Yap – im Land des Steingeldes

Bevor wir in Palau ankommen, müssen wir doch noch ein paar Worte darüber schreiben, was wir in Yap in den letzten zwei Wochen alles so erlebt haben.

Eines der Highlights war bestimmt der alljährlich Anfang März stattfindende Yap-Day. Wir waren gerade rechtzeitig angekommen, um dieses große Festival am 28.02./01.03. besuchen zu können. Die Hauptidee dahinter besteht in der Bewahrung der alten Traditionen in Yap. Dann gibt es natürlich auch noch Wettbewerbe zwischen den teilnehmenden Dörfern, man trifft viele Bekannte wieder, muss nicht arbeiten (ist ein öffentlicher Feiertag) und für Leib und Wohl wird ebenso gesorgt.

Für uns Weiße war natürlich alles neu, wir fühlten uns ein paar Jahrhunderte in der Zeit zurück versetzt. Für die Einheimischen ist das Tragen der traditionellen Bekleidung Pflicht, anders dürfen sie das Festgelände nicht betreten. Frauen tragen daher knöchellange Röcke aus Gras (Frauen und Mädchen von den Outer Islands tragen den typischen bunten Lava-Lava), sind oben ohne und haben ein schwarzes Band um den Hals, das sie als „erwachsen“ ausweist. Die Männer tragen Lendenschurze in kräftigen Farben, mitunter ist ein Grasbüschel miteingebunden und den obligatorischen Korb aus geflochtenen Palmwedel. Je älter und einflussreicher der Mann ist, desto größer seine „Handtasche“. Im Wesentlichen ist dort das ganze Zubehör fürs Betelnusskauen untergebracht, also Betelnüsse, Blätter, Kalk und Tabak.

An den zwei Tagen gibt es dann Wettbewerbe im Palmwedel-Korbflechten, Betelnussbaumklettern, Floß bauen, Kokosnuss schälen usw. Am Eindrucksvollsten sind aber bestimmt die unterschiedlichen Tänze, vom Sitztanz bis zum Bambusstocktanz, die als Wettbewerbe zwischen den einzelnen Dörfern ausgetragen werden. Oft werden zwei gleiche Tänze von mehreren Gruppen hinteinander ausgetragen und es sieht immer wieder anders aus. Die Tänze werden von monotonen Gesängen begleitet und man kann durchaus die asiatischen Wurzeln der Mikronesier in diesen Tänzen wiedererkennen.

Als Begleitprogramm gibt es noch Schauwerkstätten, wo ein Kanu repariert wird, Fischreusen gebastelt werden oder ein Stück des Daches vom Versammlungshaus neu gedeckt wird. Am Ende der zwei Tage haben wir ganz schön zu tun, diese ganzen Eindrücke zu verarbeiten und freuen uns echt, dass wir es nach Yap geschafft haben. Kurzfristig wollten wir ja schon mal von Woleai direkt nach Palau, aber das Wetter hatte dann glücklicherweise doch andere Pläne für uns.

Als krasser Gegensatz zu diesem Kulturprogramm stand dann wieder mal Tauchen mit Paul und Lisa von der SY Lorelei am Programm. Yap ist nämlich für zwei besondere Attraktionen unter Wasser bekannt. Da gibt es zum Einen die Mantarochen, die im Nordwesten der Insel täglich durch den Pass schwimmen, um sich von Putzerfischen von Parasiten befreien zu lassen und zum Anderen gibt es dann noch die wunderschönen Mandarin-Fische, die es in dieser Häufigkeit weltweit wohl nur in Yap gibt. Am Samstag nach dem Yap-Day sind wir also um 7.30 Uhr zu den Manta-Rochen rausgefahren und da sich das ganze Spektakel in nur 7 m Tiefe abspielt, konnten wir zwei Tauchgänge mit jeweils eineinhalb Stunden Dauer genießen. Die Rochen schwimmen nur wenige Zentimeter über unsere Köpfe, zum Greifen nahe kommen sie heran, als ob sie auch neugierig wären, wer hier so in ihrem Reich herumschwimmt. Die jungen Rochen rollen ganz quirlig durch die Gegend, dann paaren sich wieder mal welche und die älteren Rochen lassen
sich gemütlich in der Putzstation (ein Korallenriff im Pass) reinigen. Immer wenn wir zurück zum Boot wollen, weil es nach einer guten Stunde im warmen Wasser trotz langem Neoprenanzug kalt wird, kommen wieder neue Rochen vorbei und wir bleiben noch ein paar Minuten. Und dann noch ein paar Minuten… Den Rekord halten aktuell Lisa und Paul, die je Tauchgang 2 Stunden und 16 Minuten unter Wasser waren. Dafür gibt es von Paul aber dann auch Wahnsinnsfotos, die ich hoffentlich in Palau hochladen kann.

