In Schleswig

Gerade rechtzeitig vor dem Wetterumschwung segelten wir gestern weiter nach Schleswig. Hier ist die Schlei zu Ende und wir liegen nun für ein paar Tage im Stadthafen. Die Schlei zeigt auf den letzten Meilen nochmal, warum sie ein wirklich besonderes kleines Segelrevier ist. Landschaftlich sehr abwechslungsreich segelt man mal durch wirkliche Engstellen um gleich danach wieder ausreichend Platz auf der Großen Breite für alle möglichen Manöver zu haben. Wir halten uns aber lieber doch an das Fahrwasser, bei durchschnittlich drei Meter Wassertiefe wollen wir lieber kein Risiko eingehen. Die Einheimischen fahren jedenfalls gefühlt kreuz und quer durch die Gegend. Wird schon gut gehen.

Ein paar Fotos der Fahrt von Kappeln nach Schleswig:

Heute hat es so ziemlich den ganzen Tag wie aus Kübeln geschüttet, wir haben aber trotzdem eine kleine Runde gedreht und das schlechte Wetter noch gleich genutzt, um die Wäsche zu waschen. Das kann man für wenig Geld hier im Stadthafen erledigen – dafür ist das Liegegeld auch gleich mal 5 EUR pro Nacht teurer als in den bisherigen Häfen. Andererseits sind dann aber die Duschen kostenlos. Immerhin auch sehr komfortabel.

Morgen soll der Regen wieder vorbei sein und wir wollen in das Wikinger Museum Haithabu. Sonntag geht es dann langsam in Etappen zurück Richtung Ostsee. Die Tage zerrinnen wie Sand zwischen den Fingern – bald müssen wir zurück nach Hause. Wie schön wäre es, wenn wir einfach den ganzen Sommer hier bleiben könnten. Träumen darf man ja…

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Binnensegeln

Seit gestern Nachmittag liegen wir vor der Liebesinsel vor Anker und es könnte nicht idyllischer sein. Auf der kleinen Insel mitten in der Schlei sind unzählige Vögel anzutreffen, die Ufer sind links und rechts von Schilf gesäumt und dahinter erstrecken sich grüne Wiesen und Wälder, soweit das Auge reicht. Abends, wenn die meisten Sportboote im Hafen festgemacht haben, wird es einzigartig ruhig und man ist nur noch von den Geräuschen der Natur umgeben.

Das Wetter soll bis Freitag noch sommerlich warm bleiben und wir werden diese Ruheoase bis dahin auch nicht verlassen.

Die Fahrt hierher – ganze zwölf Seemeilen – hat auch richtig Spaß gemacht. Mit zwei Klappbrücken in Kappeln und Lindaunis wurde uns nicht langweilig und dazwischen konnten wir mit Wind von hinten sogar Segeln. Im Binnenrevier der Schlei läuft das ganz ohne Welle und zu viel Schaukelei ab und so war auch Felix wieder sehr entspannt. Vielleicht gewöhnt er sich auch einfach an das Leben auf dem Wasser. Wir wünschen es uns jedenfalls.

Christian hatte vor der Abfahrt in Kappeln noch schnell eine Dose Farbe, Schleifpapier und Aceton gekauft, denn wir wollen das warme Sommerwetter dazu nutzen, das Deck wieder in strahlendes Weiß zu tauchen. Das war schon ein richtiger Fleckenteppich, da wir zwar einzelne Roststellen immer ausgebessert hatten, aber dann natürlich nicht jedes Mal das Deck neu gestrichen haben. Gestern wurde das Dach des Kajütaufbaus schon gestrichen und heute war die eine Hälfte des Decks dran.

Mehr Fotos gibt es, wenn wir in Schleswig sind – Natur sei Dank haben wir hier eine recht schwache Internetverbindung …

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Der perfekte Segeltag

Am Mittwoch war er dann da, der perfekte Segeltag für uns. Wir starteten gleich in der Früh um kurz vor sechs, nachdem Felix aufgewacht war. Praktischerweise hat er dann nach seinem ersten Frühstück (ein Fläschchen Milch) noch einmal zwei Stunden geschlafen. Das Starten des Motors konnte ihn da nicht im Geringsten beeindrucken. Zum Glück brauchten wir die Motorhilfe aber tatsächlich nur für die elektrische Ankerwinsch und danach hieß es die nächsten zwölf Stunden Segeln!

