La Reunion – magnifique!

Erst mal das Wesentliche. Unsere Rollreffanlage ist wieder voll funktionstüchtig. Das Drucklager war von mir falsch herum montiert worden und so quasi außer Funktion. Mit viel Fett und ohne Belastung ergab das einen seidenweichen Lauf, aber nach einigen Reffvorgaengen auf See rieb dann irgendwann Metall auf Metall und alles war eben super schwergängig. Nachdem das Lager nun wieder richtig herum eingebaut ist passt auch wieder alles (aufholzklopf…).

Wegen diverser negativer Berichte im Internet steckten wir unsere Erwartungen für Le Port – unser jetziger Hafen – nicht allzu hoch. Man bräuchte unbedingt ein eigenes Auto für den Aufenthalt, Einkaufsmoeglichkeiten im Ort wären eher mau und sowieso ist Le Port zum Grossteil ein Industriehafen. Letztendlich bewahrheitete sich keine der Vorhersagen. Gut, der Hafen ist nicht mitten im Stadtzentrum, aber schon nach 2 km Fussmarsch ist man drin, und hat einige Supermärkte, Bäckereien usw. zur Auswahl. Der Busbahnhof befindet sich ebenfalls in gut 2 km Entfernung mit Anbindung an den Rest der Insel. In den Hauptort nach St. Denis sind es so nur 30 Minuten, die Fahrpreise sehr moderat.

Wegen diverser Haiattacken in den letzten Jahren ist Schwimmen auf Reunion aktuell nicht empfehlenswert und auch oft nicht erlaubt. Sogar im Hafenbecken werden regelmäßig Bullen- und Tigerhaie gesehen. Wegen Planschereien im Wasser kommt man üblicherweise aber nicht nach Reunion. Man kommt hierher zum Wandern. Das Inselinnere ist nämlich spektakulär schön.

Die Vulkaninsel Reunion ist geologisch noch recht jung, deshalb fand bisher noch kaum Erosion statt. Mächtige, schroffe Kämme wechseln sich mit tiefen Schluchten ab. Der hoechste Berg der Insel, der Piton des Neiges ist 3070 Meter hoch. Im Inselinneren befinden sich drei riesige kreisrunde Täler, ehemalige Vulkankrater, welche nun beliebte Wanderziele sind. Die ersten Siedler dieser „Cirques“ waren entlaufene Sklaven, die dort in den damals weitgehend unzugänglichen Bergkesseln Zuflucht gesucht haben. Die Nachkommen dieser Sklaven leben noch immer dort und bessern ihre Sozialhilfe, die vom franzoesischen Staat gezahlt wird, dadurch auf, dass sie den heutigen Rucksacktouristen Schlafgelegenheiten in ihren Wellblechhütten anbieten. Abenteuerurlaub mit Jugendherbergsatmosphäre.

Auch wir genossen die wirklich atemberaubenden Ausblicke und wanderten auf der Canalisation des Orangiers, ein spektakulärer Bergpfad mitten in einem Steilhang gelegen, in den Cirque de Mafate. Bis heute gibt es keine Autostrassen in diesem Talkessel. Alles wird zu Fuss oder per Hubschrauber erledigt. Die Bewohner scheinen aus Seglerperspektive super fit zu sein. Wenn man einem auf den Bergpfaden begegnet, so sind sie zumeist joggenderweise mit kleinem Rucksack unterwegs. Gebummelt ist hier keiner. Mit unseren Seglerbeinen konnten wir da nicht einmal ansatzweise mithalten. Trotzdem verbrachten wir drei anstrengende, aber auch wunderschoene Tage im „Mafate“.

Ein weiterer Ausflug ging in den Cirque de Cilaos. Dieser ist mit Autostrassen, welche aber oft recht abenteuerlich verlaufen, erschlossen. Zweimal geht es durch Tunnels, durch welche der Bus nur um Haaresbreite passt. Einmal fiel während der Tunneldurchfahrt ein Stück Decke auf die Fahrbahn – hat ganz schoen gerumst. Oben in Cilaos angekommen bietet sich ebenfalls ein wunderschoenes Panorama. Durch die bessere Verkehrsanbindung gibt es eine deutlich bessere Infrastruktur.  „Normale“ Häuser, Lebensmittelläden, Restaurants, Sportgeschäfte… Man fühlt sich richtig an ein heimatliches Bergdorf erinnert. Uebernachtet haben wir entweder wild (Was in Reunion allerdings erlaubt ist solange es nicht ausdrücklich verboten ist!), oder auf günstigen Zeltplätzen. Für ca. 5-7 Euro pro Nacht bekommt man ein Wasserklosett und eine Dusche (!). Das ist doch mal ein echter Mehrwert. Auch der sparsamsten Seglerseele gehen da die Gegenargumente aus.

