Erste Eindrücke von Südafrika

OK, viel ist in den letzten knapp 2 Wochen passiert. Nachdem wir die Thor grob auf den Stand von vor dem Knockdown gebracht haben, beschlossen wir ein Auto zu mieten und uns Land und Leute einmal naeher anzusehen.

Zuerst ging es in die Sodwana Bay, das einzige Korallenriff Südafrikas. Da Südafrika so weit südlich liegt, ist es im Rest des Landes zu kalt. Nur dort oben im Norden trauen sich die Korallen hin. Entsprechend viele Tauchunternehmen tummeln sich dort. Gluecklicherweise ist der ganze Riffkomplex sehr gross, sodass es unter Wasser kein Gedraengel gibt. Meist weht der Wind aus nordöstlicher oder aus südlicher Richtung, sodass fast staendig auflandiger Wind herrscht. Getaucht wird von sieben Meter langen Feststoffboden-Dinghis aus. Um unbeschadet durch die Brandung zu kommen wird dem Skipper einiges an Geschick abverlangt, aber natuerlich passiert praktisch nie etwas, die Leute haben ja schließlich jahrelange Erfahrung. Urspruenglich hatten wir geplant nur drei Naechte zu bleiben, aber schon nach dem ersten Tag Tauchen war klar dass wir unseren Aufenthalt in der Sodwana Bay verlängern würden.

In der Tauchbasis „Pisces“ geht es sehr entspannt und locker zu. Wir waren auch die einzigen Touristen dort, alle anderen Kunden waren Einheimische, die seit Jahren immer wieder kommen. Das will etwas heissen. Ueber die anderen Taucher wurden wir auch fast jeden Tag immer wieder zu Ausfluegen und Aehnlichem eingeladen. Gast- und Kontaktfreudig sind die Suedafrikaner jedenfalls. Ziemlich am Anfang ging es z. B. auf einen Huegel, von dem aus man einen wunderschoenen Blick auf einen See hatte. Ein beliebter Aussichtspunkt namens Ngobaseleni, an dem wir dann unseren Sundowner einnahmen. Fast jeden Abend wurde in der Ogwini Lodge, unserer Unterkunft in Sodwana Bay, gemeinsam gegrillt. Grillen heisst in Afrikaans „Braai“ und ist hier so eine Art Volkssport. Bei den hiesigen Fleischpreisen auch kein Wunder. Gegen Ende hin konnten wir Fleisch schon nicht mehr sehen und waren auch heilfroh dass wir zurueck an Bord angekommen wieder einmal eine Gemuesepfanne machen konnten.

Die Silvesterparty haben wir dann mehr oder minder verschlafen. Nach zwei Tauchgaengen am Vormittag ging es erstmal zurueck zur Ogwini Lodge. Alle bekannten Gesichter waren ausgeflogen und so haben wir Abends fuer uns alleine gebraait. Danach haben wir uns dann fuer ein Nickerchen auf das Zimmer zurueckgezogen und sind recht schnell weggebrochen. Um zwoelf Uhr sind wir kurz vom Laerm  aufgewacht, haben uns aber gleich umgedreht und haben weitergeschlafen.

