Ist man dann auf Zielfahrt DANN sieht man auf den Kompass und merkt sich die angezeigte Zahl. Ändern sich die äußeren Bedingungen nicht, so genügt in Zukunft ein Blick auf den Kompass um zu sehen ob man noch „auf Kurs“ ist.

Gezeitenmaterial gibts heutzutage ebenfalls in Form von Computerprogrammen, wobei wir auch immer recht froh sind, wenn wir von irgendwoher eine Gezeitentabelle bekommen. Mal kurz auf einen Zettel zu gucken ist eben doch einfacher als Rechner hochfahren. Richtig relevant wurde das mit den Gezeiten eigentlich nur in einigen „hotspots“ – Panama (auf der Pazifikseite) und englischer Kanal/Bretagne. Dort gab es jeweils Tidenhub von mehreren Metern Höhe und wirklich relevante Gezeitenströme. Bei Tidenhub von ca. einem Meter und Strömungen von bis zu einem Knoten ergibt sich im Alltag eigentlich kaum eine Konsequenz. Wobei man sagen muss, das wir auf so navigatorische Husarenstücke wie z. B. Einlaufen in eine Lagune, die man bei unserem Tiefgang nur bei Hochwasser erreichen kann, verzichten. Wir hörten mal mehrere Wochen auf dem täglichen deutschen Funknetz in Vanuatu einer Schweizer Yacht zu, die in eine solche Lagune bei Springtide einlief und sich dann einen Monat lang nicht traute, da wieder raus zu segeln. War wohl auf Dauer dann doch recht langweilig da.

Womit wir dann auch schon beim letzten Punkt wären, dem Funken:

Ein VHF ist eigentlich an Bord jeder Jacht. So gefühlt halten übrigens die amerikanischen Boote – in USA gibt es meines Wissens keine Funkscheinpflicht, man kauft sich einfach ein Funkgerät und legt los- die beste Funkdisziplin. Soviel also zur Regulierungswut der deutschen Legislative.

Ein SSB Kurzwellenfunkgerät für die Langstreckenkommunikation hat hier im Pazifik natürlich einen viel größeren Stellenwert. Die, die keines haben, schielen oft neidisch auf die, die eines haben. Auf langen Strecken ist ein täglich zur festen Stunde stattfindendes Funknetz eine willkommene Unterbrechung des Tagesablaufs. Man erhält so unter anderem aktuelle Wetterinfos und gibt seine Position bekannt. Vielleicht auch ein gewisser Sicherheitsfaktor.

Viele bekommen auch Email über Kurzwelle mit dem kommerziellen Unternehmen Sailmail. Die Amateurfunker benutzen das Winlink Netzwerk und haben mehr Zeitkontingent als bei Sailmail. Amateurfunker können also mehr, auch bei schlechten Übertragungsbedingungen, emailen. Zudem entstehen keine laufenden Kosten. Die Amateurfunkprüfung ist allerdings nicht von schlechten Eltern.

Email an Bord ist nicht nur zur Kommunikation mit den Daheim-Gebliebenen wichtig, auch Wettervorhersagen werden heutzutage per email in Form von Gribfiles verschickt.

Ein LRC haben die wenigsten Cruiser, die wir kennengelernt haben.

Dieser Artikel stellt jetzt natürlich nur unsere persönlichen Erfahrungen nach zweieinhalb Jahren Langfahrtsegeln und 20.000 gesegelten Seemeilen dar und ist bestimmt nicht allgemein für alle Segler gültig. Wir haben jedoch kaum Langfahrtsegler getroffen, die anders als wir navigieren. Abhängig vom Revier und der Art des Segelns (Racing, Chartertörns, etc.) gibt es aber sicher auch noch Unterschiede.

mit den Satellitenbildern von Google Earth, die wir in OpenCPN integrieren können, sieht man jedes Riff
mit den Satellitenbildern von Google Earth, die wir in OpenCPN integrieren können, sieht man jedes Riff