Das war Palau …

Kommt nicht oft vor, aber zur Abwechslung gibts mal nen Lästerartikel von mir:

So, nach zwei Wochen kehren wir dem Inselstaat Palau auch schon wieder den Ruecken. Im Gegensatz zu den meisten bisher von uns besuchten Laendern weinen wir dem Land keine Traene nach. Im Segelfuehrer Palau wunderten sich die Autoren warum das Land, in ihren Augen ein Geheimtipp, nicht von mehr Booten besucht wird. Wir koennen da denke ich nach mittlerweile genau zwei Wochen Aufenthalt etwas zur Ursachenforschung beitragen. Erst mal das Einklarieren. So ziemlich jede Behoerde die an Bord kommt haelt die Hand auf und langt kraeftig zu. Der Zoll will 50 USD, Immigration ebenfalls und das Linehandling im Hafen kostet 20 USD. Noch keine Stunde im Land, schon 120 USD aermer. Soweit so gut, kraeftige Verwaltungsgebuehren sind wir von Mikronesien ja gewohnt.

OK, dann erst mal um die Halbinsel Malakal rum und in der Bucht von Sam’s Tours an die Gaestemooring des „Royal Belau Yacht Clubs“. Die ersten drei Tage sind umsonst, dann werden 35 USD Jahresbeitrag und 50 USD monatlich fuer die Mooring faellig. Fairerweise muss man sagen, dass es dann im Tauchshop kostenlosen Kaffee satt und es einige Prozente auf gewisse Artikel im Tauchladen und in der angeschlossenen Kneipe auf die Rechnung gibt. Zwei Tauchgaenge mit Sam’s Tours wuerden dann statt der ueblichen 145 USD „nur“ 125 USD kosten. Das sind aber leider Preisvorstellungen, die einfach sowas von ueber unserem Budget liegen. Wir sind dann ganz happy, dass wir unsere Tauchflaschen hier fuer nur 5 USD fuellen lassen koennen. So kommen dann eben doch noch einige Wrack- und Hoehlentauchgaenge in der naeheren Umgebung von Malakal, welche in Dinghireichweite liegen, in unser Tauchlogbuch.

Der Ankergrund in der recht weitlaufigen Bucht ist mehr als mau, und mehr als eine handvoll Ankerplaetze gibt es wohl nicht, sodass der flaechendeckende Teppich aus Mooringbojen irgendwie auch Sinn macht. Weitere stadtnahe Ankerplaetze sind bestimmt vorhanden, aber so auf Anhieb zumindest fuer uns nicht ersichtlich. So muss man halt mit einer Mooring beim Yachtclub vorlieb nehmen. Mit konsequenter Anwendung von Moskitonetzen, Insektenspray und Raeucherspiralen laesst sich dort dann auch nach Sonnenuntergang das Gemuet am Ausflippen hindern.

Viel lustiger wurde es dann aber im Uebrigen wenn man mal ins Wasser huepfen will. Als bisher erstes Land auf unserer Reise haelt Palau auch hier die Hand auf. Ein 10 Tages Permit – um, wie es im Gesetzestext steht, „to enter the water in Koror State“ (das schliesst auch das Mooringfeld des Yachtclubs mit ein) – kostet schlappe 50 USD pro Nase. Fuer die gesamte Besatzung der SY Thor werden demnach 10 USD pro Tag faellig. Wird man ohne Permit erwischt werden offenbar 400 USD faellig. Ploetzlich wird Baden zum Luxusgut. Der gerade anwesende Polizist in der Rangerstation, in der man das Permit erwirbt, meinte zwar er wuerde uns nicht verknacken wenn wir mal vom Heck des Bootes aus ins Wasser huepfen wuerden, aber darauf verlassen wollten wir uns nicht. Erstens gibt es ja mehr als nur einen Polizisten, und sein Kollege koennte die Sache ja schon wieder ganz anders sehen, und zweitens haben wir auf wiederholtes Nachfragen wegen gewisser Details der doch recht umfangreichen Regularien oft voellig verschiedene Antworten von den Offiziellen bekommen. Also lieber auf Nummer Sicher gehen. Auf die Aussagen inkompetenter Regierungsmitarbeiter ist hier eben kein Verlass.

