Arbeiten und Geniessen in Rodrigues

Ueber zwei Wochen sind wir nun schon hier. Nach wie vor gefaellt es uns ausgesprochen gut hier. Das Hafenpersonal ist wie immer eine Wucht und hilft mit Rat und Tat. Revanchieren koennen  wir uns kaum. Alle sind hier supergrosszuegig. Lediglich einige generelle Tips zur Installation einer Photovoltaikanlage koennen wir geben. Auch wenn das monatliche Einkommen der Leute nicht an mitteleuropaeisches Niveau heranreicht, am Hungertuch scheint hier niemand zu nagen. Die Lebensqualitaet scheint zu stimmen. Ladenschluss ist hier um 16.00 Uhr. Danach haben noch eine Handvoll Kneipen geoeffnet, das wars.

Vor einiger Zeit wurde auf der Insel ein generelles Plastiktuetenverbot eingefuehrt. Im Supermarkt gibt es keine mehr, nicht einmal mehr gegen „Aufpreis“. Jeder, der mit einer Plastiktragetasche angetroffen wird, muss 500 Rupien, umgerechnet 1,25 EUR Strafe zahlen. Verteilt ein Haendler eine Plastiktuete, so werden bis zu 25 Eur Strafe faellig. Entgegen den ewigen Bedenkentraegern klappt es hier aber ohne „Plastiksackerln“ ganz wunderbar. Die Geschaefte gingen nicht pleite, die Umgewoehnungsphase beschraenkte sich selbst bei uns, die wir ja gerade erst aus dem Plastiktuetenparadies Indonesien kommen, auf wenige Tage. Wenn man erstmal am Markt seine rohen Haehnchenteile oder ein Dutzend Eier in einer null komma nix durchweichten Papiertuete nach Hause balanciert, der lernt ruckizucki dass er das naechste Mal eben Tupperschuesseln, Stofftaschen und Rucksack mit zum Shopping nimmt. Nach nur zwei Tagen hatten wir das dann „drauf“.

Der Unterschied zu Indonesien ist frappierend. War dort der Plastikmuell eigentlich allgegenwaertig, im Meer wie auch an Land, in den Staedten ebenso wie in der freien Natur, fehlt dieser hier eigentlich voellig. Ab und an liegt mal ein Stueck Tauwerk angespuelt am Strand, aber ansonsten ist hier alles schoen Picobello.  Fazit: Es geht locker ohne Plastiktuete. Selbst die Kauftueten in den deutschen Supermaerkten sind komplett unnoetig, im Gegenteil, sie verleiten eher eben keine eigenen Tueten mitzubringen – kostet ja nicht die Welt… Ohne eine entsprechende gesetzliche Regelung wird sich aber nix aendern.

Ansonsten waren wir bisher schon recht fleissig am Bootsbasteln. Unsere Schleifkontakte im Windgenerator waren ‚verbrannt‘, so lieferte der Windgenerator bei einigen Windrichtungen keinen Strom mehr. Keine grosse Sache, kurz den Generatormast legen, aufschrauben, Kontakte putzen und wieder hoch mit dem Moeller – denkste. Nach Zerlegen des Generators und einer kurzen Schmirgel-/ Putzaktion waren die Kontakte dann zwar wieder blank, aber die Pulverbeschichtung des Gehaeuses blaetterte schon ganz gut ab, so bekam der Windy dann noch einen neuen Anstrich verpasst. Beim Zerlegen hatte der Skipper dann leider heldenhaft einen der Sprengringe im Hafen versenkt und Ersatz war leider nicht aufzutreiben, so wurde dann kurzerhand noch ein neuer Ring mittels Feile und Muskelschmalz angefertigt. Nach ungefaehr 5 Tagen Werkstattaufenthalt sitzt der Windy wieder auf seinem angestammten Mast und verrichtet klaglos seine Arbeit.

Weiters wurde die Propellerwellendichtung komplett erneuert. Seitdem wissen wir auch dass man die Dichtungspackung auch im Wasser liegend austauschen kann. Nach nur fuenf Litern Wasser war die neue Packung drin und die Chose wieder dicht. Zuletzt hatten wir um die zwei Liter Wasser pro Tag „gemacht“. Das eingedrungene Wasser wir bei uns zwar in einem Kanister aufgefangen, kommt also nicht mit dem Schiffsrumpf in Kontakt, aber nervig war das staendige Ausleeren des Kanisters schon. Jetzt ist da hoffentlich mal wieder fuer eine Weile Ruhe.

Unser Dinghi hat unten am Kiel ein Plastikrohr, welches schon seit einiger Zeit so langsam vom ewigen Korallensand durchgeschmirgelt war. Coolerweise fand sich nun endlich hier auf der Insel ein entsprechendes PE- Wasserleitungsrohr fuer kleines Geld, welches perfekt passte.  Und nicht zu vergessen die obligatorischen Rostausbesserungsarbeiten auf einem Stahlschiff. Wenn erstmal die Farbe aus den Tiefen der Backskisten herausgekramt sind, geht das mittlerweile auch ganz flott.

Ganz nach dem Motto Zuckerbrot und Peitsche gab es immer wieder eingeschobene Belohnungsausfluege ueber die Insel. Man sieht viel Landwirtschaft, steile Berghaenge und schroffe Schluchten. Man merkt auch dass man sich in hoeheren Breiten befindet. Die bisher ja allgegenwaertigen Kokospalmen werden in Strandnaehe nun von Pinienhainen abgeloest. Man fuehlt sich an Suedfrankreich erinnert.

Ein Besuch in der Schildkroetenaufzuchtstation Parc Francois Leguat http://www.tortoisescavereserve-rodrigues.com/en war ein tolles Erlebnis. Die putzigen, irgendwie uralt wirkenden Tiere waren sehr zutraulich und genossen es richtig am Hals gestreichelt zu werden. Bevor Rodrigues im 16. Jahrhundert von den Portugiesen entdeckt wurde bevoelkerten geschaetzte 200.000 Riesenschildkroeten die Insel. Die Seeleute rotteten die als Frischproviant sehr geschaetzten Tiere dann im Laufe der naechsten Jahrhunderte vollstaendig aus. Seit sieben Jahren versucht man nun in der Zuchtstation Riesenschildkroeten, die urspruenglich von Mauritius und den Seychellen stammen, grosszuziehen. Mit beachtlichem Erfolg. Der Bestand ist auf mittlerweile ueber 2000 Tiere angewachsen. Ausgewildert wird aktuell noch nicht, ultimativ ist aber genau das das Ziel des Parks.

Einmal in der Woche muessen uebrigens alle Boote den Hafen verlassen, um Platz fuer das Versorgungsschiff zu machen, das mit etwas mehr als 100 m Laenge fast die gesamte Hafenmauer zum Anlegen sowie das Hafenbecken zum Manoevrieren benoetigt. Also um 5.00 Uhr aufstehen und ein paar Kreise ausserhalb des Passes fahren, dann darf man wieder zurueck. Es wird uns also auf keinen Fall langweilig.  Im Moment gibt es wettermaessig noch einige Passatstoerungen mit schwachen Winden, die an eine Weiterfahrt noch nicht denken lassen. Nun ja, es gibt Schlimmeres als noch einige Tage hier in Rodrigues zu verbringen.

Und hier geht’s zu den ersten Bildern:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157647000363301/

 

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