Afrika pur

Nachdem wir nun doch schon laenger nichts mehr geschrieben haben, gibt es endlich den langersehnten Bericht der letzten drei Wochen.

Die Reparaturarbeiten auf der Thor sind seit zwei Tagen abgeschlossen, das Wetter hat uns auch hier in Suedafrika immer wieder einmal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sobald man einen Pinsel ausgepackt hat, fing es an zu regnen. Aber jetzt ist soweit alles erledigt, sodass wir beim naechtsbesten Wetterfenster weiterfahren koennen. Wir haben das Deckshaus repariert, Roststellen ausgebessert, die Halterung fuer unsere Kanister und die Rettungsinsel neu gebaut, das Wasserstag erneuert, die vom Segelmacher in Mauritius „reparierte“ Genua noch einmal nachgebessert und tatsaechlich alle Holzteile an Deck neu lackiert. Daneben noch viele Kleinigkeiten, die immer wieder mal auf einem Boot anfallen. Langeweile kam jedenfalls nicht auf!

Dass die beruechtigten Suedweststuerme auch in der Marina kein Spass sind, erfuhren wir am eigenen Leib vor ca. zwei Wochen. Die Schwimmstege sind lediglich mit Ketten am Hafengrund verankert. Dementsprechend locker sind diese bei Niedrigwasser. Bei den in Boeen 45 Knoten Wind schoben sich die Stegelemente zieharmonikaartig zusammen. Eine Seite eines Stegelement wurde zwei Meter in die Hoehe gehoben, das andere Ende lag dementsprechen tief unter der Wasserlinie. Die Boote in der Naehe der Knickstelle waren natuerlich in helle Aufregung versetzt. Es wurden schon vereinzelt Leinen quer ueber den Hafen gespannt um ggf. ein Abdriften der gesamten Steganlage zu verhindern. Letztendlich kam es gluecklicherweise nicht dazu. Wir waren dennoch bis lange in die Nacht wach und haben der Dinge geharrt, die dann doch nicht kamen. Am Morgen war der ganze Spuk vorbei und alle beruhigten sich wieder. Ein Foto der defekten Steganlage hatte es sogar in die lokale Tageszeitung geschafft.

An Land koennen wir so nicht mehr...

An Land koennen wir so nicht mehr…

Um nicht ganz dem Hafenkoller zu erliegen und die Regenpausen zwischen den Bastelarbeiten sinnvoll zu nutzen, mieteten wir uns nochmal ein Auto und fuhren einige Male in die Wildparks. Mit unseren Freunden von der SY Renata ging es fuer zwei Tage in den Hluhluwe/ Imfolozi Park. Dort sichteten wir dann in zwei Tagen u. A. massenhaft Elefanten, Giraffen, Loewen, Rhinozerosse, Paviane und natuerlich Antilopen.

Uebernachtet haben wir im Mpila Camp mitten im Wildpark wo es natuerlich rings um die Huetten keinen Zaun gibt. Lediglich gegen die Elefanten wurde ein Elektrozaun gespannt, da diese schon immer eine Spur der Verwuestung ziehen, wo immer man sie auch findet. Alle anderen Tiere haben freien Zugang zum Camp. Typischerweise haben wir natuerlich abends den Grill angeschmissen und wurden gluecklicherweise von unseren Nachbarn darauf aufmerksam gemacht, dass sich eine ziemlich grosse Hyaene herumtreibt, die es auf unser Grillfleisch abgesehen hat. Mit ihrer starken Taschenlampe konnten sie uns das Tier auch gleich zeigen und schon war es mit dem gemuetlichen Grillen vorbei. In der Vergangenheit war sie wohl schon mehrfach erfolgreich und hatte das Fleisch vom Grill stibitzt. Hyaenen sind starke Raubtiere, die auch mal eben locker Nashornknochen durchbeissen koennen. Dementsprechend schnell wollten wir den Schwanz einziehen und in der Kueche in der Pfanne braten. „Och, das waere aber kein Problem“ meinte da unser Nachbar, „man muesse nur dicht zusammenstehen und Laerm machen. Vier Erwachsene auf einmal wuerden sie nicht angreifen.“ Gesagt getan. Ich wurde zum Topfschlagen abkommandiert und die Maedels suchten das Gebuesch mit den Taschenlampen ab. Sobald das Fleisch gar war, verkruemelten wir uns dann nach drinnen. Terassentuer zu und aufatmen. Puha. Vom Esszimmer aus beobachteten wir dann 5 Minuten spaeter, wie die Hyaene um den leeren Grill herumschlich und sogar ihre Nase in unsere leeren Kaffetassen auf dem Terassentisch steckte. Ganz schoen gross das Tier. Auch war sie aus der Naehe betrachtet sogar ausgesprochen huebsch – zumindest fuer eine Hyaene.