Prinzipiell hat man mit der Zollgebuehr beim Einklarieren die Erlaubnis zum Cruisen in Palau bekommen. Will man aber mit der Yacht dann tatsaechlich irgendwo hin, dann werden natuerlich wieder Extragebuehren faellig. Im Falle der vielbeworbenen „Rock Islands“ sind es 20 USD – gueltig fuer einen Monat. Wegen der „Badelizenz“ muss man aber natuerlich nach 10 Tagen zurueck um diese zu verlaengern. Und der berühmte Jellyfish-Lake würde nochmal 50 USD pro Person extra für einen Besuch kosten.

Die Rock Islands sind dann auch tatsaechlich recht huebsch anzusehen und eigentlich recht brauchbare Cruisinggruende, allerdings jetzt auch nix was man nicht schon mal in Tonga oder Fiji gesehen haette. Sicherlich ein toller Anblick, wenn man von Wanne- Eickel aus hier angekommen aus dem Flieger steigt, aber nix was den Nullachtfuffzehn- Cruiser vom Hocker haut.

Fuer das Ausklarieren werden nochmal 50 USD pro Nase „Green Tax“ faellig. Auf einem befreundetem Boot haben sie ausgerechnet, dass sie fuer die geplanten 60 Tage Aufenthalt, davon 50 Tage mit „Lizenz zum Baden“, schlappe 1000 USD locker machen muessten. Also ungefaehr 500 USD laufende Kosten pro Monat zusaetzlich. Hierbei handelt es sich aber erst lediglich um Permits, Gebuehren und Steuern. Mit dem Geld ist man noch nirgendwohin gefahren und hat noch keine der ueblichen Aktivitaeten durchgefuehrt. Der Gegenwert fuer das gezahlte Geld belaeuft sich erstmal auf exakt Null Komma Nix. In der Tat sind die Betraege fuer den Daheimgebliebenen evtl. durchaus im „verschmerzbaren“ Bereich, und fuer ne Woche Tauchurlaub der hier sowieso einige Tausender kostet, faellt dann z. B. die nur fuer Auslaender faellige Badegebuehr unter ferner Liefen, aber man muss bedenken dass wir hier, wenn auch nur kurz, leben. Wenn in allen Laendern die wir so bereisen, aehnliche Gebuehren erhoben wuerden, dann waere damit unser monatliches Budget mal eben 500 USD hoeher und damit wuerde unsere Reise gar nicht mehr moeglich sein.

Wohin wir in Palau auch kommen, bis auf ganz wenige Ausnahmen fuehlen wir uns nicht sonderlich willkommen, sondern kommen uns hier lediglich als Geldkuh vor, die es zu Melken gilt. Eigentlich schade, gab es doch hier bestimmt eine Zeit als sich die oertliche Kultur noch nicht so wahnsinng vom Rest von Mikronesien unterschieden hat. Die Herzlichkeit und Freundlichkeit mit der wir in den uebrigen Inseln von Mikronesien empfangen wurden, haben wir aber zumindest hier in der Gegenwart fast vollstaendig vermisst.

Ihr seht schon, so richtig warm sind wir mit dem Land nicht geworden und so machen wir uns nun ausnahmsweise eben nicht schweren Herzens auf nach Indonesien – wenigstens faellt also der Abschiedsschmerz weg. Ach Quatsch – gerade gestern gabs ein duftes Abschiedsgrillen auf der Thor. Unsere australischen Freunde von der SY Lorelei bleiben erstmal hier und so werden sich unsere Wege wohl nicht so schnell kreuzen – also doch wieder Adieu sagen – sniff. Ein paar Fotos gibt es natürlich auch. Wenn man mal aus Malakal rausgefahren ist, dann war es ja ganz nett. Wir haben mit unserer Billig-Unterwasserkamera auch versucht, Fotos vom Wracktauchen zu machen, aber das fällt eher in die Kategorie Moderne Kunst oder so. Zum Glück hatten wir Paul von der SY Lorelei mit seiner Profi-Ausrüstung beim Höhlentauchgang dabei und so haben wir endlich auch mal ein paar gute Schnappschüsse von uns unter Wasser! Ihr werdet den Unterschied bestimmt erkennen. Hier der Link zum Fotoalbum:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157643232534135/

P1070619

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