Wir haben wieder ein Boot!

Im Zuge des Verkaufs der Thor bekamen wir eine Mail von Gerald, der sein Boot, eine Amel Sharki von 1982, verkaufen wollte und meinte, für eine kleine Familie mit zwei Kindern wäre dies genau das Richtige. Den Schiffstyp kannten wir schon von unserer ersten Reise. Die SY Tamora mit der wir in Europa und Karibik eine Menge wunderschöne Tage verbracht hatten, war eine Sharki und hatte platzmäßig genau das Kinderzimmer, das wir suchten.

Die Bauqualität von Amel ist laut Internet wohl über jeden Zweifel erhaben. Gerade die älteren Boote waren, wie damals üblich, noch mit sehr viel Materialeinsatz gebaut und bieten viel Sicherheitsreserve, z. B. bei eventuellen Grundberührungen. Eigentlich wollte gerade ich (Christian) ja noch etwas mit dem Bootskauf warten, aber eine Sharki – und dazu noch in dem uns am allernächsten gelegenen Mittelmeerhafen – war doch zu verlockend, weshalb dann im Sommer ein erster Besichtigungstermin vereinbart wurde.

Das Badezimmer ist gerade nicht existent, da der Voreigner eine Renovierung abbrechen musste. Etliche, aber eher kosmetische Dinge, sind noch zu tun. Größere Katastrophen fielen aber erstmal nicht ins Auge – aufholzklopf. Bei einem zweiten Besichtigungstermin wurden wir uns schlußendlich handelseinig. Die Sharki gehört nun uns!

Vor zwei Wochen waren wir nun im Winter das erste Mal in unserem neuen Hafen in der Nähe von Grado um ein paar Arbeiten am Boot zu erledigen. Dabei zeigten sich die Solarzellen an der Reling leider nicht in der Lage, die Batterien in voll geladenem Zustand zu halten. Unser Liegeplatznachbar hat eine so riesige Plane über sein Boot gespannt, dass wir leider nur zwei Stunden pro Tag einen vernünftigen Ladestrom zusammen bekommen. Das reicht für die große AGM- Batteriebank leider nicht aus, außerdem war der Solarladeregler auch noch zu allem Überfluss hinter dem Batteriewächter angebracht, der bei 10,6 Volt natürlich schon längst die Batterie vom Netz genommen hatte. Tolle Wurst… Als provisorische Lösung wurde kurzerhand die Solarzelle von der nordseitigen Reling abmontiert und im Besan auf Halbmast festgetüdelt- wozu braucht man eigentlich Geräteträger ;-). Weiters wurde in das Ladekabel vom Solarladeregler zur Batterie eine Sicherung eingeschleift und direkt an der Batterie festgeklemmt. Jetzt fließen erstmal dreieinhalb Ampere Ladestrom über wenigstens sechs Stunden. Das wird hoffentlich fürs Erste ausreichen um die Batteriebank über den Winter zu bringen, falls diese nicht schon hinüber ist. Das ist ja vielleicht nicht die erste Wintersaison, in der das Problem besteht. 

Im Sommer entdeckten wir auch noch einige Risse an der Vorderseite des Ruders. Im unteren Bereich war zudem ein kleines Stück der Vorderkante herausgebrochen. Dies bedarf einer genaueren Inspektion, weshalb wir das Ruder beim letzten Besuch ausgebaut und mit nach Freilassing genommen haben. Amel-typisch ist das Ruder nicht wie sonst üblich mit GFK über einem Schaumkern gebaut, sondern ist innen hohl. Öffnungen oben und unten sorgen dafür, dass das Ruder im Betrieb vollständig geflutet ist. Dass also Wasser in das Ruder eindringen kann, ist bei Amel somit kein Supergau, sondern der Normalzustand ;-). 

Nach dem Abschleifen des alten Antifoulings zeigten sich noch deutlich mehr Risse als zuerst vermutet, allerdings waren die Risse nur in dem Bereich der Rudervorderkante, in dem keine GFK- Matte verbaut war. Der gesamte vordere Teil des Ruders scheint nur aus Polyesterspachtel zu bestehen. Meine Idee  für eine Reparatur war deshalb die vordere Rundung noch etwa weiter abzuflexen, die Risse dann mit Epoxyspachtel aufzufüllen und das ganze Ruder mit 400 gr/qm Glasmatte zu umhüllen. An der Rudervorderkante sollte die Glasmatte überlappen und somit doppelt liegen. Hinter dem unteren Ruderlager haben wir außerdem noch ein kleines Loch in das Ruder hinein gefunden. Hier könnte man bestimmt eine kleine Glasmatte einlegen. Falls irgendwer noch eine bessere Idee, Wünsche oder Anregungen hat, dann bitte hier reinkommentieren.

Einen neuen Namen für unser Boot zu finden, war übrigens ganz schön schwierig. Mit dem alten Namen „Pesce d’oro“ -> Goldfisch auf Italienisch, können wir nicht wirklich viel anfangen. Also haben wir lange überlegt, viele Ideen wieder verworfen und sind nun bei „ENDLESS SUMMER“ gelandet. Inspiriert von einem Filmklassiker aus den 1960ern, in dem zwei Surfer dem Sommer rund um die Welt folgen. Und diese Idee passt ja wohl perfekt für unser neues Blauwasserfamilienschiff.

