Abschied von Afrika

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nahmen wir Abschied vom südlichen Afrika. Wir verlebten insgesamt vier wirklich spannende Monate dort. Kaum eine Gegend hat uns so sehr beeindruckt wie Südafrika und Namibia.

Zuerst war da Südafrika. Ein von der Geschichte gebeuteltes Land mit vielen – durchaus hausgemachten – Problemen. Das Land leidet weder an Überbevölkerung, noch mangelndem Reichtum. Platz ist da in Hülle und Fülle, Bodenschätze gibt es ohne Ende. Die Landschaften, Flora und Fauna sind eine Augenweide.

Trotzdem lebt ein Großteil der Bevölkerung in bitterer Armut. Von dem Reichtum des Landes bekommen sie nichts ab. Einmal kam in der Tuzi Gazi Marina in Richards Bay der schwarze „Boatcleaner“ auf uns zu. Er verdingte sich dort als Tagelöhner. Für 10 Euro pro Tag wienert er einem das Boot blank. Angestellte in der Landwirtschaft verdienen noch deutlich weniger. Für das gleiche Geld bekommt man in einem normalen südafrikanischen Restaurant ein Wiener Schnitzel mit ein, zwei Bierchen.

Er fragte, ob wir ihm nicht unsere drei T- Shirts geben könnten, die wir als UV- Schutz über unsere Wasserkanister gezogen hatten und die bei uns seit über einem Jahr an Deck gefahren wurden. Mittlerweile waren diese völlig verschlissen und mit zahlreichen Chlorbleichespritzern völlig verfärbt. Er meinte er würde die T- Shirts gerne noch tragen. Diese Lumpen überhaupt noch als Kleidungsstücke anzusehen, wäre uns niemals in den Sinn gekommen.

Im Vergleich dazu verdient ein weisser südafrikanischer Handwerker so die üblichen 25 Euro – pro Stunde wohlgemerkt.

Die Apartheid ist auch nach 20 Jahren noch überall spürbar. Die sozialen Spannungen führen zu einem unheimlichen Anstieg der Kriminalitätsrate – gerade auch bei Gewaltverbrechen. Der einzige Ausweg wäre eine gerechtere Verteilung des Wohlstandes. Aber da gerade die schwarze Bevölkerung nur eine geringe bis überhaupt keine Schulbildung geniesst, wird sich am derzeitigen Zustand kaum etwas ändern. Der offensichtlich sehr korrupten Regierung kommt der derzeitige Zustand sehr zu pass. Ungebildete Bürger lassen sich nun mal leichter verarschen als Gebildete, gegen die Kriminellen kann man sich ja Privatfestungen bauen (googlet mal „Zuma mansion“).

Die Zukunftsaussichten für das Land sind düster, wir hatten eigentlich ständig das Gefühl, in einem Pulverfass zu sitzen, das bald hochgehen wird.

Vereinzelt gibt es Lichtblicke. Hier und da sieht man Leute, die sich in die noch dünne Mittelschicht hochgearbeitet haben, auch bei einigen wenigen Weissen bemerkt man ein Umdenken. Anscheinend brauchen diese Veränderungen mehr Zeit als wir uns vor der Ankunft vorgestellt hatten. Es scheint als wäre man selbst nach 20 Jahren nach dem Ende der Apartheid erst am Anfang des Weges. Ich hoffe mal, dass die stellenweisen Entwicklungen zum Positiven irgendwann die zum Negativen aufholen werden.

Zu Namibia können wir im Vergleich nur recht wenig berichten, waren wir doch nur drei Wochen im Land und hauptsächlich in dem recht abgeschiedenen, etwas verschlafenenen Nest Lüderitz. Da will und kann man sich einfach kein Urteil erlauben.

Aktuell befinden wir uns auf halber Strecke nach St. Helena. Eine Insel direkt auf dem mittelatlantischen Rücken. Die Überfahrt verlief bisher sehr ruhig und komfortabel. Man merkt dass wir wieder in die Passatwindzone kommen. Keine Tiefs mehr, die ständig durchziehen und zweimal die Woche neues Wetter bringen. Die atmosphärischen Bedingungen werden im Wesentlichen vom südatlantischen Hoch bestimmt. Das ist das südliche Pendant zum Azorenhoch. Hoffen wir einmal dass das Wetter erst mal so bleibt.

Zu Zeiten der Windjammer war St. Helena ein beliebter Zwischenstopp um Frischwasser und Vorräte aufzunehmen. Heute, im Zeitalter der Containerschiffe mit Schwerölantrieb, hat es arg von seiner ursprünglichen Bedeutung eingebüßt. Wir werden berichten.