Der Wind kam wie vorhergesagt mit 3 Bft, obwohl die Richtung nicht ganz stimmte. Es war eher Nordwind und so segelten wir wieder mal hart am Wind – bei geringer Windstärke und null Welle ist das aber auch ein ziemlich angenehmer Kurs für die Thor und wir hatten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 3 Knoten. Das mag den meisten Seglern viel zu wenig sein, aber wir genossen es so richtig. Es ist hier abends sehr lange hell und schlechtes Wetter war für diesen Tag auch nicht angesagt. Warum also nicht gemütliches „Schnuffelsegeln“, wie wir es nennen.

Felix hatte damit jedenfalls seinen Spaß. Keine Spur von Seekrankheit – es wurde sehr viel gespielt, gegessen, getrunken und geschlafen.

Kurz vor Schleimünde, der Einfahrt in die Schlei, machten wir dann doch den Motor an um die letzten zwei Stunden bis zu unserem Zielhafen zurückzulegen. Das Fahrwasser ist auch ganz schön eng und es bildete sich zum Abend hin fast Kolonnenverkehr in die Häfen. Das war so gegen 18 Uhr und Felix war schon wieder im Bett. Das Anlegemanöver hat er komplett verschlafen und so waren auch wir Eltern extrem entspannt. Zwar auch hundemüde, weil so ein 14 Stunden Segeltag einem schon in den Knochen steckt, aber es war wirklich ein perfekter Tag.

Wir waren froh, noch am Abend die Strecke bis Kappeln gefahren zu sein, da ab Donnerstag das Wetter so richtig ungemütlich wurde und seitdem sind wir hier also in der Grauhöft Marina. Kappeln bietet alles, was das Skipperherz begehrt. Es gibt sehr viele Fachbetriebe für Reparaturen aller Art und nachdem auch Freunde von uns quasi gleich um die Ecke wohnen, konnten wir es hier ganz entspannt ein paar Tage aushalten.

Morgen ist der Starkwind aber wieder vorbei und wir wollen uns weiter entlang der Schlei ins Landesinnere bewegen. Schon heute gab es wieder Sonnenschein und wir nutzten den Tag nochmal zum Spaziergang in die Stadt.

Halbzeit

Die Hälfte unserer Elternzeit ist bereits wieder vorbei und wir machen uns langsam wieder auf den Rückweg. Sonntag genossen wir nochmal die an diesem Tag fast menschenleere Altstadt von Wismar, bevor es am Montag wieder nach Fehmarn ging.

Eigentlich wollten wir auch noch unbedingt nach Travemünde um dort Freunde von uns zu besuchen, aber das Wetterfenster Richtung Schlei erschien uns gerade günstig und darum waren wir dann gestern auch den ganzen Tag unterwegs nach Orth. So haben wir morgen eine gute Startposition für die Fahrt in die Schlei. Die 37 sm legten wir wieder so ziemlich komplett mit Motorunterstützung zurück. Aber die Segel waren auch draußen und so konnten wir meist mit gut 4 Knoten unterwegs sein. Die 11 Stunden lange Fahrt war für Felix sehr entspannt und das ist im Moment das Wichtigste für uns.

Heute war ein Tag vor Anker am Programm. Eigentlich wollten wir auch an Land gehen, aber es war dann doch etwas zu viel Welle um dorthin zu rudern (für den Außenborder war kein Platz mehr im Auto). Außerdem kennt ja Felix das Bananaboot auch noch gar nicht. Lieber keine Experimente am Anfang. Das werden wir in der Schlei mal testen. Wir nutzen den Tag also und baden wieder mal ausgiebig – seitdem die Duschen in den Marinas wegen Covid19 geschlossen sind, muss der Wasserkessel und das Waschbecken im Bad für die Körperpflege ausreichen. Da ist dann fast Luxus, wenn man bequem im Cockpit sitzt und sich Becher mit warmen Wasser aus dem Plastikzuber, den wir extra für Felix aus dem Baumarkt geholt haben, über den Kopf leeren kann. Das Bad in der Ostsee fällt heute aus, es ist doch ein bisschen zu kalt.

Überraschenderweise liegen mit uns auch noch ein paar andere Boote vor Anker, was wir von hier gar nicht gewohnt sind. Der Nachbarlieger spielt auf seiner Gitarre, bei Sonnenuntergang genießen wir ein Gläschen Wein und grillen wieder mal auf dem Cobb. Da kommt man fast in Langfahrtstimmung. Felix schläft zufrieden im Vorschiff und träumt vielleicht vom Meer.