Am naechsten Morgen wurden wir dann gut erholt von unseren neuen Bekannten geweckt. Sie stammen aus Johannisburg und verbringen seit Jahren die Feiertage mit ihren beiden Kindern tauchenderweise in Sodwana Bay. Wir hatten vereinbart den Tag gemeinsam am Sibayasee zu verbringen. Der groesste Suesswassersee Suedafrikas ist nur eine halbe Autostunde von der Lodge entfernt. Auf die Frage nach den Wegverhaeltnissen meinten sie dass wir mit unserem Nissan Micra kein Problem haetten. Bis zum Tor des Nationalparks waere alles Strasse und OK, das kurze Stueck danach koennten wir mit ihnen im X5 mitfahren. Gesagt getan. Komischerweise bogen wir gleich 20 Meter, nachdem wir aus dem Tor der Lodge draussen waren, auf einen Sandweg ab, der uns schnurstracks durch den Wald fuehrte. Uns blieb nicht viel anderes uebrig als ihnen zu folgen. Es kam natürlich wie es kommen musste, sobald die Reifenspuren im Sand etwas tiefer wurden, saß der kleine Nissan auf und wir konnten nur mit vereinten Kraeften den Karren wieder aus dem Dreck ziehen. Eine Verringerung des Reifendrucks brachte erstmal Abhilfe doch natuerlich liess die naechste, noch tiefere Stelle, nicht lange auf sich warten. Lange Rede kurzer Sinn, insgesamt blieben wir auf dem Weg zum See schlappe fuenf Mal (!) stecken. Ab dem dritten Mal war es mit Schieben auch nicht mehr getan, wir mussten uns von vorbeifahrenden Fahrzeugen ein Abschleppseil ausborgen, da wir natuerlich als Mietwagenfahrer keines dabei hatten. Wir wunderten uns doch sehr, was die Suedafrikaner so Strasse nennen. Umgekehrt wunderten sie sich sicherlich, was wir Touristen denn mit einem Micra da mitten im Wald verloren hatten. Nach dem fünften Mal wurde es unseren Voraus- und Hinterherfahrern dann zu bunt, und so wurden wir kurzerhand die letzten 400 Meter zum Parktor geschleppt. Wie geplant stiegen wir dann zu unseren Freunden in den SUV um und legten die letzten Kilometer zum See völlig ereignislos, ja fast gelangweilt 😉 zurück.

Dort verbrachten wir dann einen wunderschönen Tag im kühlen Wasser, wegen der Krokodile und Nilpferde aber nur bis zu den Knien (!?). OK, das hoert sich jetzt schlimmer an als es ist. Es waren genügend Augenpaare da, die permanent das Wasser beobachtet haben. Wirklich zu Gesicht bekommen hat die Biester keiner. Es war ihnen wohl zuviel Trubel. Wieder gab es das südafrikanische Nationalgericht „Potije“, das wir schon einmal bei einer Einladung in Richards Bay verkosten durften – wie schon damals – ein Gedicht. Wie so oft erfuhren wir im Gespraech viel über die juengere Geschichte Suedafrikas, aber auch über die Zeit vor dem Ende der Apartheit. Die Gastfreundschaft die wir von den Urlaubern in Sodwana Bay erfuhren, war jedenfalls überwältigend.

Immer im Hinterkopf hatten wir jedenfalls die Heimfahrt, immerhin mussten wir ja den Weg über die Sandpisten wieder zurück. Letztendlich ging diese aber recht flott von statten. Anders als bei der Hinfahrt regierte nun der Bleifuss, und mit Ach und viel Krach pfluegten wir durch die „Duenen“. Steckengeblieben sind wir dann kein einziges Mal (!), von spritsparender Fahrweise muss man sich im Gelaende wohl verabschieden. Wieder was gelernt…

In die umliegenden Nationalparks sind wir natuerlich auch gefahren. Fuer uns war es das erste Mal dass wir die hiesigen Wildtiere ausserhalb eines Zoos betrachten konnten. Elegante Antilopen, urzeitlich anmutende Rhinozerosse und Schildkroeten, Strausse, grasende Gnus, massive Bueffel, turmhohe Giraffen und meine neuen Lieblingstiere – die Warzenschweine. Loewen sahen wir nur auf einer gefuehrten Tour, bei 250 kg Lebendgewicht und riesigen Reisszaehnen fuehlt man sich aber schon viel wohler, einen Profi dabei zu haben.

So, das war nun die eine Seite der „Urlaubsreise“. Allerdings gab es natuerlich auch noch, wie so oft, eine Kehrseite der Medaille:

Seit Mitte letzten Jahrhunderts bis 1994 herrschte mit dem Apartheitsregime eine rassistische Regierung, die versuchte eine strikte Rassentrennung durchzusetzen. Schwarze sollten als „minderwertige Rasse“ lediglich die niederen Aufgaben ausfuehren. Dementsprechend gab es lediglich sehr eingeschraenkte Zugaenge zu Bildung und Wohlstand. Nichteinmal frei bewegen durften sie sich im eigenen Land. Sie durften z. B. nur in Staedten wohnen, wenn sie bei Weissen angestellt waren, beispielsweise als Haushaltshilfe. Bedenkt man, dass der Anteil der Weissen bei lediglich 9 % der Geamtbevoelkerung liegt, ein absoluter Wahnsinn.

