Wieder zurück in Kiel

Jetzt sind doch tatsächlich zehn Tage seit dem letzten Eintrag vergangen. Dabei hatte ich mir fest vorgenommen, alle zwei bis drei Tage etwas zu schreiben. Und zu Erzählen gibt es natürlich genug. Aber der Tag ist doch oft zu kurz und abends fallen schnell die Augen zu. Ich habe es nicht mal geschafft, in ein einziges Buch reinzuschmökern. Segeln mit Kind ist halt doch einfach anders.

Das Wikinger Museum Haithabu, das man mit dem Bus aus Schleswig gut erreichen kann, war toll. Man sieht eindrücklich, wie die Wikinger im Mittelalter gelebt haben – es wurden einige Häuser originalgetreu nachgebaut und in einem Museum sind viele Fundstücke aus dieser Gegend ausgestellt. Die Unesco hat den wikingerzeitlichen Handelsplatz und das Grenzbauwerk Danewerk 2018 zum Welterbe ernannt.

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Für den Rückweg aus Schleswig hatten wir schwachen Westwind und konnten so tatsächlich auch wieder ein bisschen Segeln. Nach ein paar Tagen in der Stadt zog es uns wieder zu einem ruhigen Ankerplatz, diesmal im Missunder Noor. Laut Wikipedia bezeichnet dies im Norden Schleswig-Holsteins in der Regel einen durch eine schmale, enge Öffnung von einem größeren Gewässer fast vollständig abgetrennten, seeartigen Teil. Wir nutzten die Zeit und das sonnige Wetter um noch ein paar Roststellen zu klopfen. Unsere Ankernachbarn werden sich gefreut haben – so am Sonntag Nachmittag. Aber im Hafen wäre das ja noch viel schlimmer. Dabei ist der Sonntag der liebste Arbeitstag der (Langfahrt?) -Segler.

Gleich am nächsten Tag ging es weiter in die kleinste Stadt Deutschlands – Arnis. Sie besteht aus sieben Straßen, hat ca. 300 Einwohner und erinnert uns sehr an die kleinen Dörfer auf den Inseln in der dänischen Südsee. Wir trafen dort noch Freunde zum Nachmittagskaffee, aber die Zeit drängte auch schon wieder ein bisschen.

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Am Dienstag waren wir zum Motorenservice in Kappeln angemeldet. Nachdem wir bisher immer alles selbst am Motor erledigt hatten, wollten wir nun unserem braven Vetus eine kleine Wellnessbehandlung zukommen lassen. Wir waren super zufrieden, leider mussten wir eine Nacht am Reparatursteg verbringen, weil der Mechaniker nicht ganz fertig wurde, aber es hatte sich auf alle Fälle gelohnt. Größere Katastrophen traten nicht zu Tage, aber wir bekamen einige Verschleißteile getauscht und unsere Seewasserkühlpumpe generalüberholt. Prima! In Kappeln konnten wir dann noch einmal frisches Obst und Gemüse kaufen, denn die nächsten Tage wollten wir bei Maasholm vor Anker verbringen.

Vor einer Woche machten wir uns auf den Weg, die letzten Seemeilen der Schlei wieder zurückzufahren und fanden dann einen wirklich herrlichen Ankerplatz, der gleich nochmal für Karibikfeeling bei uns sorgte. Nicht so sehr wegen der Landschaft, aber die wunderschönen Sonnenuntergänge, relativ viele Ankerlieger und Dinghifahrten an Land gefielen uns und so blieben wir gleich mal wieder vier Tage hängen. Auch dort trafen wir einige Bekannte wieder und hatten eine wirklich gute Zeit.

Samstag Abend war dann ein Wetterumschwung vorhergesagt, der es uns leicht machte, am Sonntag ankerauf zu gehen und den Rückweg nach Kiel anzutreten.

Die sechs Wochen an Bord waren wie im Flug vergangen und als wir in Kiel an unserem Steg festmachten, kullerten ein paar Tränen meine Wangen runter. Das Vagabunden-Leben auf der Thor war wieder zu Ende. Es hatte aber dennoch gereicht uns wieder zu zeigen, wie das Leben abseits des Hamsterrades aussehen kann. Es war wunderschön und gleichzeitig manchmal ganz schön anstrengend mit einem kleinen Kind und dem Abarbeiten der doch etwas länger gewordenen Wartungsliste für die Thor. Aber wir sind uns trotzdem einig, dass wir genau so wieder irgendwann leben möchten.

Und das hat uns noch mit einer anderen Tatsache konfrontiert: die Thor wird für die nächste großen Reise zu klein für uns sein. Eigentlich wollten wir mit ihr noch mal in den Pazifik… Ein zusätzlicher Raum wäre aber schon sehr chic, wenn wir dauerhaft an Bord leben möchten und so werden wir uns wohl schweren Herzens von der Thor trennen. Gefühlschaos pur. Mal sehen, was die nächsten Monate bringen. Wir werden hier weiter berichten.

Gestern war der Tag dann mit Räumen, Packen und Putzen komplett ausgefüllt. Heute wollen wir uns wieder Richtung Süden aufmachen. Schon nächste Woche ist Christian wieder im Dienst. Die Fotos der letzten Woche werden wir in den nächsten Tagen hochladen, dafür blieb keine Zeit mehr…

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