Unterwegs auf der „rauen Piste“

Beate Kammler, eine der ersten deutschen Weltumseglerinnen in den sechziger/ siebziger Jahren, hatte den indischen Ozean in ihrem Buch „Komm, wir segeln um die Welt!“ als die „raue Piste“ bezeichnet. Als seinerzeit Hiscock vor knapp hundert Jahren aus Cocos Keeling losfuhr und in schweres Wetter geriet, drehte er, wie man das damals (und auch heute noch) macht, bei. Als selbst nach einigen Tagen das Wetter nicht besser wurde, musste er feststellen, dass das vorherrschende Wetter wohl der Normalzustand ist und setzte einfach Segel und fuhr weiter. Es scheint sich zum heutigen Wetter also nicht viel geaendert zu haben, diese Geschichte erscheint uns mehr als plausibel.

Sechs Tage sind wir jetzt schon unterwegs. Die angekuendigte Schwachwindzone verschob sich in den Wettervorhersagen immer weiter nach hinten und ist auch jetzt noch, wie schon beim Start, 3-4 Tage in der Zukunft. Unter 6 Bft Wind hatten wir bisher kaum, und die Wellen donnern immer wieder wie Kanonenschlage seitlich an die Bordwand. Gemuetlich ist also anders. Unsere Rollreffgenua hat einen kleinen Riss an einer der Dreifachnaehte. Um sie also zu schonen fahren wir im Moment unsere Sturmfock am Babystag und ab und an das Gross im zweiten Reff.

Und dann treibt auch noch der Klabautermann seinen Schabernack mit uns (vielleicht liegt es aber auch den 3 m Wellen von der Seite). Die Kochtoepfe fallem mal mit, mal ohne Inhalt vom Herd, oft auch hinter den Herd. Unser Kraeutergarten, den wir unter der Sprayhood gut verschnuert hatten, stuerzt sich kopfueber in die Naviecke, die Stuetze vom Windgeneratormast macht sich auch wieder mal selbstaendig und auf die Steuerkette vom Windpilot muss man auch ein Auge haben. Sie neigt dazu, am liebsten nachts, von der Pinne zu springen. Ansonsten tropft es aus allen Luken und Pilzlueftern, wenn wieder einmal Wellen ueber das Vorschiff und den Kajuetaufbau, das Seitendeck oder uebers Heck einsteigen. Es ist wie Skifahren auf der Buckelpiste oder eben Segeln am Indischen Ozean.

Wir lassen uns die Laune aber nicht allzu sehr verderben. Christian kocht fast taeglich etwas Warmes, eine akrobatische Meisterleistung zum Wohl der Crew. Abends wird dann mit den anderen Booten gefunkt, die wir in Cocos Keeling kennengelernt haben und die ebenfalls unterwegs Richtung Suedafrika sind. Da waere die hollaendische „Kind of Blue“, die oesterreichische „Taurus“, die schottische „Nay Hassle“, die norwegische „Snoere Viking“ und die australische „Gratis“. Wir sind also wieder mit einer bunten kleinen Truppe unterwegs. In ein paar Wochen wird uns dann auch noch die amerikanische/canadische „Momo“ folgen, die wir in Bali kennengelernt haben. In Mauritius wird hoffentlich Dieter von der „Orion“ schon auf uns warten. Auch ihn haben wir in Bali kennengelernt.

Ansonsten gibt es grad nicht viel mehr zu berichten. Unsere Positionsreportseite scheint wieder nicht zu funktionieren. Wen es interessiert, bitte unter aprs.fi unter Eingabe unseres Rufzeichens DL3ZFC suchen, oder einfach Yachttrack Live Ticker googeln. Dort sollten wir auch zu finden sein.

Unsere aktuelle Position ist uebrigens: S 14 43.4 und E 84 40.7 Wir haben noch 1.255 Seemeilen bis Rodrigues vor uns.

Ein Gedanke zu “Unterwegs auf der „rauen Piste“

  1. Mein lieber Scholli!!!!!!!
    Was fuer ein Glueck hier ruhig auf dem Stuhl sitzen zu koennen.
    Positionsreport vom 31. 07. war zu lesen.

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