Traurigerweise haben wir festgestellt dass sich auch nach nun schon 20 Jahren kaum etwas geaendert hat. Zwar sind die rassistischen Gesetze verschwunden, aber die Mauern in den Koepfen sind meist noch vollstaendig vorhanden. Wenn man mit Weissen spricht, dann hoert man beispielsweise das abwertende Wort „Kaffer“ noch recht haeufig. Oft wird geklagt, dass die neue schwarze Regierung die Infrastruktur des Landes verlottern lasse.

So gut wie jeder einigermassen gut betuchte Weisse hat immer noch schwarze Hausangestellte zu Hause. Dies ist natuerlich nur moeglich, weil diese sich fuer eine Spottpreis verdingen. Das Lohnniveau zwischen Schwarzen und Weissen ist nach wie vor sehr unterschiedlich. Einer befreundeten Yacht, die im benachbarten Boatyard neues Antfouling strichen und sich in der Hitze drei Tage abrackerten, wurde der „Tipp“ gegeben, sie moegen sich doch fuer 150 Rand pro Tag – das sind ca. 10 Euro – einen  Schwarzen engagieren, der dann die Drecksarbeit fuer sie erledigen koenne. „Niemand der bei klaren Verstandes sei, wuerde in Suedafrika koerperliche Arbeit selbst verrichten“ – gemeint waren natuerlich Weisse.

Wenn wir, wie wir es eben machen, auf der Strasse schwarze Leute freundlich gruessen, meinen diese oft wir wuerden etwas von ihnen wollen und fragen nach. Ob das nun einfach Freundlichkeit ist, oder eine, durch die hiesigen Verhaeltnisse, lang antrainierte „Unterwuerfigkeitsbezeugung“ koennen wir nicht sagen. Weisse jedenfalls gruessen jedenfalls niemals mit einem „Yes Ma’am/ Sir?“ zurueck.

Wegen der krassen Unterschiede zwischen Arm und Reich ist leider das Kriminalitaetsniveau entsprechend hoch. Aus Angst vor Ueberfaellen geht beispielsweise kaum ein Weisser nachts zu Fuss. Selbst die Kneipe, die weniger als 100 Meter von unserer Lodge entfernt war, gerade mal auf der anderen Strassenseite, wird nur mit dem eigenen PKW besucht. Um die Grundstuecke der Haeuser, bzw. gleich um ganze Wohngebiete, werden hohe Mauern errichtet. Wahlweise oben mit Glassplittern, Stacheldraht oder Elektrozaun (!). Dahinter fuehlt man sich dann schoen sicher und geborgen. Das Ganze kann man leider nicht als Paranoia abtun. Bekannte wurden zwei Tage nachdem wir dort waren, auf Ngobaseleni, also genau unserem Sundownerhuegel, mit vorgehaltener Pistole ausgeraubt. Gluecklicherweise kam niemand zu Schaden. Man muss also schon echt vorsichtig unterwegs sein, auch wenn einem das als Europaer surreal vorkommt.

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Das war also ein Bericht der letzten eineinhalb Wochen. Er schildert unsere ersten persönlichen Eindrücke von diesem Land und  seinen Leuten. Wir hoffen, dass wir aber noch andere Sichtweisen erfahren werden und mehr darueber berichten koennen.

Und hier geht es zum Fotoalbum von unserem „Urlaub“:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157649752076539/

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Small Scale Charts

Here you can find small scale charts for download.

world.topo

The charts are made from either public domain data from naturalearthdata.com/ or from data from openstreetmap.org which is under the Open Database License. The maps can be used and copied freely according to this license. To my understanding, the copyright is held by Openstreetmap and contributors.

The charts are meant for cruisers who still like to have some form of paper chart around, mainly for trip planning purposes. The downloaded files are meant to be taken to the next copy shop and being printed out on A2 paper.

Although the charts should display all hazards to navigation in one form or the other (and please consider everything inside the 200m depth contour a hazard), currently the maps don’t show all obstacles.

Maps are never complete and the ones here are no exception. They are compiled by using crowd sourced data. The data gets better by the contribution of people like YOU. If you find errors, please tell me about it (e.g. in the comments below), so that the next version could be made better.

These maps are in no way useful for coastal navigation. Please always use other means to navigation (like official charts!) to ensure your intended route is clear of obstacles.

