Ein neuer Herd für Tonia

Eines Abends in Puluwat kam Tonia im Auslegerkanu angepaddelt. Tonia arbeitet als Lehrerin in der puluwatischen Schule. Als „Bezahlung“ für eine medizinische Beratung hat sie erstmal vier Kokosnüsse vorbeigebracht. Eigentlich verlangen wir für solche Dienste natürlich nie irgendetwas, aber gelbe Trinkkokosnüsse zurückzuweisen wäre auch doof – die sind nämlich oberlecker😉. Das folgende Gespräch will ich nu gar nicht weiter breittreten, aber wir kamen auch ganz allgemein auf die Gefahren des Rauchs vom offenen Kochfeuer zu Sprechen. Weltweit ist der Kochfeuerrauch die Hauptursache für Lungenkrankheiten. Im Internet hatte ich mal eine Bauanleitung für einen sog. „Rocket Stove“ (bitte googeln, hier in der Pampa komme ich leider nicht an konkrete Links ran) gefunden. Und so vereinbarten wir, dass wir am nächsten Morgen vorbeikommen würden und wir gemeinsam so ein Teil zusammenschustern.

Ein Rocket Stove wird aus einfachsten Materialien – einem alten Blecheimer und einigen Konservendosen – gebastelt, schlägt aber das offene Kochfeuer in fast allen Belangen: – Die Verbrennung läuft viel heisser und damit sauberer ab – weniger Rauch.
– Es wird viel weniger Brennmaterial benötigt – somit braucht es viel weniger Zeit zum Brennholz sammeln. – Die Speisen sind außerdem viel schneller gar.
– Er ist transportabel und kann sogar dort zum Kochen verwendet werden, wo es üblicherweise nicht praktisch wäre ein Kochfeuer zu entzünden.

Tonia hatte einen alten Alutopf rumstehen, der ein Loch im Boden hatte. Dazu noch drei leere Gemüsedosen als Brennkammer und nur mit Blechschere und Dosenöffner bewaffnet gings los. In 20 Minuten war das Werk vollbracht. Die umstehenden Kinder wurden zum Sammeln von Korallenkies losgeschickt. Dieser wurde dann benutzt um den Raum zwischen Topf und innerer Brennkammer aufzufüllen. Üblicherweise wird dafür Holzasche verwendet, diese war aber leider nicht in ausreichender Menge vorhanden – die puluwatischen Frauen halten ihre Küche picobello in Ordnung und bringen deshalb auch die Asche regelmäßig weg. Korallenkies enthält viele Luftblasen und wir hofften so eine ausreichende Isolierung nach aussen hinzubekommen, was letztendlich dann auch recht gut geklappt hat. Sobald der Topf mit Korallenkies aufgefüllt wurde, wurde alles zu einer kompakten stabilen Einheit.

Das Anzünden überließ ich Tonia- sie ist schließlich die Holzfeuerexpertin und kurz darauf brannte das Feuer. Nach einigem Experimentieren brannten auch die hier üblicherweise verwendeten Kokosnussschalen gut und der erste Topf mit dem Nationalgericht Bananen in Kokosmilch wurde aufgesetzt. Tonia war hin und weg. Alle unsere Vorraussagen wurden bestätigt. Das Essen war viel schneller fertig, es entstand viel weniger Rauch und der verminderte Brennstoffverbrauch war lt. Tonia wirklich frappierend. Nach nur einem Gericht meinte sie, dass sie nun nur noch auf dem Herd kochen würde. Tonias Schwester brachte dann noch das Topfgestell für den Petroleumherd, der wie die Faust aufs Auge auf den Rocket stove passte. Jetzt sieht er aus wie gekauft. Übrigens: Der Petroleumkocher ist natürlich nie in Gebrauch – wer kann sich schon Petroleum leisten.

Für das nächste Gericht wurden gleich alle Brüder, Onkel und Tanten in der näheren Umgebung dazugerufen. Alle waren schwer beeindruckt. Mal sehen, ob sich der neue Herd längerfristig hält, oder gar durchsetzt… die Lungen der Frauen würden es ihm Danken.

Wer sich übrigens wundert warum wir immer noch olle Kamellen aus Puluwat zum Besten geben, obwohl unsere Position schon Woleai anzeigt – in Puluwat ist unser Airmail-Laptop (der mit Bluetooth) eingegangen, so dass wir jetzt erst mit ca. zwei Wochen Zeitverzug, mit geliehenem USB- Kabel von der SY Lorelei, wieder Mails verschicken können. Das alte Kabel von uns wollte auch nicht mehr funktionieren, Technik auf See halt…

Autor: Christian

4 Gedanken zu “Ein neuer Herd für Tonia

  1. Nice page you got here… greeting from the Polowat fishermen to you and your wife happy new year.

    Dickson Emwalu crew of the sailing canoe which you Josh and his father went fishing on with yper and the rest.

    • Hi Dickson, very nice to hear from you again. We have a lot of good memories from our time in Puluwat. Hope all well still, If you can please send our greetings to Iber, Tonia and all the others. All Puluwatians have been excellent hosts and we had a fantastic time there. It is one of our favorite places.

      All the best, Christian

  2. Sehr interessant. Das ist ja mal praktische Entwicklungshilfe. Der englische Wikipedia Artikel muss verbessert werden, das kannst du ja machen wenn ihr wieder gutes Internet habt.

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