Zwei Wochen in Kapstadt

Wir sind zwar seit 5 Tagen schon wieder weg aus Kapstadt, aber erst jetzt haben wir Zeit über unseren Aufenthalt dort etwas zu berichten. Wir hatten eigentlich kaum Zeit, die ganzen Sehenswürdigkeiten abzuklappern, da doch noch Einiges am Boot zu tun war.

Unsere kaputten Segel wurden gleich am nächsten Tag der Ankunft vom Ullmann Sails, dem hiesigen Segelmacher, abgeholt. Er würde es mit Ach und Krach schaffen, die Reparatur in seinen engen Terminplan reinzuquetschen. Nach zwei Wochen kamen dann auch prompt unsere Segel wieder zurück. Gerade Mal das Mindestmaß an Arbeitsleistung wurde erfüllt. Eigentlich dachten wir dass wenn wir unsere dreifach genähten Segel zum Nachnähen in die Reparatur geben, die Segel auch dreifach nachgenäht zurückkommen, aber da war der Segelmacher wohl anderer Meinung. Eine lumpige Naht wurde drübergenäht und so unsere Zeitknappheit bezüglich des Visums schamlos ausgenutzt. Reklamieren können wir ja nicht mehr. Sei’s drum, bis nach Hause wird es wohl jetzt halten. Das nächste Mal würden wir wohl unsere Segel zur örtlichen North Sails Filiale bringen.

Nach den vielen Motorstunden seit Richards Bay standen wieder einmal Motoröl- und Getriebeölwechsel an. Außerdem waren einige kleinere Reparaturen fällig, nachdem unser Liegeplatznachbar beim Einparken in die Thor reingefahren war. Der Havarist hatte sich übrigens richtig Klasse verhalten. Zwar waren keine großen Sachwerte zu Bruch gegangen, aber Einiges an Arbeitszeit kostete es eben doch, bis alles wieder heile war. Als Wiedergutmachung gab es dann ein fürstliches Mitbringsel aus der Stadt. Es gibt also auch noch anständige Leute.

Unser Bilge füllte sich zudem regelmäßig mit Schwitzwasser, da einfach die Wassertemperatur im Vergleich zur Außentemperatur so niedrig war. Zum Glück hatten wir das Gleiche schon einmal in Spanien erlebt und so verursachte die ungewohnt nasse Bilge wenig Aufregung bei uns.

Die Jagd nach Ersatzteilen für unseren Autopiloten dauerte ein paar Tage und war letztlich erfolglos. Bei uns verschleißt regelmäßig ein Zahnriemen, den es leider in Kapstadt nicht lagernd gab und der Versand über einen Kurierdienst hätte um ein Vielfaches mehr gekostet, als der Zahnriemen selbst. Nun gut, wir hoffen ja, dass mit dem Motoren jetzt wieder Schluss ist und wir wieder mehr Segeln können. Die Flauten in den Doldrums haben wir schon immer ausgesessen, das wird sich jetzt auch bei der letzten Äquatorüberquerung nicht mehr ändern.

Von einem befreundeten Boot konnten wir dann eine zwar gebrauchte aber noch ganz gut erhaltene AGM-Starterbatterie abstauben, die noch um Einiges besser in Schuss ist, als unsere alte Motorbatterie. Auch die Suche nach einem neuen Herdbrenner für unseren Gasherd führte leider ins Nichts. Die Brenner aus Aluguss haben mittlerweile Risse bekommen und es wäre schon gut, sie zu ersetzen. Aber wo gibt es Optimus Herdbrenner abgesehen von Skandinavien zum Nachkaufen? Oder gibt es die überhaupt noch? Da wird wohl zurück in Deutschland ein neuer Herd für die Thor fällig werden. Das hätten wir am besten schon bei der Abfahrt vor 4 Jahren machen sollen, aber das stand halt nie ganz oben auf der Liste.

Seit Richards Bay sind wir nun schon ohne Kühlschrank unterwegs. Eigentlich wollten wir uns in Kapstadt einen neuen Kühlschrank leisten, aber die Preise inkl. Einbau überstiegen dann doch ein erträgliches Maß und so werden wir den Atlantik wohl ohne Kühlung überqueren. Hier ist es noch kein Problem, die Temperaturen sind empfindlich kühl und auch zurück im Norden Europas wird das mit der Kühlung nicht so wichtig sein. Ich denke mal, dass wir auch für dieses Problem dann erst in Deutschland eine Lösung suchen werden.

Man hat irgendwie das Gefühl das man auf Weltumsegelung im Besonderen die örtlichen Baumärkte und die Eisenwarenhandlungen erkundet. Ist auch eine Art Land und Leute kennen zu lernen.

