Erste Eindrücke von Südafrika

OK, viel ist in den letzten knapp 2 Wochen passiert. Nachdem wir die Thor grob auf den Stand von vor dem Knockdown gebracht haben, beschlossen wir ein Auto zu mieten und uns Land und Leute einmal naeher anzusehen.

Zuerst ging es in die Sodwana Bay, das einzige Korallenriff Südafrikas. Da Südafrika so weit südlich liegt, ist es im Rest des Landes zu kalt. Nur dort oben im Norden trauen sich die Korallen hin. Entsprechend viele Tauchunternehmen tummeln sich dort. Gluecklicherweise ist der ganze Riffkomplex sehr gross, sodass es unter Wasser kein Gedraengel gibt. Meist weht der Wind aus nordöstlicher oder aus südlicher Richtung, sodass fast staendig auflandiger Wind herrscht. Getaucht wird von sieben Meter langen Feststoffboden-Dinghis aus. Um unbeschadet durch die Brandung zu kommen wird dem Skipper einiges an Geschick abverlangt, aber natuerlich passiert praktisch nie etwas, die Leute haben ja schließlich jahrelange Erfahrung. Urspruenglich hatten wir geplant nur drei Naechte zu bleiben, aber schon nach dem ersten Tag Tauchen war klar dass wir unseren Aufenthalt in der Sodwana Bay verlängern würden.

In der Tauchbasis „Pisces“ geht es sehr entspannt und locker zu. Wir waren auch die einzigen Touristen dort, alle anderen Kunden waren Einheimische, die seit Jahren immer wieder kommen. Das will etwas heissen. Ueber die anderen Taucher wurden wir auch fast jeden Tag immer wieder zu Ausfluegen und Aehnlichem eingeladen. Gast- und Kontaktfreudig sind die Suedafrikaner jedenfalls. Ziemlich am Anfang ging es z. B. auf einen Huegel, von dem aus man einen wunderschoenen Blick auf einen See hatte. Ein beliebter Aussichtspunkt namens Ngobaseleni, an dem wir dann unseren Sundowner einnahmen. Fast jeden Abend wurde in der Ogwini Lodge, unserer Unterkunft in Sodwana Bay, gemeinsam gegrillt. Grillen heisst in Afrikaans „Braai“ und ist hier so eine Art Volkssport. Bei den hiesigen Fleischpreisen auch kein Wunder. Gegen Ende hin konnten wir Fleisch schon nicht mehr sehen und waren auch heilfroh dass wir zurueck an Bord angekommen wieder einmal eine Gemuesepfanne machen konnten.

Die Silvesterparty haben wir dann mehr oder minder verschlafen. Nach zwei Tauchgaengen am Vormittag ging es erstmal zurueck zur Ogwini Lodge. Alle bekannten Gesichter waren ausgeflogen und so haben wir Abends fuer uns alleine gebraait. Danach haben wir uns dann fuer ein Nickerchen auf das Zimmer zurueckgezogen und sind recht schnell weggebrochen. Um zwoelf Uhr sind wir kurz vom Laerm  aufgewacht, haben uns aber gleich umgedreht und haben weitergeschlafen.