Neben den Nationalparks besuchten wir eine Aufzuchtstation fuer Wildkatzen. Die Caracals, Servals, die afrikanische Wildkatze und ein Paerchen Geparden werden dort z. T. verletzt, oder einfach so abgegeben und dann von den Angestellten wieder hochgepaeppelt. Ist mal ein bisschen spannender als die Tierheime zu Hause. Der Fuehrer hatte jedenfalls viele informative Geschichten ueber die Tiere auf Lager und so wurde es ein sehr lohnenswerter Besuch, auch wenn die „Fliessbandstreichelei“ der Geparden, sie nannten es dort „animal interaction“, etwas gekuenstelt wirkte. Alle diese Katzen werden durch die Zurueckdraengung ihres Lebensraumes immer mehr dezimiert. Letztendlich ist dies ueber kurz oder lang das Schicksal fuer so gut wie alle afrikanischen Wildtiere. Ein Ueberleben ausserhalb der Nationalparks ist fuer sie aktuell nicht moeglich.

Auf einer Bootstour auf dem St. Lucia Muendungsgebiet konnten wir dann viele Nilpferde und Krokodile beobachten. Die Nilpferde sind in Afrika die mit Abstand gefaehrlichsten Tiere und fuer die meisten Toten verantwortlich. Sie sind entgegen ihres eher behaebigen und, wie ich finde, drolligen Aussehens sehr aggressiv. Wehe dem, der zwischen ein Nilpferd und dem Fluchtweg zum Wasser kommt. Wir waren jedenfalls recht froh diesen bis zu 4,5 Tonnen (!) schweren Tieren nur von Bord des Ausflugsbootes aus zu begegnen.

Einige Tage drauf ging es dann gemeinsam mit Susi und Ingolf von der „Aspasia 2“ in den iSimangaliso Wetland Park und zuletzt nochmal in den Imfolozi. Dort entdeckten wir dann als kroenenden Abschluss unserer Fotosafaris einen Leoparden im Unterholz und ein Rudel afrikanischer Wildhunde, die gerade eine Nyalaantilope gestellt hatten. Gluecklicherweise stand die voellig erschoepfte Antilope aber mit dem Ruecken zum Zaun, konnte sich so ihrer Widersacher erwehren und ist letztendlich entkommen. Leider verfing sich einer der arg vom Aussterben bedrohten Hunde im Drahtzaun. Ich hoffe die Parkranger haben den armen Burschen aus seiner misslichen Lage befreien koennen.

Dann wuerde es da noch die Geschichte mit dem einen Elefanten, den wir erschreckt haben und den Nashoernern am Klo geben, aber das wuerde jetzt den Rahmen sprengen.

Dass die Sicherheitslage hier in Suedafrika uebrigens nicht zu unterschaetzen ist, haben unsere Freunde von der „Taurus“ und von der „Aspasia 2“ hautnah erleben muessen. Sie waren auch zwei Wochen mit dem Mietauto unterwegs und wurden prompt in der Naehe des Krueger Nationalparks ausgeraubt. Nachts hatte man offenbar Betaeubungsgas in die Schlafraeume eingeleitet und dann in aller Seelenruhe saemtliche Sachen mitgenommen. Koerperliche Schaeden sind zum Glueck nicht entstanden. Ihnen blieb lediglich eine Garnitur Waesche, sowie die angebrochenen Essenssachen aus dem Kuehlschrank, die Reisedokumente und Kreditkarten. Die Gentlemen bitten zur Kasse. Die Polizei meinte nur, dass sie froh sein koennen, noch am Leben zu sein. Hm…..

Schoen langsam wollen wir also alle weiter, aber das Wetter sieht nicht allzu gut aus. Das perfekte Wetterfenster vor 10 Tagen haben wir verpasst, weil wir noch nicht alles fertig hatten und auch noch das Auto fuer eine Woche gemietet hatten. Seitdem haben wir fast konstant Suedwind, den wir auf der Strecke nach Kapstadt schon mal ueberhaupt nicht brauchen koennen. Morgen ist mal Flaute und dann kurz Nordwind – vielleicht schaffen wir es bis Durban, 90 sm entfernt.

Darueber hinaus ist seit einer Woche unser Kuehlschrank kaputt. Da hat sich aber zur Abwechslung Mal ein Kuehlschrankprofi drum gekuemmert. Die Diagnose ist aber alles andere als rosig. Wird wohl ein neuer Kompressor samt Steuerungseinheit hermuessen. Die Lieferzeiten hier nach Richards Bay sind katastrophal und so werden wir wohl erst in Durban oder Kapstadt wieder einen Kuehlschrank haben. Bei den heutigen Temperaturen von gerade mal 20 Grad aber auszuhalten.

Mehr Fotos gibt es hier zu sehen:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157650600846122/

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6 Gedanken zu “Afrika pur

  1. Hello travellers. What incredible experiences with the wild life of SA, photos are wonderful. Thor looks pretty smart all repainted etc. I hope the good weather comes soon. You have missed a great summer in Auckland!!!xxxsue

    • Hi Sue, yes the summers in Auckland were great. We have good memories about them (thanks to you all). Fortunately, after quite some work, Thor is shipshape again and ready for the Atlantic, I hope. All the best to you and all of the Alexanders.

    • Schoen von euch zu hoeren. Kann euch leider nicht sagen wie es hier in den Steinbruechen aussieht. Wir sind noch mit den lebenden Tieren vollauf beschaeftigt. Auch im Alltag kommt einem noch genuegend ungewoehnliches Tierzeugs unter. Es ist durchaus ueblich das Mal ein Aeffchen ueber den Parkplatz huscht, oder sich Schlangen im hohen Gras aufhalten. Einfach Mal ne Abkuerzung ueber eine Wiese nehmen ist also nicht drin.

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