Und hier noch ein paar Eindrücke von unserem letzten Besuch bei der ENDLESS SUMMER. Der Winter in Norditalien ist deutlich angenehmer als in Kiel, wo die THOR ihren Heimathafen hatte 🙂

…when the yoyage is done and the winds don’t blow…

Eigentlich wollten wir diesen Post schon vor über einem Jahr verfassen. Wegen diverser Ablenkungen, unter Anderem ist unser zweites Kind geboren, geschieht dies nun mit einigen Monaten Verzögerung. Ich kopiere erst mal den ursprünglichen Blogpostentwurf hier rein, der schon seit einigen Monaten hier in der Schublade schlummert. Am Ende gibt es nochmals ein kurzes Update

…when the yoyage is done and the winds don’t blow…
Die Thor war über vier Jahre unser zu Hause, hat uns durch Wind und Wetter wohlbehalten um die Welt gebracht… und wir sie (…mehr oder weniger;-)). Fast 40000 Seemeilen sind wir mit ihr gesegelt, 1600 Tage und Nächte war sie unser zu Hause. Nach unserer Weltumsegelung hatten wir kurz mit dem Gedanken gespielt die Thor zu verkaufen, hatten auch einmal eine Anzeige online gestellt, gemeldet hatte sich seinerzeit aber niemand. Insgeheim hatte uns das ja gefreut, und so stand schnell der Entschluss fest mit der Thor, in ein paar Jahren, wieder loszusegeln. In den letzten Jahren lag sie in Kiel und wurde von uns, wir wohnen ziemlich genau 1000 Autobahnkilometer entfernt, nur noch selten genutzt. Im Frühjahr und Herbst gab es jeweils einen Pflichttermin zum Ein- und Auswintern des Motors und der Seeventile und meistens waren wir dann noch zwei bis drei Wochen oben im Norden zum Segeln. Meist waren aber auch die Segelwochen im Sommer mit Arbeit gut gefüllt. Ein Trip führte uns nach Dänemark, wo wir dann eine Woche vor Anker lagen und das Cockpit und das Deck neu gestrichen haben. Ein Boot zu besitzen ist mit einigem Arbeitsaufwand verbunden. Wir haben da die letzten Jahre, im Gegensatz zu so ziemlich allen anderen Bootseignern die wir so kennen, ein absolutes Minimalprogramm gefahren. Wir konnten so die Thor zumindest auf dem aktuellen Wartungsstand halten, Verbesserungen oder aufwändige Reparaturen waren aber einfach zeitlich nicht drin.

Erfreulicherweise wurde vor gut einem Jahr unser Sohn Felix geboren. Wir haben dann in unserer Elternzeit auf der Thor festgestellt, dass wir für das nächste Langfahrtsegeln zu dritt doch gerne ein extra Kinderzimmer hätten. Für das Innere der Thor wurden deshalb Umbaupläne geschmiedet und dann aber doch wieder verworfen. Letztendlich hätten wir eben gerne die berühmten 2 Meter mehr, und so wurde uns schnell klar dass wir unsere geliebte Thor verkaufen müssen. Gesagt getan, im Sommer wurde der Pinsel geschwungen, der Motor bekam einen Tip- Top- Motorservice vom Dieselmechaniker in Kappeln. Wie vor so vielen Bootsverkäufen blutete auch uns das Herz, war doch die Thor in einem besseren Zustand wie schon lange nicht mehr. Inserate wurden aufgegeben und nach einigen mehr oder weniger halbherzig gemeinten Anfragen meldete sich schließlich Anika, eine Mittzwanzigerin aus Hamburg, die nächstes Jahr auf Weltumsegelung gehen möchte. Nach zweimaligem Besichtigungstermin, das zweite Mal war ein Sachverständiger dabei, wechselte die Thor den Eigner. Die Thor wurde dann beim zweiten Besichtigungstermin, auch zur Beurteilung des Unterwasserschiffes, aus dem Wasser gehoben. Große Katastrophen wurden nicht festgestellt. Interessanterweise hatte der Stahl, 41 Jahre nach dem Bau der Yacht , noch die Originalstärke! Da kann man doch mal eine Lanze für den Bootsbaustoff Stahl brechen.

Wir freuen uns, dass die Thor bald wieder segeln wird und wünschen Anika mit ihrem neuen Boot allzeit gute Fahrt, eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und natürlich ganz viele tolle Erlebnisse auf ihrer Reise.

Beschließen möchte ich den Blogpost mit einem Link auf ein altes Seemannslied welches traditionell bei der Verrichtung der letzten Arbeiten an Bord, kurz bevor man abmusterte, gesungen wurde. Es heisst „Leave her Jonny leave her…“ und wird hier von „Coda“ gesungen.

Liedtext hier: http://brethrencoast.com/shanty/Leave_Her_Johnny.html

Nachtrag:

Mittlerweile gibt es vom Verkauf der Thor auch ein Video auf Youtube. Anika hatte sich, wie oben ja schon erwähnt, von einem Sachverständigen beraten lassen, und Teil deren Geschäftsmodells ist es anscheinend Videos von Ihrem Geschäften auf Youtube hochzuladen. Amüsant ist das Video jedenfalls.

Übrigens keine Sorge: Es geht hier mit Segeln weiter, mehr dazu aber im nächsten Post.