Am naechsten Morgen wurden wir dann gut erholt von unseren neuen Bekannten geweckt. Sie stammen aus Johannisburg und verbringen seit Jahren die Feiertage mit ihren beiden Kindern tauchenderweise in Sodwana Bay. Wir hatten vereinbart den Tag gemeinsam am Sibayasee zu verbringen. Der groesste Suesswassersee Suedafrikas ist nur eine halbe Autostunde von der Lodge entfernt. Auf die Frage nach den Wegverhaeltnissen meinten sie dass wir mit unserem Nissan Micra kein Problem haetten. Bis zum Tor des Nationalparks waere alles Strasse und OK, das kurze Stueck danach koennten wir mit ihnen im X5 mitfahren. Gesagt getan. Komischerweise bogen wir gleich 20 Meter, nachdem wir aus dem Tor der Lodge draussen waren, auf einen Sandweg ab, der uns schnurstracks durch den Wald fuehrte. Uns blieb nicht viel anderes uebrig als ihnen zu folgen. Es kam natürlich wie es kommen musste, sobald die Reifenspuren im Sand etwas tiefer wurden, saß der kleine Nissan auf und wir konnten nur mit vereinten Kraeften den Karren wieder aus dem Dreck ziehen. Eine Verringerung des Reifendrucks brachte erstmal Abhilfe doch natuerlich liess die naechste, noch tiefere Stelle, nicht lange auf sich warten. Lange Rede kurzer Sinn, insgesamt blieben wir auf dem Weg zum See schlappe fuenf Mal (!) stecken. Ab dem dritten Mal war es mit Schieben auch nicht mehr getan, wir mussten uns von vorbeifahrenden Fahrzeugen ein Abschleppseil ausborgen, da wir natuerlich als Mietwagenfahrer keines dabei hatten. Wir wunderten uns doch sehr, was die Suedafrikaner so Strasse nennen. Umgekehrt wunderten sie sich sicherlich, was wir Touristen denn mit einem Micra da mitten im Wald verloren hatten. Nach dem fünften Mal wurde es unseren Voraus- und Hinterherfahrern dann zu bunt, und so wurden wir kurzerhand die letzten 400 Meter zum Parktor geschleppt. Wie geplant stiegen wir dann zu unseren Freunden in den SUV um und legten die letzten Kilometer zum See völlig ereignislos, ja fast gelangweilt 😉 zurück.

Dort verbrachten wir dann einen wunderschönen Tag im kühlen Wasser, wegen der Krokodile und Nilpferde aber nur bis zu den Knien (!?). OK, das hoert sich jetzt schlimmer an als es ist. Es waren genügend Augenpaare da, die permanent das Wasser beobachtet haben. Wirklich zu Gesicht bekommen hat die Biester keiner. Es war ihnen wohl zuviel Trubel. Wieder gab es das südafrikanische Nationalgericht „Potije“, das wir schon einmal bei einer Einladung in Richards Bay verkosten durften – wie schon damals – ein Gedicht. Wie so oft erfuhren wir im Gespraech viel über die juengere Geschichte Suedafrikas, aber auch über die Zeit vor dem Ende der Apartheit. Die Gastfreundschaft die wir von den Urlaubern in Sodwana Bay erfuhren, war jedenfalls überwältigend.

Immer im Hinterkopf hatten wir jedenfalls die Heimfahrt, immerhin mussten wir ja den Weg über die Sandpisten wieder zurück. Letztendlich ging diese aber recht flott von statten. Anders als bei der Hinfahrt regierte nun der Bleifuss, und mit Ach und viel Krach pfluegten wir durch die „Duenen“. Steckengeblieben sind wir dann kein einziges Mal (!), von spritsparender Fahrweise muss man sich im Gelaende wohl verabschieden. Wieder was gelernt…

In die umliegenden Nationalparks sind wir natuerlich auch gefahren. Fuer uns war es das erste Mal dass wir die hiesigen Wildtiere ausserhalb eines Zoos betrachten konnten. Elegante Antilopen, urzeitlich anmutende Rhinozerosse und Schildkroeten, Strausse, grasende Gnus, massive Bueffel, turmhohe Giraffen und meine neuen Lieblingstiere – die Warzenschweine. Loewen sahen wir nur auf einer gefuehrten Tour, bei 250 kg Lebendgewicht und riesigen Reisszaehnen fuehlt man sich aber schon viel wohler, einen Profi dabei zu haben.

