Angekommen

Die ersten paar Tage haben sich noch wie ein Kurzurlaub angefühlt, aber schön langsam sickert es, dass wir die ganzen nächsten 6 Wochen noch frei haben und so machen wir uns wieder daran, uns wohnlich einzurichten. Am deutlichsten haben wir das daran gemerkt, dass wir unsere Klamotten in die Schränke im Vorschiff eingeräumt haben. Normalerweise leben wir aus dem Rucksack, wenn wir für 1 oder 2 Wochen in Kiel sind.

Jetzt kommt wieder alles an seinen Platz und die meisten Handgriffe sitzen noch so, als ob wir gar nie aufgehört hätten, auf dem Schiff zu wohnen. Die Lebensmittel werden ordentlich verstaut, wir kochen wieder täglich frisch und schwelgen in Erinnerungen, die wir mit allen Sinnen erfahren. Die Gerüche der Motorbackskiste, der Gasherd, oder die Leinen, die einem beim Aufriggen durch die Hände laufen. Die Knoten, die wir in den letzten Jahren so gut wie nie mehr brauchten, sind immer noch in Fleisch und Blut und werden wie automatisch gemacht.

Vieles wird nun aber auch endgültig entsorgt, wovon wir uns vor 5 Jahren nach unserer Ankunft von der Weltumsegelung noch nicht trennen konnten. Ein kleiner, unrettbar mit Stockflecken übersäter Polster fürs Cockpit, der sich auf langen Überfahrten als irre praktisch erwiesen hatte und einem eben deshalb ans Herz wuchs, fliegt jetzt zum Beispiel achtkantig in die Mülltonne.

Im April haben wir übrigens 10 Jahre mit der Thor gefeiert. Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir damals mit Anfang 30 in der Alten Mühle, einem Restaurant ganz in der Nähe, saßen und ganz aufgeregt den Kaufvertrag unterschrieben. Damals war dies die teuerste Anschaffung unseres bisherigen Lebens. Mittlerweile kennen wir uns schon ganz gut in der Thor aus, obwohl es noch immer einige wenige Ecken und Winkel gibt, die wir noch nie gesehen haben.

In der Schwentine haben wir einen gemütlichen Hafen mit freundlichen und aufmerksamen Nachbarliegern gefunden. Wir können sogar im Winter im Wasser bleiben, da es hier nicht zufriert. Und aufgrund der niedrigen Temperaturen und dem geringen Salzgehalt im Wasser hält sich die Thor ganz gut. Kaum Rost und eine trockene Bilge sorgen jedes Jahr für Erleichterung, wenn wir wieder mal hier sind. Der Nachteil am Flusshafen ist die Strömung, die für ein richtiges Biotop an unserem Unterwasserschiff sorgt. Wir sollten wieder mal an Land und neues Antifouling aufbringen, aber für die wenigen Seemeilen, die wir so segeln, lohnt sich das fast nicht. Bleibt also nur, die Muscheln tauchend von der Schraube zu kratzen, damit wir nicht manövrierunfähig in der Schwentine herumtreiben. Darum hat sich Christian gleich heute morgen gekümmert. Die Temperaturen sind hier in den letzten Tagen auch gestiegen, sodass man es leicht in kurzer Hose und T-Shirt aushält. Was für ein Kontrast zur Ankunft von vor einer Woche, wo es noch so richtig ungemütlich war. Ist eben der Norden.

In den letzten Jahren ist erstaunlich wenig kaputt gegangen an der Thor (#aufholzklopf…). Die Glühbirne vom Backbord Motorlicht muss getauscht werden und ein neues Handfunkgerät steht auch auf der Einkaufsliste. Der Tiefenmesser funktioniert und auch der Motor ist sofort angesprungen. Gestern war Christian im Mast und hat das Rigg kontrolliert – auch dort scheint alles in Ordnung zu sein. Aber auch kein Wunder, wenn keine Belastung drauf kommt. Die Fallen wurden wieder alle eingezogen und die Genua angeschlagen. Für den Motor ist noch ein Ölwechsel und frischer Diesel geplant, dann sind wir schon so gut wie startklar.

Die ganzen Arbeiten sind bis jetzt ziemlich unaufgeregt von der Hand gegangen. Sobald der Zeitdruck weg ist, läuft alles so viel einfacher. Zwar schafft man nur noch die Hälfte der Sachen an einem Tag, weil einer sich um Felix kümmern muss, aber es geht doch Einiges voran.

An der Ankerwinsch haben wir schon seit ewigen Zeiten eine hartnäckige Roststelle, der wir jetzt endlich wieder mal gründlich zu Leibe gerückt sind und so hoffentlich Nägel mit Köpfen machen konnten. Natürlich war alles schön mit einer Plane eingehaust um unsere Stegnachbarn nicht allzu sehr aufzuregen.

Da wir letzten Winter Einbrecher an Bord hatten, mussten hier auch noch ein kleiner Schaden am Niedergang repariert werden. Was sie genau wollten, haben wir nicht rausbekommen. Es fehlt nichts und so wirklich was Spannendes haben wir ja auch nicht mehr an Bord. Die Thor ist bis auf ein paar alte Hand- GPSe, Pött und Pann und angerostetes Werkzeug so gut wie leer. Am Niedergang ging etwas Hartholz zu Bruch, als die Burschen versucht haben, die Steckschottbretter nach innen zu treten, aber das war mit Bordmitteln zu beheben. Heute waren wir dann noch bei der Wasserschutzpolizei, um unsere für die Spurensicherung mitgenommenen Ölzeugjacken wieder abzuholen. Wir dann noch ein bisschen Beweismaterial abgegeben – ein Zigarettenstummel, den wir im Salon gefunden haben und eines der aufgebrochenen Vorhängeschlösser. Wird wohl nichts mehr herauskommen; das Verfahren wurde auch schon abgeschlossen, aber man weiß ja nie.

Dazwischen gibt es aber auch schöne Auszeiten, wie zB Fischbrötchen vom Fischkutter in Wendtorf essen, ein bisschen am Strand spazieren gehen und abends dann Grillen im Cockpit.