Tag 36: St. Helena – Azoren

Seit zweieinhalb Wochen sind wir nun schon im Nordostpassat. Bisher war uns Neptun sehr gewogen. Wir kamen zwar langsam voran, aber es war um Einiges gemuetlicher als wir befuerchtet hatten. Eigentlich war es bisher sogar sehr nett. Sogar die paar Tage Starkwind vor knapp einer Woche waren stark gerefft gut zu ertragen. Leider konnten wir bisher unser Ziel, die Azoren nicht direkt anlegen. Stur fuhr die Thor nach Nordnordwest. Seit gestern morgen hat der Wind etwas auf Ost gedreht, sodass wir nun wenigstens direkt auf Nordkurs segeln koennen. Quasi Siebenmeilenstiefel. Hoffentlich stimmt die Vorhersage und der Wind bleibt so fuer die naechsten paar Tage. Mal sehen.

Gestern ist die sechste Woche auf See angebrochen. Die Tage fliessen ineinander ueber und sind bis auf Nuancen sehr aehnlich. Mal mehr, mal weniger Wind. Mal etwas mehr von Nord, mal von Ost – was macht’s. Der Winkel zum Wind bleibt durch die Selbststeueranlage immer gleich. Die Wellen rollen immer von schraeg vorne heran. Seele baumeln lassen. Nachdenken. Zu tun gibt es wenig.

Tiefenentspannt ist man aber nicht wirklich. Zu sehr ist man sich der eigenen Isolation bewusst. Auf Hilfe von aussen kann man trotz taeglicher Funkverbindung mit anderen Schiffen nicht hoffen. Der naechste Flecken Land sind die Kapverden 1500 km entfernt – gegen den Wind. Am schnellsten sind von hier aus noch die kleinen Antillen in der Karibik zu erreichen. 2800 km. Nur kein Risiko eingehen. Lebensmittel werden kritischer als an Land beaeugt. Einen verdorbenen Magen kann man hier nicht gebrauchen. Taeglich kontrolliert man dieses oder jenes am Schiff, achtet auf Verschleiss. Eine Reffleine loest sich auf – das andere Ende des Tampens ist aber noch gut, wir drehen sie also kurzerhand um. Der Fuss des Windgeneratormastes ist seit einigen Tagen gebrochen. Aus einem Stueck Alublech wird ein Ersatz gebastelt. Muss aber auf den Azoren durch etwas Gescheites ersetzt werden.

Das hoert sich aber vielleicht dramatischer an als es eigentlich ist. Wir fuehlen uns eigentlich pudelwohl an Bord. Ein paar „Durchhaenger“ gibt es auf so einer langen Ueberfahrt immer wieder einmal, gerade wenn zB der Wind das Boot so gar nicht in die richtige Richtung pustet. Aber das Alles wird mehr als aufgewogen durch die fantastische Natur hier draussen. Fliegende Fische, Delfine, portugiesische Galeeren, Seevoegel. An ruhigen Tagen ist die Kimm wie mit dem Lineal gezogen. Abermillionen von Sternen nachts.

Autor: Christian

Ein Gedanke zu “Tag 36: St. Helena – Azoren

  1. Sehe gerade, Ihr habt im Moment kaum Wind. Keine Sorge, der kommt schon wieder!!! Bald habt Ihr es geschafft. Was für ein Wahnsinnsschlag … ich bewundere Euch.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s