Morgen geht es hoffentlich mit Wind aus Nordost, 3 Bft, Richtung Schlei…

Backsteine, Familienduschen und Feingewinde

Nach unseren zwei Tagen am supermalerischen Ankerplatz südlich der Insel Poel (gleich südlich des Eingangs zum „faulen See“) hatte der Wind auf Süd gedreht und es wurde Zeit weiter zu ziehen. Wir verholten uns nach Wismar in den Westhafen. Dort gibt es am Ende des Hafenbeckens rechter Hand Fingerstege für Gastlieger. Was für ein Luxus. Wegen den Abstandsregeln aufgrund der Coronapandemie kann an jedem Finger nur ein Boot liegen. Wir sind früh aufgebrochen und erreichten Wismar noch am Vormittag, so haben wir trotzdem einen Platz bekommen. Felix hat die kurze Überfahrt von Poel nach Wismar gut überstanden und scheint nicht nachtragend zu sein. Ab jetzt müssen wir wohl seglerisch sehr kleine Brötchen backen. Das wird auch bedeuten, öfter mal den Jockel anzuwerfen um bei Schwachwind zum nächsten Ziel zu gelangen.

Wismar ist ein Kleinod mit intakter Altstadt und toller, für den Norden so typischer, Backsteinarchitektur. Das Kopfsteinpflaster in Wismar ist jetzt nicht sooo Kinderbuggy geeignet, aber meist findet sich ein mit glatten Steinen gepflasterter Gehsteigabschnitt, der besser befahrbar ist. Wir hirschten erstmal rüber zum Wasserwandererhafen und haben dort kontaktlos unser Hafengeld per Umschlag in den Briefkasten der Hafenmeisterei gesteckt. Matjesbrötchen darf natürlich nicht fehlen, kurz noch einige Besorgungen im nahen Supermarkt und gut gestärkt erreichten wir wieder die Thor. Ansonsten kann man es hier sehr gut aushalten. Corona sei dank haben sie die alten sanitären Anlagen im Wasserwandererhafen geschlossen und genau vor unserer Nase im Westhafen zwei Container mit blitzsauberen Familienduschen platziert. Prima! Einen Waschsalon gibt es auch und außerdem eine Konditorei mit dem Namen Senf.


Am nächsten Tag waren etwas Wartungsarbeiten an der Thor angesagt. Ab jetzt wird es technisch!
Der Dieselfilter am Motor verliert schon seit einiger Zeit winzigste Mengen an Kraftstoff. Vermutlich kommt das über die Entlüftungsschraube oben am Vorfilter. Haarriss? Kaputter Dichtring? Gelegenheit macht Diebe und so war es an der Zeit da mal genauer nachzugucken. Ich bin vorsorglich schon mal zum gleich in der Nachbarschaft ansässigen freundlichen Motorfuzzi und habe eine Ersatzentlüftungsschraube besorgt. Leider ließ sich die Schraube gar nicht mehr rausdrehen und fester ziehen ging auch nicht. Nach genauer Inspektion treffe ich auf meinen alten Freund, den Aluminiumdruckguss. Das Gewinde des Filtergehäusedeckels war zerstört. Ich bin mit dem Teil kurzerhand wieder beim freundlichen Motorfuzzi aufgetaucht, vielleicht können die mir ja vor der Mittagspause noch die Schraube rauspressen und ein größeres Gewinde reinschneiden. Kommt aber noch besser: Die hatten ein passendes, gebrauchtes Filtergehäuse für kleines Geld auf Halde, sogar mit Wasserabscheiderglas! Also quasi noch ein Upgrade. Hurraaa! Zurück auf der Thor baue ich voller Stolz das Teil wieder ein, zerdepper dabei erstmal das Wasserabscheiderglas (Upgrade ade) und stelle dann fest, dass die Anschlüsse für die Kraftstoffleitungen nicht passen. Also alles wieder retour. Der freundliche Motorfuzzi hatte dann aber den Toptipp. Die Straße runter sitzt ein Hydraulikbetrieb, der könne mir ganz schnell neue Leitungen pressen. Gesagt, getan, nur noch schnell die Leitungen als Muster ausgebaut und nach deren Vorlage neue Leitungen mit den passenden Anschlüssen anfertigen lassen. Am Folgetag alles wieder eingebaut, Testlauf verlief soweit erstmal zufriedenstellend. Puha. Da der Motor warm war, gleich noch Ölwechsel gemacht und das Standgas neu eingestellt … eigentlich wollte ich ja nur eine einzige Entlüftungsschraube austauschen. Ist das aber bei Yachtkram nicht immer so? Hätte ich nicht so ein Glück gehabt, dass in 100 m Umkreis gleich die beiden entscheidenden Betriebe ansässig waren, dann hätte das einen erheblichen Mehraufwand bedeutet.

