Tag 10: St. Helena – Azoren

Nachdem eine Überfahrt im Passatgürtel nicht soooo wahnsinnig abwechslungsreich ist, was das Seglerische angeht, vertreiben wir uns die Zeit z. B. mit bloggen. Was haben die Leute nur früher ohne E-mail gemacht?

Ein typischer Tagesablauf während einer langen Überfahrt sieht bei uns ungefähr so aus:
Um sechs Uhr weckt einen die beste Ehefrau von allen auf. Sie hat seit ca. ein Uhr nachts Wache und will wieder schlafen gehen. Klar. Wir wechseln die Kojen. Im Salon wartet Lesestoff. Alle halbe Stunde ein Rundumblick. Falls Schiffe zu sehen sind, entsprechend kürzere Intervalle. Dabei wird immer ein Blick auf das GPS und AIS geworfen. Stimmen Kurs und Geschwindigkeit noch oder gab es einen Winddreher, gibt es Squalls am Horizont, muss man reffen? Falls ja, dann werden die entsprechenden Maßnahmen ergriffen.

Nach dem ersten Mal Ausguck gehen, meist ist ja nix, gibt es erstmal eine Tasse Instant Kaffee im Isobecher mit Deckel. Für richtigen Kaffee ist unsere Kaffeekanne zu wenig standfest. Eigentlich ist es mit Deckel viel zu heiß, aber wenn die Tasse rumkullert, dann läuft nicht sofort der ganze Kaffee aus (aus Fehlern wird man…). Hm, so langsam dämmert der Morgen, meist sind gerade dann die besten Funkbedingungen. Also kurz den Rechner hochgefahren und e-mails checken. Je nach Ausbreitungsbedingungen und Mailaufkommen dauert das so 10 Minuten bis eine halbe Stunde. Gleichzeitig wird der aktuelle Grib-File runtergeladen. Wieder Rundumblick. Der erste Hunger nagt, Frühstueck. Mal ein Käsebrot, mal eine Eierspeise; wenn Christine grade kein Brot gebacken hat, dann auch gerne nur Müsli. Gibt es ein warmes Frühstueck, dann kommt Christine nochmal raus und isst mit.

Zeit für die Funkrunde. Mit den Segelkollegen von der Aspasia 2 und der Green Coral wird täglich gefunkt. Neben Wetter und Schiffsposition erzählt man sich die besonderen Vorkommnisse seit dem Vortag. Hat jemand nachts ein Berufsschiff gesichtet? Wer hatte schon einen Fisch an der Angel? Kurz vor den Doldrums ist natürlich auch immer die Routenwahl ein Thema. Kreuzt man den Äquator mehr im Osten oder doch lieber erst nach 25 Grad West? Üblicherweise ist man nach ca. 10 Minuten fertig. Wieder auf die Couch – das Buch wartet. Mit einem Ohr ist man immer „beim Boot“. Hat sich wieder der Anker vorne losgekloettert? Ist irgendwo ein Kanister aus seiner Lasching gerutscht? Stimmen Kurs und Geschwindigkeit? Nimmt der Wind zu?

Irgendwann fällt einem dann siedendheiß ein, dass die Angel noch nicht ausgebracht ist. Schwuppdiwupp, schon baumelt hinter der Thor die Schleppleine. Bisher waren wir mit unserem Mini-Doradenbaby die erfolgreichsten Fischer der Funkrunde. Wahrscheinlich sind wir allesamt für die Jungs einfach zu langsam unterwegs. Im Schnitt unter 5 Knoten – da merken die Fische doch gleich, wenn der Octopus nur aus Gummi ist.

Um die Mittagszeit wird Logbuch geschrieben und die aktuelle Posi in die Seekarte eingetragen. Ungefähr alle zwei Tage gibt es dann eine Salzwasserdusche mit der Pütz auf dem Seitendeck. Einmal die Woche spülen wir uns danach mit Süßwasser ab. Wir haben nur sehr begrenzte Wasservorräte und versuchen mit ca. 5 Litern Süßwasser täglich für uns beide auszukommen. Klappt ganz gut.

Kurz danach haue ich mich dann meist noch ein/zwei Stündchen aufs Ohr. Christine passt auf.

Gegen 16.00 Uhr trifft man sich dann im Cockpit zum Sundowner. Das ist dann so der gesellige Teil des Tages. Man bespricht was gerade anliegt, oder einem sonst so im Kopf herumschwirrt. Der letzte Roman, Salatbuffets, frisches Gemüse, Afrika, Politik. Immer öfter tritt auch die Frage auf, wo wir wieder einen Job finden werden und wie die neue Wohnung aussehen sollte.

Kurz danach wird Abendessen gebrutzelt.

Mit dem Sonnenuntergang ist dann Christine wieder bettreif und ich übernehme die erste Wache – bis so um 12.00 – 01.00 Uhr.

Autor: Christian

2 Gedanken zu “Tag 10: St. Helena – Azoren

  1. Liest sich gut euer Schiffsleben…. Neuer Job und Ideen, wie die Wohnung aussehen soll, berühren mich grad sehr! Jetzt dauertst nimmer lang und WIR FREUEN UNS SCHON SOOOO!!!!! liebe Grüße die Daheimgebliebenen

  2. Hat dies auf wrexwomue rebloggt und kommentierte:
    Na, denn, lasst es so ruhig bleiben, bis Ihr am Ziel seid! Hier in Haugenried/Regensburg grünt und blüht alles, die Sonne scheint und es lockten Ausflüge per EBike, Wanderungen und Kurztouren mit unserem Wohnmobil: die letzten 3 Wochen Amsterdam und Bosensee, dann in den nächsten Wochen Wien oder Hamburg!
    Grüße:
    Wolfgang und Gabi

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