Thor im NOK

Eine Woche in Salcombe war recht erholsam, aber sobald der Wind passte, machten wir uns auch schon auf den Weg weiter Richtung Osten. Bis Dover kamen wir auch sehr gut voran, dann war aber der Wind weg. Also eine Nacht Pause eingelegt und ein bisschen die Stadt erkundet. Wir dachten schon, dass es bestimmt noch länger dauern würde, bis wir wieder richtigen Wind hätten, aber ein zweiter Blick auf die gribfiles später am Abend zeigte uns plötzlich ein echt gutes Wetterfenster um vielleicht sogar bis Cuxhaven zu kommen.

Gesagt, getan. Schon am nächsten Tag ging es von Dover westlich an den Verkehrstrennungsgebieten vorbei Richtung europäisches Festland. Nördlich von Rotterdam wechselten wir dann auf die anderen Seite der Schifffahrtsstraßen. Es war unglaublich viel los und wir staunten nur so ob der Masse an Windparks und Ölplattformen in Küstennähe. Der Wind war eher etwas zu schwach und der Motor musste ca. 30 Stunden laufen, bis wir endlich in Cuxhaven ankamen. Aber besser so, als Sturm auf der Nordsee, lautete unsere Devise.

Letzten Freitag erreichten wir dann Cuxhaven um 4.30 Uhr am Morgen und erholten uns erst mal wieder ein bisschen. Zwar hatte die Fahrt von England nur 3,5 Tage gedauert, aber es war schon anstrengend mit dem vielen Berufsverkehr und teilweise schlechter Sicht im Nieselregen.

In Cuxhaven trafen wir dann Petra, die Hafenmeisterin, die tatsächlich schon seit längerer Zeit unseren Blog verfolgt hatte. Was für eine nette Überraschung! Und dann war da auch noch die Segeljacht Josi mit Jürgen und Ingrid, die gerade von ihrer 23-jährigen Reise und zwei Weltumsegelungen zurück nach Deutschland gekommen sind. Mit ihnen haben wir auch einen sehr netten Abend verbracht und die schönsten Plätze unserer jeweiligen Reisen Revue passieren lassen. Ist es wirklich schon bald aus?
Der Oberhammer war dann als Tim und Laura von der Kira plötzlich am Steg standen. Sie hatten unseren Positionsreport verfolgt und sind dann spontan nach Cuxhaven gekommen. Super!

Wettertechnisch sah es für die kommenden Tage nicht gut aus, aber wir haben dann gestern tatsächlich eine kleine Wetterlücke nutzen können um wenigstens bis Brunsbüttel und in den NOK (Nordostseekanal) zu kommen. Die Nordsee liegt nun hinter uns. Puha, kein einfaches Segelrevier. Wir konnten unser Glück kaum fassen, dass wir sofort bei der Ankunft in Brunsbüttel als einzige Yacht zusammen mit einem kleinen Tanker und einem Schleppkahn geschleust wurden. Ging alles silky smooth und schon um 19 Uhr lagen wir im Päckchen im Minihafen von Brunsbüttel fest.

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Heute geht es dann weiter Richtung Rendsburg und morgen wollen wir in Wendtorf ankommen. Mal sehen, ob das so klappt. Für heute ist starker Wind angesagt, aber für uns eigentlich aus einer günstigen Richtung und hier im „Binnengewässer“ sollte das zu schaffen sein. Müssen nur noch warten, bis das Boot hinter uns weg ist, wir sind sozusagen „eingeparkt“.

Fajal – England

Fajal – England

Eigentlich sind es nur 1250 Meilen gewesen. Eigentlich fanden „alle“, die wir vorher gesprochen hatten, dass diese Strecke mit dem Azorenhoch im Süden und den Tiefs oben bei Island seinerzeit eine tolle Überfahrt mit Backsstagsbrise war.

Nix da. Das Azorenhoch tummelte sich irgendwo auf Höhe der Kanaren und wir befanden uns mitten in den Tiefausläufern. Insgesamt sechs Tiefs haben uns auf dieser Überfahrt erwischt. Zwei davon mit Winden in Sturmstärke. Eines ging südlich von uns durch und brachte drei Tage lang Ostwind. Einfach war diese Überfahrt nicht. Als wir dann endlich im englischen Kanal angekommen waren, besserte sich das Wetter, zumindest für englische Verhältnisse deutlich. Ruhige See und sogar ab und zu ein Sonnenstrahl. Wir liefen deshalb nicht den erstbesten Hafen (Falmouth) an sondern beschlossen nach Dartmouth weiter zu fahren. Dartmouth haben wir schon auf der Hinfahrt vor 4 Jahren besucht. Uns es war uns als besonders schnuckelig in Erinnerung geblieben. Na ja, kurz vor der letzten Huk tat sich eine weitere Flußmündung auf – im Hintergrund das pittoreske Städtchen Salcombe. Auch nett und wir kennen es noch nicht. Nach kurzer Konsultation unseres alten nautischen Almanacs bogen wir schnurstracks nach dorthin ab. Ums Eck bot sich dann ein irres Bild. Es sah fast so aus, als ob es sich um den ersten Sonnentag des Jahres in England handelte und die Gesamtbevölkerung sich nun zur Sommerfrische in Salcombe Harbour eingefunden hatte. Knallvolle Strände und ein irrer Verkehr auf dem Wasser. Alles was schwimmt, wird von einem Außenborder oder Segel angetrieben, spazieren gefahren.

Bei maximal 22 Grad tummeln sich die Einheimischen hier im Bikini am Strand. Sportlich!

Salcombe selber ist ein sehr englisches Touristädtchen. So eine Art Bad Aussee Englands. Die Preise sind ebenfalls sehr britisch. Eine Halbe Bier kostet 6 Euro in der Kneipe. Na denn Prost. Auf dem Weg zum Dinghidock kommt man an einem Pontoon mit Recyclingtonnen vorbei. Ein untrüglicheres Zeichen, dass wir wieder in Europa sind, gibt es wohl nicht.

Wir liegen hier sehr geschützt an einer Besuchermooring. Da gerade Wochenende ist und Salcombe entsprechend gut besucht ist, sind alle Besuchermoorings, auch unsere, mit je vier Booten im Päckchen besetzt. Bei der Antwort auf die Frage nach dem Woher und Wohin machen die einheimischen Segler auf ihren blitzblanken GFK Yachten dann ganz große Augen. So ein bisschen Stolz kommt bei uns dann schon auf.