By the way, I’d like to introduce you to the OpenSeaMap Project (short: OSeaM). Its goal is to produce a libre and open source nautical chart of the world. Some of the data used in these small scale charts is derived from the OSeaM data. This data is provided by sailors like YOU.  If you have local knowledge, please consider improving the map yourself- it is not that hard to do. Also, if you have gps tracks with depth data, please upload them to depth.openseamap.org. In the long run everyone will benefit from OSeaM. Since we started our circumnavigation on SY THOR three years ago, we use the OSeaM Garmin charts with great success.

hawaii  Hawaii

 

 

 

frzpoly French Polynesia

 

 

 

panama  Central America

 

 

 

galapagos  Galapagos

 

 

 

carribean  Caribbean Sea

 

 

 

azores  Azores

 

 

 

centralatlantic  Central Atlantic Ocean

 

 

 

northatlantic  North Atlantic Ocean

 

 

 

southeastatlantic  South East Atlantic

 

 

 

indiannorth  Indian Ocean North

 

 

 

indianoceaneast  Indian Ocean East

 

 

 

indianoceanwest  Indian Ocean West

 

 

 

southchinasea  South China Sea

 

 

 

marshallislands  Marshall Islands

 

 

 

tasman  Tasman Sea

Happy Divali!

Zwei Drittel der Bevoelkerung in Mauritius sind indischer Abstammung und so wurde auch hier auf der Insel diese Woche das traditionelle Divali-Fest  (https://de.wikipedia.org/wiki/Diwali) gefeiert. Es handelt sich hierbei um das sogenannte Lichterfest, das mehrere Tage dauert und seinen Hoehepunkt am 3. Tag hat, an dem alle Haeuser mit bunten Lichterketten und kleinen Oellampen geschmueckt werden. Schon ein paar Tage vorher werden neue Kleider und neues Geschirr gekauft und die Haeuser auf Hochglanz gebracht. Man beschenkt Nachbarn, Familie und Freunde mit Divali-Sweets und auch wir neugierigen Touristen bekommen Unmengen dieser unglaublich suessen Koestlichkeiten in die Hand gedrueckt.

In Triolet, einer kleinen Stadt zwischen Port Louis und Grand Baie, ist die indische Bevoelkerung am dichtesten angesiedelt und so hatten wir uns zusammen mit Tanya und Oren von der SY Renata fuer diesen Tag ein Auto gemietet, da die Festlichkeiten erst Abends stattfinden sollten und so spaet keine Busse mehr unterwegs sind.

Natuerlich nutzten wir das Auto gleich den ganzen Tag und wanderten in der Frueh erstmal bei sengender Hitze auf den 720 m hohen Corps de Garde („Wache“). Dort kontrollierte in frueheren Zeiten eine franzoesische Militaerstation die Banden an entkommenen Sklaven auf der Insel.

Danach haben wir uns am Nachmittag noch am Strand den Bauch mit indischen Suessigkeiten vollgeschlagen (ganz nach Divali-Tradition) und abends in Triolet die beleuchteten Haueser, Feuerwerke, indische Livemusik und noch mehr Suessigkeiten, die uns von wunderschoen gekleideten Frauen geschenkt wurden, genossen.

 

Und hier gibt es noch ein paar Fotos der letzten Woche aus Mauritius:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157648568364278/

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Loctite und die grossen Boote

So, wird wieder einmal Zeit fuer den woechentlichen Report. Nach ordentlichem Gewuerge haben wir den oberen Wirbel der Rollreffanlage demontiert bekommen. Christoph von der Taurus fixierte die 60 cm Wasserpumpenzange am Boden, ich stellte mich auf den Englaender. Endlich gab die Verschraubung nach. Tatsaechlich war das obere Lager durch Ueberlastung geschaedigt. Tiefe Dellen haben sich in die Laufflaechen eingegraben. Wir fanden ordentlichen Ersatz bei der Fa. Engitech. Diese  hatte unser Lager, ebenso wie viele andere Maschinenbauteile in Premiumqualitaet vorraetig, selbst SKF war vertreten, was mir als Unterfranke natuerlich sehr gefallen hat.

