Segeln durch die indonesische Inselwelt

Gefuehlt eine Ewigkeit ist unser letzter Blogeintrag her. Viel ist passiert, und deshalb nun der naechste. Unsere, mittlerweile dritte, Aequatorueberquerung vor etwa einer Woche lief sehr unspektakulaer ab. Da eigentlich ungeplant, siehe letzter Blogeintrag, fehlte uns das noetige Getraenk zum Anstossen und so musste ein Schlueckchen Irish Cream den Lueckenbuesser spielen. In der hiesigen Hitze nicht ganz so passend, aber irgendwie trotzdem lecker.

Rund um den Aequator gibt es leider keine konstanten Wettersysteme, wie die etwas noerdlicher, bzw. suedlicher verlaufenden Passatwinde. Alles ist unbestaendig, schwachwindig und mit Schauerboen (engl. Squalls) durchsetzt. Indonesien ist auch keine Ausnahme. Klar dass Murphy auch noch ein Woertchen mitzureden hat und so kommt der Wind meist auch aus der falschen Richtung, was schonmal dazu fuehrte, dass wir z.B. die Insel Buru nicht wie es eigentlich kuerzer waere westlich, sondern oestlich, mit 75 Seemeilen Umweg, durch die Strasse von Manipa umrundeten. Die Insel Buru war, nach einem Putschversuch in den sechziger Jahren, eine Gefaengnisinsel. Diese Zeiten sind gluecklicherweise vorbei, ein Anlanden verbot sich uns dennoch, wir sind ja offiziel noch gar nicht nach Indonesien eingereist.

Unser Pilotbuch schrieb ueber die Strasse von Manipa eigentlich nix Gutes. Starke, tidenabhaengige Stroemungen mit bis zu drei Knoten – natuerlich am staerksten in die Gegenrichtung. Strudel, dass es nur so kracht und bei den falschen Windverhaeltnissen tuermen sich angeblich Wellenberge auf, bei denen selbst der Grossschiffahrt geraten wird, die Strasse von Manipa nicht zu befahren. Wir hatten Glueck. Die Strudel waren vorhanden, konnten aber selbst unserer kleinen Thor nix anhaben. Astrein blieb sie auf Kurs. Wind war nicht vorhanden, deshalb gab es auch keinen nennenswerten Seegang, der Gegenstrom allerdings war bis zu zwanzig Meilen noerdlich der Strasse schon deutlich zu spueren. Unser treuer Diesel hielt aber was er versprach und so ging es gemuetlich vorran. Gluecklicherweise kenterte der Strom kurz vor der engsten Stelle, und so ging es mit flotten fuenf Knoten unter Maschine hindurch. Puha, damit lagen dann die Gewuerzinseln, wie die Molukken frueher einmal genannt wurden, a uch schon hinter uns.

Fuer die weitere Fahrt nach Suedwesten war eigentlich schwacher Westwind angesagt, dieser spielte aber mit uns Verstecken – mit jeder Wetterkarte, die wir zweimal taeglich herunterluden, verfluechtigte sich der Wind weiter nach Sueden. Wir tuckerten eineinhalb Tage brav hinterher, aber nix zu wollen. Totale Flaute. Irgendwann gaben wir auf. Unsere Dieselvorraete sind ja nur begrenzt, und etwas brauchen wir ja noch um in den naechsten Hafen einlaufen zu koennen. Eineinhalb Tage duempelten wir so umher. Netterweise trieben wir aber mit unserem Boot waehrenddessen doch noch so 15 Meilen in die richtige Richtung. Trotzdem macht sich an Bord eine gedrueckte Stimmung breit. Wird man ueberhaupt jemals ankommen? Das unbestechliche GPS sagt ja – in etwa einem Monat. Im Kopf werden nochmal die Wasservorraete an Bord ueberschlagen und man wendet sich wieder seiner Lektuere zu.

Dann aber. Erst ein zarter Lufthauch, dann immer konstanter auf der Haut spuerbar – Wind. Das Wasser kraeuselt sich leicht. Mit der Hand an der Pinne und ausgerolltem Vorsegel wird das Boot langsam in die richtige Richtung gedreht, das Grosssegel hochgezogen und langsam setzt sich die Thor in Bewegung. Nach etwa einer Stunde ist klar, das war nicht nur ein Zufallslueftchen, das ist tatsaechlich der angesagte Ostwind. Zeit fuer den Blister (asymmetrischer Spinnacker). Mit dem Blister segeln ist als wuerde man den Turbo einschalten. Ploetzlich geht es mit vier bis fuenf Knoten bei noch null Welle dahin. Ein tolles Gefuehl. Ein riesiger Stein faellt einem vom Herzen, offensichtlich wird man wohl nicht an Wassermangel verenden. Das GPS geht von einer Ankunft in etwa zweieinhalb Tagen aus. Naja, zu optimistisch sollte man lieber mal nicht sein. Den Horizont sollte man dabei tunlichst im Auge behalten um den immer wieder mal vorbeitreibenden Squalls auszuweichen. Diese sind mit ihren massi
ven Wolkenungetuemen und den Regenfahnen aber gut auszumachen. Einen halben Tag ging das so, dann kam aber eine riesige Squallfront an und der Blister musste wieder runter. Stundenlang kam nun ein Squall fast nahtlos nach dem anderen, welche wir mit dicht gerefften Segeln raumschots abwetterten. Wenigstens stimmte unser Kurs halbwegs. Nachts blieben uns gluecklicherweise weitere Squalls erspart, allerdings schlief auch der Wind wieder ein. Aktuell sind wir noch 270 Meilen von Maumere, unserem Hafen zum Einklarieren entfernt, das wird noch ein ordentliches Stueck Arbeit.

Aktuelle Position: S 06 28.5 E 125 59.1

Autor: Christian

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