Abwechslungsreiches Flores

Wir sind nach einer Woche „Urlaub“ wieder im Seglermodus und so standen die letzten zwei Tage auch gleich wieder ein paar Wartungsarbeiten auf der Thor an.

Da wir bei der Ueberfahrt jetzt doch ein paar Tage durchmotort sind, wurde also das Oel gewechselt und auch gleich alle Dieselfilter dazu. Dabei haben wir festgestellt, dass wir im Dieseltank wohl irgendeine Substanz rumschwimmen haben, die entfernt an Rostkruemel/ Sand erinnert. Beim Tanken benutzen wir eigentlich immer einen extra Filter, also muss dieses Zeugs wohl schon laenger im Tank sein. Dem Motor scheint es nichts auszumachen, der schnurrt grad wie ein Kaetzchen. Wir werden jetzt dann in Bali nach den naechsten 450 sm wohl noch einmal die Filter checken, je nachdem, wie viel wir jetzt bis dorthin motoren muessen. So lange sich der Motor dran nicht stoert, werden wir wohl ausser Filterwechsel nicht viel unternehmen. Wir haben kein Mannloch, um den Tank jetzt gruendlich zu reinigen. Getriebeoel muss auch noch gewechselt werden, das steht heute am Programm. Im Zuge der Filterwechsel haben wir dann auch noch eine ordentliche Roststelle unter dem Motor entdeckt, wo der Lack einen Sprung hatte und jetzt wohl fuer laengere Zeit immer etwas Seewasser reinsickerte. Also grossflaechig den Lack und Rost beseitigen und wieder mal ein bisschen Pinseln. Gluecklicherweise war der Rost nur oberflaechlich und ging nicht in die Tiefe.

Die Genua benoetigt auch kleinere Reparaturarbeiten. In den Flauten schlaegt die Genua immer wieder mal gegen die Wanten und dadurch sind die Naehte teilweise abgescheuert, aber nichts, was man nicht mit Bordmitteln reparieren koennte.

Die restlichen Arbeiten werden wir dann in Bali erledigen, bevor es ueber den Indischen Ozean geht. Wir konnten hier jetzt zum Glueck auch problemlos unser Visum fuer 30 Tage verlaengern und koennen nun bis 23. Juni im Land bleiben. Und das ohne Schwierigkeiten mit den Behoerden, wir sind echt positiv ueberrascht.

Letzte Woche hatten wir ja Besuch aus Oesterreich und zwar von meinem Papa mit seiner Freundin, die hier im Resort uebernachteten und wir liessen es uns nach der langen Ueberfahrt gut gehen. Vielen Dank noch einmal dafuer! Wir waren auch so richtig als Touris unterwegs und haben zum Einen gemeinsam eine schoene Tour ins Landesinnere gemacht und zum Anderen auch einen ausgiebigen Tauch- bzw. Schnorchelausflug eingelegt. Die Strassen hier auf Flores erinnern in starkem Mass an die Passstrassen in unserer Alpenrepublik und so benoetigten wir auch 3,5 Stunden fuer die rund 100 km zu den beruehmten Vulkankraterseen von Kelimutu. Quer ueber die Insel, sodass wir wunderschoene Einblicke ins Landesinnere erhaschen konnten. Alles ist gruen, die steilen Haenge sind ein einziger dichter Dschungel. Dazwischen ist aber doch immer wieder ein bisschen Platz fuer Landwirtschaftsflaechen wobei uns vor allem die Reisterrassen besonders gut gefallen. Unser Fahrer hat auch ein Auge auf alles neben der Strasse gedeihende Obst und Gemuese und so bleibt er immer wieder neben einem Baum oder Strauch stehen und zeigt uns Kakao, Kaffestraeucher, Palmen aus denen Arak gewonnen wird, Pecannuesse, Gewuerznelken, und vieles mehr.

Die Vulkanseen sind dann auch eindrucksvoll, alle drei Seen haben unterschiedliche Farben, obwohl sie direkt nebeneinander liegen und sogar jaehrlich ihre Farben wechseln. Im Moment sind sie braun, tuerkis und gruen – vor einigen Jahren waren die Seen rot, blau und weiss. Die Farbveraenderungen sind wohl auf aktive vulkanische Aktivitaeten und die Veraenderung der Mineralien in den Seen zurueckzufuehren. Die Einwohner haben natuerlich wieder einen traditionellen mythischen Zugang zu den Seen. Und zwar gehen die Seelen der Verstorbenen in die Seen ein, wobei einer fuer die Kinder und Jugendlichen bestimmt ist (Tiwu Nuwa Muri Koo Fai See), einer fuer die alten Menschen (Tiwu Ata Mbupu See) und einer fuer die boesen Menschen (Tiwu Ata Polo See). Uns gefaellt es auf jeden Fall, auch wenn eine ueber dreistuendige Autofahrt in eine Richtung den ganzen Spass doch etwas bremst. Aber zumindest sieht man so viel von Flores. Am Rueckweg wird auch noch an heissen Quellen gestoppt, ein Bad schenken wir uns aber wegen der heissen Tagestemperaturen.