Die Suche nach Schraubensicherungslack zur Montage der Ganzen gestaltete sich dann allerdings zum Lustspiel allererster Garnitur. Noch auf dem Rueckweg vom Kugellagerladen fiel mir ein, dass wir ja Loctite benoetigen wuerden. Ich also gleich in den naechstbesten Chinaladen und danach gefragt. Die Dame stellte eine Flasche No-name Kram auf den Tresen- 450 Rupies (11 Euro) fuer 50 ml. Puha, stolzer Preis fuer eine Menge, die ich ja im Leben nicht brauchen wuerde. Ich dachte mir, da guck ich doch lieber nochmal woanders. Ich marschiere also erst einmal weiter. Wie der Teufel will, hatte dann natuerlich keiner der naechsten fuenf Laeden Schraubensicherungslack. Grummel. Bin ich etwa gerade am einzigen Laden in Mauritius vorbeigekommen, der Schraubensicherungslack fuehrt? Ein einziges weiteres Geschaeft hatte dann einen – waren ungefaehr 400 Rupies fuer 10 ml – aaaarg. Die Flasche war schon sehr angegammelt. Letztenendes kaufte ich dann einen Tag spaeter 5 ml fuer 380 Rupies brandneu im Blisterpack im Baumarkt in der Naehe unseres Ankerplatzes. Nachdem dann alles montiert war und wir wieder einmal einen Grossreinemachetag einlegten,  fand ich dann zu allem Uebel noch ein Flaeschchen pipifeinen Schraubensicherungslack in einer unserer Werkzeugkisten sowie im ganz normalen Supermarkt einen Schraubensicherungslack in zwei verschiedenen Staerken um 48 Rupies – famos, famos. Die Story trug jedenfalls sehr zur Erheiterung der in der Anchorage befindlichen Segler bei.

Lange Rede kurzer Sinn, die Rollreffanlage funktioniert jetzt wieder wie neu und dreht sich butterweich.

Neben der Rollreffanlage bastelten wir noch eine Unterteilung fuer unseren Kuehlschrank, damit nicht alles darin herumpurzelt, ein weiteres Gemuesenetz auf der Backborseite wurde installiert, Diesel und Benzin wurden gebunkert, das Vorsegel ging erneut zum Segelmacher- der von ihm fehlerhaft reparierte UV- Schutz wurde nachgebessert. Wassertanks wurden wieder aufgefuellt, Waesche gewaschen usw.

Der Hauptggrund warum wir so lange in Mauritius bleiben, liegt an der World ARC. Die World ARC ist eine Segel-Rally bei der die Teilnehmer ihre Boote in 15 Monaten auf der Barfussroute um die Welt pruegeln. Meist sind die Boote jenseits der 14 m Marke und eben auch dementsprechend schnell. Vor Anker liegt man kaum. Zeit fuer ausgiebiges Eintauchen in fremde Kulturen bleibt nicht, aber jedem das seine.

Der grosse Pulk der ARC kam vor kurzem hier in P. Louis an, in zwei Tagen zieht der Tross (insgesamt 23 Boote) gesammelt nach Reunion weiter. Dort werden dann beide Haefen komplett belegt sein. Normalerweise waere das kein Problem, wir ankern viel lieber in einsamen Buchten, als uns in schmutzigen Hafen- / Marinawassern herumzutreiben, aber leider bietet die Insel Reunion keinen (!) einzigen Ankerplatz. Zum Glueck ist am 1. November der Spuk vorbei – dann verzieht sich der Zirkus weiter nach Suedafrika und wir koennen hoffentlich ein Plaetzchen in Reunion finden.

Wievel Seekarte braucht der Cruiser?

Die Navigation mit elektronischen Seekarten ist mittlerweile Gang und Gaebe. Ich persönlich kenne kein Cruiserboot, das nicht auf Kartenplotter, Tablet und/oder Laptops setzt. Einige wenige haben noch Seekarten als Backup dabei. Auch wir fuhren, zumindest bis Fiji, mit alten Papierseekarten als redundantes System herum. Danach waren diese aber nur mehr mit riesigem Aufwand und für teures Geld aufzutreiben, so dass wir letzten Endes darauf verzichteten.