Am gleichen Tag steht dann Tauchgang Nummer drei am Programm. Samstag ist nämlich An-/Abreisetag der Touristen und wir Yachties haben deshalb alle Tauchplätze für uns alleine. Ein echter Luxus. Die Mandarinfische sieht man eine halbe Stunde vor und eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang und so wird das seit Langem wieder einmal ein Nachttauchgang für uns. Diese kleinen Fische (Länge max. 6 cm) sind wohl die schönsten und buntesten Fische, die wir je unter Wasser gesehen haben. Wir sind wieder nachhaltig beeindruckt.

Dazwischen verbringt Christian ganze Nachmittage im Internet Cafe bei Willie, ein phillipinischer Ingenieur der vor Jahren mit seiner Familie nach Yap ausgewandert ist. Willies kleines Internetcafe hatte noch alle seine Rechner unter Windows XP laufen. Bei unserem ersten Besuch kamen wir ins Gespräch und da der Support für Windows bald ausläuft haben wir alle seine Rechner auf Linux umgestellt. Wir benutzten Lubuntu 13.10 und das hat dem alten XP an Geschwindigkeit und Stabilität Mal locker den Rang abgelaufen. Ha, wieder sechs Desktoprechner vor der Verschrottung gerettet. Ein aktuelles Windows wäre darauf sicherlich nicht mehr gelaufen. Willies Bruder ist der Elektronikspezialist der Insel und nahm sich im Gegenzug Christines Laptop an. Leider jedoch ohne Erfolg. Wir gurken also immer noch mit nur einem Laptop durch die Gegend.

Auch für die Zuhause Gebliebenen: Ab April wird Windows XP nicht mehr mit Sicherheitsupdates versorgt. Zeit auf Linux zu wechseln. Lubuntu CD runterladen, brennen, einlegen und installieren. Dauert im Normalfall keine 2 Stunden und schon hat man wieder ein aktuelles, flottes System ohne Viren etc..

Wir lernen wieder jede Menge super nette Leute kennen, die meisten sind für zwei Jahre in Yap, kommen aus Australien oder USA und arbeiten hier als Lehrer oder Anwälte. Da gibt es dann eine Einladung um die nächste, Gegeneinladungen auf die Thor und die Lorelei und so haben wir auch ein dichtes soziales Programm.

Wir schaffen es sogar noch, ein paar Wanderungen zu unternehmen. Yap ist ja unter Anderen für sein Steingeld bekannt. Früher dienten diese hunderte Kilo schweren runden Basaltplatten – neben Muschelgeld – tatsächlich als Zahlungsmittel. In der Mitte dieser runden Steine befindet sich ein Loch, durch das dann eine Bambusstange gesteckt wird, wodurch das Geld von meist 2-4 Männern transportiert werden kann. Heutzutage wird mit US-Dollar bezahlt, aber jedes Dorf verfügt noch über eine Steingeld-Bank und auch vor jedem Haus finden sich meist ein oder zwei der sogenannten Fai’s. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass dieses Steingeld von Palau mit Segelkanus und Flößen nach Yap gebracht wurde.

Über die ganze Insel sind auch sogenannte Stonepaths – also Steinpfade – verstreut, die oft Jahrhunderte alt sind und früher die einzelnen Dörfer miteinander verbunden haben. Es gibt hier dann auch die Sitte, wenn man fremde Dörfer betritt, dass man immer ein grünes Blatt in der Hand halten muss, um seine guten Absichten zu zeigen. Wenn nämlich jemand mit leeren Händen ankommt, kann der nichts Gutes im Schilde führen. So wandern wir also mit unseren grünen Zweiglein durch die Gegend und freuen uns über die üppige und abwechslungsreiche Vegetation auf Yap.

Der Abschied fällt wieder mal schwer, aber schön langsam müssen wir in die Gänge kommen, wenn wir zu Weihnachten in Südafrika sein wollen. Yap war jedenfalls wunderschön und wir hoffen, dass wir irgendwann wieder mal nach Mikronesien kommen. Die letzen vier Monate hier sind wie im Flug vergangen, jetzt bleiben uns noch ca. 2 Wochen in Palau, bevor wir den Pazifik endgültig verlassen und uns Richtung Indischen Ozean bewegen.

Im Moment haben wir noch 80 Seemeilen bis Palau und alles ist bestens an Bord.

4 Gedanken zu “Yap – im Land des Steingeldes

  1. unglaublich schöne Fotos, wer da nicht Fernweh bekommt…
    und danke für den Lubuntu-Tipp, jetzt läuft mein altes Netbook wie geschmiert, kein Vergleich zu dem immer langsamer gewordenen XP;
    geniesst das Leben, keep sailing

    • Lieber Karl! Danke für das Kompliment! Wo seid ihr gerade unterwegs? Schon im Pazifik? Also falls ihr in diese Richtung kommt, können wir euch Mikronesien auf jeden Fall empfehlen, es war echt wunderschön. Jetzt warten wir hier in Palau auf ein bisschen Wind Richtung Indonesien! Christian freut sich über jeden neuen Linux-User🙂 Fair Winds, Christine und Christian

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