Wievel Seekarte braucht der Cruiser?

Die Navigation mit elektronischen Seekarten ist mittlerweile Gang und Gaebe. Ich persönlich kenne kein Cruiserboot, das nicht auf Kartenplotter, Tablet und/oder Laptops setzt. Einige wenige haben noch Seekarten als Backup dabei. Auch wir fuhren, zumindest bis Fiji, mit alten Papierseekarten als redundantes System herum. Danach waren diese aber nur mehr mit riesigem Aufwand und für teures Geld aufzutreiben, so dass wir letzten Endes darauf verzichteten.

In Mikronesien war es dann soweit. Wir kamen frohen Mutes im wunderschönen Atoll Puluwat (also am A…. der Welt) an. Jeweils zwei persoenliche Netbooks fuer die Navigation und sonstige Computerei, und zusaetzlich zwei alte Pentium 3 Schleppies als Ersatz. Eines schoenen Tages ging Christines Laptop nicht mehr, und liess sich auch nicht mehr zum Leben erwecken. Die Ersatzlaptops, die bis dahin friedlich in der Hundekoje geschlummert hatten, waren ebenfalls tot- grummel, ein halbes Jahr zuvor haben sie noch funktioniert. In Windeseile waren wir also von 4 Laptops auf nur noch einen funktionierenden Navigationscomputer runter. Eine halbe Woche spaeter machte dieser Zicken und lud nur noch ab und zu. Na prima. Schnell wurden alle Ansteuerungswegpunkte fuer die naechsten Inseln auf alle verfuegbaren Hand-GPSe uebertragen.

Gluecklicherweise hielt der letzte Laptop dann aber doch durch, drei Inseln und zwei Staaten weiter konnte dann ein Neugeraet als Ersatz angeschafft werden. Mit der Installation von Navigatrix ( http://navigatrix.net/ ), einer Linuxdistribution fuer Segler, hielt sich die Neueinrichtung des Navilaptops dann auch zeitlich im Rahmen.

Das obige Beispiel zeigt recht gut, dass es teilweise auch einmal recht schnell gehen kann mit dem Sterben von elektronischen Geraeten an Bord. Auch Ersatzlaptops sollten regelmäßig (z. B. vierteljaehrlich) ueberprueft werden.

Bis wir einen Ersatzlaptop aufgetrieben hatten, fragten wir uebrigens unter den Mitcruisern nach Papierseekarten zum Kopieren. Ein einziges Boot (von vielleicht sechs oder sieben) hatte noch welche an Bord. So konnten wir wenigstens fuer die Ansteuerung von Palau auf Papierkarten als Backup zurueckgreifen. Auch wenn wie gesagt der letzte Laptop dann doch durchhielt, es war ein sehr gutes Gefuehl noch „ein Ass im Aermel“ zu haben.

Es waere in obiger Situation wirklich von argem Vorteil gewesen, wenn wenigstens ein Uebersegler an Bord gewesen waere. Uebersegler sind Karten, welche ein grosses Gebiet abdecken und üblicherweise zur groben Reiseplanung genutzt werden. Auf langen Ueberfahrten wurde es bei uns an Bord zur schoenen Gewohnheit die Mittagsposition auf einer schoenen Uebersichtskarte einzutragen (so wie man das eigentlich seit Jahrhunderten auf saemtlichen Seeschiffen gemacht hat). Das ergibt dann einen tollen Ueberblick ueber den Reiseverlauf. Seit einem guten Jahr treiben wir uns nun aber in Gebieten herum, in denen es leider kaum Seekartengeschaefte gibt. Lediglich in Bali waere ein solches gewesen, gefunden haben wir es aber nicht.

Seit nun schon einiger Zeit bin ich im Openseamap (OSeaM) Projekt involviert ( http://openseamap.org/ ). Dort geht es darum in Wikipedia-Manier eine freie Seekarte zu erstellen, die dann fuer alle unter einer offenen Lizenz zur Verfuegung gestellt wird. Auch wenn die Openseamapkarte in den meisten Gebieten noch nicht zur Detailnavigation zu gebrauchen ist, gerade die Tiefenangaben fehlen in den Flachwasserbereichen noch voellig, so sind doch gerade Uebersegler aus
den vorhandenen Daten durchaus den kommerziell erhaeltlichen Karten ebenbuertig. Der oesterreichische Programmierer/Segler Bernhard Fischer hat mit dem SMrenderer ( http://www.abenteuerland.at/smrender/ ) ein tolles Programm geschrieben, welches aus den vorhandenen Daten eine Seekarte zeichnet. Mittels der OSeaM Daten, und den gemeinfreien Karten von http://www.naturalearthdata.com/, gelang dann eine tolle Seekarte, die sich meines Erachtens nach sehen lassen kann.

Hier mal ein Beispiel unseres aktuellen Seegebiets:

indianoceanwestmini

Diese Karten koennen von jedem Fahrtgebiet der Welt erzeugt werden. Ich werde hier in Zukunft immer mal wieder neue Karten zum Download einstellen. Sie liegen im pdf Format vor und sind dafuer gedacht im DIN A2 Format ausgedruckt zu werden.

Wichtiger Hinweis:
Es sollten auch auf diesen grossmassstaeblichen Karten alle Hindernisse fuer die Navigation in irgendeiner Form vorhanden sein. Dies ist aktuell sicherlich nicht der Fall und bedarf bestimmt noch zahlreicher Korrekturen.
Hindernisse fuer die Navigation sollten entweder innerhalb der 200 m Linie liegen, als Kuestenlinie, extra Symbol (Fels etc…) dargestellt werden. Falls jemand da Schnitzer findet, so moege er mir diese bitte per Mail mitteilen. Ich werde den Fehler dann so bald als moeglich korrigieren.

Juristischer Kram:
Die Karten sind natuerlich wie ueblich nicht zur Navigation geeignet. Eine Gewaehr irgendeiner Art kann ich nicht geben. Die Karten sind aus Daten vom Openstreetmap Projekt (openstreetmap.org) und von http://www.naturalearthdata.com/. Die Daten von OSM stehen unter der ODbL, die Daten von NED sind gemeinfrei. Die Karte darf frei kopiert und weitergegeben werden (entsprechend der ODbL).

9 Gedanken zu “Wievel Seekarte braucht der Cruiser?

  1. Ich handhabe das so, wie ich es beim SKS, SSS und SHS gelernt habe: Ich habe immer alle Seekarten dabei. Für deutsche Yachten ist das auch so vorgeschrieben. Die Wachen navigieren bei mir immer klassisch. Also mit Seekarte, Koppeln, Sextant und in Küstennähe mit Peilungen. Natürlich haben wir noch einen Kartenplotter und ein Tablet an Bord und ein Hand-GPS habe ich auch noch im Gepäck. Das Tablet ist bereits öfter ausgefallen. Der Kartenplotter dient der Nachkontrolle, aber nicht der Navigation. Ebenso geht bei uns ein Mitglied der jeweiligen Wache Ausguck. AIS ist zwar ein nettes Gimmick, ich halte aber offene Augen für wichtiger.

    Bei der Navigation ausschließlich auf Notebooks zu setzen, die nunmal für den trockenen Landeinsatz und nicht für fecht-nasse, schaukelnde Yachten gebaut wurden halte ich schon für fahrlässig. Und dann noch keine Papierkarten an Bord, das ist nicht nur vorschriftswidrig, sondern einfach einmal schlechte Seemannschaft.

  2. Toller Einsatz für das OSeaM Projekt, da muss mal einer danke für sagen (hab ich jetzt gemacht).
    Zu den kaputten Laptops: Habt ihr etwas zu den Fehler herausgefunden? Liegt es an den Rechnern oder an den Datenträger? War eine Reparatur über Komponententausch nicht möglich? Sieht man etwas, Korrosion z.B.?
    Liebe Grüße aus DL, ihr macht das toll, geniesst eure Zeit.
    Karl

    • Hi Karl, schoen wieder Mal von Dir zu lesen. Bin uebrigens seit Neuseeland mangels Server auf Pactor umgestiegen😦.

      Hast recht. OSM und OSeaM ist toll. Unsere Garmin Hand GPSe laufen schon seit Abfahrt mit OSM Karten. Bisher hatte die Kuestenlinie (im Gegensatz zu allen anderen Kartenanbietern) immer (!) gestimmt.

      Die Laptops hatten wir nicht naeher untersucht. Erstens war ja noch einer einigermassen funktionsfaehig, und zweitens war dort irgendwie eh keine Zeit fuer sowas. Dafuer war die oertliche Kultur und die Menschen einfach zu interessant. Ein Laptop schaffte es noch bis zum Bios, der andere gab keinen Mux von sich. Ich habe die Rechner dann einem philipinischen Computerreparateur in Yap (sowas gibts in diesen Laendern tatsaechlich) als Ersatzteillager ueberlassen. Falls der letzte Computer auch noch den Geist aufgegeben haette, dann haette ich sicherlich mehr Anstrengungen bezueglich der Reparatur gemacht.

      • Dass ihr Pactor fahrt, habe ich mitbekommen. Ich hab PSK-mail ganz gut nutzen können auf dem Atlantik, in der Karibik eher weniger, das liegt aber am Internet, dass man dort eigentlich überall hat. Der Druck, endlich mal auf Pactor umzusteigen, war halt nicht da. Dafür habe ich jetzt anderen Druck, der ist viel mächtiger, ein neues Boot muss her! Wir haben unsere Maia im Frühjahr in der Karibik verkauft, wollten eigentlich wieder auf die Ostsee, zurück zu den Wurzeln (sagen wir mal so, meine XYL war die treibende Kraft, sie ist wohl zum Hochseesegeln nicht geboren). Und nach ein paar Wochen, Monaten der Suche nach einem geeigneten Schiff kam die wundersame 180 Grad Wendung, jetzt wollen wir wieder zurück in die Wärme. Zurück in die Karibik. Ohne Schiff ist Mist.
        Ihr werdet meinen Jubelschrei über fb mitbekommen, wenn es soweit ist.
        Alles Gute, repariert euch mal schön um die Welt,
        vy 73, Karl

  3. wie so oft – Segen u Fluch dicht nebeneinander (bei der Elektronik). Hatte mir seinerzeit für die Biskaya schon einfachste „Pausen“ vom dem 1 noch funzenden Läppi auf Butterbrotpapier abgemalt; dem 2ten Läppi gefiel die Seegfahrt scheints nicht so wirklich. Aber😉 auch immer schön, wenn doch alles funzt😉 LG aus dem Norden
    PS: und unbekannterweise : Herzlich Willkommen dem kl. Erik … in einer hoffentlich noch lange lebenswerten Welt… so von Waage zu Waage
    (…natürlich auch hG an die glücklichen Eltern)

    • Puha, also so mit Butterbrotpapier- das ist schon sehr cool. Wie schon gesagt, wir haben einfach schnell die Routenwegpunkte auf auf alle Hand- GPSe uebertragen. Damit waeren wir dann auch durch die Riffpaesse gekommen.

  4. Hi C&C,
    also das österreichische Gesetz macht es da einfach – eine „amtliche, aktuelle“ Karte in Papierformat muss bei einer Österreichischen Yacht an Bord sein ..
    Ob das immer so sinnvoll ist sei dahin gestellt …. meiner Meinung nach ignoriert diese Gesetzgebung moderne Mittel zur Gänze … die Wahrheit liegt wohl, wie so oft in der Mitte ….

    ansonsten alles OK bei Euch?
    Am Freitag ist unser „Kleiner“ zur Welt gekommen – Erik … wir haben also von A&B auf A,B,D&E ausgebaut ..

    liebe Grüße
    Bernhard

    • Herzlichen Glueckwunsch! Wir freuen uns sehr fuer euch! Und mit dem guten Internet hier koennten wir sogar mehr Fotos von euch empfangen🙂 Bei dem A,B,D&E fehlt jetzt aber schon noch ein/e C?😉

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