Überhaupt scheint mir die Infrastruktur für Wartungsarbeiten in Wismar recht brauchbar zu sein. Yachtausrüster, Motorenservicebetriebe und Segelmacher gefühlt an jeder zweiten Ecke und der halbe Hafen wird von einer riesigen Werfthalle überragt – für die gröberen Arbeiten. Hier kann man es schon eine Weile aushalten und wir haben momentan noch keine Eile mit der Weiterfahrt.

 

Richtung Osten

Wir haben noch ein paar Tage auf Fehmarn verbracht, darunter auch in der Marina Burgtiefe mit einem legendären weißen Sandstrand direkt vor der Tür. Wir wollten noch den recht starken Wind am Wochenende abwarten, bevor es wieder ein Stückchen weiter gehen sollte. Felix war total begeistert, im feinen Sand zu krabbeln und einer Möwe nachzustellen. Sand überall, aber auch großer Spaß am neuen Terrain waren uns sicher. Die Menschenmassen im Hauptort Burg ließen uns aber schnell wieder flüchten und nur einen kurzen Abstecher in den Supermarkt wagen, wo wir ein paar frische Sachen besorgten. Das mit dem Abstand halten war am Pfingstwochenende fast nicht möglich und so haben wir unser Fischbrötchen in einem fast menschenleeren Hinterhof auf der Gehsteigkante sitzend verdrückt.

Gestern war dann für die Thor perfekter Segelwind angesagt. Zwar Windstärke 4-5 Bft., aber mit raumen bis Halbwindkurs sollte es Richtung Wismar gehen. Leider hat es unserem kleinsten Crewmitglied nicht ganz so gut gefallen. Die Wellen waren vielleicht doch ein bisschen zu sehr von der Seite und so hatten wir für ein bis zwei Stunden ein etwas seekrankes Baby an Bord. Zum Glück wurden Wind und Welle in der zweiten Hälfte der Fahrt, wie vorhergesagt, weniger und Felix konnte wieder lachen. Puh, was für eine Erleichterung. Mir kam schon kurz der Gedanke an die Anschaffung eines Campingbusses. Christian hatte in Orth nochmal unser Unterwasserschiff sauber gemacht und das machte sich positiv bemerkbar. Wir konnten wieder mit unserer normalen Reisegeschwindigkeit von gut 4 Knoten unterwegs sein. Kurz vor Wismar befindet sich die Insel Poel und dort haben wir dann noch den perfekten Ankerplatz ausgemacht. Wir hatten grad wenig Lust auf Großstadt und so haben wir auf 5 m Wassertiefe den Anker geworfen und heute auch noch einen sehr ruhigen Tag hier verbracht. Vor uns befindet sich ein Naturschutzgebiet, die Stadt Wismar ist in Sichtweite und man ist fast von allen Windrichtungen und Wellen gut geschützt. Am Ende des Tages machen wir es den Einheimischen nach und nehmen ein Bad in der 12 Grad kalten Ostsee inkl. einer Runde um die Thor Schwimmen -> ohne Neoprenanzug. Sehr erfrischend!

Morgen geht es dann in den Stadthafen von Wismar, dies wird wahrscheinlich der östlichste Punkt dieses Törns werden. Wir werden uns dann langsam über Travemünde und Fehmarn wieder zurück nach Westen hangeln, geplant ist noch die Schlei und ev. eine Woche in Dänemark, wenn dies die neuen Einreisebestimmungen ab 15. Juni zulassen. Mal abwarten, welche Regelungen für Segelboote erlassen werden. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Tagen auch wieder mal Zeit habe, die vielen Fotos auszusortieren und ein kleines Album anzulegen.

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Die Aussicht von unserem Ankerplatz vor der Insel Poel

Auf der Sonneninsel Fehmarn

Gestern haben wir uns tatsächlich um 5:30 Uhr in der Früh schon auf den Weg Richtung Osten gemacht. Der Wind sollte am Anfang noch schwach sein und ab dem frühen Nachmittag auf 4 bis 5 Bft. steigen. Da wollten wir dann schon den Großteil der Strecke geschafft haben.

Letztendlich sind wir die ganzen 32 Seemeilen nach Fehmarn unter Motor gefahren, da der Wind so ziemlich den ganzen Tag sehr schwach war. Erst am späteren Nachmittag fing es dann zu blasen an; rechtzeitig zum Anlegen in Orth auf der Insel Fehmarn. Über eines der schlechtesten Anlegemanöver in unserer Segellaufbahn will ich lieber nichts schreiben – es war jedenfalls großes Hafenkino. Aber sobald wir Felix aus seinem Autositz im Cockpit gehoben haben und unsere Stegnachbarn ihn gesehen haben, war das ganze Malheur vergessen und alle fanden unseren Kleinen „soooo süß“. Der Baby-Bonus ist ja nicht zu verachten, war uns gar nicht so klar.

