Unterwasserschiff 1.0

Wir hatten, bevor wir unser Refitprojekt starteten, das Unterwasserschiff sandstrahlen lassen. Schon vor dem Kauf zeigten sich am Unterwasserschiff Stellen, an denen das Gelcoat nicht mehr vorhanden war und das Laminat zum Vorschein kam. Nach dem Sandstrahlen waren unzählige kleine Löcher am Gelcoat zu sehen gewesen. Das war wohl nicht das erste Mal dass das Boot gesandstrahlt wurde. Das Gelcoat war einfach schon sehr dünn. Nach Aussage des Bootsbauers, den wir mit dem Sandstrahlen beauftragt hatten, war unser Unterwasserschiff grundsätzlich jedoch top in Schuss. Keine Osmose, lediglich die zahlreichen, winzigen Gelcoatschäden. Sein Tipp war, zuerst zwei Lagen mit verdünntem Epoxyprimer zu streichen, danach sollten die Löcher mit Epoxyspachtel verschlossen werden und auch die übrigen Schäden wie Haarrisse wieder „zusammengekittet“werden. Es war also Zeit eine neue Epoxygrundierung zu streichen. Dies hatten wir sowieso schon vor, da wir den Rumpf vor Osmose schützen wollten.

Hier das nur unsauber über bestehendes Antifouling eingespachtelte Bugstrahlruder. Wurde wohl vom Vorvoreigner beauftragt und durch eine Werft eingebaut. Da willste doch dein Boot „Profis“ anvertrauen. Daneben sind die zahlreichen Defekte im Gelcoat zu sehen.
Eine gespachtelte Stelle am Rumpf, diese ist wohl bei mehreren Amels vorhanden und durch den Produktionsprozess bedingt. Hier ist diese schon durch zwei Lagen Glas verstärkt. Gut zu sehen sind die zahlreichen Löcher im Gelcoat daneben.
Nach der ersten Lage Primer sind die Löcher schon weniger und die Oberfläche ist wieder homogen.

Nach gründlicher Reinigung mit zweimal Wasser und zuletzt Silikonentferner war der Rumpf bereit. Die beiden Lagen waren mit tatkräftiger Unterstützung durch Christines Vater Josef in einem Tag aufgerollt. Wir verwendeten hierfür Gelshield von International weil wir dafür gleich eine Epoxyverdünnung vom Hersteller mitbestellen konnten. Die Verdünnung sollte helfen dass der Primer gut in die Löcher fließt. Epoxyprimer ist mitunter ein recht zäher Batz und lässt sich nicht einfach ebenmäßig aufbringen. Das anschließende Spachteln war eine irre anstrengende Arbeit, zu dritt (Sepp, Christine und meine Wenigkeit) war das Unterwasserschiff mit Ach und Krach nach einem Tag fertig. Meine Unterarme fühlten sich an wie nach dem Klettern. Ich hatte netterweise einige Tage zuvor im Farbdosenmüll eine noch halb volle Packung Epomast (Epoxyspachtel) vom italienischen Hersteller Veneziani gefunden. Das Zeug war sehr zäh und entsprechend schwer zu verarbeiten, jedoch blieb es nachdem wir es in die Löcher gepresst hatten, an Ort und Stelle. Eine Dose mit einem Rest Watertite von International, was wir noch an Bord fanden, kam auch zum Einsatz. Diese ließ sich um einiges leichter verarbeiten, floss aber über Nacht auch ein wenig aus den Löchern raus, sodass keine ganz perfekte Oberfläche entstand.

Nach der zweiten Lage Primer und nach dem Spachteln – der Rumpf ist wieder schön glatt.

Nach den nun folgenden Anstrichen mit Epoxyprimer wird das aber wahrscheinlich keine Rolle mehr spielen. Letztendlich haben wir doch noch einige Halbkilodosen Epomast mehr bei der örtlichen Ferreteria besorgt. Es gingen ungefähr zwei knappe Kilo Spachtelmasse für das gesamte Unterwasserschiff „drauf“.

Babyp*p*

Schon vor dem Schleifen ist das Unterwasserschiff nun schon um einiges glatter als zuvor. Wir sind gespannt, wie es nach dem Schleifen und Primern sein wird. Wir hatten im Bereich des hinteren Lagerblocks auf der Steuerbordseite eine etwa 50 x 50 cm große Stelle, auf die schon Gelshield aufgetragen war. Interessanterweise zeigte sich an dieser Stelle kein einziges Loch, dieser Bereich wurde also offenbar durch das Sandstrahlen in keinster Weise beschädigt. Das spricht für den Epoxyprimer. Hoffentlich schützt der von uns aufgebrachte Primer unser Unterwasserschiff ebenso gut.