Das Kurzwellenfunkgerät haben wir noch einmal überprüft, im Prinzip sollte damit alles in Ordnung sein. Wir konnten zwar keine Daten übertragen, da war wohl der Tafelberg im Weg, aber im Prinzip waren wir mit der Station in Südafrika verbunden. Leider waren in der Marina die Bedingungen einfach nicht ideal, das zu testen. Neben all diesen vielzähligen Arbeiten mussten auch die Lebensmittelvorräte für die große Atlantiküberquerung aufgestockt werden. Bis zu den Azoren haben wir ca. 5.500 Seemeilen vor uns, noch ein langer Weg.

Dazwischen lag Christian 4 Tage mit Grippe im Bett.

Irgendwie muss man sich da nicht wundern, wo die Zeit hin verschwindet.

Kapstadt selbst ist eigentlich eine sehr schöne, fast europäisch anmutende, Stadt. Ein piekfeines Bussystem macht das Herumfahren einfach und günstig. Alles ein bisschen touristisch, man hört Deutsch an fast jeder Ecke, aber nach zwei Monaten Kwazulu-Natal ist auch das für uns eine nette Abwechslung. Die erste Leberkässemmel seit zwei Jahren, aus der Royal Bavarian Bakery, schmeckt wie daheim, ebenso die Butterbreze. Bei einem Ausflug auf den Tafelberg hat man einen tollen Ausblick auf die Stadt und das bergige Hinterland. Wegen Christians angeschlagener Gesundheit nahmen wir allerdings die Seilbahn.

Auch Robben Island wurde von uns besucht. Auf dieser Gefängnisinsel war Nelson Mandela für 18 Jahre interniert. Heute ist die gesamte Insel ein Museum. Ehemalige Häftlinge führen einen durch den Gefängniskomplex und berichten über die teilweise menschenunwürdigen Haftbedingungen wie z. B. tägliche Zwangsarbeit im Steinbruch. Gruselig, was das Apartheidsregime so alles angestellt hat.

Da die Südafrikanischen Weingüter gleich ums Eck sind, sind wir auch einen Tag auf eine Weinprobentour gefahren. Nicht verwunderlich sind die irre guten Bewertungen des Veranstalters auf Tripadvisor. Gib einer Meute von jungen Erwachsenen über den Tag verteilt lecker Weinchen in kleinen Dosen – was kann da schon schiefgehen. Eine wunderschöne Landschaft und der Besuch von fünf Weingütern in Paarl und Stellenbosch sprachen aber für sich selbst und wir genossen den Sonntag am Land.

Unsere Zeit in Südafrika ist nun fast vorbei. Die Thor ist für den Atlantik vorbereitet und wir haben uns jetzt erstmal 100 Meilen nach Norden verholt. In der kleinen Marina von Port Owen besuchen wir unsere Freunde Jeannie und Bruce, die vor einigen Monaten hier ihre zweite Weltumsegelung beendet haben. Die Einfahrt in die Flussmündung des Berg Riviers war etwas haarig. Über lange Strecken hatten wir lediglich um die 40 cm Wasser unter dem Kiel und ein kurzes Stück mussten wir sogar durch etwas Schlamm pflügen – bei Hochwasser wohlgemerkt. Der Nervenkitzel hatte sich aber doch ausgezahlt. Ein ruhiges, etwas verschlafenes Städtchen mit einer tollen Landschaft. Lila Salzwiesen so weit das Auge reicht. Die örtliche Vogelwelt besteht aus Reihern, Ibisen, Perlhühnern, Pelikanen und Flamingos. Wunderschöne Spaziergänge und Entspannung vor der nächsten großen Passage.

Hier geht es nach langer Zeit wieder einmal zu einem Fotoalbum:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157651033096798/

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Und hier noch ein paar Fotos aus Mossel Bay:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157650993571618/

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2 Gedanken zu “Zwei Wochen in Kapstadt

  1. 5500 Seemeilen vor euch, wollt ihr durchsegeln bis zu den Azoren? Wir drücken die Daumen, damit euch beste Windverhältnisse begleiten! Lieben Gruß! Wir freuen uns, euch wiederzusehen!!! Julia&Stefan&Annika&Julita

    • Hallo Röde Orms!
      Nein, wir werden nicht durchsegeln. St. Helena und Ascension werden so die Zwischenstationen sein, aber da kann man kaum was einkaufen. Also lieber hier in Südafrika vollbunkern🙂 Wir freuen uns auch schon auf euch!!! Bis bald, C&C

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