Aber nach dem ersten Schreck und einem kleinen Spaziergang durch den kleinen Ort war das alles fast vergessen und es bleibt nur ein angeknackstes Selbstwertgefühl.

Die Fahrt selbst war – bis auf das Motoren – ganz gut. Nach dem frühen Start ist Felix noch einmal eingeschlafen und wir haben den Sonnenaufgang genossen. Dann mussten wir uns auch noch um so Dinge wie Schießzeiten der Marine beim Gefahrengebiet Todendorf kümmern und unserem Motor aufmerksam lauschen, ob er nach zwei Jahren Standpause auch wirklich in Ordnung ist. Aber bis jetzt läuft alles rund. Wir haben zwar etwas Wasser in der Bilge, das aber nicht salzig schmeckt und der Motor verliert irgendwo ein bisschen Diesel, aber das versetzt uns noch nicht in Unruhe. Vielleicht finden wir den Fehler ja in den nächsten Wochen.

Felix hat dann einige Zeit bei uns im Cockpit verbracht, dazwischen auch nochmal sein Vormittagsschläfchen gehalten und nach dem Mittagessen auch am Nachmittag ein bisschen geschlafen. Am liebsten hat er die Zeit mit mir spielend im Vorschiff verbracht. Die eine oder andere Welle, die ihn herumkugeln ließ, fand er recht lustig. Aber es ist schon so, wie alle sagen – die Zweier-Crew wird ganz schnell zur Einhandcrew, wenn man mit Kindern unterwegs ist. Bei wichtigen Manövern hilft man sich natürlich, aber ausruhen kann sich keiner so wirklich. Eine Nachtfahrt müssen wir jetzt noch nicht unbedingt machen, aber das hatten wir ja auch nicht vor.

Heute haben wir dann mit lieben Segelfreunden aus Kiel einen wunderschönen Spaziergang zum Leuchtturm Flügge gemacht. Es ist das erste Mal, dass wir mit der Thor östlich von Kiel unterwegs sind. Bisher sind wir immer direkt nach Dänemark in den Norden gesegelt. Aber es gibt hier auch sehr schöne Ecken und vielleicht war das jetzt auch ganz gut so, dass es uns in diese Richtung verschlägt.

Blühende Rapsfelder, Kornblumen am Wiesenrand, strahlend blauer Himmel und ein schöner Strand lassen Ferienstimmung in uns aufkommen. Das Wetter soll auch weiterhin so schön bleiben. Nur etwas wärmer könnte es für meinen Geschmack noch werden…

Das Wegkommen ist geglückt

Bei jeder Reise ist ja immer das Schwierigste, endlich seine sieben Sachen gepackt zu haben und los zu kommen. Und auch beim Segeln geht es uns nicht anders, egal ob man 5 Wochen oder 5 Jahre dafür Zeit hat.

Wir sind nun also echt froh, dass wir heute alles so halbwegs fertig hatten und unserem Heimathafen wieder mal den Rücken kehren können. Denn darin liegt auch die Crux – man wird nie alles perfekt fertig haben, aber das sollte einen nicht davon abhalten, trotzdem zu starten. Das Meiste kann man unterwegs noch erledigen.

Unser erster Hafen ist wie schon viele Male zuvor die neun Seemeilen (ca. 18 km) entfernte Marina Wendtorf am Ausgang der Kieler Förde. Das spart uns schon zwei bis drei Stunden Fahrt und man hat eine gute Startposition für längere Touren.

Felix hat das heute alles wunderbar mitgemacht. Wir sind total erleichtert und eine Spur entspannter. Die halbe Zeit saß er in seinem Autositz im Cockpit und den Rest der Fahrt verbrachte er spielend im Vorschiff. Bei Null Wind und Welle auch gar kein Problem. Wir hatten uns Ententeichbedingungen ausgesucht und auch bekommen.

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Der Bewuchs am Unterwasserschiff ist deutlich zu spüren; da wird noch mal jemand aus der Crew tauchen müssen. Wir haben mit Ach und Krach drei Knoten unter Motor geschafft. Da gibt es noch Optimierungspotential!

Morgen werden wir daher so früh wie möglich starten, um die 30 Seemeilen nach Fehmarn gut zu schaffen.

Das Bonmot des Tages von unserem Liegeplatznachbarn hier in Wendtorf in Hinblick auf die Thor: „Alles etwas rustikal, aber praktisch.“ Schön zusammengefasst, finden wir.

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