Autor: Christian

508 sm bis St. Helena

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3 Wochen in Namibia

Nachdem wir schweren Herzens von Jeannie und Bruce in Port Owen Abschied genommen haben, ging es mit 10 bis 20 Knoten Südwind nach Norden. Traumsegeln. Wegen der kalten Meeresströmung hier waren wir eigentlich den ganzen Tag am heißen Tee trinken. Sockenzeit. Durch die Kälte kam auch immer wieder einmal dichter Nebel auf. Unser AIS zeigt uns zwar die großen Pötte sehr zuverlässig an, aber man kann sich nicht darauf verlassen dass auch der kleine afrikanische Fischkutter, der in Küstennähe operiert, AIS Signale aussendet. Somit ist bei Nebel immer peinlich genaues Wachegehen angesagt. Gruselig, wenn sich dann ein Schiff aus dem Nebel schält. Plötzlich ist es dann da. Letztendlich ging alles glatt. Wir fuhren mit einer Nebelbank direkt hinter uns nach Lüderitz ein. Großes Hallo. Dieter von der Orion war schon da und half uns eine Mooringboje aufzunehmen, auch die Taurus und die Green Coral entdeckten wir im Hafenbecken an Moorings vertäut. Kurz nachdem wir fest waren, holte uns der Nebel ein – Erbsensuppe. Puha.

Namibia war vor ungefähr hundert Jahren eine deutsche Kolonie. Dementsprechend gibt es noch Einiges an Spuren aus der damaligen Zeit zu entdecken. Am augenfälligsten ist wohl die Architektur. Eine Jugendstilvilla in der namibianischen Wüste? In Lüderitz gibt es die dutzendweise. Im Ort finden sich einige Eisenwarenhandlungen, ein kleiner Baumarkt, zwei Supermärkte und einige Kneipen. Lüderitz Safari und Tours fungiert als Touristeninformation und berät einen bezüglich der örtlichen Sehenswürdigkeiten. Prima. Am Nachmittag macht ein kleines, aber sehr sehenswertes Museum auf. An der Felsenkirche wurde dann unsere kleine Knipskamera gestohlen. Ein junger Bursche riss sie Christine einfach aus der Hand und war Ratz Fatz über alle Berge. Wir fuhren dann noch eine geschlagene Stunde mit der Polizei durch den Ort, aber natürlich blieb der Dieb verschwunden.

Einige Kilometer von Lüderitz entfernt befindet sich die heutige Geisterstadt Kolmannskuppe. Entstanden durch große Diamantfunde in der Umgebung, die anfangs so zahlreich waren, dass man die Steine nur vom Sandboden aufheben brauchte. Im darauffolgenden Diamantenfieber wurden einige Leute sehr schnell sehr reich. Nahe der Diamantenvorkommen entstand mitten in der Wüste, ohne lokale Wasservorkommen oder sonstige Infrastruktur eine kleine Stadt, mit Bimmelbahn, Eismaschine, Metzgerei, Bäckerei, Salzwasserpool, Casino, Hospital und Luxusvillen. Als eine der ersten Städte weltweit gab es dort eine Stromversorgung. Auch das erste Röntgengerät der südlichen Hemisphäre war in Kolmannskuppe in Betrieb. Wegen dem Hügel auf dem sie stand wurde sie Kolmannskuppe genannt. Nur wenige Jahre nach der Gründung waren allerdings die Diamantenvorkommen erschöpft, die Grabungen fanden weiter südlich statt. Kolmanskop verwaiste wieder und ist heute die Touristenattraktion in der Umgebung von Lüderitz.

Zusammen mit Dieter von der SY Orion mieteten wir uns ein Auto um eine Woche lang das Land zu entdecken. Endlos scheinende Wüstenlandschaften, viel freilaufendes Wild und tolle Felsformationen waren die Reise allemal wert. Wir bedauerten eigentlich nur, dass wir nicht mehr Zeit für dieses schöne Land hatten. Bilder sagen hier mehr als tausend Worte, deshalb hier mal eine kleine Galerie.

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157652029222831/

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Übrigens ist es in Lüderitz so kalt, dass wir abends mit Wärmflasche zu Bett gehen (der Dieselofen streikt – ein Projekt für Kiel). Das noch lauwarme Wasser der Wärmflasche wird dann morgens zum Duschen benutzt. Die Temperaturen erreichen gerade mal 13 Grad, im Inneren des Bootes ist es eher kälter. Am Montag geht es wahrscheinlich los Richtung Azoren!

Am Montag geht es wahrscheinlich los Richtung Azoren!