In Mikronesien war es dann soweit. Wir kamen frohen Mutes im wunderschönen Atoll Puluwat (also am A…. der Welt) an. Jeweils zwei persoenliche Netbooks fuer die Navigation und sonstige Computerei, und zusaetzlich zwei alte Pentium 3 Schleppies als Ersatz. Eines schoenen Tages ging Christines Laptop nicht mehr, und liess sich auch nicht mehr zum Leben erwecken. Die Ersatzlaptops, die bis dahin friedlich in der Hundekoje geschlummert hatten, waren ebenfalls tot- grummel, ein halbes Jahr zuvor haben sie noch funktioniert. In Windeseile waren wir also von 4 Laptops auf nur noch einen funktionierenden Navigationscomputer runter. Eine halbe Woche spaeter machte dieser Zicken und lud nur noch ab und zu. Na prima. Schnell wurden alle Ansteuerungswegpunkte fuer die naechsten Inseln auf alle verfuegbaren Hand-GPSe uebertragen.

Gluecklicherweise hielt der letzte Laptop dann aber doch durch, drei Inseln und zwei Staaten weiter konnte dann ein Neugeraet als Ersatz angeschafft werden. Mit der Installation von Navigatrix ( http://navigatrix.net/ ), einer Linuxdistribution fuer Segler, hielt sich die Neueinrichtung des Navilaptops dann auch zeitlich im Rahmen.

Das obige Beispiel zeigt recht gut, dass es teilweise auch einmal recht schnell gehen kann mit dem Sterben von elektronischen Geraeten an Bord. Auch Ersatzlaptops sollten regelmäßig (z. B. vierteljaehrlich) ueberprueft werden.

Bis wir einen Ersatzlaptop aufgetrieben hatten, fragten wir uebrigens unter den Mitcruisern nach Papierseekarten zum Kopieren. Ein einziges Boot (von vielleicht sechs oder sieben) hatte noch welche an Bord. So konnten wir wenigstens fuer die Ansteuerung von Palau auf Papierkarten als Backup zurueckgreifen. Auch wenn wie gesagt der letzte Laptop dann doch durchhielt, es war ein sehr gutes Gefuehl noch „ein Ass im Aermel“ zu haben.

Es waere in obiger Situation wirklich von argem Vorteil gewesen, wenn wenigstens ein Uebersegler an Bord gewesen waere. Uebersegler sind Karten, welche ein grosses Gebiet abdecken und üblicherweise zur groben Reiseplanung genutzt werden. Auf langen Ueberfahrten wurde es bei uns an Bord zur schoenen Gewohnheit die Mittagsposition auf einer schoenen Uebersichtskarte einzutragen (so wie man das eigentlich seit Jahrhunderten auf saemtlichen Seeschiffen gemacht hat). Das ergibt dann einen tollen Ueberblick ueber den Reiseverlauf. Seit einem guten Jahr treiben wir uns nun aber in Gebieten herum, in denen es leider kaum Seekartengeschaefte gibt. Lediglich in Bali waere ein solches gewesen, gefunden haben wir es aber nicht.

Seit nun schon einiger Zeit bin ich im Openseamap (OSeaM) Projekt involviert ( http://openseamap.org/ ). Dort geht es darum in Wikipedia-Manier eine freie Seekarte zu erstellen, die dann fuer alle unter einer offenen Lizenz zur Verfuegung gestellt wird. Auch wenn die Openseamapkarte in den meisten Gebieten noch nicht zur Detailnavigation zu gebrauchen ist, gerade die Tiefenangaben fehlen in den Flachwasserbereichen noch voellig, so sind doch gerade Uebersegler aus
den vorhandenen Daten durchaus den kommerziell erhaeltlichen Karten ebenbuertig. Der oesterreichische Programmierer/Segler Bernhard Fischer hat mit dem SMrenderer ( http://www.abenteuerland.at/smrender/ ) ein tolles Programm geschrieben, welches aus den vorhandenen Daten eine Seekarte zeichnet. Mittels der OSeaM Daten, und den gemeinfreien Karten von http://www.naturalearthdata.com/, gelang dann eine tolle Seekarte, die sich meines Erachtens nach sehen lassen kann.

Hier mal ein Beispiel unseres aktuellen Seegebiets:

indianoceanwestmini

Diese Karten koennen von jedem Fahrtgebiet der Welt erzeugt werden. Ich werde hier in Zukunft immer mal wieder neue Karten zum Download einstellen. Sie liegen im pdf Format vor und sind dafuer gedacht im DIN A2 Format ausgedruckt zu werden.