Diese Stelle am Rumpf hatte bereits eine Lage Epoxyprimer drauf. Es war die einzige Stelle am Rumpf ohne Löcher.

Christine und die Kinder sind jetzt übrigens auch jeden Tag mit dabei. Nachdem das Schleifen und damit die lauteste und staubigste Arbeit erledigt ist, geht es auch mit den Kleinen wieder einfacher, in der Werft zu sein oder Zeit im Schiff zu verbringen. Und es ist definitiv lustiger, wenn wir zusammen sind. Am Freitag hatten wir übrigens wegen Regen wieder einmal einen freien Tag und den haben wir genutzt, um den nahegelegenen Ikea (-> das „blaue Geschäft“ lt. Felix) zu durchstöbern und ein Spaziergang in Aquileia – eine Hafenstadt aus der Römerzeit mit etlichen Ausgrabungsstätten mitten im Ortsgebiet – war auch noch drin. Hier fahren wir zwar jeden Tag zweimal durch, aber bis jetzt hatten wir noch keine Zeit, um uns die „Baustellen“ (-> O-Ton Felix) anzusehen.

Für diese Woche ist wieder Streichen angesagt, wenn das Wetter mitspielt – wir checken zweimal am Tag diverse Wetterberichte. Solange es nicht regnet, wird am Boot gearbeitet…

Und hier noch eine kleine Bildergalerie der letzten Woche 🙂

Frohe Ostern

Die Tage vergehen wie im Flug und wir machen langsam Fortschritte. Christian arbeitet jeden Tag am Boot und das nimmt schon gute Formen an. Manchmal kommt’s mir schon so vor, als ob wir einfach unseren Wohnort und Alltag kurz nach Italien verlegt haben – der Papa arbeitet während der Woche von früh bis spät und wir versuchen, uns das Wochenende freizuschaufeln. Aber es ist natürlich klar – je schneller die Endless Summer fertig ist, desto eher können wir sie zu Wasser lassen und gemeinsam darauf wohnen. In der Werft geht das leider nicht.

Die reparaturbedürftigen Stellen am Rumpf wurden geschliffen und mit ein paar Lagen Glasfaser neu laminiert. Da dies für uns als ehemalige Stahlbootbesitzer auch Neuland war, hatte sich Christian im Winter über diverse Youtube-Kanäle das benötigte Wissen angeeignet und am Ruder schon mal probiert, wie das am besten klappen kann. Das ist ja schon eine Wissenschaft für sich und an Profis werden wir nicht rankommen – aber Hauptsache es hält und wir müssen uns keine Gedanken über irgendwelche Schwachstellen am Rumpf machen.

An der Vorderseite des Kiels wurde von einem Vorbesitzer schon einmal gespachtelt, da gab es wohl eine Grundberührung. Hier haben wir nochmal nachgebessert und neu laminiert. Am Heckspiegel entdeckten wir auch ein paar Haarrisse im Gelcoat und auch hier wurde bis aufs Glas runtergeschliffen und neue Glasfaser aufgebracht. Die Hinterkante des Kiels und einige Stellen am Skeg wurden ebenfalls noch ausgebessert.

Das Bugstrahlruder wurde zwar anscheinend von einer Firma eingebaut, aber mit dem Ergebnis waren wir noch nicht zufrieden. Die Außenkanten des Tunnels wurden nur schlecht gespachtelt und nach drei Jahren an Land waren größere Risse im Spachtel zu sehen. Das wurde nun auch alles weggeschliffen und mit Glasfaser eingeebnet.

Jetzt müssen diese Stellen „nur“ noch schön geschliffen und der gesamte Rumpf noch einmal mit viel Wasser und einem Schwamm gewaschen werden, damit ein feiner Untergrund für die Farbe entsteht. Mit dem Hochdruckreiniger ist Christian zwar schon einmal drüber gegangen, aber der Schleifstaub ist hartnäckig.

Und mit der Renovierung des Bads haben Christian und mein Papa auch begonnen. Der Voreigner wollte dies ja noch vor dem Verkauf erledigen und hatte das Bad schon entkernt. Leider hatte er dann einen Unfall, der ihm einige Wochen Krankenhausaufenthalt einbrachte, weshalb er das nicht abschließen konnte. Und so ist dies neben dem neuen Farbaufbau des Rumpfes die nächste Baustelle, die gleich zu Anfang ansteht.