So, das war nun die eine Seite der „Urlaubsreise“. Allerdings gab es natuerlich auch noch, wie so oft, eine Kehrseite der Medaille:

Seit Mitte letzten Jahrhunderts bis 1994 herrschte mit dem Apartheitsregime eine rassistische Regierung, die versuchte eine strikte Rassentrennung durchzusetzen. Schwarze sollten als „minderwertige Rasse“ lediglich die niederen Aufgaben ausfuehren. Dementsprechend gab es lediglich sehr eingeschraenkte Zugaenge zu Bildung und Wohlstand. Nichteinmal frei bewegen durften sie sich im eigenen Land. Sie durften z. B. nur in Staedten wohnen, wenn sie bei Weissen angestellt waren, beispielsweise als Haushaltshilfe. Bedenkt man, dass der Anteil der Weissen bei lediglich 9 % der Geamtbevoelkerung liegt, ein absoluter Wahnsinn.

Traurigerweise haben wir festgestellt dass sich auch nach nun schon 20 Jahren kaum etwas geaendert hat. Zwar sind die rassistischen Gesetze verschwunden, aber die Mauern in den Koepfen sind meist noch vollstaendig vorhanden. Wenn man mit Weissen spricht, dann hoert man beispielsweise das abwertende Wort „Kaffer“ noch recht haeufig. Oft wird geklagt, dass die neue schwarze Regierung die Infrastruktur des Landes verlottern lasse.

So gut wie jeder einigermassen gut betuchte Weisse hat immer noch schwarze Hausangestellte zu Hause. Dies ist natuerlich nur moeglich, weil diese sich fuer eine Spottpreis verdingen. Das Lohnniveau zwischen Schwarzen und Weissen ist nach wie vor sehr unterschiedlich. Einer befreundeten Yacht, die im benachbarten Boatyard neues Antfouling strichen und sich in der Hitze drei Tage abrackerten, wurde der „Tipp“ gegeben, sie moegen sich doch fuer 150 Rand pro Tag – das sind ca. 10 Euro – einen  Schwarzen engagieren, der dann die Drecksarbeit fuer sie erledigen koenne. „Niemand der bei klaren Verstandes sei, wuerde in Suedafrika koerperliche Arbeit selbst verrichten“ – gemeint waren natuerlich Weisse.

Wenn wir, wie wir es eben machen, auf der Strasse schwarze Leute freundlich gruessen, meinen diese oft wir wuerden etwas von ihnen wollen und fragen nach. Ob das nun einfach Freundlichkeit ist, oder eine, durch die hiesigen Verhaeltnisse, lang antrainierte „Unterwuerfigkeitsbezeugung“ koennen wir nicht sagen. Weisse jedenfalls gruessen jedenfalls niemals mit einem „Yes Ma’am/ Sir?“ zurueck.

Wegen der krassen Unterschiede zwischen Arm und Reich ist leider das Kriminalitaetsniveau entsprechend hoch. Aus Angst vor Ueberfaellen geht beispielsweise kaum ein Weisser nachts zu Fuss. Selbst die Kneipe, die weniger als 100 Meter von unserer Lodge entfernt war, gerade mal auf der anderen Strassenseite, wird nur mit dem eigenen PKW besucht. Um die Grundstuecke der Haeuser, bzw. gleich um ganze Wohngebiete, werden hohe Mauern errichtet. Wahlweise oben mit Glassplittern, Stacheldraht oder Elektrozaun (!). Dahinter fuehlt man sich dann schoen sicher und geborgen. Das Ganze kann man leider nicht als Paranoia abtun. Bekannte wurden zwei Tage nachdem wir dort waren, auf Ngobaseleni, also genau unserem Sundownerhuegel, mit vorgehaltener Pistole ausgeraubt. Gluecklicherweise kam niemand zu Schaden. Man muss also schon echt vorsichtig unterwegs sein, auch wenn einem das als Europaer surreal vorkommt.

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Das war also ein Bericht der letzten eineinhalb Wochen. Er schildert unsere ersten persönlichen Eindrücke von diesem Land und  seinen Leuten. Wir hoffen, dass wir aber noch andere Sichtweisen erfahren werden und mehr darueber berichten koennen.

Und hier geht es zum Fotoalbum von unserem „Urlaub“:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157649752076539/

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3 Antworten auf “Erste Eindrücke von Südafrika”

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