 

Das Leben spielt sich auf den Strassen ab, am Strassenrand werden auf Planen oder Tuechern, manchmal auch ohne Unterlage, Kakaobohnen und Vanilleschoten getrocknet. Ueberall wird Gemuese und frischer Fisch an kleinen Strassenstaenden angeboten, Waesche gewaschen und palavert. Die Indonesier sind von frueh bis spaet auf den Beinen, und im Vergleich zu den geruhsamen Pazifikbewohnern, die sich jetzt nicht unbedingt durch Geschaeftstuechtigkeit auszeichnen, hat hier anscheinend jeder ein kleines „Business“ und versucht Geschaefte zu machen.

So ist es fuer uns auch kein Problem, direkt vom Ankerplatz Diesel und Wasser zu besorgen – die Jungs kommen taeglich mit ihren Auslegerkanus vorbei und fragen, was wir so benoetigen. Selbst die Waesche wird fuer guenstiges Geld von Jimmys und Jacobus‘ Schwester gewaschen. Frisch duftend und sauber kommt sie innerhalb eines Tages zurueck, wobei ich bezweifle, dass es hier eine Waschmaschine gibt. Selbst Gemuese und Bier koennten wir bestellen, das besorgen wir uns aber doch lieber selber. Einen kleinen Aufschlag zum Marktpreis muss man dann doch einrechnen und so koennen wir gleich durchs quirlige Gewusel am Markt schlendern und uns nach Herzenslaune aussuchen, was uns gefaellt.

Die Preise sind alle gleich und gehandelt wird bei Obst und Gemuese ungerne – oder vielleicht weil wir Auslaender sind. Aber wir koennen uns ueber die Preise nicht beklagen, ein ganzer Rucksack voll Tomaten, Knoblauch, Gurken, Auberginen, Avocados, Zitronen, Mandarinen, Wasseraepfel und Maracujas kostet uns umgerecht 5 Euro. Was will man da noch gross handeln?

Das beliebteste Fortbewegungsmittel ist hier sicher das Moped, oft sitzen die Leute zu dritt oder gar zu viert drauf (meist ein oder zwei Erwachsene mit ein paar Kindern) und auch als Taxi gibt es hier am oeftesten das Ocek – also ein Moped, wo man einfach hinten drauf mitfaehrt. Wenn wir zu zweit unterwegs sind, etwas schwierig. Aber dann gibt es auch noch die Bemos, umgebaute Busse oder LKWs, die einen auch fuer kleines Geld von A nach B bringen. Wir Weisse zahlen natuerlich immer das Doppelte, da fehlt es uns einfach an der indonesischen Sprache, aber auch hier sind die Preise in Ordnung. Englisch wird hier nur selten gesprochen und auch am Markt verstaendigen wir uns eher in Zeichensprache. Vielleicht sollten wir doch einmal unseren kleinen Indonesisch-Sprachfuehrer waelzen, um zumindest die Zahlen zu lernen.

Ein ganztaegiger Tauchausflug bringt uns auf die von Maumere vorgelagerte Insel Pangabatang. Zwei Stroemungstauchgaenge stehen am Programm und wir sind froh, dass wir einen Guide sowie ein Boot dabei haben, dass uns am anderen Ende des Riffs wieder auffaengt. Wir fliegen nur so dahin unter Wasser, aber es ist wunderschoen. Das Riff scheint sich von den verheerenden Folgen des Erdbebens und darauffolgenden Tsunamis von 1991 wieder gut erholt zu haben. Wir sehen Unmengen an bunten Weich- und Hartkorallen und auch die Fischvielfalt ist ein Wahnsinn. Wir testen auch gleich mal unsere neue Unterwasserkamera. Beim ersten Tauchgang nur das Gehaeuse, ob es wohl auch dicht ist und beim zweiten Tauchgang dann mit Kamera. Die Fotos sind schon recht brauchbar, obwohl wir da noch ganz viel Probieren muessen und erst noch alle moeglichen Einstellungen testen muessen. Aber wir haben ja Zeit. Gleich morgen wollen wir wieder zum Tauchen rausfahren.

 

 

Und hier gibt’s noch mehr Fotos aus Flores:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157644577358765/

 

 

Ein Gedanke zu “Abwechslungsreiches Flores

  1. Ich komm mal schnell vorbei !!!! OK????
    Bin ganz neidisch. Super zu lesen und herrliche Fotos. Ihr habt wohl eine neue Unterwasserkamera?
    LG Mama

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