Wichtiger Hinweis:
Es sollten auch auf diesen grossmassstaeblichen Karten alle Hindernisse fuer die Navigation in irgendeiner Form vorhanden sein. Dies ist aktuell sicherlich nicht der Fall und bedarf bestimmt noch zahlreicher Korrekturen.
Hindernisse fuer die Navigation sollten entweder innerhalb der 200 m Linie liegen, als Kuestenlinie, extra Symbol (Fels etc…) dargestellt werden. Falls jemand da Schnitzer findet, so moege er mir diese bitte per Mail mitteilen. Ich werde den Fehler dann so bald als moeglich korrigieren.

Juristischer Kram:
Die Karten sind natuerlich wie ueblich nicht zur Navigation geeignet. Eine Gewaehr irgendeiner Art kann ich nicht geben. Die Karten sind aus Daten vom Openstreetmap Projekt (openstreetmap.org) und von http://www.naturalearthdata.com/. Die Daten von OSM stehen unter der ODbL, die Daten von NED sind gemeinfrei. Die Karte darf frei kopiert und weitergegeben werden (entsprechend der ODbL).

Ant Atoll

Das Ant Atoll liegt nur 25 Seemeilen von der Stadt Kolonia entfernt. Da es sich in Privatbesitz befindet und die Besuchsgebühren recht happig sind, verirrt sich kaum ein Boot hierher. Waren wir Anfangs noch vier Boote in der Anchorage, sind wir nun seit einigen Tagen alleine. Seit mehr als 3 Monaten in trüber grünlicher Brühe haben wir endlich wieder Mal glasklares türkises Wasser ums Schiff.

Unsere Freunde Lisa und Paul von dem australischen Boot Lorelei, erstmals haben wir sie vor zwei Monaten in Kosrae kennengelernt, haben uns gleich einen Tag nach Ankunft mit zum Tauchen im Riffpass genommen. Barracudas, Haie, bunte Rifffische und sogar ein riesiger Mantarochen haben sich dort getummelt. Hammer.

Abends gab’s dann auf der Lorelei noch Sushi. Am nächsten Tag fiel dann der nächste Tauchgang leider aus. Paul hatte sich übelst die Hand beim Vorheizen des Petroleumkochers verbrannt. Zum Trost gab es dann Pizza auf der Thor. Leider mussten die beiden dann kurz darauf zurück nach Kolonia um ihr Visum zu verlängern. Behrödenkram. Urgs. Wir werden sie hoffentlich in Yap oder in Palau wieder treffen.

Ansonsten lebt es sich hier vortrefflich. Der ein oder andere Regenschauer füllt unsere Wassertanks bis zum Überlaufen und bringt willkommene Abkühlung. Am Strand trifft man ab und an auf ein paar Arbeiter die aktuell auf der Nachbarinsel eine Hütte zimmern und deshalb zum Holz machen mit der Stihl Motorsäge durch den Palmenhain huschen. Netterweise bekommen wir von ihnen dann oft gleich ein paar Trinkkokosnüsse gepflückt. Muß ich doch mühsam vom Boden aus die Kokosnüsse mit einem langen Stock zu Tal befördern, sprinten die Burschen mal eben die Palme am Stamm hoch als wär‘ s nix.

Des Weiteren gibt es immer mal wieder Kleinigkeiten an Bord zu erledigen. Vor kurzem fanden wir in der Bilge noch zwei große Computerlüfter vom Voreigner. Diese wurden jetzt endlich mal aktiviert. 35 °C bei fast Windstille im Boot ist nämlich hier kein Zuckerschlecken. Einer der Lüfter (1,2 Watt) quirlt nun angenehm leise nachts in unserer Vorpiek die Luft durch und der zweite- ein 5 Watt Lüfter Marke MIG-Düsentriebwerk – sorgt im Salon für Wind. Aaaaaah.

Demnächst sollten die Passatwinde wieder recht konstant wehen,wir werden also die nächsten Tage weiter nach Westen tingeln.

Autor: Christian

Ankunft Pohnpei

Heute morgen nach ruppiger und chaotischer Überfahrt gut in Pohnpei angekommen.

Demnächst folgt ein ausführlicher Bericht, wir hauen uns erstmal in die Falle.