Von Cilaos aus bestiegen wir dann den Piton des Neiges. Nach ca. 1700 Hoehenmetern und ca. 6 Stunden waren wir dann am Gipfel. Flugs war das Zelt aufgebaut und nach einem kurzen Nickerchen genosssen wir den Sonnenuntergang auf 3070 Metern. Für Christine war es übrigens der erste Dreitausender – herzlichen Glückwunsch. Am nächsten Morgen wurde es noch im Dunkeln recht geschäftig vor dem Zelt. Etliche Wanderer hatten sich noch zu nachtschlafender Zeit von der letzten Hütte aus aufgemacht, um den Sonnenaufgang zu genießen. An die 50 Trekker fanden sich für das tolle Spektakel ein. Nachdem die Sonne dann etwas hoeher geklettert war, bauten wir schliesslich unser Zelt ab und machten uns auf die Socken. Für den Nachmittag war nämlich Regen angesagt. Pünktlich zur Mittagszeit waren wir dann wieder im Hauptort von Cilaos.

Wir liessen uns ein riesiges, überbackenes Baguette mit Lachs und Käse schmecken. Wir dachten darüber nach, wann wir zuletzt Lachs gegessen hatten (Neuseeland), dass bei den Franzosen sogar das Fast Food Klasse hat, und freuten uns wie Schnitzel dass wir insgesamt, also rauf und runter, nur eine halbe Stunde länger gebraucht hatten, als auf den Wegweisern stand (für Seglerbeine doch gar nicht sooo schäbig). Paradox, rundum zufriedene Segler so weit Weg vom Boot, am Berg – ;).

Parallel zu der ganzen Wanderei gab es natürlich noch eine Menge mehr zu sehen und zu tun. St. Denis wurde von uns erkundet, unser wöchentlicher Cruiser Grilltreff am Strand, welcher sich schon seit Cocos Keeling etabliert hat. Ein Seglerpärchen aus Reunion von der SY Teclena III, Benedicte und Soka, welche wir in Rodrigues kurz getroffen hatten, hat als Heimathafen Le Port und lud uns zu sich nach Hause zum Essen ein. No Brainer. Die Besatzungen von der SY Taurus und der SY Thor liessen sich das natürlich nicht zweimal sagen. In St. Benoit bei den beiden zu Hause angekommen gab es erstmal – typ. franzoesisch – einen ausgiebigen Aperitif mit Sekt und gefüllten chinesischen Teigtaschen. Danach ein Barbecue, das einem Argentinier zur Ehre gereicht hätte. Die beiden hatten sich ein Jahr Auszeit genommen und haben eine Runde im indischen Ozean gedreht. Reunion, Seychellen, Malediven, Thailand, Malaysia, Indonesien und Mauritius. Die beiden hatten ihren Weidereinstieg in die „normale“ Gesellschaft ja erst hinter sich und so war es für uns natürlich sehr interessant, wie sie den Schritt hinter sich gebracht hatten, da er uns ja früher oder später auch bevor steht.

Alles in Allem hatten wir hier auf Reunion mit Aktivitäten vollgepackte zweieinhalb Wochen, die wie im Fluge vergingen. Die ersten tropischen Tiefs machen sich allerdings schon auf den Weg hierher, ein untrügliches Zeichen dass die Zyklonsaison eigentlich schon begonnen hat, und so machen wir uns dann Mal auf die Socken nach Südafrika.

Und hier gibt es noch ein paar mehr Fotos zu sehen:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157649020541130/

Bienvenue à La Réunion!

Nach 7 Wochen auf Mauritius und der Abfahrt der World ARC aus Reunion koennen wir uns nun auch endlich wieder auf den Weg machen und eine Insel weitersegeln. Es geht nach Reunion, 136 Seemeilen entfernt. Wir klarieren am Montag Abend aus und tuempeln erst einmal bei sehr wenig Wind die ersten 35 Seemeilen durch die Nacht.

Am naechsten Tag haben wir dann tollen Segelwind, aber die Rollreffanlage truebt unsere Freude etwas. Haben wir am Vortag und auch am zweiten Tag das Segel noch problemlos ausgerollt, eingerollt, wieder ausgerollt und ein paarmal eingerefft, bleibt am naechsten Tag beim Ausreffen die Rollreffanlage komplett stecken. Weder vor noch zurueck – wir sind ratlos. Mit viel Muskelkraft und der Hilfe einer langen Stange als Hebel rollen wir die Genua erstmal ganz aus. So koennen wir, wenn der Wind wieder staerker wird (so laut Grib-Files vorhergesagt) das Segel leicht bergen. Gesagt, getan. Nach einigen Stunden wird der Wind immer frischer und wir entscheiden uns genau im richtigen Moment die Genua zu bergen und mit der kleinen Stagreiter-Fock sowie dem Gross im 2. Reff weitersegeln. Kurz danach faengt es dann richtig zu blasen an, wieder einmal viel mehr als vorhergesagt. Mit dieser Besegelung aber kein Problem. Nur das Raetsel um die Rollreffanlage bereitet uns eine etwas schlaflose Nacht – und dazu eine 2 bis 3 m hohe Welle aus Sueden. Die meiste Zeit muessen wir mehr am Wind als Halbwind-Kurs segeln. Aber es ist ja zum Glueck nicht weit.