Ein einziger rostiger Schäkel in der Backskiste mit den Leinen hat übrigens dafür gesorgt, dass diese ganz schön rostig geworden sind – da hilft nur eine gründliche Wäsche in der Waschmaschine, die wir zum Glück in der Ferienwohnung haben und eine Nacht Einweichen in Oxalsäure. Für einen ersten Probetörn wird das schon in Ordnung sein und nächsten Winter liegen vielleicht ein paar neue Leinen unter dem Weihnachtsbaum.

An den vielen Leuten in den Straßen, Restaurants und am Strand merken wir, dass gerade Osterferien sind und viele ein bisschen Sonne im Süden tanken wollen. Wir probieren den typischen italienischen Osterkuchen, die Colomba Pasquale, aus und Flora bekommt ihre ersten pürierten Karotten. Für jeden Geschmack ist also was dabei. Wir sind schon gespannt, was es hier an Ostern noch zu sehen gibt.

Für diese Woche ist das Streichen mit dem Epoxy-Primer geplant. An die fünf Schichten sollen es im Unterwasserbereich werden. Gerade jetzt wird es aber laut Wettervorhersage etwas wechselhaft – wir hoffen, dass wir zumindest ein bis zwei Schichten drauf bekommen, bevor es ab Donnerstag ein paar Tage regnen soll.

Elternzeit in Grado

Wir sind seit Anfang letzter Woche in Grado und werden hier die nächsten Wochen verbringen, um unsere Endless Summer wieder segelfertig zu machen. Möglich ist das durch die Elternzeit von Christian, die mit der Elternkarenz in Österreich vergleichbar ist. Gleich ganze drei Monate ist er nun von seiner Arbeit freigestellt und so nutzen wir die Zeit für unseren Boot-Refit. Wenn alles nach Plan läuft, so sollten sogar noch fünf Wochen fürs Segeln übrig bleiben – aber wir wissen ja, wie das mit Plänen so ist 😉 Wir werden sehen…

Aber der Reihe nach. Eine Woche vor unserer Abfahrt wurde schon mal der Bus von meinem Papa voll bis unters Dach mit Werkzeug, Farben, Windeln und alles, was man für einen mehrwöchigen Aufenthalt in der Werft und Ferienwohnung so braucht, gepackt.

Da es mit einem Kleinkind und einem Baby praktisch unmöglich ist, als Mama nebenbei noch am Boot zu schleifen, haben wir tatkräftige Unterstützung durch meinen Papa Sepp und unsere lieben Freunde Simone, Christian, Bernhard und Angelika erhalten. Falls ihr das lest – ihr seid die Besten!

Schon am ersten Tag nach unserer Ankunft und dem Bezug der Ferienwohnung ging es mit den Schleifarbeiten los. Wir hatten uns zwei mobile Gerüste von einer in der Marina ansässigen Firma geliehen und sobald die Exzenterschleifer einsatzbereit waren und die Crew instruiert war, ging es auch schon los. Zum Glück hatten wir uns schon im Februar entschieden, das Unterwasserschiff sandstrahlen zu lassen, wodurch uns einige Tage Knochenarbeit erspart geblieben sind. Ganze vier Tage dauerte es trotzdem noch, bis der schon an vielen Stellen kaputte blaue Lack ab war und wir bis auf das Gelcoat vorstießen. Umgerechnet 100 Mannstunden an Arbeit waren nötig.

Durch das Abschleifen der kompletten Farbschichten konnten dann auch gleich noch ein paar reparaturbedürftige Stellen freigelegt werden, die wir so ansonsten gar nicht entdeckt hätten.

Das Wetter war perfekt und anders als in Kiel hatten wir beständig Sonne und angenehme Temperaturen. Was für ein Unterschied!

Am Wochenende haben wir auch schon ein bisschen die nähere Umgebung erkundet und mit Felix und Flora eine erste kleine Wanderung am Rilkeweg zwischen Duino und Sistiana unternommen. Benannt nach dem Lyriker Rainer Maria Rilke, der auf Schloss Duino zwischen 1912 und 1922 einige seiner Werke schrieb, wandert man ein paar Kilometer auf einer Klippe mit wunderschönen Ausblicken aufs Meer, das Schloss Duino und den Hafen von Sistiana.

Diese Woche sind wir erstmal wieder allein, da nun mit dem Laminieren und Verstärken einiger Stellen am Rumpf mehr Bastelarbeit für Chistian angesagt ist und erst danach mit dem Farbaufbau begonnen werden kann.

Und wenn wir nicht grad alle zusammen in Cervignano am Boot sind (so eine Werft ist nicht ganz kindertauglich :-)), erkunde ich mit den Kindern Grado.