Mittwoch Vormittag kommen dann auch wir in Le Port in Reunion an. Orion, Fellow Traveller und Taurus, die alle erst am Dienstag in der Frueh losgefahren sind, warten schon auf uns und berichten ueber Rekordetmale. Naja. Das naechste Mal haben wir hoffentlich auch wieder eine bessere Ueberfahrt. Am spaeten Nachmittag kommt dann auch die Renata an und so ist unsere Runde wieder komplett.

Zu unserer grossen Ueberraschung treffen wir auch gleich am ersten Tag liebe Bekannte wieder, die wir das letzte Mal vor zwei Jahren in Tonga gesehen haben. Bruce und Jeanne von der Jabula. Die beiden kommen aus Canada/Suedafrika und die Wiedersehensfreude ist gross. Ganz spontan laden Sie uns gleich zu einer Inseltour am naechsten Tag ein – Abfahrt um 5 Uhr in der Frueh! Halbumnebelt zwecks Schlafmangel sagen wir natuerlich zu und das war auch genau die richtige Entscheidung.

Wir kurven mit einem typisch winzigen Mietauto ueber die Insel, die Ausblicke sind spektakulaer – man kann es kaum in Worte fassen. Nach etwa 2 Stunden Fahrt befinden wir uns dann am Ziel des heutigen Tages – dem Vulkan Piton de la Fournaise. Zwar reicht es an dem Tag zeitlich nicht, den Gipfel zu besteigen (unsere Gastgeber sind nicht so die Wanderer und haben einen etwas anderen Zeitplan), aber wir sind trotzdem nachhaltig beeindruckt. Wo man vorher noch neben dicht begruenten Bergen vorbeigefahren ist, trifft man ploetzlich auf eine voellig karge Lavalandschaft, die einen an die Mondoberflaeche denken laesst. Die Wolken befinden sich unter uns, wir wandern auf 2.350 m Seehoehe gemuetlich durch die Gegend und geniessen die kalte klare Luft und das beeindruckende Panorama. Wir werden uns in den naechsten Tagen auch ein Auto mieten und den Vulkankrater aus der Naehe besichtigen. Fuer den ersten Tag nach dieser Ueberfahrt freuen wir uns ueber ein paar Stunden leichten Herumwanderns.

Das Hauptaugenmerk des Tages lag aber dann auf einem ‚lecker Braai‘! Typisch fuer die Suedafrikaner wird ueberall und jederzeit gegrillt (ein gutes Grillen heisst bei ihnen „lecker Braai“, der Begriff kommt aus dem Afrikaans) und so haben auch Bruce und Jeanne den Kofferraum voll mit einem Grillrost, kaltem Bier, Weisswein, Bratwuersten und Broetchen. Neben der Strasse findet man ab und zu Picknickplaetze mit Feuerstelle und so sitzen wir auf ca. 2000 m Seehoehe und geniessen einen sonnigen, aber schoen kuehlen, Nachmittag. Mit von der Partie sind auch drei Spanier, die ebenfalls um die Welt segeln und von Bruce und Jeanne zum Grillen eingeladen wurden.

Abends sind wir dann bei Doug von der SY Fellow Traveller noch zum Sundowner eingeladen und so sind die Unannehmlichkeiten der Ueberfahrt wieder sehr schnell vergessen. Heute werden wir uns mal um die Rollreffanlage kuemmern – hoffentlich ist es nur ein kleiner Schaden, den wir schnell reparieren koennen. Hier rufen naemlich die Berge und wir wollen so schnell wie moeglich wieder raus aus der Marina im Industriegelaende und die kalte Gebirgsluft schnuppern. Falls wir es nicht reparieren koennen, ist es bis Suedafrika auch kein allzu grosses Problem: wir haben zum Glueck noch eine Genua mit Stagreitern fuers zweite Vorstag und zwei Focks in unterschiedlichen Groessen fuer das Babystag. Das ist fuer die Fahrt nach Suedafrika vielleicht auch gar nicht die schlechteste Wahl.

Erste Eindruecke von Reunion: